Gunther                                           Bischof von Bamberg (1057-1065)
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um 1025/30-23.7.1065
                   Ödenburg/Ungarn

Begraben: Bamberg, Dom
 

Sohn eines EKKEHARDINERS (Gabriele Rupp) und der Gerbirga (+ 26. Mai)
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1792
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Gunther, Bischof von Bamberg seit 30.3.1057 (Weihe)
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* ca. 1025/30, + 23. Juli 1065
                Ödenburg (Ungarn)

Begraben: Bamberg, Dom

Aus vornehmen, dem Königshofe nahestehenden Geschlecht (Mutter: Gerbirg, aus dem Hause der EPPENSTEINER), erhielt Gunther seine Erziehung an der Bamberger Domschule. Der Bamberger Domkanoniker wurde 1054 von HEINRICH III. zum Leiter der italienischen Kanzlei bestellt (nachweislich bis Juli 1056 tätig). 1055 Königsbote in Italien. Im Mai 1056 wurde er vom König zum Propst des Stifts zu Goslar erhoben. Von Kaiserin Agnes Ostern 1057 zum Bischof von Bamberg ernannt, setzte sich Gunther für die Rückgewinnung der der Bamberger Kirche unter HEINRICH III. entzogenen Besitzungen ein. Dies führte zeitweise zu Spannungen mit der Regentin. Erst nach 1062 erfolgte unter dem Einfluss Annos von Köln die Restitution Forchheims und des Marktes zu Fürth. Gunther gründete das Kanonikerstift St. Gangolf, betrieb planvolle die Christianisierung der slavischen Bevölkerung seiner Diözese und verteidigte den Neubruchzehnten gegenüber Würzburger Ansprüchen (Synode von 1059). Im November 1064 begab er sich mit Erzbischof Siegfried I. von Mainz u.a. auf eine viel beachtete Pilgerfahrt nach Jerusalem, auf deren Rückweg er verstarb. Gunther verkörperte auf vollkommene Weise den Typus des Reichsbischofs der vorgregorianischen Zeit. Übereinstimmend rühmten die Zeitgenossen die ideale Verbindung von körperlichen und geistigen Vorzügen. Die Briefe des Bamberger Scholastikers Meinhard lassen Gunthers Persönlichkeit in seltener Anschaulichkeit hervortreten. Der Bischof, dessen Vorliebe für Spielmannsdichtung und Dietrichsepik bei Meinhard auf Ablehnung stieß, dürfte mit der Anregung zum frühmittelhochdeutschen Ezzolied hingegen dessen Aufforderungen zu einem durchgeistigteren Leben entsprochen haben.

Quellen und Literatur:
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NDB VII, 32f. - RI II, 2 Nr. 94, 221, 228, 252, 261f., 275, 347, 351 - E. Steindorff, JDG H. III. 1, 1874, 357f.; 2. 1881, 297ff. - G. Meyer v. Knonau, Jdg H. IV. und H. V. 1, 1890, 22f., 270-274, 290f., 391-394, 445-450, 451-455 - P. Kehr, MGH DD 5, 1926-1931, Einl. XXXVf. - Hauck III, 711f., 974f. - C. Erdmann, Fabulae curiales, ZDA 73, 1936, 87-98 - Ders., G. v. Bamberg als Heldendichter, ebd. 74, 1937, 116 - E. Frhr. v. Guttenberg, Das Bm. Bamberg (GS II/1, 1937), 101-106 - C. Erdmann, Stud. zur Brieflit. Dtl.s im 11. Jh. (MGH Schr. I, 1938), 26-36, 41-45, 282-291 - E. Ploss, Bamberg und die dt. Lit. des 11. und 12. Jh., JbffL 19, 1959, 275-302, bes. 278f. - E. Klebel, Bf. G. v. Bamberg (900 Jahre Villach, 1960), 13-32 - E. Frhr. v. Guttenberg, Die Reg. der Bf.e und des Domkapitels v. Bamberg, 1963, 124-193 - J. Fleckenstein, Die Hofkapelle der dt. Kg.e (MGH Schr. 16/II, 1966), 252, 262f.


