Liutfrid II.                                                 Graf von Tours
-----------                                               Laienabt von Münster-Granfelden
    - nach 902
 

Sohn des Grafen Liutfrid I. von Tours
 

Gerd Tellenbach: Seite 57
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"Der großfränkische Adel"

Liutfrid II. und sein Vater hielten sich bald diesseits, bald jenseits der Alpen auf. Er gab seine Tochter Adelais in eine italienisches Kloster, in die Abtei Santa Giulia in Brescia, die seit langobardischer Zeit immer wieder Königinnen, Prinzessinnen und Töchter des höchsten Adels aufgenommen hatte.

Franz Vollmer: Seite 173
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"Die Etichonen"

884 ist bereits Liutfrid, wohl Hugos Bruder, Herr von Granfelden, und Hugo dürfte bereits verstorben sein. Da der Bruder Liutfrid ihn wie in Granfelden auch im übrigen Nachlaß beerbt, scheint Hugo ohne eigene Nachkommenschaft gewesen zu sein. Liutfrid scheint ursprünglich nur den italienischen Teil der väterlichen Hinterlassenschaft übernommen zu haben, während sein Bruder Hugo im Jura und am Oberrhein tätig gewesen war. Liutfrid stand hier südlich der Alpen wohl im Dienst LUDWIGS II. von Italien. 876 zeugt er "in concilio Ticinensi". Der "illustris comes" Liutfredus hat vom König die curtis der Kirche St. Johann zu Monza als "beneficium", die er 879 anläßlich eines Tauschgeschäftes aufläßt. Die Zeugenreihe dieser Tauschurkunde weist die "vasalli ipsius comitis" als "francorum genere testes" aus, zeigt also, dass Liutfrid als Angehöriger der obersten fränkischen Schicht die karolingische Herrschaft in diesem Reichsteil sichern half.
Seit dem wohl vor 884 erfolgten Tode seines Bruders Hugo, der anscheinend das Erbgut am Oberrhein geerbt hatte, ist Liutfrid aber auch nördlich der Alpen am Oberrhein zu finden. Bereits 884 interveniert Graf Liutfrid für das Kloster Münster-Granfelden bei KARL DEM DICKEN; er hat damit die Familienrechte seines Bruders Hugo, der 866 als Intervenient für Granfelden im Diplom Lothars II. gewesen war, und zuvor seines Vaters Liutfrid übernommen.
Noch 902 ist dieser Liutfrid am Leben; er ist zusammen mit seinen 3 Söhnen Liutfrid, Hugo und Hunfried als Restaurator und Schenker im rechtsrheinischen Kloster St. Trudpert tätig. Von seinem vom toten Bruder Hugo ererbten Besitz übergibt er dem Schwarzwaldkloster im elsässischen Oedenburg/Burgheim, Limersheim (Liminhusin) und Colmar sowie in den ortenauischen Orten Ichenheim, Wittelbach (bei Lahr), Gamshurst Besitzrechte.
Noch um 900 ist die Verbindung Liutfrids mit Oberitalien nicht abgerissen. Er oder sein seit 902 bezeugter gleichnamiger Sohn tritt noch 902 als Graf Liutfrad-Leutfred in Pavia und Vercelli unter den fidelis Kaiser LUDWIGS III. auf. Ob er auch noch in anderen Reichsteilen eingesetzt worden ist, muß offen bleiben.
Wie lange die LIUTFRIDE im 10. Jahrhundert die italienische Position noch behaupteten, ist schwer erkennbar.
 
Michael Borgolte
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"Die Grafen Alemanniens"

LIUTFRID

belegt als Graf 902 II 21

Belege mit comes-Titel:
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D K III Nr. 108, von Weech, Urkundenbuch St. Trudpert Nr. 8 (= Regesta Alsatiae 1 Nr. 662)

Belege ohne comes-Titel:
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Herrgott, Genealogiae gentis Habsburgicae II. 1 Nr. 222 (= Migne PL 179 S. 849 Nr. 17, Germania Pontificia II. 1 181 Nr. 1), von Weech, Urkundenbuch St. Trudpert Nr. 7, Nr. 23 (Regest)

Literatur:
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Mayer, St. Trudpert und der Breisgau 17-19 - Beck, St. Trudpert 73-82 - Bastian, Güterbesitz des Klosters St. Trudpert 170 f.,177 - Büttner, Breisgau und Elsaß 76 - Vollmer, Etichonen 173f. - Hlawitschka, Franken in Oberitalien 223-226 Nr. CIX - Wilsdorf, Les Etichonides 24-27 - Zotz, Breigau 25 A. 94 - Borgolte, Die Geschichte der Grafengewalt im Elsaß 35,45 f.

