Eberhard                                         Herzog von Franken (918-939)
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um 885-2.10.939                             Graf im Ittergau
             bei Andernach
 

Jüngerer Sohn des Grafen Konrad des Älteren von Fritzlar aus dem Hause der KONRADINER und der Glismut, Tochter von Kaiser ARNULF VON KÄRNTEN; Bruder des Königs KONRAD I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Seite 1512
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Eberhard, Herzog von Franken
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     + 939 gefallen
      bei Andernach

Sohn Graf Konrads (+ 906) und Bruder KONRADS I.

Das Ende der Babenberger Fehde 906 (Hinrichung Graf Adalberts) verschaffte ihm und seinem Bruder KONRAD die Vorherrschaft in ganz Franken. Nach der Erhebung KONRADS zum König (911) erlitt Eberhard 915 im Kampf gegen Heinrich von Sachsen um die Macht in Thüringen eine schwere Niederlage. Nach erfolglosem Eingreifen des Königs kam es zum Frieden zwischen Heinrich und den KONRADINERN. Entsprechend den Wünschen seines 918 gestorbenen Bruders handelte Eberhard als fränkischer Herzog die Bedingungen für die Nachfolge Heinrichs in der Königswürde aus. Widukind von Corvey läßt erkennen, dass der Verzicht Eberhards auf eigene Königspläne durch eine enge fränkisch-sächsische Kooperation unter dem neuen König kompensiert werden sollte. In seiner Darstellung der Erhebungszeremonie von Fritzlar im Mai 919 (Widukind I, 26) spiegelt die zentrale Rolle Eberhards und der fränkischen Großen ebenso wie der Salbungsverzicht HEINRICHS diese Konstellation wider. Nach 925 erschien Eberhard als Beauftragter des Königs mit richterlicher Gewalt in Lothringen. 936 war er in führender Position an der Erhebung OTTOS I. beteiligt, geriet jedoch ab 937 mit dem neuen König in Konflikt, als dieser versuchte, über die Praxis seines Vaters hinaus die Autorität der königlichen Zentralgewalt geltend zu machen. Damit war offenbar die 918/19 geschlossene Vereinbarung in Frage gestellt. Nach Lehnsstreitigkeiten im südlichen Sachsen, in deren Folge er vom König bestraft wurde, verbündete sich Eberhard mit Thangmar, dem Halbbruder OTTOS, und ließ dessen Bruder Heinrich den Jüngeren gefangensetzen. Ein Teil der fränkischen Großen schlug sich dabei auf die Seite des Königs. Bevor sich Eberhard nach dem Tode Thangmars dem König vorläufig ergab, handelte er und Heinrich der Jüngere ein Bündnis mit dem Ziel aus, dem Königsbruder die Krone zu verschaffen. Entsprechend fiel Eberhard nach kurzer Verbannung und Restitution wieder offen von OTTO ab und brachte ihm im Verein mit Heinrich und Herzog Giselbert von Lothringen in ärgste militärische Bedrängnis. Ein Überraschungsangriff königlicher Truppen am Rhein gegenüber Andernach kostete jedoch Eberhard und Giselbert das Leben und setzte der Opposition gegen OTTO vorläufig ein Ende. Eberhards fränkisches Herzogtum wurde als selbständig Einheit für immer aufgehoben.

Literatur:
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R. Holtzmann, Gesch. der sächs. Kaiserzeit, 900-1024, 1967 - H. W. Goetz, "Dux" und "Ducatus", Begriffs- und verfassungsgesch. Unters. zur Entstehung des sog. "jüngeren" Stammesherzogtums an der Wende vom neunten zum zehnten Jh., 1977, 339 - Ders., Der letzte "Karolinger"? Die Regierung Konrads I. im Spiegel seiner Urkk., ADipl 26, 1980, 56-125 - E. Karpf, Königserhebung ohne Salbung. Zur politischen Bedeutung von Heinrichs I. ungewöhnl. Verzicht in Fritzlar (919), HJL 24, 1984, 1-24.



Klauser Heinrich: Seite 45
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"Lexikon deutscher Herrscher- und Fürstenhäuser"

EBERHARD, Herzog von Franken
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    + 2.10.939

Bruder des deutschen Königs KONRAD I.

Eberhard unterstützte seinen Bruder, König KONRAD I., im Kampf gegen die Sachsen, schwenkte dann aber bei der Wahl Herzog Heinrichs von Sachsen zum deutschen König auf dessen politische Linie ein, weil er sich mehr Autonomie für sein Herzogtum erwartete. Als OTTO I., der Nachfolger HEINRICHS, versuchte, die königliche Macht durch den Entzug von Fürstenprivilegien zu stärken, erhoben sich Eberhard und Giselbert von Lothringen gegen den König. Das Heer der Aufständischen wurde 939 von dem getreuen Herzog Hermann von Schwaben am Rhein gestellt und bei Andernach zur Schlacht gezwungen. Eberhardfiel während des Kampfes, Giselbert ertrank auf der Flucht im Rhein.



