Rupp Gabriele: Seite 141-156
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"Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten"

Ekkehard II. wird in der Chronik Thietmars von Merseburg das erste Mal im Jahr 1009 erwähnt. Damals focht er zusammen mit seinem Bruder Hermann eine Fehde mit ihrem Onkel Gunzelin aus. Auch an den Auseinandersetzungen mit Bischof Thietmar von Merseburg wegen des Zwenkauer Forstes hat Ekkehard zusammen mit seinem Bruder aktiv teilgenommen. Überhaupt taucht Ekkehard oft in Verbindung mit seinem Bruder Hermann auf, ob nun in den erzählenden Quellen oder in Urkunden.
Im Jahr 1013 erfuhr HEINRICH II., dass Ekkehard zusammen mit seinem Schwager Werner, dem HEINRICH II. wegen der Ermordung des Grafen Dedi von Wettin die Markgrafschaft über die Nordmark aberkannt hatte, Herzog Boleslaw Chrobry ohne Erlaubnis besucht hatte. Dort sollen sie aufrührerische Reden geführt und darüber hinaus heimlich Boten des Herzogs empfangen haben. Beide Männer wurden daraufhin aufgefordert, vor HEINRICH zu erscheinen und als sie dieser Vorladung nicht nachkamen, wurde ihnen ihr Besitz entzogen.
Das Gericht entschied hier nach gebräuchlichen Richtlinien. War ein Vorgeladener der Aufforderung vor einem Gericht zu erscheinen, nicht gefolgt, so galt er als des angeklagten Vergehens überführt und konnte in Abwesenheit in Form eines Kontumazialverfahrens verurteilt werden.
Werner lenkte daraufhin sofort ein und erhielt nach Zahlung einer beträchtlichen Buße Verzeihung. Ekkehard hingegen wurde erst viel später auf die Fürsprache von Getreuen hin wieder in Gnaden aufgenommen. Unter diesen Getreuen befanden sich sicher die beiden Brüder Ekkehards, Hermann und Gunther, der Kanzler HEINRICHS II.
Über die Hintergründe des Besuchs gibt es keine Nachrichten. Zeitlich steht er am Ende des zweiten Polenkrieges. Die Motive Werners lassen sich vielleicht noch insofern erklären, als er hoffte, über die Verbindung mit dem Polen-Herzog die Wiedereinsetzung in seine Mark zu erlangen. Dass Ekkehard seinerseits auf diesem Weg seine Ansprüche auf die Mark Meißen sichern wollte, wage ich zu bezweifeln. Die polnische Reise steht meiner Meinung nach eher mit der latenten Unzufriedenheit der Sachsen mit der Kriegsführung HEINRICHS in Zusammenhang. Auch beschreibt Thietmar Ekkehard als einen jungen und unreifen Mann.
Zu welchem Zeitpunkt der Bann über Ekkehard wieder aufgehoben wurde, wissen wir nicht; wir haben nur die Angabe Thietmars "longe post". Doch kann er nicht allzulange gebannt gewesen sein, da er schon ein paar Jahre später zusammen mit seinem Bruder handelnd auftritt.

5.2. Verleihung einer Markgrafenwürde

In einer Urkunde aus dem Jahr 1032 erscheint Ekkehard mit dem Titel eines Markgrafen. Es wurde deshalb gemutmaßt, dass er in der Mark Meißen die Nachfolge seines Bruders Hermann angetreten hätte. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass Hermann erst wesentlich später, nämlich erst im Jahr 1038, gestorben ist. Es stellt sich deshalb die Frage, welches Gebiet Ekkehard 1032 als Markgraf verwaltet hat.
Ein Jahr zuvor war die Nieder-Lausitz wieder an das Reich zurückgekommen. Ungewiß ist, ob auch die Ober-Lausitz mit zurückgegeben wurde, nicht viel später erscheint diese Provinz jedoch bei der Mark Meißen, und es läßt sich kein günstiger Moment nachweisen, in welchem das alte Verhältnis wieder hergestellt sein könnte, als der Friede mit Polen im Jahr 1031.
