Hermann I.                                                Pfalzgraf bei Rhein (989-996)
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    -16.7.996
 

Sohn des Grafen Erenfried II. (Ezzo) im Keldachgau und der Richward
 

Hermann I. wurde Graf im Bonngau, Auelgau, Zülpichgau, Keldachgau, Waldgraf der Ville und Graf von Alzey. Er war eine treue Stütze der OTTONEN und mächtigster Graf im Raum Nieder-Lothringen. Er machte 955 die Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn mit und zog mehrmals mit nach Italien. Er unterstützte im Thronkrieg 983-985 Kaiser OTTO III. gegen Bayern und wurde um 985 Pfalzgraf von Lothringen.

Trillmich Werner:
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Graf Hermann (+ um 996) verwaltete als Pfalzgraf das lothringische Krongut, die Reichsforsten um Aachen, Sinzig, Remagen, in Eifel und Ville. Seine Burgen Bonn, Romberg und Zülpich am Gebirgsrande sicherten die Route vom Rheine zur Aachener Pfalz. Vogteirechte übte er aus auf Besitzungen des Erzbistums Köln, seiner Klöster und des Stiftes Aachen. Eine zweite Gruppe bedeutender Grundherrschaften gehörte ihm an der unteren Mosel um die Burgen Münstermaifeld, Cochem, Klotten und den Kröver Reichsforst, ferner Vogteien Echternachs und Trierer Klöster. Weitere Allodien lagen an der unteren Nahe sowie bei Alzay. Dieses stattliche Vermögen vermittelte dem fürstlichen Hause das stolze Bewußtsein, es mit jedem Herzog aufnehmen zu können.

Eickhoff Ekkehard: Seite 118,426,444
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"Theophanu und der König"

Inzwischen waren zwischen der Reichsregierung und Heinrich dem Zänker zähe Verhandlungen weitergelaufen. In ihnen haben Willigis und Theophanu und ihr Unterhändler,Graf Hermann, ihr Ziel mit Geschick und Zielstrebigkeit verfolgt.
Am 19. Mai trafen Adelheid und der König mit den Königen Hugo Capet und Robert in dem Grenzort Neuville an der Maas zusammen. Willigis, Hildibald, Herzog Konrad von Schwaben und Hermann, der rheinische Pfalzgraf, waren im königlichen Gefolge zugegen.

Lewald Ursula: Seite 124
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"Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes"

Nur den Vater, Pfalzgraf Hermann, und dessen Frau Heylwiga kennt er. Unerschrocken habe dieser unter OTTO MAGNUS gegen die Ungarn gekämpft und sei dafür vom König vor den anderen Fürsten mit Lehen belehnt worden. Vielleicht ist damit auch das Amt des Pfalzgrafen gemeint, das Hermannals erster seines Geschlechtes bekleidet hat. Freilich wird er erst sehr viel später urkundlich als Inhaber desselben genannt. Der Beiname pusillus, den der Autor ihm beilegt, muß ein Neckname sein, denn ein Schwächling vollbringt keine Heldentaten. Dieser Graf Hermannscheint einer der wenigen Rheinländer gewesen zu sein, die in der Schlacht auf dem Lechfeld mitgekämpft haben. Erzbischof Brun, der in einer Person auch lothringischer Herzog war, blieb damals mit seinem Aufgebot zu Hause,  weil man wie im Vorjahr einen Einfall der Ungarn in Lothringen befürchtete. Hermanns Teilnahme an der Schlacht erklärt sich vermutlich daher, dass er mit dem Verteidiger von Augsburg, Bischof Ulrich, verschwägert war. Die Fundatio nennt seinen Sohn Ezzo einen consanguineus des Bischofs.
So bleibt es fraglich, ob der Graf Hermann, der für das Seelenheil seiner Mutter, Richwara, dem Stift Münstermaifeld 963 einen Weinberg in der Gemarkung der villa Eilba schenkt, mit dem eben genannten Pfalzgraf Hermann identisch ist und ob man das Eilba, das im Maiengau liegt, mit Alf gegenüber Bullay an der Mosel identifizieren darf. Bejaht man beides, so haben die ERENFRIEDE über alten Besitz an der Mosel, also in Ober-Lothringen, verfügt, er wäre ihnen dann nicht erst aus der Mitgift der Kaiser-Tochter Mathilde zugefallen. Ja es scheint sogar, dass Erenfried und Adelgunde, die in einer Urkunde König ARNULFS von 897 mit Besitz in und um Alzey genannt werden, zu den Voreltern Ezzos gehört haben, den das Reichslehen Alzey ist bis 1107 noch in den Händen eines Seitenzweiges der pfalzgräflichen Familie. Stimmt man auch dieser Kombination zu, so darf man die Familie der ERENFRIEDE väterlicherseits schon dem karolingischen Reichsadel zurechnen und der Autor der fundatio wäre im Recht, wenn er ganz allgemein von der gloria progenitorum Ezzos spricht.

