Karl der Kühne                               Herzog von Burgund (1467-1477)
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10.11.1433-5.1.1477
Dijon          Nancy
 

Einziger Sohn des Herzogs Philipp der Gute von Burgund aus dem Hause VALOIS aus seiner 3. Ehe mit der Isabella von Portugal, Tochter von König Johann I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 989
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Karl der Kühne (Charles le temeraire, le Hardi), 4. Herzog von Burgund aus dem Hause der ---------------------------------------------------------  burgundischen VALOIS
* 10. November 1433, + 5. Janaur 1477

1. oo 1440 Katharina von Frankreich (+ 1446)

2. oo 1454 Isabella von Burbon (+ 1465)

3. oo 1468 Margarete von York (+ 1503)

1457 Geburt der einzigen Erbin Maria - Als Karls Vater, Herzog Philipp der Gute, 1454 zum Reichstag nach Regensburg reiste, ernannte er den Prinzen zum Generalstatthalter (lieutenant general). Seit 1457 entwickelte sich ein wachsender Gegensatz zum Vater. Ein Hauptstreitpunkt war die abweichende Haltung Karls des Kühnen gegenüber Frankreich. Der Prinz erschien am Hofe nur noch in großen Abständen und residierte zumeist in Le Quesnoy und auf seinen großen Besitzungen in Holland (Schloß Gorkum). 1462 betraute ihn sein Vater mit der Aushandlung einer Aide für Holland; als Karl der Kühne dies dazu benutzte, um sich als Erbe und Nachfolger anerkennen zu lassen, flammte der Gegensatz erneut auf (1463). Philipps Räte aus der mächtig gewordenen Familie CROY setzten gegen Karl den Kühnen die Auslieferung der 1435 mit Rückkaufsrecht an Burgund abgetretenen Sommestädte an Frankreich durch. Karl der Kühne berief seinerseits 1464 erstmals die Generalstände zur Diskussion über die Nachfolge ein, was schließlich zum Ausgleich mit dem Vater und zur Ausschaltung der CROY führte. Am 27. April 1465 erhielt Karl der Kühne die Generalstatthalterschaft mit faktisch unbeschränkten Vollmachten. Dieses Datum markiert die entscheidende Wende in der Geschichte Burgunds. In Abkehr von der kontilianteren Grundhaltung des Vaters betrieb Karl der Kühne eine Politik scharfer Konfrontation mit dem auch seinerseits aggressiveren Frankreich. Im Bunde mit den Fürsten Frankreichs entfachte er gegen das französische Königtum die Guerre du Bien Public (Ligue du Bien Public), durch die er die Picardie und die Grafschaft Guines zurückgewann (5. Oktober 1465). Im Anschluß daran unterwarf er das Fürstbistum Lüttich, das Frankreich unterstützt hatte, seiner weltlichen Vogtei. Die Folge waren Aufstände der verbündeten Lütticher Städte und brutale Repressionsmaßnahmen des Herzogs, in deren Verlauf er Dinant, dessen Bürger während der Belagerung die Ehre seiner Mutter beleidigt hatten, und Lüttich zerstören ließ (1466-1468)
Die von Karl dem Kühnen vorgenommene Neuorientierung führte zu engeren Beziehungen mit England, die in einem Handels- und Freundschafstvertrag (23. Oktober 1466, Intercursus) und in der Heirat des Herzogs mit Margarete, der Schwester König Eduards IV. aus dem Hause YORK, ihren Ausdruck fanden. Der Tod des Vaters (15. Juni 1467), durch den Karl der Kühne zum regierenden Herzog wurde, bildete keinen Einschnitt, da er bereits seit mehr als zwei Jahren die Politik bestimmte. Die harte Vergeltung gegen Lüttich wie gegen flämische Städte (Gent, Mecheln) entsprach der überhöhten, gleichsam visionären Vorstellung des Herzogs von seiner Autorität. Bei den Ständeversammlungen trug er ein autoritäres Gebaren zur Schau und bekundete so seine Mißachtung gegenüber hergebrachten Privilegien, die er auch in der politischen Praxis ständig verletzte.
