Fenske Lutz: Seite 53,65 A. 200,255-264
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Hatte Graf Ludwig den Aufstieg seines Geschlechts durch die Gegnerschaft zu HEINRICH IV. eingeleitet, so begegnet in Wiprecht von Groitzsch ein Vertreter des ostsächsischen Adels, der die ihn auszeichnende Rangstellung weitgehend durch die Parteinahme für HEINRICH IV. erkämpfte. Er stammte aus einer der dem sächsischen Stammesgebiet vorgelagerten Marken und stieg im letzten Drittel des 11. und in den beiden ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts aus kleinen Anfängen zu hoher Bedeutung in der Reichspolitik und schließlich zu reichsfürstlichem Ansehen auf. Seine unmittelbaren Vorfahren verlieren sich bereits in sagenhafter Überlieferung. Schon während der Herrschaft HEINRICHS IV. spielte er eine beachtliche Rolle. Unter dessen Sohn, HEINRICH V., zählte er, der sich die ihn auszeichnende Besitz- und Machtstellung in einem langen, kriegerischen Leben erkämpft hatte, zu den herausragenden Fürsten in Ostsachsen.
Wiprecht war zwar von edelfreier Herkunft, gehörte aber nicht in die Schicht der politisch führenden sächsischen Adelsfamilien, ja es ist nicht einmal klar, ob er überhaupt sächsischer Abstammung war, da eine ganze Reihe von Anzeichen auf eine slawische Herkunft Wiprechts deuten und sogar eine wikingische Abstammung nicht außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten liegt. Wiprecht stammte aus dem Gau Belecsem, der in späteren sprachlichen Formen auch als Balsamgau oder als Balsamerland erscheint, kam also aus einer Gegend im deutsch-slawischen Grenzbereich, die, wie besonders die Chronik Thietmars von Merseburg überliefert, im ausgehenden 10. und im beginnenden 11. Jahrhundert heftig umkämpft war.
Die Vorfahren Wiprechts werden durch den Pegauer Annalisten auf sagenhafte Anfänge zurückgeführt. Ohne Zweifel enthält diese Quelle über die Ursprünge des Geschlechts des Stifters von Kloster Pegau viel Legendäre, das dem Leser bildhaft ausgeschmückt vor Augen geführt wird, wie sich überhaupt in der Lebensbeschreibung Wiprechts von Groitzsch, so wie sie der Annalist von Pegau bietet, Bestandteile der "Heldensage und Spielmannspoesie mit der historisch glaubwürdigen Überlieferung zu mischen scheinen. Lange Zeit ist die Forschung deswegen dieser Quelle mit großem Mißtrauen begegnet. Lange Zeit ist die Forschung deswegen dieser Quelle mit großem Mißtrauen begegnet. Jedoch konnte Patze zeigen, dass ein abwertendes Urteil den Pegauer Annalen nicht gerecht wird, weil auch der sagenhafte Hintergrund, auf dem der Autor die Frühgeschichte des Geschlechts darstellt, historisch auswertbar ist, ohne dass man ihn von vornherein verwerfen muß.
