Albi
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    -17.12.990 ermordet
 

Eventuell Sohn des Grafen Gunzelin von Kuckenburg und einer Tochter des "senior" Dobremir
 

Thietmar von Merseburg: Seite 184
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"Chronik"

Kapitel 46

 
Unter der Regierung Otto's III. ward Graf Albi, ein Sohn Markgraf Guncelins, von seinem Vasallen im Walde aus einem nichtigen Grunde ermordet. Seine Grafschaft empfing sammt dem an der Mulde liegenden Lehen der Erzbischof Gisiler von Magadaburg. Dessen Kämmerer, mein geistlicher Mitbruder Gunteri, der beim Kaiser viel galt und demselben häufig treue Dienste leistete, kam nach dem Tode des Bischofs Dodo von Asanbrun [Osnabrück] nach Italien. Als er nun dort, vom Kaiser
sehr gnädig empfangen, in allen Punkten, die er ihm vorzutragen hatte, Gehör fand, erschienen ihm in der folgenden Nacht nach seiner Unterredung mit dem Kaiser die heiligen Märtyrer Crispin und Crispinian, und fragten, ob er ihr Bisthum annehmen wolle? Er antwortete ihnen: "So Gott will und es euch gefällt!" Sofort bekam er von jedem von ihnen einen Speerstich, und als er darauf erwachte, konnte er ohne fremde Hülfe nicht von seinem Lager aufstehen. Am anderen Tage erfüllte der Kaiser, als er von seiner Krankheit hörte, sein Versprechen treu. Darauf kehrte Gunteri, nachdem er wieder Kräfte gewonnen, nach Hause zurück, und lebte noch unter großen Schmerzen beinahe vier Jahre nach seiner Bischofsweihe, indem er am 24. Nov. das Zeitliche mit dem Ewigen vertauschte. Ich weiß nicht, ob Gott und den heiligen Märtyrern etwas an ihm mißfiel; das aber habe ich  gesehen und von Anderen gehört, daß er ein gerechter, gottesfürchtiger Mann war, von mildem Sinne und keuschem Wandel, und die Bewohner der Gegend, wo er jetzt ruht, versichern, daß er bei Gott sehr viel gelte, wie das viele Wunderzeichen beweisen. Ich aber weiß das in Wahrheit, daß Gott einen Schuldigen um
desselben Fehles willen nicht zweimal straft.

Rupp Gabriele: Seite 205-206
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"Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten"

An einer Stelle erzählt Thietmar von Albi, dem Sohn Gunzelins, der während der Regierungszeit OTTOS III. von seinen Vasallen aus nichtigem Grund erschlagen wurde. Albi könnte mit dem "Aluui"identisch sein, dessen Todestag das Merseburger Nekrolog am 17. Dezember verzeichnet. Nach dem Annalista Saxo soll sein Tod im Jahr 990 erfolgt sein.
Albi besaß die Grafschaft Eilenburg, hatte daneben vom Bistum Merseburg den Burgward Nerchau zu Lehen und wurde nach der Auflösung Merseburgs Lehnsmann des Erzstifts Magdeburg, welches nach Albis Tod dessen Besitztum übernahm. Die Grafschaft ging an Bezelin.
Albi wurde zwar zumeist der Familie der EKKEHARDINER, doch einmal Graf Gunther von Merseburg und ein anderes Mal Markgraf Gunzelin von Meißen als Sohn zugewiesen. So sah Schlesinger Albi als den Sohn des Grafen Gunthers. Ebenso Schulze: "Befremdlich, wenn letzterer der um 1009 abgesetzte Markgraf Gunzelin wäre. Ansprechend ist die Vermutung, Albi sei der Sohn des abgesetzten Markgrafen Gunther von Merseburg gewesen, der 982 im Heere des Kaisers in Italien fiel."
Dieser Vermutung tritt Holtzmann entschieden entgegen. Er führt an, dass Thietmar immer streng zwischen den Namensformen Gunther und Gunzelin unterschieden habe und deshalb eine Zuweisung auf Gunther von Merseburg nicht stichhaltig sei. Holtzmann ist jedoch auch dagegen, in dem Vater Albis den Markgrafen Gunzelin zu sehen: "So liegt es denn gewiß viel näher, in dem Vater des zur Zeit OTTOS III. ermordeten Albis wieder den Grafen Gunzelin von 979, den OTTO III. noch mit dem Königshof Frohse belehnt hat, zu erkennen.
Bei allem findet sich kein Beweis gegen die Vaterschaft des ekkehardinischen Gunzelin; gegen sie läßt sich allenfalls anführen, dass Albi als Graf bei seinem Tod in Jahr 990 doch mindestens 15 Jahre alt gewesen sein wird, wenn nicht sogar älter. Das aber heißt, dass er 975 oder früher geboren worden sein wird. War nun aber Ekkehard I. von Meißen ein älterer Bruder Gunzelins, denn er und nicht Gunzelin trat zusammen mit seinem Vater Gunther in der Reichspolitik seit 976 auf, und verheiratete sich Ekkehard I. um 980, so paßt dazu die Verehelichung des jüngeren Bruders Ekkehards, Gunzelin, vor 975 nicht bersonders in dieses Bild.
Für die Identität von Albis Vater Gunzelin mit dem gleichnamigen Bruder Ekkehards I. wiederum spricht die Lage von Albis Lehen an der Mulde, also nicht weit entfernt von dem Lehen Gunzelins in Frohse. Leider ist dies der einzige Hinweis, der auf die Herkunft Albis von den EKKEHARDINERN mit dem Vater Gunzelin hindeutet.
 
 
 
 

Literatur:
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Rupp, Gabriele: Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten, Peter Lang GmbH Frankfurt am Main 1996 Seite 205-206 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 184 -