Übergriffe von seiten Frankreichs setzten erneut seit 1470 ein. Zur Stärkung seiner Heeresmacht schuf Karl der Kühne stehende Truppenverbände, die handes d'ordonnance, und war unablässig bemüht, durch immer ausgeklügeltere Reglements die burgundische Armee und ihre Befehlsstruktur effektiver zu gestalten. Wegen der steigenden Rüstungskosten stellte Karl der Kühne, erstmals 1471, die bis dahin unekannte Forderung einer allgemeinen Aide für alle Territorien der Niederlande auf. Ihre regelmäßige Erhebung, die allerdings erst seit 1473 durchgesetzt werden konnte, war ein Ergebnis der nachdrücklichen Bemühungen des Herzogs um Zentralisierung der Verwaltung seiner Länder. Einen wichtigen Platz nahm hierbei der Plan ein, die Steuererhebung in allen Territorien nach einem auf den Feuerstätten (Haushalten) beruhenden Besteuerungsmodus einheitlich zu regeln. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch am Widerstand der großen Städte. Durch die Ordonnanzen von Thionville (Dezember 1473) schuf der Herzog ein Parlement und zwei zentrale Rechnungshöfe (Chambres de comptes) mit Sitz in Mecheln, um so Souveränität gegenüber Frankreich, administrative Vereinheitlichung und Hauptstadtbildung zu fördern.
Diese Maßnahme erfolgte nur kurze Zeit nach dem Versuch des Herzogs, ein Bündnis mit Kaiser FRIEDRICH III. zu ereichen. In den Trierer Verhandlungen (21. Oktober-24. November 1473) war Karl der Kühne bestrebt, für seine Reichslehen die Königswürde zu erlangen und die Heirat seiner Erb-Tochter Maria mit MAXIMILIAN auszuhandeln. Mit dem abrupten Abbruch durch FRIEDRICH endeten jedoch die Gespräche. Nicht ohne Ausübung von Druck setzte Karl der Kühne noch die Einverleibung des Herzogtums Geldern, in mehreren Phasen, durch (1471-1473). Danach wandelte sich jedoch die militärische Lage zu seinen Ungunsten. Die burgundische Pfandherrschaft im oberen Elsaß fiel 1474 einem Aufstand der elsässischen Städte und der Eidgenossen zum Opfer. Die zur Stärkung der burgundischen Position durchgeführte Belagerung von Neuß (Juli 1475-Juni 1475) mußte ergebnislos abgebrochen werden. Danach warf sich der Herzog auf Lothringen, das er im November 1475 besetzte. Dies verwickelte ihn in eine Reihe verlustreicher Schlachten (Grandson, 2. März 1476; Murten, 22. Juni 1476; Nancy, 5. Januar 1477), in denen die Eidgenossen und ihre Verbündeten das hochgerüstete Heer des Herzogs vernichtend schlugen. Vor Nancy fand er den Tod.
Die große politische Strategie Karls des Kühnen war - in konsequenter Fortsetzung der Politik seiner Vorgänger - auf die Bildung eines zusammenhängenden, von Frankreich unabhängigen Territoriums gerichtet; der Aufbau einheitlicher Zentralinstitutionen sollte die überkommenen lokalen und regionalen Sonderrechte zurückdrängen. Leitende Vorstellung seiner Politik war die Errichtung einer starken Staatsgewalt. Sein taktisches Vorgehen war durch autoritäres, impulsives und bisweilen brutales Verhalten gekennzeichnet. Bestrebt, alle Angelegenheiten persönlich zu führen, arbeitete er unermüdlich an der Vervollkommnung seiner Staatsorganisation und verbrachte einen Großteil seiner Zeit auf Reisen und Feldzügen. Seine nach außen expansive, im Innern repressive Politik rief seit 1474 immer heftigere Spannungen hervor, ausgelöst nicht zuletzt durch den starken Steuerdruck, der auf eine Verdoppelung und zum Teil Verdreifachung des bestehenden Steueraufkommens hinauslief. Die militärischen Niederlagen, die Karl der Kühne erlitt, wirkten auf ihn als Obsession; sein Streben war zuletzt darauf gerichtet, um jeden Preis zu siegen und so seine Ehre wiederherzustellen oder aber sein Leben zu beeenden. Karls des Kühnen Tod vor Nancy hatte nicht nur Gebietsverlsute zur Folge, sondern führte auch zur Entladung der inneren Spannungen auf breiter Front, wodurch viele Errungenschaften seiner Politik wieder zunichte gemacht wurden.