Nach Aussagen der Pegauer Annalen hatte der Großvater Wiprechts in der östlichen Altmark mit Waffengewalt ein Gebiet seiner Herrschaft unterworfen, das er seinem Sohn Wiprecht dem Älteren vererbte. Der ältere Wiprecht knüpfte Verbindungen zum sächsischen Adel und heiratete die Tochter eines sonst nicht bekannten Grafen Goswin von Leinungen mit Namen Sigena. Wiprecht von Groitzsch war eines von drei Kindern, die aus dieser Ehe hervorgingen. Nach dem Tode des ersten Gatten heiratete Sigena in zweiter Ehe den Grafen Friedrich von Burglengefeld. Ihren Sohn Wiprecht übergab sie dem Markgrafen der sächsischen Nordmark, Udo II. von Stade, zur Erziehung und Ausbildung, einem Mann also, der in dem Raum, in welchem auch die Allodien lagen, die Wiprecht als väterliches Erbgut besaß, über die bedeutendste Herrschaftsstellung verfügte. Als Wiprecht erwachsen war, belehnte ihn Udo II. mit der Burg Tangermünde. Jedoch scheint sich der junge Wiprecht, der sich nun vor allem kriegerisch hervorzutun begann, als Inhaber dieses Lehnsbesitzes nicht lange in Übereinstimmung mit dem Markgrafen befunden zu haben. Auf den Rat anderer hin entfernte Udo Wiprecht aus seiner Stellung in der Nordmark, indem er ihm tauschweise für seinen bisherigen Besitz im Balsamerland den Burgward Groitzsch, zwischen Pleiße und Weißer Elster, übertrug. In seiner neuen Umgebung geriet Wiprecht sehr bald mit Kreisen des dort ansässigen Adels in Konflikt. Dem Bericht des Pegauer Annalisten kann entnommen werden, dass das Gebiet östlich der mittleren Saale in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts schon in recht ausgedehnter Weise im Einflußbereich kleiner adliger Herrschaften gestanden zu haben scheint, deren Inhaber ihren Besitzstand wohl nicht durch einen Neuankömmling gefährden lassen wollten und sich daher zur gemeinsamen Abwehr zusammenschlossen. Gegenüber dem Widerstand einer Vereinigung kleinerer adliger Herren war es Wiprecht zunächst nicht möglich, sich hier zu behaupten. Daher sah er sich zum Verlassen dieser Gegend genötigt und zog an den Hof des böhmischen Herzogs Wratislaw.
Der Abzug Wiprechts von seinen Besitzungen ist wohl in die Jahre zwischen 1075 und 1080 anzusetzen und fällt somit in die Zeit, in der verschiedene Reichsfürsten heftige Kämpfe um den Besitz der Marken Nieder-Lausitz und Meißen austrugen. 1075 und 1076 hatte HEINRICH IV. diese beiden Reichslehen dem böhmischen Herzog Wratislaw übertragen, die er damit gleichzeitig dem Besitz der großen ostsächsischen Geschlechter der BRUNONEN und WETTINER entzog. Besonders um die Mark Meißen wurde von 1076 an zwischen Wratislaw und Markgraf Ekbert II. gekämpft. Wie Patze einleuchtend dargelegt hat, nutzte Wiprecht, dem es darum ging, seine um Groitzsch geräumte Stellung zurückzugewinnen, diesen Gegensatz geschickt aus, um derjenigen Seite seine Dienste anzubieten, von der er sich persönlich den größten Gewinn erhoffen konnte. Für einen Emporkömmling, als welcher Wiprecht, gemessen an der traditionellen Besitzstellung und am Einfluß der großen Geschlechter, zu gelten hat, war dies aber her auf der Seite des Böhmen-Herzogs möglich als auf der Ekberts, der, mit den meisten anderen Vertretern des hohen Adels in Ostsachsen verbündet, damals König HEINRICH IV. bekämpfte. Der Übertritt Wiprechts in die Dienste Wratislaws von Böhmen, der einer der wichtigsten und zuverlässigsten Bündnispartner HEINRICHS IV. war, führte dazu, dass Wiprecht auch sehr bald aktiv in jene größere Auseinandersetzung hineingezogen wurde, von welcher der Kampf um die Mark Meißen nur ein Teil war. 1080 kämpfte Wiprecht in der Schlacht von Flarchheim auf der Seite König HEINRICHS, zu dem er, wie Bruno berichtet, kurz zuvor zusammen mit anderen sächsischen Adligen übergewechselt war.