In einem gefälschten Vidimus des Landgrafen Albert von Habsburg von 1186 ist als Insert eine Urkunde überliefert, die von der Wiederherstellung des Klosters St. Trudpert im Breisgau am Beginn des 10. Jahrhunderts Zeugnis ablegt (von Weech Nr. 8, vgl. ebd. Nr. 2; danach die päpstlichen Bestätigungsurkunden für St. Trudpert von 1144, Herrgott Nr. 222,1185, von Weech Nr. 7, und 1245, von Weech Nr. 23). Zwar ist erwiesen, dass auch der Text dieser carta verunechtet wurde, doch gilt das Datum des 21. Februar 902 und der in unserem Zusammenhang wichtige Teil der Bestimmungen als vertrauenswürdig (vgl. bes. Mayer und Beck). Aus dem Insert geht hervor, dass Liutfridus, illuster comes, der Erbe seines Bruders Hugo war, zusammen mit seinen Söhnen Hunfrid, Liutfrid und Hugo die Restauration und Dotierung der wohl im 7. Jahrhundert gegründeten Abtei (s. Art. BOBO) betrieben hat. Mit Zustimmung seiner Söhne tradierte Liutfrid dem Abt Waldrich und seinen Mönchen neben Gütern im Elsaß Besitz in der Ortenau, und zwar in Ichenheim (Gm. Neuried, Ortenaukreis; auf der Karte bei Borgolte, Kommentar: D 7), Wittelbach (Gm. Seelbach, Ortenaukreis; E 8) und Gamshurst (Gm. Achern, Ortenaukreis; E 4). Auch Hunfrid, Liutfrid und Hugo statteten das Kloster mit Eigengütern aus, die allesamt im Elsaß lagen. Da der Graf Liutfrid mit seinen 3 Söhnen anschließend illum sanctum locum Wlalderico abbati kommandierte und Liutfrid in St. Trudpert begraben werden wollte, scheinen die Restauratoren und Donatoren eigenklosterherrliche Rechte an St. Trudpert gehabt zu haben (bes. Beck 78 und zuletzt Borgolte 45f.). Das Insert enthält als eine der wenigen nicht-st. gallischen Urkunden der fränkischen Zeit die Grafenformel (vgl. Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens 77). Der in ihr genannte Graf Wolfilinus darf sicher mit dem im Breisgau zur selben Zeit auch sonst belegten WOLVENE identifiziert werden. Ob die Grafenformel den Wolfilinus/ Wolvene aber auch als Graf in der Ortenau ausweist, läßt sich kaum entscheiden. Vielleicht hat hier auch Liutfrid als comes amtiert, doch sei diese Erwägung, die nur auf dem Besitznachweis von Ichenheim, Wittelbach und Gamshurst beruht, mit allem Vorbehalt ausgesprochen (vgl. Krebs, Geschichte der Ortenau 138f., wo diese Frage aber nicht behandelt wird).
In der Forschung gilt als sicher, dass Liutfrid ein Enkel Hugos von Tours war, 876-879 als Graf in Italien gewirkt hat und nach dem Tod seines Bruders Hugo in den nordalpinen Raum zurückgekehrt ist (Vollmer, Hlawitschka, mit den oberitalienischen Belegen). Aus einem Diplom KARLS III., dessen Datum 884 IX 20 interpoliert wurde, geht wohl hervor, dass Liutfrid als Nachfolger seines Bruders Hugo die Leitung des Klosters Moutier-Grandval im Schweizer Jura übernommen hatte (D K III Nr. 108; zuletzt Borgolte, Die Geschichte der Grafengewalt im Elsaß 35). Die Tatsache, dass er 902 aber nicht in dem alten ETICHONEN-Kloster, sondern in St. Trudpert seine Grablege errichtet hat, spricht dafür, dass er seine Herrschaft über Moutier-Grandval aufgrund der Expansionspolitik König Rudolfs I von Hochburgund zumindest für gefährdet hielt (s. Borgolte, loc. cit., 45 f.).
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  oo N.N.
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Kinder:

  Liutfrid III.
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  Adelais Nonne in Brescia
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  Hugo
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  Hunfrid
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