Hinzu kommt, dass das Geschlecht, das vorher die Ostmark innehatte, ausgestorben ist. Markgraf Hodo wurde zuletzt am 30. Juni 1032 erwähnt. Die Quellen berichten zwar nichts über eine Neuvergabe dieses Gebietes, woraus man auch entnehmen könnte, dass diese Mark einige Zeit vakant geblieben ist, dagegen spricht aber die Gefährdung dieses Gebietes durch Polen. Nimmt man nun die Nennung Ekkehards als Markgrafen - wenn auch ohne Angabe des Geltungsbereiches - hinzu, ist die Zuweisung Ekkehards als Markgraf dieses Gebietes durchaus zulässig. Dass Ekkehard ein anderes Markgrafenamt in diesem Bereich verwaltet hat, ist unmöglich, da keine andere östliche Mark um diese Zeit frei wurde.
Breßlau ist dagegen der Meinung, Dietrich von Wettin habe diese Markgrafschaft zuerkannt bekommen. Er taucht jedoch nie mit dem Markgrafen-Titel auf, sondern wird "comes Oreintalium" genannt. Viele Forscher folgten Breßlaus Ansicht. Dagegen wandte sich zuerst Waitz: "Ich möchte eher glauben, dass Ekkehard auch die später so genannte Ostmark und Lausitz gehabt (hat)." Diese Ansicht bewies im Anschluß an Waitz mit überzeugenden Gründen Dieterich. Er zeigte, dass der Ausdruck "comes Orientalum" am besten mit "Graf des Osterlandes" wiederzugeben sei also nicht als Beleg für Dietrichs vermeintliches Markgrafentum zu werten sei.
Diese Schlußfolgerung wird durch das Zeugnis der Hildesheimer Jahrbücher erhärtet. Einmal nennt der Verfasser, der zeitlich den Ereignissen sehr nahe stand, Ekkehard ebenfalls zu dieser Zeit bereits Markgraf. Dann aber deutet er anhand der Verwicklung des Markgrafen mit Dietrich von Wettin den Amtsbereich Ekkehards an. Wenn nämlich einige Vasallen Ekkehards den wettinischen Grafen, der eben hier "comes Orientalum", Graf vom Osterland, genannt wird, ermorden, so ist nach dem Wortlaut der Quelle gewiß, dass dieser Mord sich auf einem Besitz Dietrichs ereignet hat.
Unter dem Osterland verstand man im Mittelalter das Land zwischen Saale und Mulde. Durch dieses Zusammentreffen wird die Ostmark als Ekkehards Amtsbereich sehr wahrscheinlich gemacht. Hier darf auch die Merseburger Bischofschronik herangezogen werden, die zwar mit einer Bezeichnung des 12. Jahrhunderts, die Dietrich für diese Zeit ablehnt, aber doch das gleiche Gebiet, nämlich die Mark Hodos bezeichnet, Ekkehard "Marchio orientalis" genannt.
Die größeren Altaicher Jahrbücher zum Jahr 1046 erzählen, dass Dedi von Ekkehards Marken zwei erhielt, während der König die dritte, nämlich die meißnische, zurückbehielt. Wenn man Ekkehard II. nur in Besitz der Mark Meißen zuerkannt, dann gerät man an dieser Stelle in einige Schwierigkeiten.
Die einfachste Erklärung ist aber folgende:Ekkehard II. besaß neben und vor Meißen schon die Ostmark mit der Lausitz, die eben jetzt an Dedi kam. Aber noch bleibt die Dreizahl des Altaicher Berichts ein Hindernis. Hier muß darauf verwiesen werden, dass die Ostmark nach dem Tod des Markgrafen Gero zunächst in zwei Bereiche geteilt und von Hodo (Lausitz) und Thietmar I. (innere oder eigentliche Ostmark) als selbständige Markengebiete verwaltet worden war. Zwar scheint schon Hodo nach Thietmars Tod beide Teile vereint zu haben und später ebenso Gero II., Thietmars Sohn. Aber die Erinnerung daran, dass hier ursprünglich zwei Marken bestanden haben, dürfte nie ganz verloren gegangen sein, denn spätere Markgrafen dieses Gebietes tragen den Titel "marchio orientalis et Lusiciae" oder "margrav in Lausitz und im Osterlande".
Dazu kommt, dass die Lausitz von 1002 bis 1031 in polnischem Besitz war, wodurch die frühere Trennung womöglich noch schärfer hervorgehoben wurde. Damit wird verständlich, wie es zu der Dreizahl der Marken - Meißen, die Ostmark und die Lausitz - Ekkehards II. gekommen ist, von welchem Dedi zwei - die Ostmark und die Lausitz - nach dem Tod Ekkehards II. erhalten hat. So kann die Herrschaft Ekkehards in der Ostmark von 1032 bis 1046 als gesichert gelten. Diese Ansicht ist mittlerweile auch in der Forschung vorherrschend.