Lexikon der Renaissance: Seite 374
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Karl der Kühne, seit 1467 letzter Herzog von Burgund
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* 10.11.1433, + 5.1.1477 gefallen
Dijon              bei Nancy

Haus VALOIS

Sohn Philipps des Guten

Einer der mächtigsten und reichsten Fürsten seiner Zeit. Karl der Kühne erstrebte nach anfänglichen Erfolgen vergeblich die Errichtung eines großburgundischen Königreiches unter Einschluß Lothringens und der Champagne, das, gestützt auf den Reichtum der flandrischen Städte, zu den führenden Mächten Europas aufsteigen sollte. Er konnte aber lange Zeit großen Einfluß auf die (west)europäische Politik nehmen. Noch als burgundischer Erbe inspirierte er 1465 eine Adelsliga gegen Ludwig XI. Durch seine dritte Ehe mit Margarete von York (Juli 1468) gewann er auch Eduard IV. von England für das antifranzösische Bündnis. Die Besetzung Lothringens (1473) spitzte den Gegensatz zu den Schweizer Eidgenossen, der schon seit 1469, der Übernahme der rheinischen Besitzungen der HABSBURGER, bestand, zu und beschwor die sogenannten Burgunderkriege (1474/77) herauf. Sein abenteuerliches expansives Vorgehen gegen das Reich (Juli 1474/Juni 1475 Belagerung von Neuß) blieb ergebnislos, ebenso sein ehrgeiziges Verlangen nach der Kaiserkrone bzw. Königswürde für Burgund. FRIEDRICH III. erneuerte im September 1475 dennoch die 1473 in Trier vereinbarte Eheabrede zwischen Karls Tochter (Maria von Burgund) und seinem Sohn (MAXIMILIAN I.). In den Schlachten von Grandson und Murten (1476) sowie Nancy (1477) gegen die verbündeten Truppen der Schweizer, Lothringer und Elsässer erlitt Karl der Kühne schwere Niederlagen und fiel. - Karl der Kühne förderte wie seine Vorgänger als großzügiger Mäzen eine dem burgundsichen Geltungsstreben entsprechende höfische Luxuskultur und Kunst. Aufwendige üppige Hofhaltung sollte selbst in den Heerlagern den Reichtum Burgunds verdeutlichen. So erbeuteten die Sieger von Grandson einen der wertvollsten Silberschätze der Zeit, den Karl der Kühne mit sich geführt hatte (unter anderem 400 Kisten Gold- und Silberstoffe, 400 seidene Zelte und das ganz mit Perlen und Gold bestickte sowie mit kostbarstem Gerät und Schmuck ausgestattete Zelt Karls). Das von R. van der Weyden überlieferte Porträt Karls des Kühnen (um 1460; Berlin, Staatliches Museum) zeigt die zurückhaltende, doch leicht aufbrausende Art Karls des Kühnen. Mit dem Namen Karls der Kühnen ist ein Hauptwerk der spätmittelalterlichen niederländischen Buchmalerei verbunden, das "Gebetbuch Karls des Kühnen" (zwischen 1460 und 1490 von verschiedenen Meistern angefertigt; heute Wien, Nationalbibliothek). Die bisherige Annahme, es sei 1466 vom Rat der Stadt Brüssel gekauft und Karl dem Kühnen geschenkt worden, ist inzwischen fraglich. - Einige militärhistorische Bedeutung erlangte Karls des Kühnen Verordnung zur taktischen Truppenausbildung (1475).



GELRE GELDERN GELDERLAND: Band I Seite 40
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"Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern."

I. KARL DER KÜHNE
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* 10.11.1433, + 5.1.1477
Dijon                Nancy/Nanzig

Herzog von Burgund 1467-1477 und von Geldern 1473-1477

Sohn des Herzogs Philipp III. von Burgund (* 1397, + 1467) und der Isabella von Portugal (* 1397, + 1472)

Verlobung 1439 mit Katharina von Frankreich (+ 13.9.1446).
Erste Heirat 30.10.1454 mit Isabella von Bourbon (* ca. 1436, + 13.9.1465), Tochter des Herzogs Karl I. von Bourbon (* 1425, + 1456) und der Agnes von Burgund (+ 1476) [die beiden letzten waren auch Großeltern des Karl von Egmond].
Zweite Heirat 9.7.1468 mit Margareta von England (* 1446, + 16.4.1503), Tochter des Herzogs Richard von York (* 1411, + 1460) und der Caecilia von Westmoreland (* 1415, + 1495) sowie Schwester der beiden englischen Könige Eduard IV. (* 1442, + 1483) und Richard III. (* 1452, + 1485).
Tochter aus erster Ehe:
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II. Maria von Burgund