Wiprecht tat sich in diesen Kämpfen nicht nur als Kriegsmann hervor, sondern hat am Hofe des Böhmen-Herzogs auch eine wichtige Beraterfunktion ausgeübt, die von Cosmas von Prag bezeugt wird. Sie scheint sich sogar auf die Pläne Wratislaws zur Erlangung der Königskrone ausgewirkt zu haben. Zusammen mit dem böhmischen Aufgebot unter der Führung von Boriwoi, dem Sohn Wratislaws, und einem von ihm selbst aufgestellten Kontingent stieß Wiprecht im Frühjahr 1081 bei Ulm zu dem Reichsheer, mit welchem HEINRICH IV. nach Italien aufbrach. Der Pegauer Annalist widmet den Taten seines Helden bei den Kämpfen in N-Italien und bei der Eroberung Roms breiten Raum. Diese Erzählung trägt legendäre Züge. Man darf ihr aber entnehmen, dass sich Wiprecht militärisch auszeichnete. Der Kaiser belohnte seine Verdienste, indem er ihm einige größere Reichslehen übertrug, darunter die Burgwarde Leisnig und Colditz. Jedoch läßt sich nicht genau ausmachen, wann Wiprecht diese Belehnung erhielt.
Zu den wichtigsten Ereignissen, die zum Aufstieg Wiprechts in den Kreis der Reichsfürsten beitrugen, gehörte auch seine Heirat mit Judith, der böhmischen Herzogstochter, die nach seiner Rückkehr aus Italien stattgefunden zu haben scheint. Durch diese ehrgeizige Heirat gelang ihm nicht nur der verwandtschaftliche Anschluß an einen der bedeutendsten und mächtigsten Reichsfürsten kaisertreuer Parteistellung, der 1085 oder 1086 sogar zum König erhoben wurde, sondern die Tochter Wratislaws brachte als Mitgift auch den Nisangau und das Land Bautzen mit in die Ehe. In der 2. Hälfte der 80-er Jahre dürfte Wiprecht somit einen recht ansehnlichen Besitz in seiner Hand vereinigt haben, den es zu sichern und zu vergrößern galt.
Wiprecht hat in diesen Jahren, wofür die Pegauer Annalen anschauliche Beispiele liefern, zahlreiche Fehden im Gebiet zwischen Elbe und Saale geführt. Sowohl als räuberischer Aggressor wie auch im Kampf zur Verteidigung der eigenen Rechte ist er dabei aufgetreten. Durch die enge Verbindung mit dem böhmischen Herzog erstarkt, eroberte er nach seiner Rückkehr aus Italien seine alten Besitzungen zurück und entledigte sich seiner früheren Gegner auf dem Wege der Gewalt. So schuf er sich, wahrscheinlich auch begünstigt durch den Ausgleich zwischen HEINRICH IV. und seinen sächsischen Gegnern vom Jahr 1088, einen Herrschaftskomplex von beträchtlichen Ausmaßen mit verschiedenen Schwerpunkten, den er auch mit den Mitteln des Landesausbaus abzurunden und zu intensivieren suchte. Ein großes Lehen der Naumburger Kirche, das er von Bischof Walram erhielt, vermehrte seinen Besitz beträchtlich.