In diesem Zusammenhang wird nun auch der Mord an Dietrich von Wettin klarer. Geht man davon aus, dass Ekkehard als Markgraf in der wiedergewonnenen Ostmark eingesetzt wurde, das heißt in der Nieder- und in der Oberlausitz, ist sehr wahrscheinlich, dass es zwischen ihm und Dietrich als Grafen im Osterland zu Spannungen und sogar Kompetenzstreitigkeiten gekommen ist. Vielleicht befürchtete Ekkehard, dass auf Betreiben des WETTINERS die Ostmark wieder in zwei Marken getrennt würde; ihm folglich nur noch ein Teil seines ursprünglichen Amtsbereiches unterstehen würde, und zwar der Teil, der in den letzten Jahrzehnten immer wieder Zankapfel zwischen deutschen und polnischen Ansprüchen gewesen ist.
Einen Beweis für diese Ansicht Thietmar, wenn er schreibt, Dietrich sei von den Vasallen Ekkehards unter dem Vorwand, ihn zu beglückwünschen, aufgesucht worden. Ekkehard fürchtete um seine Stellung und ließ deshalb seinen Schwager beseitigen. Interessant daran ist nur, dass keine Quelle darüber berichtet, dass Ekkehard oder seine Vasallen für diesen Mord zur Rechenschaft gezogen worden sind. Vielleicht konnte der EKKEHARDINER den Kaiser KONRAD glauben machen, er selbst habe mit dem Mord an seinem Schwager nichts zu tun. Auch haben sicher die guten Verbindungen, die Ekkehard und seine Familie zum Herrscherhaus pflegten, eine weitere Verfolgung verhindert.

5.3. Ekkehard II. in seiner Tätigkeit als Markgraf

Unter KONRAD II. herrschte Ruhe, was Auseinandersetzungen mit den östlichen Nachbarn anging. Ob Ekkehard im Jahr 1035 an KONRADS II. Zug gegen die Liutizen teilgenommen hat, ist nicht bekannt. Von seiner Teilnahme verlautet nichts, doch kann sie aufgrund der Kürze der Hildesheimer Jahrbücher auch nicht ausgeschlossen werden.
Erst nach KONRADS Tod im Jahre 1039 begegnen wir unter dessen Sohn HEINRICH III., Ekkehard II. in seiner Tätigkeit als Markgraf. Kurz nach dem Tod KONRADS II. hatte Bretislaw vom Böhmen einen Kriegszug gegen das von innenpolitischen Schwierigkeiten geschüttelten Polen unternommen. In Sachsen, wo sich HEINRICH III. seit dem 3. September aufhielt, besprach er wahrscheinlich mit den sächsischen Fürsten das Vorgehen gegen Böhmen. Ziel war es wohl, die aufstrebende Macht des Böhmen-Herzogs noch im Keim zu ersticken.
Vermutlich im Juli wurde ein Heer gegen Böhmen gerüstet. Wohl unter Ekkehards Mitwirkung, der in den späteren Feldzügen die wichtigste Rolle spielte und jetzt meist in der Nähe des Königs erscheint, war das Heer zusammengestellt worden. Lüpke negiert aus Mangel an Quellen die Teilnahme Ekkehards an diesem Böhmenzug, da er erst in den Jahren 1040 und 1041 ausdrücklich erwähnt werde.
Angesichts der drohenden Kriegsgefahr unterwarf sich Bretislaw und schickte seinen Sohn Spitihnew als Geisel. HEINRICH III. entließ daraufhin das Heer. Bretislaw hielt jedoch nicht Wort, und so traf der König am 20. und 21. Juli des folgenden Jahres in Goslar erneut mit den sächsischen Großen - unter ihnen auch Ekkehard - zusammen, um einen Feldzug zu planen. Zwei Heere - ein sächsisches und ein bayerisches - sollten in Böhmen eindringen. Die sächsischen Heeresabteilungen versammelten sich am 15. August in Dohna bei Pirna. Am 24. August erfolgte unter dem Kommando von Ekkehard und des Erzbischofs Bardo von Mainz der Einfall in Böhmen. Da das bayerische Heer jedoch schwere Verluste erlitten hatte, zog sich die sächsische Abteilung ebenfalls zurück. Vielleicht war es zum Abschluß eines Waffenstillstandes gekommen, da das sächsische Heer unbehelligt über das Erzgebirge heimziehen konnte.
