Liutgard von Meißen                      Gräfin von Walbeck
--------------------------                     Markgräfin der sächsischen Nordmark
ca 985/90-13.11.1012
                 Burg Wolmirstedt

Begraben: Walbeck
 

Älteste Tochter des Markgrafen Ekkehard I. von Meißen und der Suanehild Billung von Sachsen, Tochter von Herzog Hermann
 

Althoff Gerd: Seite 423
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                            G 162

Lü:    13.11.    Liutgard com     + 1012 Gemahlin Werners von Walbeck

Liutgard, die Tochter Ekkehards I. von Meißen, erscheint wie mehrere andere Mitglieder der Familie Ekkehards im Lüneburger Necrolog: vgl. dazu Kommentar G 42.
Zu den engen verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen der BILLUNGER und EKKEHARDINER siehe oben S. 57f.
Zu Liutgards, von Ekkehard zunächst verhinderter, Heirat mit Werner von Walbeck (G 160), vgl. Schölkopf Die sächsischen Grafen, S. 76; Posse, Die Markgrafen von Meißen, S. 42.

Me:    13.11.     Liukind cometissa
          13.11.     Liuce com.
         ( Es.)       Der zweite Eintrag in Merseburg gehört der Ergänzungsschicht an, der erste nicht. Liutgard war die Tante Thietmars von Merseburg, vgl. Lippelt, Thietmar von Merseburg, S. 48.
Zu den Verwandten Thietmars im Merseburger Necrolog siehe oben S. 235.
Zum Todesdatum: Schölkopf, S. 77 und Thietmar VI, 84.



Schwennicke Detlev: Tafel 143
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

LIUTGARD
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    + 13.XI.1012

  oo 1005
       WERNER Graf von Walbeck, Markgraf der Nordmark
                 + 11.XI.1014



Thiele Andreas: Tafel 180
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

LIUTGARD
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    + 1012

  oo 1003
      WERNER VON WALBECK, Markgraf der Nordmark
               + 1014



Glocker Winfrid: Seite 335
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik."

VIII. 3. LIUTGARD
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* c 985/90, + 1012 XI 13

  oo 1002
     WERNER, Graf von Walbeck, Markgraf in der Nordmark (1009 abgesetzt),
     * c 990, + 1014 XI 11               Graf im Nordthüringengau und in Bellesem
 

Vgl. Schölkopf, Grafen Seite 68 und 76 ff.



Schölkopf, Ruth: Seite 76,77
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Lothar hatte sich um enge Beziehungen zu dem mächtigen Markgrafen bemüht und hätte gern Ekkehards Tochter Liudgard seinem Sohne als Gattin zugeführt, was ihm Ekkehard anfänglich zusicherte. Wahrscheinlich hatte Ekkehard in späteren Jahren ehrgeizige Pläne mit seiner Tochter vor. Er widersetzte sich der in Aussicht genommenen Ehe, so dass Werner Liudgard von Quedlinburg, wo sie zur Erziehung weilte, nach Walbeck entführte. Er konnte sie erst nach Ekkehards I. Tod im Jahre 1002 heiraten.
Wenden wir uns zunächst Werner, dem erstgeborenen Sohn Lothars zu. Er war beim Tode seines Vaters noch unmündig. Seiner Mutter gelang es, durch Zahlung von 200 Mark Silber Lehen und Markgrafschaft ihres Gatten ihrem Sohne zu erhalten [Persönlicher Einwurf: Im Jahre 998 war Werner nach den einschlägigen Angaben mit acht Jahren alt genug, um seine Braut Liutgard aus Quedlinburg zu entführen; beim Tode seines Vaters im Jahre 1003 war er dann wieder unmündig!!].
Wie bereits erwähnt, setzte er auf dem Wege der Entführung das Eheversprechen Ekkehards I. von Meißen in die Wirklichkeit um, konnte trotzdem aber Liudgard erst nach dem Tode seines Schwiegervaters (1002) als Gattin heimführen. Liudgard starb am 13. November 1012 an den Folgen einer Krankheit, die sie plötzlich in Wolmirstedt überfiel. Von Werner tief betrauert, wurde sie in Walbeck, der Familiengrabstätte, beigesetzt. Ihr Todestag steht im Merseburger Necrologium verzeichnet, vermutlich auf Veranlassung Thietmars von Merseburg, zu dem sie in besonders enger Beziehung stand.

Rupp Gabriele: Seite 201
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"Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten"

Nach Aussage Thietmars von Walbeck war Liudgard das erstgeborene Kind Swanhildes und Ekkehards. Der Chronist berichtet weiter, Ekkehard habe seine Tochter dem Sohn des Markgrafen Liuthar von Walbeck zur Frau versprochen, diese Zusage später aber widerrufen. Werner von Walbeck habe daraufhin seine Braut aus dem Kloster Quedlinburg, wo sie sich bei der Äbtissin Mathilde zur Erziehung aufgehalten hatte, nach Walbeck entführt und sie erst zurückgegeben, als er vor eine Versammlung nach Magdeburg zitiert worden war. Erst nach dem Tod Ekkehards konnten die beiden im Januar 1003 heiraten.
Liudgard starb am 13. November 1012.

