Schölkopf Ruth: Seite 45
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Geros Schwester Hidda war mit dem Markgrafen Christian verheiratet, der unmittelbar als Schwager des Markgrafen Gero im Chronicon Montis Sereni (a. 1171) genannt wird. Aus dieser Ehe gingen die beiden Söhne Gero, der Erzbischof von Köln, und Markgraf Thietmar I. hervor. Indirekt erweist sich Christian als Gemahl der Hidda durch den sächsischen Annalisten (a. 965), der nur Söhne erwähnte.
Christian ist seit 937 durch mehrere Urkunden als Graf im Nordthüringgau nachweisbar, in dem Groß-Germersleben aus seinem Comitat an Magdeburg vergabt wurde. Im gleichen Jahr wurde Giersleben im Schwabengau als zu seinem gräflichen Herrschaftsbereich gehörend aufgeführt. Demnach war der Schwabengau um diese Zeit in zwei Grafschaften aufgeteilt, von denen die nördliche zum Amtsbezirk seines Schwagers Siegfried gehörte, dessen Nachfolger er wurde. Von 945 an trat Christian als Markgraf im slawischen Gau Serimunt auf, in dem er die Orte Steene (wüst an der Mulde bei Dessau) und Kühnau (an der Elbe) als Eigentum erhielt, was auch der sächsische Annalist zum Jahr 945 berichtete. Ebenfalls aus dem Jahre 945 datierte eine Urkunde, die im Gau Serimunt in der Grafschaft Christians die Orte Wieskau, Bochlitz (wüst), Zeundorf und Plötz nennt, die alle an der Fuhne liegen. Markgraf Christian unterstand als Markgraf dem Oberbefehl Geros. Als solcher nahm er auch an den Unternehmungen Geros teil. Wir wissen allerdings nur sehr wenig über seine Tätigkeit. Die Urkunde von 945 bezeichnete ihn ohne jedes ehrende Beiwort noster marchio. Thietmar nannte ihn comes egregius. Christian starb wahrscheinlich um 950. Im Jahre 951 trat schon sein Sohn Thietmar als Graf in seinem Gau Serimunt auf. Das Lüneburger Totenbuch hielt am 15. Juli und am 5. November den Todestag je eines Grafen Christian fest. Es läßt sich jedoch nicht mit Sicherheit ausmachen, welches der Todestag des Markgrafen Christian war. Durch eine später erfolgende Versippung mit den BILLUNGERN war ihm eine Aufnahme in das Necrologium sicher. Die Gesta der Erzbischöfe von Magdeburg und auch Thietmar berichtet, dass er und andere Mitglieder seiner Familie in Magdeburg beigesetzt wurden.
Seine Gemahlin Hidda überlebte ihn um mehrere Jahre. Der sächsische Annalist (a. 965) nannte sie mulier sancta, so auch Thietmar. Bekanntlich unternahm sie eine Pilgerfahrt nach Jerusalem, wo sie auch starb. Das Chronicon montis Sereni (a. 1171) schmückte den Bericht legendär aus: der König von Jerusalem habe um sie geworben, sie wußte sich jedoch seiner Beharrlichkeit durch Selbstverstümmelung zu entziehen. Die Chronik erwähnte ihren Tod in Jerusalem, wo sie begraben liegt.