Guntram der Reiche                                  Graf von Muri
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um 930-26.3.985/90
            (9.8. nach 973 Prinz Isenburg)
 

Sohn des Grafen Hugo aus dem Hause der ETICHONEN und der Hildegard
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1795
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Guntram der Reiche
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Graf am Oberrhein um die Mitte des 10. Jh.. Als Angehöriger der elsässischen Familie der EBERHARDE, einem Zweig der ETICHONEN, verfügte Guntram der Reiche über zahlreichen Besitz im nördlichen Elsaß und im Breisgau, wo er vermutlich das Grafenamt begleitete. In einem Gerichtsverfahren wegen Hochverrats, dessen Hintergründe unbekannt sind, wurden Guntram dem Reichen auf dem Hoftag König OTTOS I. in Augsburg 952 Grafenwürde, Lehen und Eigengüter entzogen; als Graf im Breisgau ist nun zeitweise Herzog Liudolf von Schwaben bezeugt, und die Besitzungen gelangten an die Klöster Einsiedeln und Lorsch, an das Bistum Konstanz und an die burgundischen RUDOLFINGER. Das Gewicht der Maßnahmen des Königs läßt erkennen, welche bedeutende Stellung Guntram am Oberrhein innegehabt hat; der Liber memorialis von Remiremont gedenkt seiner als 'nobilissimus nobilior'. Die Identität des Grafen mit dem 'Guntram dives' in den Genealogien der frühen HABSBURGER wird vermutet.

Literatur:
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H. Büttner, Breisgau und Elsaß (VuF 15, 1972), 78-85 - K. Schmid, Unerforschte Quellen aus quellenarmer Zeit, Francia 12, 1984 (1985), 119-147.
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Karl-Friedrich Krieger:
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"Die Habsburger im Mittelalter"

Fraglich bleibt allerdings, ob dieser Guntram der Reiche mit dem gleichnamigen Grafen Guntram im elsässischen Nordgau identisch war, dem König OTTO I. im Jahre 952 einen Teil seiner Güter wegen Treuebruchs aberkannt hat.

Werner Trillmich:  Seite 118
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"König Konrad II. und seine Zeit"

Der am schwersten durch den Hochverratsprozeß des Jahres 952 betroffene ETICHONE war Guntram der Reiche, Graf im Breisgau und Ahnherr der HABSBURGER, dessen Macht sich von den Vogesen über den Kaiserstuhl bis zum Schwarzwald erstreckte. Viele seiner Güter vom Baseler Hardtforst nordwärts bis Schlettstadt, Brumath und Riegel stammten aus Königsgut. Dazu kamen Vogteirechte im Gebiet der Straßburger Abteien Murbach und Rufach. Ihm wurden alle Ämter und Lehen abgesprochen. Wohl blieb das Eigengut im Elsaß, Breisgau, an Aare und Reuß unbehelligt, doch politischen Einfluß erlangten erst seine Enkel zurück, die um 1020 bei Brugg über der Aare die Habsburg errichteten, in Ottmarsheim und Muri Klöster stifteten.
 
Heinz Büttner: Seite 159-163
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"Geschichte des Elsaß"

Im August 952 fand in Augsburg ein Reichstag statt, auf dem Graf Guntram aus dem Elsaß wegen Hochverrats verurteilt wurde. Ein großer Teil seiner Güter wurde von OTTO I. eingezogen. Der Zusammenstoß zwischen OTTO I. und Guntram muß auf der Reise des Königs von Zürich über Erstein rheinabwärts erfolgt sein.
Der Prozeß wird uns sofort klarer, wenn wir den Besitz Guntrams betrachten, wie er aus den Verleihungen OTTOS I. wieder bekannt wird. Die Bedeutung des wichtigen Besitzes Guntrams im Sundgau, Colmar, für die Nord-Südstraße im Elsaß ist ohne weiteres klar. Die richtige Einschätzung dieses aus Fiskalbesitz in Guntrams Hände gekommenen Gutes gewinnt man aber erst, wenn man die Fortsetzungen der Besitzungen Guntrams rechts des Rheins betrachtet. Hier gehörte Guntram Riegel, die Pforte und der einzige Straßendurchlaß zwischen Schwarzwald und Kaiserstuhl, mit den Flanken Kenzingen, Endingen, Bahlingen und Teningen; damit befanden sich sämtliche rechtsrheinischen Straßenverbindungen unter Guntrams Aufsicht. Die einzigartige Stellung von Maurach erhöhte noch die beherrschende Stellung Guntrams in der Freiburger Bucht. Weiterer Besitz am Kaiserstuhl wie Ihrinen und Burkheim schufen eine Verbindung nach dem Elsaß hinüber.
Der Besitz Guntrams um Colmar und Riegel bildet eine quer über den Oberrhein reichende Sperre, die alle Straßen im Oberrheingebiet rechts und links des Stromes unter Guntrams Aufsicht stellte. Auch im Unterelsaß war mit Brumath und dem um diesen Mittelpunkt gelagerten weiteren Besitz ein wichtiger Straßenpunkt in Guntrams Hand. Sodann bleibt zu erwägen, dass Colmar an sich Fiskalgut war, ebenso wie auch Brumath. Auch im Kaiserstuhl und bei Riegel befanden sich Guntrams Güter öfter an Orten, in denen wir aus dem 9. Jahrhundert Reichsgut in größerem Umfang nachweisen können, so dass auch hier der Schluß nahe liegt, dass im Breisgau-Kaiserstuhler Besitz Guntrams erhebliches Reichsgut steckte.
Diese Erwägungen aber lassen bereits einen ersten Schluß auf die Infidelität Guntrams zu; sie bestand darin, dass der mächtige Graf dem König, der eben aus Italien über die Straßenverbindung Chur-Basel-rheinabwärts ins Elsaß kam, die Verfügung über das okkupierte Reichsgut nicht zugestehen wollte.
 
Franz Vollmer: Seite 179
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"Die Etichonen"

Guntram ist der 3. Sohn des Paares Hugo-Hildegard. 952 stößt er mit Kaiser OTTO I. zusammen. Unter der Anklage der Rebellion gegen die Königsgewalt und der Untreue wird öffentlich über ihn Gericht gehalten. Das Schuldurteil zieht die Konfiskation des Guntram-Besitzes nach sich. In späteren königlichen Schenkungen an Lorsch, Einsiedeln, Konstanz, Peterlingen und den Getreuen Rudolf wird ausdrücklich betont, dass diese Königsgüter aus der Konfiskation des Guntram-Besitzes stammten. Nach seinem Prozeß gelingt es Guntram nicht wieder, eine bedeutendere Stellung zu erringen, doch lebt sein Name in privaten Schenkungen an das Familienkloster Altdorf weiter.
Für die etichonische Familiengeschichte ist seine Person deshalb so wichtig, weil der Stammvater der HABSBURGER-Genealogie ebenfalls Guntram heißt. Ist unser etichonen-blütiger comes Guntram identisch mit jenem Guntram dives, der den HABSBURGER-Stammbaum einleitet, so ist die Abstammung der HABSBURGER von den ETICHONEN erwiesen.
 
 
 
 

Kinder:

  Lanzelin I. (Landold)
  955/60-   991

  Eberhard Thurgaugraf
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