Gertrud von Ober-Lothringen        Gräfin von Holland
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um 1078-23.5.1144

Beagraben: Kloster Rheinsburg
 

Tochter des Herzogs Dietrich II. von Ober-Lothringen und der Hedwig von Formbach, Tochter von Graf Friedrich
 

Brandenburg Erich: Tafel 25 Seite 50
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XII. 209. FLORENZ II., Graf von Holland (1091)
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* ca. 1080, + 1122 2. III.

Gemahlin:
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ca. 1110
Gertrud (Petronella), Tochter des Herzogs Dietrich I. von Lothringen
       + 1144 23. V.
Thiele, Andreas: Tafel 54
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

GERTRUD
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    + 1144

  oo 1113
       FLORENZ II., Graf von Holland
               + 1122



Gertrud, durch ihre Mutter Halbschwester Kaiser LOTHARS III., war Regentin für ihre unmündigen Söhne. Sie siedelte 1133 in  das von ihr gegründete Nonnen-Kloster Rheinsburg über.

Brüsch, Tania: Seite 145
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"Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert."

Obwohl Heinrich der Fette so frühzeitig zu Tode kam, mußte die bischöfliche Kirche zu Utrecht weiterhin um ihre Grafschaft im Wester- und Ostergo kämpfen. Nach einer Bestätigung durch HEINRICH V. übertrug LOTHAR VON SÜPPLINGENBURG 1126 den Komitat an die Gräfin Petronilla von Holland, seine Halbschwester, die die Vormundschaft für ihren minderjährigen Sohn Dietrich ausübte [60 Vgl. Hoffmann, Grafschaften, Seite 446; zur unsicheren Datierung vgl. RI IV, 1, Nr. 123.].

Jaekel, Hugo: Seite 89
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"Die Grafen von Mittelfriesland aus dem Geschlechte König Ratbods."

LOTHAR III. übergab im Jahre 1125 dem Gemahl seiner Stiefschwester Gertrud, Florenz II. von Holland, die dem Stift Utrecht entzogene Grafschaft Mittelfriesland. Diese Übergabe erfolgte auf Grund einer unanfechtbaren Urkunde, die verbriefte, alte Anwartschaft auf jene Grafschaft enthielt.

Boshof Egon: Seite 301
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"Die Salier"

Der Herzog Lothar verharrte im Widerstand und beschränkte sich dabei nicht auf den eigenen Machtbereich. Im Nordwesten des Reiches leistete er seiner Halbschwester Gertrud-Petronilla, der Witwe des Grafen Florentius von Holland, und dem Bischof Godebold von Utrecht Waffenhilfe in ihren Auseinandersetzungen mit dem SALIER.

Hildebrand Ruth: Seite 7,75-76
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"Herzog Lothar von Sachsen."

Wie die Fäden früh nach Bayern geknüpft waren, so auch durch die zweite Heirat der Mutter mit dem Herzog von Ober-Lothringen nach dem Westen. Und hier ergaben sich dann im Laufe seiner herzoglichen Tätigkeit neue Anknüpfungspunkte. Da ist zunächst seine Halbschwester Gertrud zu nennen, Tochter aus der zweiten Ehe seiner Mutter mit Herzog Dietrich - sie trug später den Namen Petronella. Sie heiratete den Grafen Florenz von Holland, den regierenden Grafen eines alten Geschlechtes, das seit dem 9. Jahrhundert im äußersten Nordwesten des Deutschen Reiches eine ebenso energische wie expansive Politik betrieben hat. Als Petronellas Mann 1122 starb - die Kinder waren noch klein -, hat sie tatkräftig die Herrschaft weitergeführt. Wir werden in dieser Beziehung noch von ihr hören [21 Siehe unten Seite 75.].
Die Helfer Bischof Godebalds von Utrecht gegen den Kaiser sind Lothar und Bischof Dietrich von Münster, außerdem Lothars Halbschwester Gertrud, genannt Petronilla, die er ausdrücklich aufgefordert hat, unter seinem Schutz gegen den Kaiser vorzugehen (rebellare). Petronella hatte gerade ihren Mann Florenz II. verloren (1122) und regierte jetzt mit einer erstaunlichen Selbständigkeit für ihre unmündigen Söhne. Von ihrer Bedeutung ist mancherlei Zeugnis vorhanden. Sie ist zunächst die große Förderin der Abtei Agmond, des alten, damals verfallenen Familienklosters der holländischen Grafen, das sie wieder neu begründet. Ein Tympanon aus der ehemaligen Klosterkirche (Rijksmuseum) zeigt sie zusammen mit ihrem kleinen Sohn, ein zeitgenössisches Dokument. Ferner ist sie die Gründerin des Klosters Rijnsburg, das sie mit Nonnen aus dem niedersächsischen Stötterlingenburg besetzt. Aber sie ist auch eine Frau, die in der großen Politik ihre Rolle zu spielen versuchte [258 O. Oppermann, Untersuchungen zur niederländischen Geschichte vom 10.-13. Jahrhundert II: Die Grafschaft Holland und das Reich bis 1256, 1921, Seite 24ff.; Heinrich Sproemberg, Mittelalter und demokratische Geschichtsschreibungen (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte 18), Seite 192ff., insbesondere Seite 208ff., 254ff., 348ff.; James Bruce Ross, Galbert of Bruges, The murder of Charles the Good, Count of Flanders, 1967, Seite 14ff., 161f., 274ff.]. Als in Flandern, nach der Ermordung Karls des Guten (1127), der Kampf um die Nachfolge entbrannte, erschien sie plötzlich in Brügge mit ihrem noch nicht erwachsenen Sohn und versuchte, ihn als Nachfolger zu präsentieren. Aufgrund welcher Rechte, ist uns heute nicht mehr erfindlich, wahrscheinlich spielte der aber nicht blutsverwandte Robert der Friese als Vorfahr eine Rolle. Dabei versprach sie den flandrischen Kaufleuten von Brügge - Gent, Brügge und Ypern waren damals schon bedeutende Handelsstädte - Handelsfreiheit in ihrem Territorium, in Holland und Seeland. Als die Brügger Kaufleute nicht darauf eingingen, hatte sie wenigstens den Erfolg, dass ihr Halbbruder und Enkel Roberts des Friesen, Dietrich von Elsaß, Graf von Flandern wurde, wobei sie ebenfalls mit wesentlichen Handelsvergünstigungen winkte [259 Ross, Seite 274ff.]. Das geschah zwar erst in den Jahren 1127/28, aber man erkennt daran ihre politische Aktivität. Für Lothar als Herzog war diese Halbschwester in den 20-er Jahren besonders interessant. Über sie fand er den Anschluss an die europäische Politik des Westens.