Nach Cosmas, der tendenziös die Erfolge des Nordheers als möglichst unbedeutend darzustellen sucht, gerät Ekkehard in Folge der Nachricht von der Niederlage HEINRICHS in Zweifel, ob er den Kampf fortsetzten oder den Rückzug antreten soll; dann aber zieht er nach Verhandlungen mit dem siegreichen Bretislaw aus Böhmen ab.
Erfolgreicher gestaltete sich der Böhmenfeldzug des nächsten Jahres. Auch diesmal erscheint das Nordheer unter der Führung Ekkehards II., der von Bardo von Mainz und anderen Großen unterstützt wurde. Wieder fielen Ekkehard von Sachsen, HEINRICH III. von Bayern aus in Böhmen ein. Am 8. September trafen sich die beiden Heere, nur noch durch die Moldau getrennt, vor Prag. Der König lagerte auf dem rechten, Ekkehard auf dem linken Ufer der Moldau. Jetzt erst fand sich Bretislaw zu Verhandlungen bereit. Dabei bat er die Markgrafen Ekkehard II. von Meißen und Otto von Schweinfurt um ihre Unterstützung bei den bevorstehenden Friedensunterhandlungen. Vielleicht hoffte der böhmische Herzog, dass diese beim König aufschlußreichen Fürsten ein gutes Wort für ihn einlegen würden. Der Böhme ging nun auf alle Bedingungen ein.
Was den ungarischen Krieg im Jahre 1042 betrifft, so hat Ekkehard höchstwahrscheinlich an den Vorberatungen teilgenommen. Doch berichtet keine Quelle von seiner aktiven Teilnahme an diesem Feldzug.

5.4. Ekkehards Herrschaftsbereich

Ekkehards Amtsbereich läßt sich an zahlreichen Urkunden ablesen. Er umfaßte den thüringischen Weitagau, in dem der Ort Kizerin erwähnt wird. Im Jahr 1039 übergibt HEINRICH III. seinem Getreuen Diemar dieses Dorf "in comitatu predicti Ekkehardi marchionis in pago Vueitao". Ebenso gehörte der Hassegau, in dem zwei Königshufen mit Hörigen an Gezo gingen, zu Ekkehards Herrschaftsbereich. Im Jahr 1042 gibt König HEINRICH III. einem gewissen Moic drei Königshufen "in villa Gladocsi in burcwardo Thvchorin et in comitatu predicti (Ekkehardi) marchionis". Hinzu kam der Gau Zurba. Hier wurde ein Ort dem Bistum Naumburg zugeeignet: "villam Kusenti nominatam que fuit beneficium predicti Eggihardi marchionis, in pago qui vocatur Zurba in comitatu iam sepius dicti marchionis". Mit dem Ort ist Kösen gemeint, das später wirklich im Besitz des Bistums Naumburg erscheint.
Im Gau Chutizi amtierte Ekkehard als Nachfolger seines Bruders. Ekkehard II. erscheint hier im Jahr 1040 urkundlich als Graf. In einer Urkunde vom 5. Dezember gibt König HEINRICH III. dem Bischof Hunold von Merseburg ein Gut zu "niwolkesthorp in burchwardo Lesnic, in pago Zcudici et in comitatu Ekkehardi marchionis situm". Dem markgräflichen miles Markward wurden auf Fürspruch ihres Lehnsherren vom Kaiser 10 Königshufen mit ebensoviel Smurdenfamilien "in pago Zcudici in villa Tuchin in comitatu prediciti marchionis Ekkihardi sitos"übergeben. Das Dorf ist wahrscheinlich Taucha, der Burgward Treben. Nach Winter "könnte man versucht sein, diesen Ort noch zur Grafschaft Groitzsch zu verweisen, zumal der Burgward Treben noch zum Gau Chutizi gezählt wird.
Im Jahre 1044 erscheint Ekkehard II. als Graf im Bezirk "Ginnaha", das heißt in einer Gegend, die von der Grafschaft seines Vaters und Großvaters im nordwestlichen Thüringen durch die Grafschaft der WEIMARER getrennt ist.
Am 22. September 1045 gibt Kaiser HEINRICH III. an seinen Getreuen Jaromir "in villa Scvtropei, si inibi fieri possit, sin autem in proximis locis tres regales mansos in burchardo Guodezi nec non comitatu prenominati (Ekkehardi) marchionis".