Nach 1090 lassen die Quellen auch Beziehungen Wiprechts zu den früheren Kaisergegnern unter den geistlichen Fürsten O-Sachsens erkennen, die 1088 mit HEINRICH IV. Frieden geschlossen hatten, sich aber teilweise trotzdem reserviert gegenüber dem Kaiserhof verhielten. Erstmals 1090 wird Wiprecht als Intervenient in einer Urkunde HEINRICH IV. sichtbar. Auch als der Kaiser 1097 aus Italien zurückkehrte, fand sich Wiprecht bald darauf in Regensburg am kaiserlichen Hof ein. Damals erhielt ein miles Wiprechts eine Schenkung des Kaisers, bei deren Übertragung die treuen Dienste Wiprechts hervorgehoben werden. Im Jahre 1104 ist er zusammen mit seinem Sohn nochmals in kaiserlicher Umgebung anzutreffen. Wiprecht von Groitzsch war es, obgleich er dazu nach Herkunft wie auch nach ererbter Besitzstellung keineswegs prädestiniert erschien, gelungen, eine Herrschaftsbildung von solcher Ausdehnung zu vollziehen, dass sie ihm einen Aufstieg in den Kreis der Reichsfürsten ermöglichte. Eine solche Rangstellung dürfte ihm in den ersten Jahren des 12. Jahrhunderts bereits zugekommen sein. Sie findet ihren Ausdruck schon in dem bekannten Brief HEINRICHS IV. an König Philipp von Frankreich, in dem der aller Macht entkleidete und vom eigenen Sohn hintergangene Kaiser dem französischen König seine verzweifelte Lage schilderte und dabei auch die ihm von dem princeps Wiprecht übermittelte Botschaft seines Sohnes erwähnte, den der junge König mit dem Auftrag, seinen Vater zur Herausgabe der Reichsinsignien zu bewegen, zu ihm geschickt hatte. Wiprecht war also in die Schicht des Adels aufgerückt, die den Kreis der principes regni bildete. Noch im Oktober 1105 hatte er den Kaiser, der von Regensburg aus nach Böhmen geflohen war, an den Mittelrhein geleitet. Dann aber war er auf die Gegenseite übergewechselt, für ihn wohl auch ein Akt politischer Notwendigkeit. Angesichts der Kräfteverschiebung nach dem Abfall HEINRICHS V. war die Lage des Kaisers in Sachsen unhaltbar geworden. Seinen Aufstieg aus der Stellung eines wenig begüterten, aber wagemutigen jungen Adligen in die Gruppe der herausgehobenen Fürsten Sachsens hätte er jetzt bei einer Parteinahme für HEINRICH IV. sehr viel eher aufs Spiel gesetzt, als wenn er sich für HEINRICH V. erklärte. Zur Zeit HEINRICHS V. findet der Rang Wiprechts als Reichsfürst einen noch stärkeren Niederschlag in den Quellen. Bereits 1106 war er Mitglied der deutschen Gesandtschaft, die im Auftrag einer zu Jahresbeginn in Mainz tagenden Reichsfürstenversammlung zu Verhandlungen mit Papst Paschalis II. nach Rom reisen sollte. In den Anfangsjahren der Herrschaft HEINRICHS V. gehörte Wiprecht zum Kreis der dem jungen König eng verbundenen Fürsten, die auch über längere Zeit am königlichen Hof anwesend waren. Im Mai 1107 trifft man Wiprecht am Königshof in Mainz, gegen Ende des Monats hielt er sich in der Umgebung des Königs in Metz auf. Während dieser Zeit nahm er an der Gesandtschaft teil, die im Auftrage HEINRICHS V. in Chalons sur Marne mit Papst Paschalis II. über die Investiturfrage verhandelte und zu der so bedeutende Laienfürsten wie die Herzöge Welf von Bayern und Berthold von Zähringen sowie Graf Hermann I. von Winzenburg gehörten. Im September des gleichen Jahres befand sich Wiprecht am Hof des Königs in Korvey. Anschließend beteiligte er sich am Feldzug HEINRICHS V. gegen Robert von Flandern. Im Dezember war er mit dem König in Lüttich. Auch 1108 begleitete Wiprecht HEINRICH V. über längere Zeit. Im Mai findet man ihn in Merseburg und im Juli in Goslar. Anschließend nahm er am Feldzug HEINRICHS V. gegen den ungarischen König Coloman teil. Zu Weihnachten 1108 begegnet man Wiprecht mit seinen beiden Söhnen Wiprecht und Heinrich am Hofe des Königs in Mainz. 1109 leistete er HEINRICH V. Heerfolge gegen den polnischen Herzog Boleslaw. Wiprecht hat sich also während der Jahre 1107 und 1108 über längere Zeit am Königshof aufgehalten und im Reichsdienst beträchtliche Anstrengungen unternommen.