Steinbach Franz: Seite 856-857
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"Die Ezzonen"

Erst Hermann Pusillus, dessen Vater und ältester Sohn Erenfrid hießen, steht im Lichte gesicherter Überlieferung. Er besaß, lange bevor er Pfalzgraf wurde, vier Grafschaften und umfangreiche Güter in den fränkischen Rheinlanden. 970 wird er urkundlich als Graf im Bonnegau, 975 und 978 als Graf im Eifelgau, 977 als Graf des rechtsrheinischen Gaues (Keldachgau oder Ruhrgau?) genannt, in dem der Ort Gerresheim lag. Sein Vater war Graf im Zülpichgau. Da Zülpich noch lange pfalzgräfliches Lehen blieb, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass Hermann Pusillus auch diese Grafschaft geerbt hat. Erst 996, in seinem Todesjahr, wird Hermannals Graf im Auelgau genannt. Vermutlich hat er diese Grafschaft, in der 966 und 970 die KONRADINER Eberhard und Gottfried Grafen waren, als pfalzgräfliches Amtslehen erhalten. Im Auelgau stand die Siegburg an der Köln-Frankfurter Heerstraße. Auch die Burg Tomberg an der Aachen-Frankfurter Heerstraße, der einzigen festen, noch heute streckenweise im Gelände zu verfolgenden Straße, die in karolingischer Zeit gebaut wurde, ist wahrscheinlich aus Reichsbesitz an Hermann gelangt. Aus Reichsgut stammten auch große Güter um Alzey. Sie waren aber schon lange vor der Zeit des Pfalzgrafen Hermann im Familienbesitz der ERENFRIEDE. Sie wurden 897 legaliter in palatio Frankenfurt iudiciario iure durch Kaiser ARNULF eingezogen. Alle Zehnterträge in ihren Siedlungen und Neurodungen stiftete der Kaiser der Bischofskirche in Worms ob memoriam mei et Erenfridi et Adelgunde sue coniugis, quorum eadem predia antea fuerant. Es war wohl kein Allod gewesen, sondern Reichsgut, das als Mitgift seiner Gemahlin oder Mutter an den Grafen Erenfrid gekommen war, der 999 als Graf im Bliesgau genannt wird. Die ehrende Erwähnung Erenfrids und seiner Gemahlin in der Stiftungsurkunde und die Tatsache, dass diese umfangreichen Güter als Reichslehen im Besitz der Familie geblieben sind, sprechen gegen die Annahme einer politischen Strafmaßnahme. Ist doch das beneficium Alcei erst 1107 im Austausch gegen die Grafschaft Friesland durch den Grafen Heinrich von Zütfen an Kaiser HEINRICH V. abgetreten worden. Heinrich von Zütfen war ein Nachkomme der EZZONEN. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass schon Hermann Pusillus oder sein Sohn Ezzo dieses Reichslehen innegehabt haben. Auch großer Besitz an der mittleren Mosel, wo Hermann 963 einen Weinberg in Alf zum Seelenheil seiner Mutter Richwara an die Kirche stiftete, wo seine Enkelin Richeza nach ihrer Heimkehr aus Polen über große Güter verfolgte, ist wahrscheinlich als Mitgift aus Reichsgut an Hermanngekommen.
In der Fundatio monasterii Brunwilariensis wird berichtet,Hermann habe die Gegend, in der sein Sohn Ezzo das Kloster errichtete, urbar gemacht und besiedelt. Das ist zwar nicht in der ältesten, sondern nur in einer jüngeren Abschrift der Fundatio überliefert. Da jedoch Ezzo und sein Bruder Hezel oder Hezelin im Reichswald der Ville, der sich im Anschluß an den Kottenforst bei Bonn im Bogen westlich um Köln bis Horrem erstreckte, umfangreiche Güter und Rechte vom Vater erbten, ist die Nachricht glaubwürdig. Zur obersten politischen Führungsschicht hat Graf Hermann damals aber nicht gehört, Pfalzgraf ist er erst zwischen 985 und 989 geworden.

