FREIE PRESSE vom 11.05.2001

Ritter Wiprecht von Groitzsch ging in die sächsische Geschichte ein

Zweifellos gehört der um 1050 geborene Wiprecht von Groitzsch zu den glänzenden Ritterfiguren des deutschen Mittelalters. Als Kolonisator erwarb er Anerkennung und ging in die sächsische Geschichte ein. Wir erfahren aus seinem Leben durch eine Niederschrift, die nach seinem Tode in dem von ihm gegründeten Kloster Pegau angefertigt wurde. Freilich, hier paaren sich Dichtung und Wahrheit. Es ist unverkennbar: Man wollte dem Klostergründer damit einen Lorbeerkranz flechten.
Wiprechts unmittelbare Vorfahren besaßen Ländereien in der Altmark. Es heißt sogar, er entstamme einem alten Königsgeschlecht. Frühzeitig verlor der Heranwachsende seinen Vater. Der Oheim Udo von Brandenburg zu Stade, Markgraf von Zeitz, übernahm seine weitere Erziehung. Mit ihm tauschte er sein altmarkgräfliches Erbgut gegen Besitzungen im Osterland, zu denen auch die Burg Groitzsch gehörte. Als er aus der Gegend von Tangermünde dahin übersiedelte, nannte sich Wiprecht nach der Burg Graf von Groitzsch. In der neuen Heimat gedachte er, sich eine territoriale Stellung zu sichern. Das brachte ihm einenschweren Stand gegen den ansässigen Grundadel der Herren von Teuchern, Kitzen, Profen und Elstertrebnitz ein. Ungeachtet dessen begann Wiprecht eine umfangreiche Kolonisation.
Tatenfreudig, jedoch auch von seinen Feinden gedrängt, zog er mit einer Schar von Kriegern nach Böhmen. Hier knüpfte er ein enges Verhältnis zum Böhmen-Herzog Wratisaw und dessen Sohn Boriwoi. Bei Kaiser HEINRICH IV. vermittelte Wiprecht die Erhebung Wratislaws zum König von Böhmen. Damit war er der erste böhmische König.
Wiprechts Übertritt auf dei Seite von Kaiser HEINRICH IV. förderte sein Emporkommen. Er beteiligte sich an der Fahrt des Kaisers nach Italien. Der Legende nach habe er ihn in einem gefährlichen Augenblick geschützt und geholfen. Bei der Einnahme der Leostadt soll Wiprecht mit 24 Mannen zuerst die Mauer erstiegen und dadurch dem nachfolgenden Heer den Weg gebahnt haben. In Verona erprobte der Kaiser Wiprechts Mut, indem er ihn gegen einen Löwen vorgehen ließ. Wiprecht griff das Tier ohne Waffen an, dass es sich in Scheu abwandte. Nach diesem Ergebnis kehrte sich Wiprecht vom Kaiser ab und ging nach Groitzsch zurück.
Der Kaiser wollte ihn, so weiß die Legende weiter, reichlich belohnen, darunter ein Schild mit Gold und Silber ausgelegt. Wiprecht nahm nur Gaben an, die kaum einen Wert besaßen, darunter ein Bogen mit Köcher.
Durch seine 1084 geschlossene Ehe mit Judith, der Tochter des böhmischen Königs Wratislaw, faßte er wieder festen Fuß im Osterland und sicherte seine Vormachtstellung. Als Heiratsgut fügte Wratislaw noch zwei Landschaften hinzu: die böhmischen Lehen Budissin (Bautzen) und Nisan in der Oberlausitz. Ferner erhielt er als kaiserliche und bischöfliche Schenkungen Burgen wie Colditz und Leisnig. In zahlreichen Fehden mit seinen Nachbarn blieb Wiprecht der Sieger. Seiner Gattin ließ er zum sicheren Schutz die feste Burg Schwerza bauen. Groitzsch selbst erweiterte er mit zwei Türmen und einer stattlichen Kapelle. Diese einst stolze Burg wurde um 1306 vernichtet. Bei Grabungen im Jahre 1849 wurde eine Rundkapelle freigelegt. Es dürfte die von Wiprecht gebaute sein.
Nach der Heimkehr von einer Wallfahrt, die er nach Rom und Spanien unternommen hatte, stiftete er 1092 und 1096 das Benediktinerkloster bei Pegau. Umfangreich ließ er in der Oberpfalz Siedler anwerben, die ihm das Waldland rodeten. In den Geschichtsbüchern wird es als Beginn eines großen Siedlungswerkes gewertet.
Wiprecht wirkte auch in der Reichspolitik. So begleitete er 1105 den alten Kaiser HEINRICH IV. von Böhmen an den Rhein, trat aber noch vor Jahresende zum aufrührerischen Sohn über und nahm mit seinen Mannen am Feldzug gegen Polen teil. Als er einen Frontwechsel zum Grafen Lothar von Supplinburg vornahm, erregte dies den Zorn des Kaisers. Wiprecht flüchtete nach Halle, dort verletzte er sich bei einer Feuersbrunst und konnte ausgeliefert werden. Das einberufene Fürstenegricht zu Würzburg verurteilte ihn zum Tode. Diese Strafe wurde durch Begnadigung umgewandelt in eine Haft von zwei Jahren, die er im kaiserlichen Staatsgefängnis auf der pfälzischen Burg Trifels verbrachte.
Im Jahre 1121 söhnte sich Wiprecht mit dem Kaiser aus, erhielt seine Güter zurück und darüber hinaus die Ostmark mit der Lausitz und die Markgrafschaft Meißen. Der alt gewordene Wiprecht zog sich in das Kloster Pegau zurück. Kurz vor seinem Tode ernannte ihn der Kaiser zum Markgrafen in der Nieder-Lausitz und in Meißen. Wiprecht starb als Mönch am 22. Mai 1124. Sein Grabmal befindet sich in der Laurentiuskirche zu Pegau.