Bernhard I.                                     Graf von Haldensleben
--------------                                     Markgraf der Nordmark (1009-1018)
    - nach 14.4.1018
 

Sohn des Grafen Dietrich von Haldensleben
 

Thiele Andreas: Tafel 218
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

BERNHARD I.
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    + 1018 (? um 1045)

Markgraf in der Nordmark ab 1009
Wurde an Stelle des abgesetzten Werner von Walbeck zum Markgrafen ernannt. 1011 amtierte er im Gau Morozani. Bemerkenswert ist, dass dieser Gau noch 975 Gero von Alsleben unterstanden hatte. Bernhard wurde 1014 beauftragt, Werner von Walbeck vor das königliche Gericht zu laden. Er wurde von Bischof Thietmar von Merseburg, der einzigen erzählenden Quelle zu Bernhard, als unfähig und streitsüchtig überliefert. Als er kriegerisch gegen den Erzbischof von Magdeburg vorging, mußte er seine Kampfeslust teuer mit seiner Ehre bezahlen. Der König zwang ihn nämlich, sich 1017 barfuß vom Bann lösen zu lassen, den der Erzbischof über ihn verhängt hatte, und  Besserung zu versprechen. Außerdem hatte er den Schaden von 500 Pfund Silber zu tragen. Er stritt auch mit den Bischöfen von Halberstadt und dem Haus WALBECK und stand gegen Polen.



CHRONIK VOM PETERSBERG nebst der GENEALOGIE DER WETTINER: Seite 231
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Die Mark jedoch <also die sächsische Nordmark> und alles übrige, womit Werner vom König belehnt worden war, wurde dem Grafen Bernhard <seit 1009 Markgraf der sächsischen Nordmark>, einem Onkel [avunculus] <richtig: Sohn> des Markgrafen Dietrich <Grafen von Haldensleben>, zugesprochen.

Annalista Saxo: Seite 44
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"Reichschronik"
 

 Das Jahr 1010.

 
[Der König feierte Weihnachten in Pöhlde und dort verlieh er Theoderich, dem Sohne des erschlagenen Dedo, die Grafschaft des Vaters und das ganze übrige Lehen, wie es Rechtens war, auf Anhalten der Königin und seiner Fürsten. Außerdem wurde auch die Mark und was sonst Werinhar von Seiten des Königs besessen hatte, an Bernhard, den Oheim desselben Theoderich übertragen.] Dieser war der Sohn des Herzogs und Markgrafen Theoderich, welcher diese Würde verloren hatte, indem ihm Lothar darin folgte, desselben Werinhar Vater, als die Slaven die Kirchen in Branneburch und Havelbergan zerstört hatten und aufs Neue ins Heidenthum  zurückgefallen waren. Graf Heinrich, der Sohn Heinrichs von Stathe, zerstörte das Schloß Herseveld, welches sein Vater erbaut hatte, und machte daraus ein Kloster und eine Congregation von Canonikern. Dieser ehrwürdige Graf war  unterrichtet und im Dienste Gottes sehr eifrig, so daß er sich dreimal als Leibeigenen der heiligen Gottesmutter Maria übergab und eben so oft sich mit Büchern und anderen Kirchengeräthen
freikaufte.

Annalen von Quedlinburg
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Das Jahr 1018.

 
Kaiser Heinrich beging das Weihnachtsfest in Franconofurt und das heilige Osterfest in Niumagun, und in diesem Jahre erlangte Bolizlav, nachdem durch Boten der Friede hergestellt war, des Kaisers Gnade wieder. In demselben Jahre erschien lange ein Komet, welcher den Gebieten Galliens den  Jammer großer Verwüstung durch Thiadrich, außerdem der elenden Welt Pestilenz und Sterben verkündigte. In diesem Unglücke starb Baldrich, der Bischof von Lüttich, welchem Fulmodo folgte. Heinrich, Bischof von Wirzburg, Thiatmar, Bischof von Meresburg, Arnold, Erzbischof von Ravenna, der ehrwürdige Magadaburger Presbyter Odda, der Halberstädter Propst Athilger und sehr viele andere Vornehme beiderlei Geschlechts wurden dem irdischen Licht entzogen. Des Markgrafen Bernhard Tochter Thiatburg, welche die Last des weltlichen von sich geworfen und fromm sich zum Klosterleben bekehrt hatte, wurde in die Luft des Himmels erhoben.