Den Allodialbesitz Ekkehards II. kann man anhand der Vergabungen, die HEINRICH III. in den darauffolgenden Jahren aus dem Güternachlaß der EKKEHARDINER vorgenommen hat, erfassen. Noch im Jahr 1046 - am 19. Februar - unterzeichnete der König eine Schenkungsurkunde für die Abtei S. Cyriacus in Gernrode, die Ekkehard, den eine lockere Familienbindung dem Kloster verpflichtete, schon zu Lebzeiten hatte erwirken wollen. Danach wurden dem Kloster Güter in Gundersleben, Westerhausen, Morddorf, Richbrechtingerod, Wendhausen, Ekkehartinsrode, Dovbonrod und Hasselfeld zugewandt.
Im Weitagau wurde der Ort "Izzolani" der Königin Agnes geschenkt, die am gleichen Tag auch das freie Gut des Markgrafen in den Burgwarden Rochlitz und Colditz in der Mark Meißen zugeteilt erhielt. Rochlitz ist auch von Thietmar als Burgward Ekkehards bezeugt.
Wohl durch die Verleihung der Benefizien zum Allod an Ekkehard I. seitens des Kaisers OTTO III. kam die Familie in erblichen Besitz der Burgwarde Teitzig und Rochlitz. Strehla, welches Hermann seiner Gattin Regelindis als Morgengabe schenkte, war sicher Allod des Hauses und wahrscheinlich auf eben demselben Wege an die EKKEHARDINER gelangt.
Ebenso gehört das Gut Lißdorf im Gau Spielberg zu Ekkehards Eigentum - auch wenn aus einer Urkunde aus dem Jahr 1073 hervorgeht, dass Ekkehard Lißdorff "hereditario parentum iure" vom Kloster Hersfeld als Erblehen innehatte und sich widerrechtlich als Allod angeeignet hatte.
Das Kerngebiet von Ekkehards Eigengut lag in Thüringen zu beiden Seiten der unteren Unstrut nahe der Saale. Hierzu zählen natürlich der Stammsitz des Geschlechts, Kleinjena, die Altenburg un die Naumburg, bevor sie in den Besitz des Stifts Naumburg übergegangen ist. In dem Untergau Spielberg, welcher zu dem von den WEIMARERN verwalteten Gau Husitin gehörte, wo auch der Allodialbesitz der EKKEHARDINER lag, besaßen sie Benefizien. Im Süden reichte das Allod bis in den Weitagau hinein, so dass das Geschlecht mit seinem ausgedehnten Eigenbesitz von seinem Stammland bis in die weit nach Osten vorgeschobene Mark Meißen mit Hilfe seines Allods eine feste Brücke schlagen konnte.
Es ist wahrscheinlich, dass erst Gunther und Ekkehard I., die ihr Geschlecht "in den größeren Schauplatz der Geschichte einführten", ihm hier den entsprechenden Machtzuwachs verschafft haben.
In Folge der Erwerbung der markgräflichen Würde unter Ekkehard I. erweiterten die EKKEHARDINER ihre Grenzen über die Gaue der alten Zeitzer, Merseburger und Meißener Marken. Der Besitz von Weissenfels als ererbtes Lehngut ist urkundlich erst nach dem Tod Ekkehards II. nachweisbar.

5.5. Ekkehards Hinterlassenschaft

Im Jahre 1046 ist Markgraf Ekkehard II. von Meißen plötzlich gestorben, wie zahlreiche Quellen melden. Lambert berichtet, eine innere Erstickung - "praefocatus interiit" - sei dafür verantwortlich gewesen. Sein Todestag - der 24. Januar - wurde wie der seiner Familienmitglieder in das Lüneburger Totenbuch aufgenommen. Ekkehard wurde in Naumburg in Gegenwart des Königs bestattet. Dort hat man sein Gedächtnis ebenfalls gepflegt.
Während Hermanns Tod in der Öffentlichkeit kaum bemerkt wurde, wird Ekkehards II. Ableben auch von zum Teil fernstehenden Geschichtsschreibern aufgezeichnet. Das hat vielleicht mit dem Umstand zu tun, dass Ekkehard, dessen Ehe mit Uta von Ballenstedt kinderlos geblieben ist, alle seine Besitztümer HEINRICH III. vermacht hat. Daraus läßt sich schließen, dass Uta schon vor 1046 gestorben ist, denn sonst wäre sie als Witwe und eventuelle Erbin genannt worden. Wir kennen zwar ihren Todestag, den 23. Oktober, nicht aber das Todesjahr, doch muß es vor 1046 liegen.
Seiner Schwester Mathilde überließ Ekkehard nur eine Art Pflichtteil, und zwar den Stammsitz ihres Hauses. Kleinjena blieb bis 1271, als es dem Georgen-Kloster in Naumburg übereignet wurde, bei den Nachkommen Mathildes.