Kimpen Dr. Emil: Seite 1-2
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"Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft"

Als erster sicherer Ahnherr des Geschlechts begegnet uns Hermann I., "pusillus"oder der Kleine genannt, der 970 und 992 im Bonngau, 976 in Gerresheim bei Düsseldorf, 975 und 978 im Eifelgau, 981 im Zülpichgau als Graf und seit 989 auch als Pfalzgraf erscheint. Hermanns Vater war wohl, soweit aus Namen und örtlichen Verhältnissen Schlüsse gezogen werden können, ein Graf Erenfried, der uns als Graf 942 im Zülpichgau, 945 im Bonngau, 947 im Hattuariergau, 948 im Tubalgau, 950 über das im südlichen Ruhr- oder Keldachgau gelegene Hubbelrath begegnet und wohl auch Graf in der belgischen Grafschaft Huy, Vogt von Kloster Stablo und Besitzer von Liegenschaften im Haspengau gewesen ist. Ein 966 im Mülgau und 982 im Haspengau auftretender Graf Erenfried war vielleicht ein Bruder Hermanns.

Schaab Meinrad: Seite 19
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"Geschichte der Kurpfalz."

Ehrenfrieds II. bereits genanntem Sohn Hermann ist zusätzlich noch die Pfalzgrafenwürde zugefallen. Als Graf wird er im Bonngau, Eifelgau, Zülpichgau und Auelgau bezeugt, zuletzt 996. Außerdem war er für Herresheim nordwestlich Düsseldorf zuständig, woraus man auf die Grafschaft im Keldach- und im Ruhrgau geschlossen hat. Hermanns Einflußsphäre wurde offensichtlich aufgeteilt zwischen seinen Söhnen Ezzo, das ist die Koseform von Ehrenfried, und Hezelin, das sich vom Namen Hermann ableitet.
 
 
 
 

  oo Heylwig von Dillingen, Tochter des Grafen Hucbald
              -12.11.
 
 
 
 

Kinder:

  Ezzo
  955-21.5.1034

  Hezelin I.
         -   1033

  Richenza Äbtissin von Nivelles
         - um 1049

  Hermann Vogt von Deutz
          -   1040

  Adolf I. Vogt von Deutz (siehe Ordner Altena-Berg)
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Literatur:
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Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 118,426,444 - Kimpen, Emil: Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, XII. Ergänzungsband, Innsbruck 1933 Seite 1-2 - Lewald Ursula: Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes. In: Rheinische Vierteljahresblätter 43,1979, Seite 124 - Schaab Meinrad: Geschichte der Kurpfalz. Verlag W. Kohlhammer 1988 Seite 19 - Steinbach, Franz: Die Ezzonen. Ein Versuch territorialpolitischen Zusammenschlusses der französischen Rheinlande, in "Das erste Jahrtausend " Düsseldorf 1964 Seite 856-857 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 -
 
 
 
 
 
 
 


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