Gunzelin von Kuckenburg              Markgraf von Meißen (1002-1009)
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um 965- nach 1017
 

2. Sohn des Markgrafen Gunther von Merseburg
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1795
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Gunzelin, Markgraf von Meißen
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     + nach 1017

Aus dem Hause der EKKEHARDINER

  oo möglicherweise Schwester Boleslaw Chrobry

Gunzelin wurde nach der Ermordung seines Bruders Markgraf Ekkehards I. 1002 von König HEINRICH II. als dessen Nachfolger eingesetzt, um den Interessen der EKKEHARDINGER und Boleslaws Chrobry entgegenzukommen. Die Auseinandersetzungen mit seinen Neffen Hermann und Ekkehard II. um das Erbe Ekkehards I. gipfelten in offener Fehde. 1009 wurde in Merseburg unter Vorsitz des Königs der Streit gerichtlich entschieden und Gunzelin nach Schuldspruch seine Markgrafschaft entzogen.

Literatur:
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Siehe Ekkehardinger [H. Patze, 1962; H. Ludat, 1971] - R. Schölkopf, Die sächs. Gf.en 919-1024), 1957, 68ff.


Glocker Winfried: Seite 315
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VII. 3) GUNTHER ("GUNZELIN VON CUKESBURG")
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    + n 1017

1002 Markgraf von Meißen, 1009 abgesetzt und inhaftiert, 1017 wieder in Freiheit;
 

oo NNw, Tochter Dobromirs, Schwester der Emnilde (diese war die 3.Gemahlin)

Gunzelin (Gunther) ist durch den Aufsatz Holtzmanns, Beiträge passim, als ein Bruder Markgraf Ekkehards I. von Meißen gegen andere Meinungen gesichert. Zweifel an dieser Filiation Markgraf Gunthers kamen vor allem deshalb auf, weil Thietmar V c. 18, Seite 241, öfter Gunzelin von Meißen als "frater" Herzog Boleslaw Chrobrys bezeichnet, womit genealogischen Konstruktionen Tür und Tor geöffnet war. Jedoch konnten Holtzmann, Beiträge Seite 129, und Ludat, Elbe Seite 20 f., diese Angabe aus der Verschwägerung Gunthers mit Boleslaw durch die Heirat mit einem Schwestern-Paar erklären.
Die Belege für die Markgrafenstellung Gunthers sind bei Schölkopf, Grafen Seite 68 f., gesammelt. Wie Holtzmann, Beiträge Seite 119-122, feststellte, nennt Thietmar V c. 9, Seite 230, Gunzelin "Cukesburgensis" nach dem Wohnort und Allod Kuckenberg (zwischen Querfurt und Schraplau), um unseren Bruder Ekkehards von Meißen von den beiden anderen Namensvettern, die zu seiner Zeit lebten, zu unterscheiden.



Schwennicke Detlev: Tafel 143
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

GUNZELIN
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    + nach 1017

1002 Markgraf von MEISSEN
1009 abgesetzt



Thiele, Andreas: Tafel 180
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

GUNZELIN
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    + nach 1017

Von Thietmar von Merseburg als Halbbruder Boleslaws I. von Polen bezeichnet, war wohl dessen Schwager. Er folgte 1002 als Markgraf von Meißen und stand ständig gegen seine Neffen. Gunzelin konnte die Mark Meißen nicht gegen Polen halten und mußte Grenzgebiete aufgeben. Er wurde 1009 abgesetzt: Vorwurf der Sklaverei und einer Verschwörung.



Gunzelin, der um Kuckenberg bei Querfurt und Altenburg begütert war, folgte seinem Bruder (oder Halbbruder) Ekkehard I. als Markgraf von Meißen und spielte in dieser Zeit eine sehr zweideutige Rolle. Zur Unterscheidung von anderen Grafen gleichen Namens wurde er nach seinem Wohnort und Allod Kuckenburg (zwischen Querfurt und Schraplau) genannt. Gunzelin unterstützte seinen Schwager Boleslaw I. tatkräftig bei der Eroberung von Meißen und dieser setzte seine Belehnung durch. 1004 nahm er an der Seite des Königs an einem erfolglosen Zug gegen die Milzener teil. Er war auch bei der Belagerung der Stadt Bautzen anwesend, die in deutsche Hände fiel. 1009 kam es zur Familienfehde zwischen Markgraf Gunzelin und seinen Neffen Ekkehard und Hermann. Gunzelin versuchte, die Stadt Strehla anzugreifen, und ließ Rochlitz (an der Zwickauer Mulde) in Flammen aufgehen. Beide Orte waren Allod der Familie. Als Racheakt zerstörten die Brüder seine Burg an der Saale (vielleicht Altenburg bei Naumburg). Der König untersuchte den Streitfall persönlich in Merseburg und sprach Gunzelin alle Schuld zu. Am 5.6.1009 wegen Hochverrats abgesetzt, wurde er zunächst in Halberstadt, dann in Bamberg in Gefangenschaft gehalten und kam erst im Dezember 1017 wieder frei.
 
 
 

 987
  oo NNw, Tochter des Heveller-Fürsten Dobromirs
               -           Schwester der Emnildis, der 3. Gemahlin Boleslaws I.
 
 
 
 

Kinder:

  Albi
  um 975-17.12.990
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Wilhelm Fink Verlag München 1984 Seite 113 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 208,210,216,223 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 160,163,166 - Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis ins 12. Jahrhundert, Mitteldeutsche Forschungen 67, Böhlau Verlag Köln 1972 Band I Seite 241 - DEUTSCHE FÜRSTEN DES MITTELALTERS. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Edition Leipzig 1995 Seite 98,108 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 315 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 26,29 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 370,373,382,384,386,389,391,406 - Leyser, Karl J.: Herrschaft und Konflikt. König und Adel im ottonischen Sachsen, Vandenhoec & Ruprecht Göttingen 1984 Seite 162 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 20,23,27-29,31,79,96,98,104,108,196,207,211,215,222,224,229,231,234,462,512 - Lüpke, Siegfried: Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075), Dissertation Halle 1937 - Rupp, Gabriele: Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten, Peter Lang GmbH Frankfurt am Main 1996 Seite 95-107 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 84-139 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 Seite 68 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 143 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 180 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 202,210,230,232, 244,258,300,302,428 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 50,64,116,210,215,217 -