Als HEINRICH III. daranging die Lehen Ekkehards II. neu zu vergeben, taucht in der Überlieferung das erste Mal der Name "marchia Misnensis" auf: in königlichen Urkunden sowie an einer Stelle der Annalen von Niederaltaich, wo berichtet wird, dass Kaiser HEINRICH III. auf einem Hoftag in Meißen bei der Vergabung der drei Marken Ekkehards die meißnische zunächst zurückbehielt.
Die Dreizahl der Marken stellte die Forschung zuerst vor Rätsel, nahm man doch an, dass Ekkehard "nur" die Ostmark und die Mark Meißen verwaltet hat. Dass die Annalen von Niederaltaich auf die alte Aufteilung der Mark Meißen von 968 in Merseburg, Zeitz und Meißen zurückgepfiffen haben, ist auszuschließen. Vielmehr scheint es, dass hier die Ostmark als zwei verschiedene Marken angesehen wurde: die Niederlausitz und die später sogenannte Oberlausitz.
Als Nachfolger Ekkehards II. in der Ostmark setzte HEINRICH dem WETTINER Dedi, den Sohn des 1034 ermordeten Dietrich, ein. Als Dedi 1075 starb, gab der König die Ostmark dem PREMYSLIDEN Wratislaw von Böhmen, der das Gebiet bis 1081 innehatte. Danach erhielt Dedis Sohn, Heinrich I. von Eilenburg, der seit 1089 die Mark Meißen verwaltete, auch dieses Gebiet. Im Jahr 1103 fiel Heinrich I.; sein unmündiger Sohn Heinrich II. stand unter der Vormundschaft seiner Mutter Gertrud bis zu ihrem Tod 1117.
Mit der Mark Meißen belehnte HEINRICH III. später den Grafen Wilhelm IV. aus dem Geschlecht WEIMAR-ORLAMÜNDE, das in Thüringen zu großer Macht gelangt war, die Grafenrechte der meisten Gaue innerhalb Thüringens innehatte und dazu mit Besitz und Rechten im Orlagau jenseits der Saale auch nach Osten griff.
Den Grafen von Weimar-Orlamünde, Heinrich und Otto (seit 1062), folgten unter HEINRICH IV. im Jahre 1067 die BRAUNSCHWEIGER Ekbert I. und Ekbert II. Dieser letztere verhielt sich in den Auseinandersetzungen des Königs mit den Sachsen wiederholt so treulos, dass HEINRICH IV. 1076 die Mark Meißen ebenfalls an Herzog Wratislaw von Böhmen übertrug; er gab sie zwar einige Jahre mit Ausnahme der Ostmark wieder an Ekbert zurück, ächtete ihn aber endlich 1089 und setzte ihn ab. Das ganze Gebiet ging nun an die WETTINER über.

5.6. Ekkehards Interventionen und Ansehen

Ekkehard II. ist schon gemeinsam mit seinem Bruder als Intervenient aufgetreten, ebenso wie er zusammen mit Hermann an der Kaiserkrönung KONRADS II. im Jahr 1027 teilgenommen hat. Aber erst nach dessen Tod tritt Ekkehard selbständig handelnd in den Vordergrund. Hatte sich schon Hermanns Verhältnis zur Reichsgewalt unter KONRAD II. enger gestaltet, so hielt diese Entwicklung unter Ekkehard II. an, ja sie intensivierte sich sogar. Denn noch enger als die Verbindung Hermanns mit KONRAD II. waren die Beziehungen Ekkehards zu HEINRICH III. Fast in jedem Jahr waren König und Markgraf ein oder mehrere Male beisammen.
Zu Hermanns Lebzeiten intervenierte Ekkehard - und zwar als Graf - nur einmal allein ohne seinen Bruder Hermann in einer uns nur verfälscht überkommenen Urkunde für das Kloster Weißenburg im Nordgau. Wenn die Intervention in dieser Form echt ist, hätte Ekkehard den Kaiser KONRAD nach Bayern begleitet.
Als Markgraf intervenierte er das erste Mal im Jahr 1032 für das Bistum Naumburg. Er wird nach Gisela, HEINRICH III. und Erzbischof Hunold von Magdeburg genannt.
