Thietmar II.                                               Markgraf der Nieder-Lausitz (1015-1030)
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um 990/95-10.1.1030
 

Begraben: Kloster Helmarshausen
 

Einziger Sohn des Markgrafen Gero II. von der Nieder-Lausitz und der Adelheid
 

Althoff Gerd: Seite 387
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                               G 2

Lü:  10.1.  Thiadmarus mar   + 1030 Markgraf der Lausitz

   Markgraf Thietmar gehört zur Sippe des Markgrafen Gero und zu den Verwandten der
   BILLUNGER. Sein Großvater Thietmar (G 98) war der erste Gemahl der Swanhild (G 168), der
   Tochter Hermann Billungs.
   Zahlreiche seiner Angehörigen fanden Aufnahme ins Lüneburger Necrolog, was die engen
   Beziehungen zu den BILLUNGERN verdeutlicht: vgl. außer den beiden Söhnen Markgraf Geros,
   Siegfried und Gero, (dazu Kommentar G 69), zwei Grafen namens Christian (G 65 und G 153);
   Gero, Erzbischof von Köln + 976 (B 70); Markgraf Thietmar + 979 (G 98); Hathwig, die
   Gemahlin Siegfrieds (A 72); sowie Hodo + 3.8.1015 (G 99); Gero (+ 6.8.1015) und schließlich
   Esic (+ 965, G 49); außerdem G 3, G 80 und G 25.
   Zu Thietmar und seiner Familie vgl. Schölkopf, Die sächsischen Grafen, S. 41-55,bes. S. 49; Lüpke,
   Markgrafen, S. 21; Schmid, Neue Quellen, S. 211 ff.; Schulze, Das Stift Gernrode, S. 2 ff.



Schwennicke Detlev: Tafel 149
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

THIETMAR II.
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    + 10.I.1030

Begraben: Kloster Helmarshausen

1010 GRAF im SCHWABEN und NORDTHÜRINGGAU
1015 MARKGRAF der OSTMARK



Thiele Andreas: Tafel 217
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

THIETMAR II.
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    + 1030

Folgt 1015; verliert Teile der Lausitz an Polen; steht 1015 gegen Graf Siegfried und behauptet sich immer; kaiserliche Stütze; fördert erste deutsche Siedlungen.



Thietmar folgte seinem gefallenen Vater in der Verwaltung der Marken, wobei die Lausitz 1017 wieder an Polen verloren ging. Er stand 1015 gegen den Grafen Siegfried und behauptete sich gegen ihn. Er nahm vermutlich an hervorragender Stelle an den wechselvollen Kämpfen zur Rückgewinnung der Lausitz teil, erlebte aber ihre Rückgewinnung im Jahre 1031 nicht mehr. Seine letzte Ruhestätte fand er im Kloster Helmarshausen. Mit seinem von einer ungenannten Gattin hinterlassenen Sohn Odo (Hodo) starb die Familie aus. In einer Urkunde wurde er als Markgraf im Schwabengau um Wernrode bezeichnet.

Annalista Saxo:
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"Reichschronik "

Das Jahr 1029.

In diesen Zeiten starb Markgraf Thietmar, des Markgrafen Gero Sohn von der Markgräfin Athelheid, und er wurde begraben, wie man glaubt, in dem Kloster Helmwardeshusen. Sein Sohn war Markgraf Odo, der kinderlos starb. Sein Vater Gero aber hatte zum Vater den Markgrafen Thietmar und zum Oheim den Kölner Erzbischof Gero, von denen das Kloster Nienburg an dem Flusse Sala gestiftet worden ist. Seine Mutter war Suanehildis, die Tochter des Herzogs Herimann, Bernhards Schwester, welche nach dem Tode ihres Mannes den Markgrafen Ekkihard, Guntars Sohn, heirathete und ihm Herimann, Ekkihard, Guntar und Liutgarde gebar.

Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Gero war mit einer Adelheid vermählt, deren Familie unbekannt ist. Er hinterließ bei seinem Tode einen Sohn Thietmar, der den Namen seines väterlichen Großvaters erhalten hatte.
Vermutlich folgte Thietmar seinem gefallenen Vater 1015 in der Verwaltung der Marken. Lüpke bemerkte mit Recht, dass diese Vererbung einer Markgrafschaft vom Vater auf den Sohn den ersten Fall dieser Art darstellen würde, während sich die Vererbung der Grafschaften schon längst durchgesetzt hatte. Es fehlen zwar ausdrückliche Zeugnisse für Thietmars Amtstätigkeit in den Marken. Andererseits ist aber auch keine andere Persönlichkeit in den Gauen Serimunt, Zitizi, Colidizi und Nizizi, die schon seinem Vater unterstellt gewesen waren, namhaft zu machen, so dass wir seine Tätigkeit dort annehmen müssen, wenn wir dieses argumentum e silentio als beweiskräftig genug gelten lassen wollen. Die Lausitz, mit der sein Vater schon belehnt worden war, ging allerdings um 1017 wieder an Polen verloren. Thietmar nahm wohl an den wechselhaften Kämpfen um sie teil, was nur vermutet werden kann, da seine Anwesenheit nicht bezeugt ist. Er erlebte ihre Rückgewinnung 1031 jedoch nicht mehr. Vier Urkunden nennen seinen Namen. In einer nur wurde er Markgraf genannt. Nachweisbar amtierte er im Schwabengau, in dem die Ortschaften Schierstedt und Schackental sowie Zehling (Kr. Ballenstedt), Getlo (wüst), Ulsigrode und Karpenroth aufgeführt werden. Zwei Urkunden bezeugten ihn im Nordthüringgau, wovon eine die päpstliche Bestätigung für das Kloster Nienburg war, das in seiner Grafschaft lag. 1012 wurden die Orte Pletzwitz (wüst, Kreis Bernburg) und Nieder-Erxleben (wüst) namhaft gemacht. Seine Amtsbefugnis wird sich wohl kaum mehr über den Hassegau, in dem noch sein Vater bezeugt war, erstreckt haben, da dort gleichzeitig andere Grafen genannt werden. Am 10. Januar 1030 starb Graf Thietmar, was sich aus folgenden Überlegungen ergibt: ungefähr in das Jahr 1029 setzt der sächsische Annalist seinen Tod, die Magdeburger Annalen berichten 1030, dass Herzog Miseco von Polen die Nachricht vom Tode Thietmars als günstige Gelegenheit für eine Zerstörung des Elbe-Saale-Gebietes betrachtete und das Necrologium S. Michaelis verzeichnete am 10. Januar einen Thiedmarus marchio. Seine letzte Ruhestätt fand er im Kloster Helmarshausen. Thietmar II. hinterließ von einer ungenannten Gattin einen Sohn Odo, mit dem die Familie ausstarb. Der Annalist bezeichnete Odo als Markgrafen, was durch eine einzige Urkunde bestätigt wird. Diese Urkunde bezeugte ihn im Schwabengau um Wernrode.

Lüpke Siegfried: Seite 21
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"Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075)"