Die anfänglich ausgezeichneten persönlichen Beziehungen Wiprechts von Groitzsch zum königlichen Hof, die die Annahme berechtigt erscheinen lassen, dass diesem zeitweilig eine Beraterrolle in der engeren Umgebung des Königs zugekommen sein dürfte, folgte eine rasche Entfremdung. Sie ist wesentlich von den Vorgängen in Böhmen beeinflußt worden. Nach dem Tode König Wratislaws, 1092, brachen in Böhmen lang andauernde Thronwirren aus, bei denen sich die verschiedenen Linien der PREMYSLIDEN um das böhmische Herzogtum stritten. In diesen inneren Kämpfen, in die auch HEINRICH V. eingriff, unterstützte Wiprecht die engere Familie seines Schwiegervaters und hier in besonderem Maße seinen Schwager Boriwoi, der schon auf dem ersten Romzug sein Waffengefährte gewesen war. Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen begünstigte HEINRICH V. verschiedene der untereinander verfeindeten Prätendenten des PREMYSLIDEN-Hauses. Differenzen zwischen Wiprecht und HEINRICH V. waren die Folge der königlichen Politik. Zu Beginn des Jahres 1110 ließ HEINRICH V. den Sohn Wiprechts, den jüngeren Wiprecht, gemeinsam mit Borowoi festnehmen und auf der Burg Hammerstein inhaftieren. Nur durch beträchtliche Besitzübertragungen gelang es seinem Vater, der damals dem König die Burgen Morungen und Leisnig sowie die Gaue Nisan und Bautzen überlassen mußte, den Sohn aus der Gefangenschaft zu befreien.
Von nun an war das Verhältnis zu HEINRICH V. erheblich belastet: Seit 1112 lassen die Quellen eine gegen den Kaiser gerichtete Tätigkeit erkennen. Das kaiserliche Rechtfertigungsschreiben über die Verhaftung Erzbischof Adalberts bringt im Spätjahr 1112 bereits das Mißtrauen gegen Wiprecht von Groitzsch zum Ausdruck, der verdächtigt wird, gemeinsam mit dem Grafen Ludwig vom Mainzer Erzbischof gegen den Kaiser aufgewiegelt worden zu sein. Bald darauf geriet Wiprecht in kaiserliche Gefangenschaft, als Hoyer von Mansfeld, dem Heerführer HEINRICHS V. in Sachsen, ein überraschender Schlag gegen die sich im Frühjahr 1113 formierende ostsächsische Verschwörergruppe glückte. Auf einer Fürstenversammlung in Würzburg verurteilte man Wiprecht zum Tode, jedoch konnten seine Söhne durch Herausgabe ihres gesamten Besitzes den Vollzug der Todesstrafe von ihrem Vater abwenden. Auf dem Trifels blieb Wiprecht über mehrere Jahre in Haft, während sich seine Söhne den Empörerkreisen in Sachsen zuwandten. Erst 1116 wurde Wiprecht gemeinsam mit Graf Ludwig und dem Burggrafen Burchard von Meißen im Austausch gegen den in die Hände der Aufständischen geratenen Reichsministerialen Heinrich Haupt aus der Haft entlassen. Soweit die Quellen ein Urteil erlauben, ist Wiprecht an den noch folgenden Kämpfen mit dem Kaiser nicht mehr beteiligt gewesen. Auch seinen früheren Besitz erhielt er nach und nach zurück. 1118 belehnte ihn sein Neffe, Erzbischof Adalgoz, mit dem Burggrafenamt von Magdeburg, das gleichzeitig mit der Hochstiftsvogtei verbunden war.