Das nächste Mal trifft man Ekkehard im Jahr 1035 in Bamberg an. Dort fand ein Fürstengericht statt, das über die Absetzung Adalberos von Kärnten beraten sollte. Interessant ist, dass in dem Brief eines jungen Klerikers an Bischof Azecho von Worms nur die Markgrafen Ekkehard und Adalbert namentlich an der Spitze des Reichsgerichts genannt werden. Dies wirft einerseits Licht auf die bevorzugte Stellung, welche sie einnahmen, andererseits ist es von Bedeutung, dass gerade die Markgrafen an der Spitze eines Reichsgerichts stehen, als es gilt, den Herzog seiner Würden zu entkleiden.
Ekkehards nächste Intervention stammt aus dem Jahr 1040. HEINRICH III. befand sich Ende 1039, umgeben von Großen des Reichs, in Regensburg, wo er Weihnachten feierte und bis in den Januar des folgenden Jahres blieb. Auf Ekkehards Vermittlung hin wurde dort am 4. Januar dem Stift Naumburg das in seiner Grafschaft gelegene Dorf Kösen übereignet. Im Juli desselben Jahres wurde auf Ekkehards und des Erzbischofs Hunfried von Magdeburg sowie des Bischofs Kadaloh von Naumburg  in Goslar dem Stift Meißen das Kastell Püchau zu eigen geschenkt.
Auch im Sommer des folgenden Jahres trifft manEkkehard in der Nähe des Königs an. In Goslar, wo HEINRICH am 30. Juni, und in Tilleda, wo er sich am 22. Juli aufhielt, hatte der Herrscher mit Markgraf Ekkehard Zusammenkünfte. In Tilleda intervenierte Ekkehard II. zusammen mit der Kaiserin Gisela für das Kloster Nienburg im Nordthüringgau. Sein Eintreten für dieses Kloster beruhte entweder auf einer Fortsetzung der Familientradition, die schon sein Mutter Swanhilde gepflegt hatte, oder Ekkehard war durch die gewaltsame Beseitigung des Markgrafen Dietrich auch in den Besitz des linkselbischen Thüringgaues gekommen und vertrat dann die Interessen eines Empfängers seines Gebietes.
Ostern 1042 war HEINRICH III. in Köln. Auch Ekkehard fand sich dort ein: Auf seine Fürsprache wurden einem gewissen Moic drei Königshufen und 60 Joch in der Grafschaft des Markgrafen geschenkt. Am 25. Juli 1042 hielt sich HEINRICH III. erneut in Tilleda auf. Hier erteilte er dem Kaufleuten von Quedlinburg die gleichen Rechte wie denen von Goslar und Magdeburg. Ekkehard tritt nach der Kaiserin-Witwe Gisela und der Äbtissin Adelheid von Quedlinburg, der Tochter OTTOS II., als dritten Fürsprecher auf. Dann wird sein Rat am 8. August 1042 in Kaufungen erwähnt, zusammen mit dem des Bischofs Kadaloh von Naumburg und der unterhandelnden Tätigkeit des Erzbischofs Hunfried von Magdeburg in einer Urkunde, von der uns nur ein deutscher Auszug erhalten ist und deren Inhalt ein Tauschgeschäft zwischen HEINRICH III. und einem Abt Adelrad bzw. seinem - nicht bekannten - Kloster ist. Die Nennung der beiden Bischöfe läßt vermuten, dass auch Ekkehard an diesem Tausch beteiligt war.
Als Fürsprecher für einen Empfänger außerhalb seiner Landesgrenze begegnet uns Ekkehard in einer Urkunde vom 11. September 1043. Ekkehard interveniert hier zusammen mit Bischof Poppo von Brixen, dem späteren Papst Damasus II., für die Bewohner des Tiroler Noritales. Diese Urkunde wurde ausgestellt in Pöchlarn an der Donau im September 1043, womöglich auf dem Rückmarsch von dem siegreichen Zug gegen die Ungarn.
Am 22. September 1045 war der König in Quedlinburg, wo er vermutlich eine Zusammenkunft mit Markgraf Ekkehard hatte, bei der er auf dessen Fürsprache hin einem der markgräflichen Dienstmannen drei in Ekkehards Grafschaft liegende Königshufen übereignete. Von da ab bis zu seinem Tod fehlt jegliche Nachricht über Ekkehard.
Die Wertschätzung des Königs läßt sich an den Titeln ablesen, die er Ekkehard in den Urkunden zuteil werden ließ. In den meisten Urkunden wird Ekkehards Name mit ehrenden Beifügungen versehen wie "noster fidelis marchio" oder "noster dilectus marchio"; ja, einmal nennt ihn HEINRICH III. sogar den Treuesten der Treuen, dem er durchaus nichts abschlagen könne, eine Ehrung, die weit über den Rahmen der üblichen Auszeichnungen bei Interventionen hinausgeht.