Hlawitschka Eduard: Seite 24,36
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"Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“

Da Ekkehard verbindlich und öffentlich versprochen hatte, seine Tochter Liudgard dem Sohne des Markgrafen Liuthar, Werner, zur Frau zu geben, aber später von diesem Versprechen wieder abgerückt war, konnte ihm Wortbruch - und damit Rechtsbruch, Verstoß gegen die iusticia - vorgehalten werden.
Althoff lehnt es ab, im Auftauchen ottonischer Namen - Liudgard, Oda, Mathilde und Brun - innerhalb der Familie Ekkehards von Meißen einen Hinweis auf Verwandtschaftsbeziehungen der EKKEHARDINER zu den OTTONEN zu sehen. Denn sein Einwand gegen die "liudolfingischen Namen" ist nur teilweise stichhaltig; auch wenn die beiden Namen Oda und Mathilde durch Ekkehards Gemahlin Swanahild in die Familie gebracht worden sein sollten und nicht aus Ekkehards eigenem Vorfahren- und Verwandtenkreis stammten, so bleiben doch die Namen von Ekkehards Bruder Brun und Ekkehards Tochter Liudgard weiterhin signifikant.

Lippelt, Helmut: Seite 53
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"Thietmar von Merseburg"

Diese Ranggleichheit wollte Liuthar bestätigt und befestigt sehen durch eine Ehe zwischen seinem Sohne Werinhar und Ekkehards Tochter Liudgerd. Und cum due propagines iste, puer inquam et puella, ex tam nobilissime vitis radice emersissent ... schenkte Ekkehard der Werbung Liuthars Gehör und die Verlobung wurde feierlich more suo et iure presentibus cunctis optimatibus verkündet. Doch nachdem Ekkehard unter OTTO III. zu bedeutenderer Stellung und stärkerem Einfluß im Reich gelangt war, schien ihm dieses pactum firmissime stabilitum nicht mehr so fest und unlösbar. Das mußte für die WALBECKER eine empfindliche Kränkung ihrer Ehre bedeuten; und um diese zu vermieden, raubte Werinhar, unterstützt von seinen Vettern Heinrich und Friedrich - die gesamte Sippe handelt also -, seine Braut aus dem Gewahrsam der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, in den Ekkehard sie gegeben hatte, während er bei OTTO III. in Italien weilte. Nach Thietmar ist diese Tat geschehen non consilio patris - doch ist er vorsichtig genug hinzuzusetzen ut arbitror - sed amore virginis et ob metum manifesti dedecoris. Der Versuch, auf solche Weise die Familenehre zu wahren, war kühn; Werinhar mußte die Braut wieder herausgeben, da ihm sonst die Verbannung aus dem Reich drohte.

Bleiber Waltraut: Seite 104,110
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"Ekkehard I., Markgraf von Meißen (985-1002)", in: Deutsche Fürsten des Mittelalters, Fünfundzwanzig Lebensbilder

Da Mathilde auf dem Hoftag zu Grone selbst anwesend  war, mag bei dieser Begegnung auch eine Übereinkunft getroffen worden sein, deren Verwirklichung für die gesellschaftliche Reputation des Hauses der EKKEHARDINGER und seine weitere Etablierung im Kreise der führenden Adelsgeschlechter des Reiches höchste Bedeutung zukommen mußte: Liudgard, das erstgeboree Kind Ekkehards und der Schwanhild, fand um diese Zeit im Servatiusstift Aufnahme, damit ihm dort im königlichen Pfalzort Quedlinburg und unter Aufsicht und Leitung der Äbtissin Mathilde Ausbildung und Erziehung zuteil werde.
Markgraf Liuthar wurde wurde nach dem Tode Ekekhards I. der Schwiegervater Liudgards, und die Feindschaft zwischen beiden war, wenn nicht verursacht, so doch mit Sicherheit befördert worden durch die Wortbrüchigkeit Ekkehards: Er hatte den Ehekontrakt gebrochen, den er dereinst mit Liuthar über die Verbindung ihrer beiden Kinder geschlossen hatte. Werner, der Sohn Liuthars, entführte daraufhin seine Braut aus der Obhut der Äbtissin Mathilde und mußte sich danach in Magdeburg einem demütigenden Sühneverfahren unterwerfen.
 
 
 
 

 1003
  oo Werner Graf von Walbeck
  x   ca 990-11.11.1014
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 57,187,218,423 G 162 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 49 - Bleiber Waltraut: Ekkehard I., Markgraf von Meißen (985-1002), in: Deutsche Fürsten des Mittelalters, Fünfundzwanzig Lebensbilder, hg. von Eberhard Hotz und Wolfgang Huschner, Leipzig 1995, Seite 104,108,110 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 27 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 17,20,205,335 - Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 155,175 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 24,36,41 - Lippelt, Helmut: Thietmar von Merseburg, Böhlau Verlag Köln 1973 Seite 53 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens Seite 76, 77 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 143 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 180 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 18,154,156,158,332,334,360 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 50 -