Gegen Ende seines Lebens bot Wiprecht noch einmal Anlaß zu erneuten kriegerischen Auseinandersetzungen in O-Sachsen. 1123 war der junge Heinrich II. von Eilenburg, Inhaber der Mark Meißen und der mit ihr vereinigten Nieder-Lausitz gestorben. Mit ihm erlosch der Zweig des Hauses WETTIN, welcher auf den 1075 gestorbenen Markgrafen Dedi zurückging. HEINRICH V. überging damals den erbberechtigten WETTINER und belehnte den alten Wiprecht von Groitzsch mit diesem Reichslehen. Gegen diese kaiserliche Entscheidung wandte sich eine ostsächsische Adelsgruppe unter Führung Herzog Lothars. Es kam daraufhin zu neuen Kämpfen, in deren Verlauf Wiprecht unterlag. LOTHAR setzte damals Konrad von Wettin als Markgrafen in die Mark Meißen und Albrecht von Ballenstedt als Markgrafen der Nieder-Lausitz ein. Wiprecht, der mit Adalbert von Mainz verbündet war, konnte seine Ansprüche nicht durchsetzen.
Die damalige Parteinahme Adalberts von Mainz gegen LOTHAR VON SÜPPLINGENBURG läßt deutlich werden, dass die alte Interessengemeinschaft, die den Herzog und den Erzbischof in den Jahren davor zu gemeinsamen Kampf gegen HEINRICH V. zusammengeführt hatte, nicht mehr bestand. Auch Wiprecht von Groitzsch und seine Söhne waren zeitweilig Mitglieder der früheren Koalition gewesen. Gemeinsame Interessen  hatten die Fürstenbündnisse gegen den letzten SALIER begründet. Jedoch war deren Bestand kurzfristig, so dass diese sich auflösten, als die Bedrohung durch den kaiserlichen Gegner keine Gefahr mehr bedeutete. Zugleich wird darin auch die schwache Position HEINRICHS V. in den letzten Jahren seiner Regierungszeit erkennbar. Es gelang ihm nicht mehr, einen Man seiner Wahl, den er mit einem umfangreichen Reichslehen ausstattete, gegen den Widerstand der ostsächsischen Fürsten auch tatsächlich in die ihm zugedachte Stellung einrücken lassen. Wiprecht hat seine Ansprüche auf die Marken Meißen und Nieder-Lausitz nicht mehr lange vertreten können. Er starb am 22. Mai 1124 im Kloster Pegau.
Aus dem Leben Wiprechts von Groitzsch sind dank der Erzählfreude des Pegauer Annalisten zahlreiche Episoden und Einzelzüge überliefert, die hier einen Vertreter des ostsächsischen Adels während des Investiturstreits in einem sehr farbigen und eindrucksvollen Gesamtbild sichtbar werden lassen, das im Vorangehenden nur andeutungsweise skizziert wurde. An der Gestalt Wiprechts, der ein Lebensalter von ungefähr 60 bis 70 Jahre erreicht haben dürfte, wird ein Aufstieg deutlich, der auch für seine Zeit schon als außergewöhnlich gelten darf, wenn man sich die Anfänge des jungen Wiprecht vergegenwärtigt. Sein Leben war angefüllt mit kämpferischen Auseinandersetzungen, bei denen es für ihn oft genug darum ging, sich in der errungenen Stellung zu behaupten.Wiprecht hat seine Position, die ihn vom Stand eines gering begüterten Mannes edelfreier Herkunft zu einem der mächtigsten Dynasten in O-Sachsen heraufführte und einen Platz in der herausgehobenen Schicht der Reichsfürsten einnehmen ließ, selber erkämpft und trotz schwerer Krisen behauptet. Nicht ein Herrscher hatte in diesem Falle einen Günstling in eine hohe Stellung aufrücken lassen, sondern der Aufstieg beruhte zu einem guten Teil auf dem Wagnis, das immer an den Einsatz der eigenen Person geknüpft ist, auf Kriegstüchtigkeit und der Geschicklichkeit, günstige politische Konstellationen zum eigenen Vorteil auszunutzen. Jedoch hat das kämpferische Leben Wiprechts noch eine zweite Seite. Wiprecht wußte seinem Rang auch auf andere Weise Ausdruck zu verleihen. Der Repräsentation seiner adligen Stellung diente auch die Gründung der Abtei Pegau als dynastisches Hauskloster.