Bosl’s Bayerische Biographie: Seite 287
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Gunther, Bischof von Bamberg 1057-1065
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* ca. 1025/30, + 23.7.1065
                Ödenburg/Ungarn

Vater: aus dem Hochadel, HEINRICH III. nahestehend

Mutter: Gräfin Gerbirg (+ ca. 1050/60)

Nachgewiesen als Propst von Hainburg/Niederösterreich seit 1051, als Kanzler von Italien erstmals 1054.
Im Vertrauen des Papstes Viktor II., des engsten Beraters der Kaiserin-Witwe Agnes.
Wahl zum Bischof von Bamberg 1057, Wirksamkeit nach dem Tode HEINRICHS III. und vor der Mündigkeitserklärung HEINRICHS IV.
Enges Verhältnis zu Erzbischof Anno von Köln (der bis 1054 der Bamberger Domschule vorgestanden hatte).
Gestorben auf dem Rückweg von einer Wallfahrt nach Jerusalem, beigesetzt im Bamberger Dom.
Nach der Synode von 1059 Christianisierung der Main- und Regnitzwenden, Rückgewinnung der Bistumsgüter Forchheim und Fürth, Gründung des Kanonikerstiftes S. Gangolf in Bamberg.
Detaillierte Kenntnisse aus den Briefen seines Domscholasters Meinhard.
Anregung zum frühmittelhochdeutschen „Ezzolied“ der Bamberger Geistlichen Ezzo und Willo.

Literatur:
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NAB 7; ADB 10; BWB 1; J. B. Krallinger, Bischof Gunther von Bamberg, 1877.


Gunther war Goslarer Propst und Kanoniker und wurde Kanzler für Italien.

Black-Veldtrup Mechthild: Seite 29-33,42
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien "

Der Bamberger Bischofsstreit war in erster Linie eine Auseinandersetzung zwischen der Kaiserin Agnes und Gunther von Bamberg. Der Konflikt hatte sich im Herbst 1060/Anfang 1061 an der Entscheidung Gunthers entzündet, die Äbtissin des Bamberger Eigenklosters Bergen in der Diözese Eichstätt wegen Misswirtschaft abzusetzen. Die Äbtissin wandte sich daraufhin an Agnes, die sich bei Gunther vergeblich um ihre Wiedereinsetzung bemühte. Die Auseinandersetzung eskalierte, als Agnes Gunther das Eigentumsrecht an Bergen absprechen wollte. Ihren Höhepunkt erreichten die Streitigkeiten im Frühjahr 1062, als Agnes und Gunther jeweils für die sich auf Bamberger Gebiet befehdenden Grafen Hermann und Gozwin Partei nahmen. Damit war das Problem auf die Ebene der kriegerischen Auseinandersetzung gelangt. Dies war der Stand der Dinge zur Zeit der Entführung HEINRICHS IV. Als nächstes erfahren wir aus einem auf den Oktober 1062 datierten Brief des Bamberger Dekans Poppo an Bischof Gunther von Aktivitäten der Kaiserin. Sie hatte unter den Bamberger Kirchen, deren Besitzungen von den Ausschreitungen betroffen waren, Geld verteilt und dabei das Stift St. Maria und Gangolf, eine Gründung Bischof  Gunthers übergangen.
Es ist einhellige Forschungsmeinung, dass die Versöhnung zwischen Agnes und Gunther, von der uns ein zu Dezember 1062 einzuordnender Brief des Bamberger Domscholasters Meinhard an seinen Bischof unterrichtet, in Regensburg stattfand. 1063 bat Bischof Gunther Erzbischof Anno von Köln um den gewohnten Beistand bei den erneut aufgeflammten Auseinandersetzungen mit Agnes. Auf dem Hoftag zu Tribur im Januar 1064 war Gunther nicht erschienen, obwohl auch seine Angelegenheiten verhandelt werden sollten.
Gemeinsam mit seinem Freund Anno von Köln favorisierte er seit 1061 Papst Alexander II.
Gunther war am 23. Juli 1065 auf dem Rückweg von einer Jerusalemfahrt in Ungarn gestorben.
 
 
 

Literatur:
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Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 28-33-42,43,206,212,237,365,365,373 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band II Seite 57,131,230,232,234,417,420,557/Band III Seite 28,31,35, 310,338-341 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 56,94-104 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band I Seite 22, 270-274,290,391-394,445-450,451-455 - Steindorff, Ernst: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich III., Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963 Band I Seite 357/Band II Seite 297 -