Auf Gero II. folgte, ohne dass dieses besonders vermerkt wäre, sein Sohn Thietmar II. (1015-1030). Die Erbfolge vom Vater auf den Sohn ging zunächst anscheinend ohne Widerrede vor sich. Wenn diese Art der Ämtervergebung damals im allgemeinen wohl auch bereits zur Gewohnheit geworden war, so stellt die Nachfolge Thietmars II. doch im deutschen Osten den ersten Fall der unmittelbaren Vererbung der Markgrafschaft auf den Sohn dar. Aber auch Thietmars Stellung blieb nicht unangefochten. Ähnlich wie in der Nordmark um diese Zeit eine Nebenbuhlerschaft zwischen dem Hause des Markgrafen Dietrich und den WALBECKERN bestand, so kam jetzt in der Ostmark eine Spannung zwischen den Nachkommen Christians und Hodos zur Entladung, die man mit einiger Sicherheit hätte voraussagen können. Siegfried, Hodo I. Sohn, war - anscheinend wider seinen eigenen Willen - Mönch im Kloster Nienburg geworden, in dem auch sein Vater begraben wurde. Nach des Vaters Tode warf er plötzlich die Kutte ab. Darauf wurde er vor eine Synode in Magdeburg geladen und gezwungen, das ihm lästige Mönchsgewand wieder anzulegen. Aber nach dem Vorgang eines anderen, sagt Thietmar, der sich in Rom in Anwesenheit des Kaisers von einem ähnlichen Spruche losgemacht hatte, machte auch Siegfried sich durch Eidschwüre frei. Ort und Zeit sind nicht zu ermitteln. Nach Geros II. unerwartetem Tode scheint er versucht zu haben, das Erbe seines Vaters, das mit Ausnahme des Eigengutes wohl ganz in Geros Hand übergegangen war, zurück zu erlangen. Sogar auf polnische Hilfe scheint er dabei gerechnet zu haben. Denn welchen anderen Zweck sollte die Freundschaft mit Boleslaw, deren HEINRICH ihn beschuldigte, wohl sonst gehabt haben? Man denke zum Beispiel an Guncelins Machenschaften, die ähnliche Ziele verfolgten und - erreichten. Der Bischof von Merseburg meint zwar, Siegfried habe sich durch seine Tapferkeit in einem Kampf gegen Polen am 3. August 1015 von diesem Verdacht gereinigt. Aber später, nach Thietmars II. Tode, fiel er mit Miseko, Boleslaws Sohn, in die Ostmark ein. Dabei wurden allein zwischen Elbe und Saale mehr als hundert Dörfer verwüstet. Das dadurch über deutsche Gaue gebrachte Elend machte es verständlich, dass der Sächsische Annalist den ehemaligen Mönch als Verbrecher und Teufelsjünger bezeichnet. Dann hört man nichts mehr von dem unrühmlichen Sohn des großen Markgrafen. Sein Ziel hat er nicht erreicht.
Urkundlich bezeugt ist Thietmars Grafschaft nur in den Gauen Suevon und Nordthüringen. Doch dürfte, wenn auch ausdrückliche Zeugnisse fehlen, die Annahme nicht ganz ungerechtfertigt sein, dass er die Herrschaft seines Vaters auch in den übrigen Gauen wenigstens zum Teil geerbt hat, denn in keinem dieser Gaue (Serimunt, Scitizi, Coldiki und Nizizi) ist ein anderer Graf nachweisbar. Eine Ausnahme bildet nur der Hassegau, in dem die Grafen Burchard, Dietrich und Siegfried erscheinen und der später (1028) anscheinend nur vorübergehend dem Meißener Markgrafen Hermann unterstellt war. Nicht unerwähnt kann bleiben, dass Thietmar allem Anschein nach den Gau Lusizi schon wenige Jahre nach seinem Amtsantritt an Polen verlor und bis zum Ende seines Lebens nicht zurückgewann. Wohl wurden in diesen Gebieten wiederholt Kriege mit wechselndem Erfolg geführt, aber von einer persönlichen Teilnahme des Markgrafen verlautet nichts.

Assing Helmut: Seite 185
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"Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften."

Grafenrechte hatten die ASKANIER anscheinend vor Adalbert überhaupt nicht im Ballenstedter Raum. 1019 besaß sie Thietmar der Jüngere aus der CHRISTIAN-Sippe für Zcielinga, Getlo, Ochtiresroth und Gardilvesroth, so daß Ballenstedt sicher ebenfalls dazu gehörte.
 
 
 
 

  oo N.N.
             -
 
 
 
 

Kinder:

  Hodo II. Markgraf der Nieder-Lausitz (1030-1032)
         -   1032

  Oda
  um 1015- vor 1068

  1. oo Wilhelm III. Graf von Weimar
                 -16.4.1039

  2. oo Dedi II. Markgraf der Lausitz
         um 1010- 10.1075
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 387 G 2 - Annalista Saxo: Reichschronik a. 1029 - Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 180,185 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 427 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar 1995 Seite 56 - Lüpke, Siegfried: Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075), Dissertation Halle 1937 Seite 21 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 15,206 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 113A,127 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 Seite 41-55 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 149 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 376,382 -