Reuter Timothy: Band III Seite 309
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"Unruhestiftung, Fehde, Rebellion, Widerstand"

In der langen Reihe von Konflikten zwischen Mitgliedern des sächsischen Hochadels und sächsischen Bischöfen am Ende des zweiten Jahrzehnts des 11. Jahrhundert stand HEINRICH II. fast durchgehend auf seiten der Bischöfe: für Arnulf von Halberstadt gegen Markgraf Gero nach dem Angriff auf den Bischof durch Geros Gefolgschaft; für Thietmar selbst, wenn auch nicht mit vollem Einsatz, im Streit gegen Ekkehard II. und Hermann von Meißen; für Meinwerk von Paderborn gegen Thietmar Billung; für Gero von Magdeburg gegen Markgraf Bernhard [Thietmar, Chronicon VII 44, Seite 450, VII 50, Seite 458, VIII 17, Seite 514; siehe D. Claude, Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert 1 (Mitteldeutsche Forschungen 67/1), Köln 1972, Seite 295f.; hier mußte Bernhard sogar nudis pedibus um Versöhnung bitten, wie ein unterlegener Rebell gegen den Herrscher (siehe unten, Seite 320,322.]; für Dietrich von Münster gegen Hermann von Werl.

Claude, Dietrich: Band 1 Seite 295
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"Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis ins 12. Jahrhundert"

In den Beziehungen Geros zu seinen weltlichen Nachbarn zeigen sich Spannungen, die es unter seinen Vorgängern nicht gab. Markgraf Bernhard von der Nordmark unternahm 1016 einen Überfall auf Magdeburg. Dabei wurde ein Ritter des Erzbischofs gefangengenommen, ein weiterer verwundet [Thietmar VII, c 44, p. 450]. Thietmar sagt nichts über die Vorgeschichte des Streites. Die Nachricht gehört zu den Nachträgen, die der Merseburger Bischof seiner Chronik hinzufügte. Deshalb mag er es übersehen haben, daß er nichts über die Ursachen der Üerfalls berichtet hatte [Cf. Lüpke, Markgrafen, p. 17].
Gero verhängte den Bann über den Markgrafen - ob als Folge des Überfalls auf Magdeburg oder schon vorher - ist unbekannt. Auf Befehl HEINRICHS II. nahm er später den Markgrafen wieder in den Schoß der Kirche auf, nachdem Bernhard barfüßig Buße getan hatte. Diese Anordnung HEINRICHS II. besagt nicht, daß er Bernhard Recht gegeben hätte. Der Kaiser mußte hier jedoch seine volle Autorität einsetzen, um den für die Verteidigung der Ostgrenze abträglichen Streit ein Ende zu bereiten. Die Schlichtung erfolgte wenig später auf einem Fürstentag zu Allstedt, wo Bernhard dem Erzbischof die Zahlung von 500 Pfund Silber als Schadensersatz zusagte [Ibid., p. 460. Auch diese Nachricht Thietmars ist ein späterer Zusatz des Chronisten, der den gesamten Bericht über diesen Streit an verschiedenen Stellen seines Werkes nachträglich einfügte, vermutlich, nachdem er die Nachricht von der endgültigen Versöhnung beider gebracht hatte (VIII, c. 17, p. 14).]. Die ungewöhnliche Höhe der Summe, von den wir nicht wissen, ob sie tatsächlich gezahlt wurde, macht deutlich, daß eine längere Fehde stattgefunden haben muß, bei der die erzbischöflichen Besitzungen größeren Schaden erlitten.
Die Reibereien waren mit diesem Übereinkommen noch nicht beendet. Als HEINRICH II. in Magdeburg weilte, kam es am 19. Februar 1017 zu einem Streit zwischen den Leuten des Erzbischofs und des Markgrafen, der aber schnell gedämpft wurde.
Die endgültige Versöhnung zwischen Gero und Bernhard fand erst am 14. April 1018 in Wanzleben statt.
 
 
 
 

  1. oo N.N. Gräfin von Orlamünde
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  2. oo N.N.  von Kiew, illegitime Tochter des Großfürsten Wladimir I.
                  -
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Wilhelm
         -10.9.1056

  Konrad Graf von Haldensleben
         - vor 10.9.1056

  Oda
         -

  Mathilde
        - nach 995

  Thietburga
          -

2. Ehe

  Otto
         -26.6.1057 gefallen
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Quedlinburg ad a. 1018 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 44 - Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 92 - Boshof Egon: Die Salier, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln 1987 Seite 89 - CHRONIK VOM PETERSBERG nebst der GENEALOGIE DER WETTINER, fliegenkopf verlag Halle 1996 Seite 231 - Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis ins 12. Jahrhundert, Mitteldeutsche Forschungen 67, Böhlau Verlag Köln 1972 Band 1 Seite 295 - Die Salier und das Reich. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band III Seite 309 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 23,88 A. 344 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 391, 431,441 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 42,48,54-56; Anm.165,283,321,335,353,368,382,512 - Lüpke, Siegfried: Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075), Dissertation Halle 1937 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 104,113A,124,126,129 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 218 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 298,358,360,400,408,410,414,458 - Weinfurter Stefan: Heinrich II. Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999, Seite 218 -