Untersucht man die Urkunden HEINRICHS III. generell, ist augenfällig, dass Markgrafen und Ministeriale jetzt wieder stärker hervortreten.
Dabei fällt die überwiegende Anzahl der gräflichen Interventionen auf den Markgrafen Ekkehard II. Er vermittelt im ganzen zehnmal: viermal für eigene milites und Getreue des Königs, die Schenkungen in seinem Comitat erhalten, sechsmal für Empfänger außerhalb seines Territoriums. Neben seinem Wirken treten die Vermittlungen anderer Grafen weit zurück. So zeigen uns die gräflichen Interventionen unter HEINRICH III. die alle anderen Grafen weit überragende Stellung des Markgrafen Ekkehard von Meißen.
Ekkehards häufiges Auftreten als Intervenient, das heißt in der Umgebung des Herrschers, spricht aber auch für den hohen Stellenwert, den er bei HEINRICH III. als Ratgeber eingenommen hat. Wiederholt hatte Ekkehard Zusammenkünfte mit dem Reichsoberhaupt in Goslar und Tilleda. Hier mögen noch Fragen der Ostmark erörtert worden sein. Aber wenn er auch in Regensburg, Köln und Pöchlarn angetroffen wird, dann wird man das als Beweis dafür ansehen können, dass sein Rat auch für Angelegenheiten gesucht wurde, mit denen er unmittelbar nicht in Berührung kam.
Ein Bild von der Persönlichkeit des Markgrafen gibt auch Cosmas von Prag, der ihn fälschlich für den Herzog von Sachsen hält [Wenn Cosmas Ekkehard "dux" nennt, dann ist das nicht nur eine Bezeichnung für die Führerstellung des Markgrafen auf dem Kriegszug. Sie ist auch Beweis dafür, dass Ekkehard als Verwalter von zwei bzw. drei Marken eine so hervorragende Stellung einnahm, dass er dem benachbarten Böhmen als Herzog erschien. Ein Vergleich mit Gero I. und Ekkehard I. zeigt, dass Cosmas nicht zuviel gesagt hat. In ähnlichem Sinne muß auch seine Bemerkung verstanden werden, dass ganz Sachsen Ekkehard wie seinem König gehorche.]. Er schreibt über ihn: "Fuit enim vir magni consilii et in ordinandis regni negotiis singulari sollertia perditus et rebus bellicis a puericia deduitus, sed nunquam belli felices obtinuit successus." Cosmas spielt dabei auf den im Jahr 1040 erfolglos verlaufenden Feldzug gegen Böhmen an, an dem Ekkehard als Heerführer teilgenommen hatte.
Die daneben auch vorkommenden absprechenden Bemerkungen des Prager Dekans stehen in seltsamen Gegensatz zu den auszeichnenden und sind leicht als mißgünstig gefärbt zu erkennen. Aber auch die Lobeserhebungen sind nicht voll zu bewerten, da sie offenbar die Niederlage des Böhmen-Herzogs leichter erklären sollen.
Alles in allem läßt aber auch dieses Zeugnis den Schluß zu, dass Ekkehard II. offenbar ein Mann von ganz besonderem Ansehen beim Hof war und in vertrauten Beziehungen zur kaiserlichen Familie gestanden ist.
Ekkehards gutes Verhältnis zum Herrscherhaus wurde sicher auch durch seine Verbindung mit Uta begünstigt. Esiko, der Bruder der BALLENSTEDTERIN, war nämlich mit einer Vollschwester der Kaiserin Gisela, der Mutter HEINRICHS III., verheiratet [Es handelt sich um dabei um Mathilde, die - wie die Kaiserin Gisela - eine Tochter der burgundischen Königs-Tochter Gerberga aus deren zweiter Ehe mit dem schwäbischen Herzog Hermann II. war. Mathilde war zuerst mit Herzog Konrad I. von Kärnten und dann mit Herzog Friedrich II. von Ober-Lothringen verheiratet, bevor sie um das Jahr 1026/27 die Frau Esikos von Ballenstedt wurde.]. Es ist denkbar, dass Uta dadurch in den Kreis der Damen um die Kaiserin Gisela geführt worden ist, wodurch sich die Gunst, der sich Ekkehard II. bei KONRAD II. und HEINRICH III. erfreute, noch verstärkt hat.