Im Gegensatz zum leutseligen Vater war Karl verschlossen, mißtrauisch, ein kräftiger, gutgebildeter Mann, aber unbeherrscht-sanguinisch unfähig, Maß zu halten, eigensinnig und unfähig, politisch planvoll zu handeln, stark beeinflußt von seiner Vorliebe für Alexander den Großen. In Gent erzogen, saß er seit 1463 im Kronrat und wurde Mitregent seines Vaters. Durch Ludwig XI. 1461 mit der Grafschaft Charolais ausgestattet, begann er eine eigene Politik, und schloß 1465 mit anderen Kronvasallen die "Ligue du bien public" gegen Ludwig XI., den er am 16.7. bei Montlhery besiegte und am 5.10.1465 zum Frieden von Conflans (bei Paris) veranlaßte (Abtretung der Sommestädte). Karl regierte als Herzog mit Glanz und Strenge, aber in einer dem populären Auftreten seines Vaters entgegengesetzten Weise. Der Adel und die Städte wurden in strenger Unterwürfigkeit gehalten. Ludwig XI., der stets Unruhen in Burgund zu erregen suchte, wurde bei einer Zusammenkunft in Peronne 1468 gefangengenommen sowie zum Vertrag von Peronne (14.10.1468) und zum Zug gegen Lüttich gezwungen, das fast völlig zerstört wurde. 1469 verpfändete im Vertrag von St.-Omer Herzog Sigismund von Tirol seine elsässisch-oberrheinischen Besitzungen für 80.000 Golddukaten an Karl. Im Norden erwarb Karl nach dem Tod des Herzogs Arnold von Geldern und Zütphen (1473) das Herzogtum Geldern als Pfand und durch Heiratspolitik auch Einfluß auf Lothringen (1472). Karl war bestrebt, eine Verbindung zwischen dem Nord- und dem Südteil seines Herrschaftsbereiches herzustellen und so einen starken, unabhängigen Staat zwischen Frankreich und dem Reich aufzubauen. Sein Plan, Lothringen vom Kaiser FRIEDRICH III. als Lehen zu erhalten und die Erhebung seines Reiches zu einem Königreich zu erlangen, scheiterte am Widerstand des Kaisers, mit welchem Karl 1473 in Trier zusammenkam. Durch eine Heeresreform, wobei Söldner und gutes Geschütz den Kern bildeten, erhöhte Karl die Schlagkraft seines Heeres. Der Aufstand im Elsaß 1474 (5.5. Hinrichtung des Statthalters Hagenbach zu Breisach) gegen die burgundische Herrschaft war Ausdruck der schweren Krise ihrer Expansionspolitik. Im Bündnis mit den Schweizer Eidgenossen (Konstanzer Bund) rief Kaiser FRIEDRICH III. zum Krieg gegen Burgund auf und erklärte, als Karl auch in Kölner Gebiet eindrang (Belagerung von Neuß), den Reichskrieg gegen ihn. Vor allem suchte Karl das Herzogtum Lothringen, wo seit 1431 ein Zweig der mit der französischen Königsdynastie verwandten Hauses ANJOU die Herzogswürde innehatte, zu erwerben, was ihm auch nach einigen Rückschlägen bis Ende 1475 gelang. Sein Vorgehen in Lothringen und sein Bestreben, auch im Elsaß Fuß zu fassen, führten zu Auseinandersetzungen mit den Schweizer Eidgenossen, die dem Herzog zwei schwere Niederlagen zufügten (Grandson 2.3.1476, Murten 22.6.1476) und in Lothringen brach ein Aufstand aus, so daß Herzog Rene zurückkehren konnte. Als Karl Nancy zurückerobern wollte, wurde er dort am 5.1.1477 von Schweizer Truppen, für die Ludwig XI. Geld zur Verfügung gestellt hatte, und von Lothringern geschlagen. Der Herzog selbst wurde auf der Flucht erschlagen. Karl löste die letzten lehnsrechtlichen Bindungen zu Frankreich und hinterließ seiner Erbtochter ein völliges Chaos.

Paravicini Werner: Seite 17-20,56
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"Karl der Kühne. Das Ende des Hauses Burgund."

