Annalen von Magdeburg
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MAGDEBURG

Das Jahr 983.
 

Kaiser Otto hielt zu Verona einen Reichstag und daselbst wurde der aus der Verbannung zurückgerufene Heinrich der Jüngere zum Herzoge der Baiern eingesetzt. In demselben Jahre empörten sich die Slaven gegen die Sachsen, doch haben die sächsischen Fürsten sie nachher mit vereinter Kraft, ohne den König, ohne einen Führer mit der Hülfe des Himmels ruhmreichst besiegt und dreißigtausend an einem Tage getödtet, während nur der kleinste Theil auf schimpflicher Flucht in
einige Verstecke der Sümpfe und Wälder entkam. Der Kaiser also hielt auf dem Reichstage zu Verona eine Zusammenkunft mit den Sachsen, Franken, Lotharingen, Baiern und Italikern ab, und eine ruhmreiche Begegnung mit anderen an Abstammung, Sprache und Benehmen sehr unähnlichen Völkern. Darnach kehrte er nach Rom zurück und setzte mit geziemender Ehre einen Papst über die heilige römische Kirche. Nachdem dieses alles mit großer Einsicht vollbracht war, wurde er von
heftigem Fieber ergriffen, und da er sich dem Ende nahe fühlte, sammelte er noch einmal seinen Geist, und nachdem er in vier Theile alles Geld, so viel er besitzen mochte, getheilt hatte, befahl er, einen zur Ehre des Fürsten der Apostel der Kirche und dem Altare des heiligen Petrus zu übergeben; den
zweiten ließ er als Beweis der schuldigen Liebe der Kaiserin-Mutter und seiner einzigen Schwester senden; den dritten beschloß er den Rittern auszuwerfen, welche ihr Leben und ihre Heimat der Liebe zu ihm und dem Gehorsam nachgesetzt hatten; den vierten vertheilte er mit väterlicher Freigebigkeit,
um Arme zu unterstützen. In Anwesenheit des Papstes, der Bischöfe, seiner Gemahlin der Kaiserin Theophanu und der übrigen Getreuen bekennt er dann mit dem nur von  katholischen Worten erfüllten Munde den katholischen Glauben, gesichert durch unerschüttertes Beharren in der wahren Hoffnung und Liebe, und nachdem er von ihnen [d. h. dem Papste und den Bischöfen] die gewünschte Vergebung und das hochheilige Abendmahl empfangen, gab er der Erde das Ihre, der Geist aber entwich zu den Gestirnen. Darnach in öffentlichem  Leichenzuge herausgeführt, wird er in dem Paradiese bei der Basilika der Gottesmutter Maria zu den Füßen des Herrn Erlösers, wo den heiligen Petrus, der auf seinen Befehl in unerhörter Weise auf dem Meere ging, aber wegen der Gefahr des
Sturmes ein wenig im Glauben und Gehen schwankte, die mild dargereichte Hand aufhob, so daß er nicht untersank, unter dem traurigen Geschrei der Seinen ehrenvoll bestattet, im 23. Jahre seines Königthums, im 17. aber des Kaiserthums; später ward sein Grab durch die Verehrung seiner Getreuen
eifrigst mit ausgezeichneten Marmorsäulen geschmückt. Als Nachfolger hinterließ er einen Knaben, der zwar noch im  Kindesalter stand, aber durch Frömmigkeit, Schönheit und jegliche Zierlichkeit der Sitten ausgezeichnet war, Otto III, "die  Gerechtigkeit der Welt", wie er genannt wurde.