Ekkehard                                        Graf
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    -25.9.936
 

Sohn des Grafen Liudolf; Neffe von König HEINRICH I.
 

Widukind von Corvey: Seite 113
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Die Sachsengeschichte.

II. Buch

4. Von dem Feldzuge des Königs.
 

 Von dem Feldzuge des Königs gegen die barbarischen Völker.

 
Als aber der König von jener Niederlage Botschaft erhielt, wurde er darüber keineswegs bestürzt, sondern gestärkt durch göttliche Kraft rückte er mit dem ganzen Heere in das Gebiet der Barbaren  ein, um ihrem Wüthen Einhalt zu thun. Es waren nämlich jene schon vorher von seinem Vater mit Krieg überzogen worden, weil sie die Gesandten seines Sohnes Thankmar verletzt hatten, von welchem wir in der Folge ausführlicher zu sprechen gedenken. Der neue König also beschloß einen neuen Feldhauptmann zu bestellen, und er erwählte zu diesem Amte einen edlen, rüstigen und gar klugen Mann, Namens Herimann. Durch diese hohe Stellung aber erregte Herimann den Neid nicht allein der übrigen Fürsten, sondern auch seines Bruders Wichmann. Deshalb entfernte sich dieser sogar unter dem Vorwande einer Krankheit vom Heere. Denn es war Wichmann ein gewaltiger, tapfrer Mann, hochstrebend, kriegserfahren und von solchem Wissen, daß seine Untergebenen von ihm rühmten, er wisse mehreres, was über menschliche Kunst hinaus ginge. Herimann aber, welcher sich an der Spitze des Heeres befand, gerieth beim Eintritt in das Land mit den Feinden in Kampf, besiegte sie tapfer und entflammte dadurch in seinen Feinden noch größeren Neid. Darunter war auch
Ekkard, Liudulfs Sohn, welcher über das Glück des Herimann dermaßen erbittert ward, daß er gelobte, noch größeres zu leisten, oder er wolle das Leben lassen. Demnach sammelte er aus dem ganzen Heere die tapfersten Männer, brach das Verbot des Königs, und ging durch einen Sumpf, welcher zwischen der Burg der Feinde und dem königlichen Lager war; hier stieß er sogleich auf die Feinde, ward von ihnen umringt und fand mit den Seinigen allen den Tod. Es waren aber derer, die mit ihm gefallen waren, achtzehn auserlesene Männer aus dem ganzen Heere. Der König aber kehrte, nachdem er eine Menge der Feinde getödtet und die übrigen zinsbar gemacht hatte, nach Sachsen zurück. Solches  geschah am 25. September.

Glocker Winfrid: Seite 269
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

IV. 1. EKKEHARD, Sohn Liudolfs
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    + 936 IX 25

In der Sachsengeschichte Widukinds II c. 4, S. 70 f. lesen wir von einem gewissen "Ekkardus filius Liudulfi", der über die Erhebung Hermann Billungs zum Markgrafen derart verärgert war, dass er etwas Größeres leisten oder sonst lieber sterben wollte; bei einem waghalsigen Unternehmen fand es dann auch den Tod. Obwohl Widukind den Eindruck erweckt, es müsse ein jeder sofort Bescheid wissen, konnte die Forschung mit den Angaben bisher wenig anfangen; vgl. Köpke-Dümmler S. 57 und Schölkopf, Grafen S. 106 (sie ordnet unseren Ekkehard vermutungsweise wegen der Angabe des Vatersnamen den BRUNONEN zu). In jüngster Zeit konnte die Abstammung Ekkehards aufgeklärt werden. Bei der Untersuchung der Thronkandidaten 1002 konnte Hlawitschka, Merkst Du nicht Seite 289-292, aufzeigen, dass der Thronkandidat Markgraf Ekkehard I. von Meißen entgegen den bisherigen Vermutungen der Forschung zu den Verwandten des verstorbenen Kaiser OTTO III. gezählt werden muß. Wie Hlawitschka weiter Seite 293 ff. zeigt, war dieser 936 ums Leben gekommene Ekkehard ein Sohn jenes Liudolf, den wir als einen älteren Bruder König HEINRICHS I., der freilich noch vor dem Tod des Vaters verstarb, gut kennen. Diese Argumentation läßt sich nicht nur mit besitzgeschichtlichen Argumenten weiter untermauern, sondern noch mit der Nennung Ekkehards in dem Königseintrag HEINRICHS I. im Verbrüderungsbuch des Klosters Reichenau pag. 63 D 1-4 besser absichern. Wie wir im 1. Teil dieses Buches, Seite 58 f., gesehen haben, wurden die Argumente Hlawitschkas durch unsere Untersuchung zur Funktion der Verwandtschaft in den frühen Regierungsjahren OTTOS I. aufs beste bestätigt.
Auf den Studien Hlawitschkas weiterbauend, vermutet Borawka, Margrabis (Zusammenfassung S. 949; der polnische Originaltext war mir in Ermangelung der entsprechenden Sprachkenntnisse nicht verständlich), in der im Königseintrag HEINRICHS I. im Reichenauer Verbrüderungsbuch pag. 69 genannten Kotechind eine bisher unbekannte Schwester König HEINRICHS I.; vgl. dazu und allgemein zum Reichenauer Königseintrag Hlawitschka, Untersuchungen Kap. II.
Als nächstes führte Hlawitschka einen Eintrag im Reichenauer Gedenkbuch an, in dem zweimal der Name Ekkehard erscheint. Karl Schmid hatte diesen Eintrag in zwei Abhandlungen besprochen und war zu dem Schluß gekommen, dass es sich um einen Familieneintrag König HEINRICHS I. handele, der in den ersten Wochen des Jahres 930 abgefaßt worden sei. Da der Name Ekkehard das erste Mal nach der engeren königlichen Familie genannt wird, schloß Hlawitschka, dass "die Verwandtschaft dieses 1. Ekkehards zu König HEINRICH I. (...) nicht weit gewesen sein (kann). Auf der Suche nach der Identifizierung dieses Ekkehards stieß Hlawitschka auf eine Stelle bei Widukind von Corvey zum Jahr 936. Hier wird von einem "Ekkardus filius Liudolfi" berichtet, der eine Amtseinsetzung erwartete, dann aber bei einem waghalsigen Unternehmen gegen die slawischen Feinde am 25. September 936 starb [Widukind II, 4: "Inter quos Ekkehardus filius Liudolfi, qui in tantum aegre passus est fotunam Herimanni, ut seu promitteret maiora facturum aut vivere nolle". Liudolf war über die Erhebung Hermann Billungs zum Markgrafen derart verärgert, dass er etwas Größeres leisten oder selbst sterben wollte; bei einem waghalsigen Unternehmen fand er dann auch den Tod].
 
 
 
 

Literatur:
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Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 269 - Hlawitschka, Eduard: ‚Merkst Du nicht, daß Dir das vierte Rad am Wagen fehlt?‘ Zur Thronkandidatur Ekkehards von Meißen (1002) nach Thietmar, Chronicon IV c. 52, in: Geschichtsschreibung und geistiges Leben im Mittelalter. Festschrift für Heinz Löwe zum 65. Geburtstag, hg. Von Karl Hauck und Hubert Mordeck, Köln/Wien 1978, Seite 289-292 - Rupp, Gabriele: Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten, Peter Lang GmbH Frankfurt am Main 1996 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 Seite 106 - Widukind von Corvey: Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutggart 1981 Seite 113 -