Anfang des Jahres 1457 zeigt uns Vater und Sohn in einem ganz anders gearteten Verhältnis. Am 17. Janaur kommt es zwischen ihnen in Brüssel zu einer so heftigen Szene, daß der Vater nur mit Mühe davon abgehalten werden kann, seinen Dolch gegen den Sohn zu zücken. In einem Wutanfall wirft sich Herzog Philipp aufs Pferd, verirtt sich im Wald von Soignies und kehrt erst nach langer Suche zurück.
Die Konstallation Mutter und Sohn gegen den Vater, die uns in der Krise von 1457 entgegentritt, ist für Karls Leben von grundlegender Bedeutung gwesen. Sie ist Zeichen einer außerordentlich starken Identifikation mit der Mutter, von der auch sonst Spuren vorhanden sind. Wenn Karl im Jahre 1470 französischen Gesandten gegenüber seine portugiesische Abstammung betonte, so war das mehr als die Erinnerung an eine biologische Tatsache. Karl war überaus mißtrauisch, ein Charakterzug der Mutter, über den sich der Vater mokierte. Wie seine Mutter unterstützte Karl als Graf von Charolais das Haus LANCASTER, sein Vater YORK. Und wenn Karl im Jahre 1468 Margarete von York heiratete, dann entsprach er dem Wunsch seiner Mutter, die ihn schon im Jahre 1454 mit einer Angehörigen des Hauses YORK verheiraten wollte.
Am aufschlußreichsten in diesem Zusammenhang ist Karls Sexualverhalten. Es steht in einem eklatanten Widerspruch zu demjenigen seines Vaters. Philipp war als großer Frauenfreund und Vater unzähliger Bastarde bekannt. Von Karl heißt es, er habe seiner Ehefrau stets die Treue gehalten - eine für Fürsten seiner Zeit geradezu auffällige Verhaltensweise. Es heißt weiter, er habe keine Frauen an seinem Hof geduldet und gerne schlecht von ihnen reden gehört. Vergleicht man sein Itinerar mit demjenigen seiner dritten Frau Margarete von York, stellt man fest, daß sie in einem Jahr nur wenige Wochen oder Tage zusamemn waren, nach Juli 1475 überhaupt nicht mehr. Die Zeitgenossen haben sich darüber Gedanken gemacht: Nachdem im Jahre 1470 Baudouin Bastard von Burgund und Jean de Chassa zu Ludwig XI. übergelaufen waren, veröffentlichten sie ein Manifest, in dem sie Karl homosexuelle Handlungen vorwarfen. Karls Homosexualität ist damit nicht erwiesen, nur die Tatsache, daß sie für möglich gehalten wurde. Sie anzunehmen ist auch nicht notwendig, eine Anlage genügt, die sich möglicherweise langsam verstärkt hat, denn in Karls Jugend tritt sie nicht hervor. Sein Vertrauter Olivier de la Marche, derselbe, der sich für seine unverbrüchliche Treue als Ehemann verbürgt, berichtet, daß er vor seiner Heirat mit Isabella von Bourbon "bon compaignon" schöner Mädchen gewesen sei. (Die Ehe mit Isabella von Bourbon, die am 25./26. September 1465 starb, wurde am 30. Oktober 1454 geschlossen. Ein erste, am 22. Mai 1438 vertraglich abgeschlossen Ehe des Vierjährigen mit Katharina von Frakreich endete mit deren Tod am 30./31. Juli 1446. Der im Jahre 1451 erwogene Plan, Karl der sächsischen Ansprüche auf Luxemburg wegen mit Anna von Sachsen zu verheiraten, wurde nicht verwirklicht). Aus der Zeit vor 1454 mag der einzige, allerdings nicht sicher bezeugte Bastard Karls stammen. Am 13. Februar 1457 wurde Karls einziges Kind, seine Tochter Maria von Burgund geboren. Karls zweite (dritte) Ehe mit Margarete von York, deren Beginn am 3. Juli 1468 mit Festen, die den Höhepunkt burgundischer Prachtentfaltung darstellen, zu Brügge gefeiert wurde, ist kinderlos geblieben. Weder Homosexualität noch Impotenz sind also erwiesen. Aber ein während der Regierungszeit ungewöhnlich stark reduzierte sexuelle Tätigkeit, in der eine unbewußte Folge der Identifikation mit der Mutter und eines übermächtigen Inzestverbots zu sehen ist und zugleich eine bewußte Verurteilung Herzog Philipps.
Zwar wagten die Stände nicht, die "Bitte" des Herzogs abzuschlagen; gezahlt wurde aber vorerst nicht. Im Jahre 1470 gewährten ihm die einzeln befragten Territorien der niederen Lande aber 120.000 Kronen jährlich für drei Jahre, die Generalstände der Niederlande im Jahre 1473 sogar 500.000 Kronen und die Generalstände Burgunds weitere 100.000 Pfund "estavenants" über sechs Jahre. Karl hat nach Ausweis der Rechnungen des Generalrentmeisters in den 9 1/2 Jahren seiner Regierung fast soviel Beden erhalten wie sein Vater in 45 Jahren: 1.378.000 stehen gegen 1.536.800 l.t. Ähnlich verhält es sich mit den Anleihen, die Karl aufzunehmen in der Lage war: fast 2 Millionen gegen 2,76 Millionen seines Vaters. Der Generalrentmeister gab unter Philipp dem Guten im Durchschnitt 345.000 l.t. im Jahr aus, unter Karl 761.200, im Jahr 1472 sogar über 1,6 Millionen gegenüber dem letzten Höchststand von über 700.000 im Jahre 1436. Diese Rechnungen zeigen auch, daß es die Armee war, der dieses Wachstum vor allem zugute kam. Der Generalrentmeister zahlte hierfür im Jahre 1473 840.000 l.t. bei Gesamtausgaben von 1,33 Millionen, was merkwürdig genau zu der Aufstellung paßt, die Olivier de la Marche in seinem "Etats de la maison du duc Charles de Bourgoinge, dit le Hardy" zu Ende 1473 gibt: Er setzt als durchschnittliches Jahresausgabe mehr als 400.000 für die herzogliche Hofhaltung, 960.000 für den Kriegsschatzmeister, mehr als 200.000 für den Argentier; zusammen mehr als 1,56 Millionen Pfund.