Boslís Bayerische Biographie: Seite 158
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EBERHARD, Herzog von Franken
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     + 2.10.939
      bei Andernach

Vater: Konrad der Ältere, Graf an der oberen Lahn (+ 906)

Mutter:
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Glismoda

Helfer seines Bruders König KONRAD I. bei dessen Bemühen, die Stellung des Königtums von Franken aus neu zu festigen.
918 auf Wunsch seines Bruders KONRAD I. Verzicht auf die Königskrone zugunsten des Sachsen-Herzogs Heinrich I. und Aussöhnung mit diesem.
Grafengewalt in Hessen und im Duisburggau, kann als dux in Ostfranken betrachtet werden, jedoch ohne Herrschaftsausübung über Franken.
926 Neuordnung der politischen Verhältnisse in Lothringen als Stellvertreter König HEINRICHS I.
938 und 939 Anschluß an die rebellierenden Königsbrüder Thankmar und Heinrich und an Herzog Giselbert von Lothringen gegen König OTTO I.
939 Tod in der Schlacht bei Andernach.
Nach seinem Tod keine Aussicht mehr auf ein Stammesherzogtum in Franken. Franken blieb in der Hand des Königs.

Literatur:
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ADB 5; Lex. D. dt. Gesch.; Spindler III.



Barth Rüdiger E.: Seite 189
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"Der Herzog in Lotharingien im 10. Jahrhundert"

EVRARDUS
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Köpke-Dümmler, Otto der Große, S. 62, 63,71ff., 81ff.
RHG VIII, S.102,135,147,184,189,224,227,250,272, 311,313
Necrol. Fuld. SS XIII, S. 196
Ann. Stabu. SS XIII, S. 42
Beyer I, S. 153, a 909
RhVjbl. 28 (1963), S. 124f.

dux Francorum (918-939), Graf im Auelgau, Bruder KONRADS I., zusammen mit Giselbert, + 939;
ab 909 in Nachfolge seines Bruders Laienabt von Kloster St. Maximin; Beyer, S. 153; Lux. UB 141a von 909: consentiente domno Euurardo ipsius abbatiam S. Maximini tenente
                          oder
der 935 von seinem Vater zum Herzog von Bayern designierte LIUTPOLDINGER, + 938
                          oder
Graf in einem oberlothringischen und in einem niederlothringischen Gau (Meinfeldgau); vgl. Lac. Nr. 87, a. 927; Beyer, Nr. 169, a. 928; Wampach, Echternach, S. 265, Nr. 170, a. 915-928.
Kaum anzunehmen, dass dieser Evrardus, Graf in Drenthe und Salland, sein könnte (Boshof, op. cit., S. 40).
In Anbetracht des hohen "reichsaristokratischen" Standes der Zeugen HEINRICHS I. kann es sich wohl nur um den o.e. Erst- oder Zweitgenannten handeln, wobei der Erstgenannte als KONRADINER und "dux Francorum" sicherlich eher in Frage kommt.



Schwennicke Detlev: Tafel 8
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

EBERHARD
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    + gefallen bei Andernach nach 23. X 939

"HERZOGVON FRANKEN"
913 Graf im HSSEN und PERFGAU
913 und 928 Graf im OBERLAHNGAU
914 MARKGRAF
936 Truchsess
938 PFALZGRAF
909 Laienabt von St. Maximin zu Trier



Eberhard übernahm nach der Königserhebung seines Bruders die hessische Position des Hauses und erschien 913 erstmals als Graf im südwestlichen Teil des Hessengaues und im Gebiet an der oberen Lahn. Er besaß ferner die Grafschaft im Duisburggau, wo noch 937 Laar als seine Burg bezeichnet wurde. Wahrscheinlich war er außerdem noch Graf im Nahegau. Er focht als Feldherr seines Bruders gegen die sich allmählich durchsetzenden Stammesherzöge. Im Auftrage des Königs unternahm er einen erfolglosen Feldzug gegen Heinrich von Sachsen, erlitt 915 vor der Eresburg eine blutige Niederlage und war zeitweilig Statthalter von Bayern anstelle des vertriebenen Herzogs Arnulf. Er folgte 918 seinem Bruder als Herzog von Franken, überbrachte Heinrich von Sachsen die Throninsignien und anerkannte ihn, womit er durch seinen Verzicht 919 die Wahl HEINRICHS I. zum deutschen König entschied. Er half ihm gegen Frankreich im Kampf um Lothringen und war wohl zeitweise erster deutscher Pfalzgraf von Lothringen-Aachen. Eberhard, der im fränkisch-sächsischen Grenzbereich über sächsische Vasallen gebot, war mit einem von ihnen namens Bruning in Konflikt geraten, weil dieser, wie anscheinend andere seiner Stammesgenossen es ablehnte, Lehen von anderen Herren als dem König zu tragen. Eberhard überzog Brunings Burg Helmern (bei Peckelsheim) mit Feuer und Schwert. In Magdeburg wurde er dafür vor das Königsgericht geladen und zu einer empfindlichen Bußzahlung verurteilt, die Hauptleute seines Kriegsvolkes zur entehrenden Strafe des Hundetragens. 937 erhob er sich als erster Herzog wegen einer entehrenden Strafe gegen OTTO I. und brachte zeitweilig den Königssohn Heinrich in seine Gewalt. Gemeinsam mit Giselbert von Lothringen und Heinrich, dem Bruder OTTOS I., empörte sich Eberhard 939 aufs neue, wurde vom König bei Birten am Rhein (südlich von Xanten) geschlagen und suchte anschließend bei Ludwig IV. von Frankreich Unterstützung. Eberhard und seine Verbündeten wurden am 2.10.939 bei Andernach von seinen Vettern Konrad Kurzbold und Udo von der Wetterau vernichtend geschlagen. Eberhard fiel, Franken blieb bei der Krone.
 
 
 
 

  oo N.N.
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Literatur:
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