Erwerbungen:

elsässisch-oberrheinischen Besitzungen der HABSBURGER - 1469 durch Kauf von Erzherzog Sigismund von Tirol (80.000 Golddukaten)
Lothringen Herzogtum - 1473 durch Eroberung
Geldern Herzogtum - 1473 Kauf der Ansprüche des Hauses JÜLICH



Verwandtschaft mit Katharina von Frankreich

                                                          Johann II. der Gute König von Frankreich
                                                          26.4.1319-8.4.1364

                                                 oo Bona von Luxemburg
                                                   20.5.1315-11.9.1348
 

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          Karl V. König von Frankreich                                Philipp II. der Kühne Herzog von Burgund
             21.1.1337-16.9.1380                                                15.1.1342-27.4.1404

            oo Johanna von Bourbon                                        oo Margarete von Flandern
              3.2.1338-6.2.1377                                                  13.4.1350-21.3.1405
 

              ---                                                                                                    ---
       Karl VI. der Wahnsinnige                                                       Johann Ohnefurcht
       3.12.1368-21.10.1422                                                               28.5.1371-10.9.1419

      oo Isabeau von Bayern                                                           oo Margarete von Bayern
           1371-24.9.1435                                                                        1363-24.1.1424
 

            ---                                                                                                 ---
     Karl VII. der Siegreiche                                                           Philipp III. der Gute
      22.2.1403-22.7.1461                                                                    13.6.1396-15.6.1467

      oo Marie von Anjou                                                                   oo Isabella von Portugal
          14.10.1404-29.11.1463                                                                 21.2.1397-17.12.1471
 

        ----                                                                                              ----
      Katharina von Frankreich   ----------------- oo ---------------------    Karl der Kühne
      1428-13.9.1446                                                                            10.11.1433-5.1.1477



Verwandtschaft mit Isabella von Bourbon

                                      Johann Ohnefurcht Herzog von Burgund
                                       28.5.1371-10.9.1419

                                                oo Margarete von Bayern
                                          1363-24.1.1424
 

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                     Agnes von Burgund                                                          Philipp III. der Gute
                       1407-1.12.1476                                                                  13.6.1396-15.6.1467

                      oo Karl I. Herzog von Bourbon                                        oo Isabella von Portugal
                         1401-4.12.1450                                                                21.2.1397-17.12.1471
 

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            Isabella von Bourbon------------ oo -------------------------------  Karl der Kühne
                  1437-26.9.1465                                                                         10.11.1433-5.1.1477



  19.5.1440
  1. oo Katharina von Frankreich, Tochter des Königs Karl VII.
          1428-13.9.1446    seine Cousine

  30.10.1454
  2. oo Isabella von Bourbon, Tochter des Herzogs Karl I.
          1437-26.9.1465     seine Cousine

   3.7.1468
  3. oo Margarete von York, Tochter des Herzogs Richard
          3.5.1446-23.11.1503
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Maria
  13.12.1457-27.3.1482

19.8.1477
   oo MAXIMILIAN I. König des Deutschen Reiches
       22.3.1459-12.1.1519
 
 
 
 

Literatur:     Schlacht von Grandson     Schlacht von Murten    Schlacht von Nancy
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