Ekkehardi Chronica: Seite 363
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"Die Chronik des Ekkehards von Aura"

Im Jahre des Herrn 1123.

Damals begann auch der Same jener Zwietracht zu keinem, die im folgenden Somer unter größtem Schaden für jene Gegend, die in der Umgangssprache Holland heißt, nur langwierig und mühsam und erst als der Kaiser selbst schließlich ein zahlreiches Heer dort hinführte, beendet wurde; dort wagte eine dle Frau [95 Gertrud bzw. Petronilla, Witwe des Herzogs Florentius von Hollald, Stiefschwester Herzogs Lothar von Sachsen.], deren Name mir entfallen ist, die Schwester Herzogs Lothar, im Vertrauen auf dessen Schutz gegen den Kaiser aufzustehen.

Leo Heinrich Dr.: Seite 655-662
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Nicht lange nachdem die verwitwete Gräfin die Verwaltung der holländischen Herrschaften übernommen hatte, wurde ihr Verhältnis zu Reiche höchst bedenklich und feindlich. Kaiser HEINRICH feierte das Weihnachtsfest des Jahres 1122 zu Utrecht, und wie so oft im Mittelalter zwischen dem Gefolge des in einer Stadt einlagernden Kaisers und den Einwohnern des Ortes Streit entstand, geschah es auch diesmal in Utrecht; der Streit wuchs aber zum ofenen Kampfe der Parteien in der Stadt, und als des Kaisers Partei obsiegte, hielt sie den Bischof als das Haupt der Gegenpartei gefangen [1 Stenzel Seite 711,712. Annalista Saxo ad a. 1123.]. Mag es nun sein, daß die verwitwete Gräfin von Holland sich des Bischofs als ihres Lehenherrn annahm oder was sie sonst für eine Ursache hatte, sich in diese Streitigkeiten zu mischen: sie kam in Folge davon ebenfalls in das Verhältnis der Widerspenstigkeit gegen den Kaiser [2 Ann. Sax. I. c. - Kluit ist der Meinung, nicht die utrechtschen Angelegenheiten, sondern die Übernahme der Verwaltung von seiten der Gräfin ohne Einwilligung oder gegen den Willen des Kaisers sei der Grund dieses Zuges gegen Holland gewesen. Das ist allerdings auch möglich.]. Um Pfingsten 1123 unternahm dieser eine Heerfahrt gegen Utrecht und Holland; Herzog Lothar von Sachsen war seiner Stiefschwester Petronilla (die auch den Namen Gertrud führt) zu Hilfe gezogen, und um den Kaiser zur Aufhebung der Belagerung der utrechtschen Veste Skulenborch zu bewegen, überfiel er Deventer, was zu nehmen ihm zwar nicht glückte, dagegen wurde sein Hauptzweck erreicht: während sich der Kaiser gegen Deventer richtete, konnte Skulenborch verstärkt werden. Der Kaiser wurde endlich bewogen, den Bischof wieder frei zu geben [3 Weshalb ich auch geneigter bin, anzunehmen, nur die utrechtsche Angelegenheit habe die Gräfin in die Fehde hineingezogen.].
Der Tod HEINRICHS V. führte wenige Jahre später den Herzog Lothar von Sachsen selbst auf den königlichen Thron von Deutschland; die vormundschaftliche Regierung Petronillas scheint übrigens ohne bedeutende Vorkommenheit - wenn man abrechnet, daß sie bei den verwirrten Verhältnissen Flanderns, obwohl vergeblich, ihr Augenmerk einmal auch auf diese Landschaft geworfen [1 Kluit I. p. I. pag. 73. not. 6.] - vorübergehend zu sein.
Erst 1144 starb die Gräfin Petronilla und wurde in ihrem Kloster zu Rynesburg bestattet.
 
 
 
 

 1113
  oo Florenz II. der Dicke Graf von Holland
             -2.3.1122
 
 
 
 

Kinder:

  Dietrich VI.
  um 1110-6.8.1157

  Florenz der Schwarze
  um 1115-26.10.1133

  Simon Kanoniker in Utrecht
         -

  Hedwig Nonne
         -   1132
 
 
 

Literatur:
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Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Lothar von Supplinburg, Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1879 Seite 12,513 - Blok P. Dirk: Holland und Westfriesland. Seite 357, 359 - Boshof Egon: Die Salier, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln 1987 Seite 301 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 25 Seite 50 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 145 - Ekkehardi Chronica: Die Chronik des Ekkehards von Aura ad a. 1123 Seite 363 - Hildebrand Ruth: Herzog Lothar von Sachsen. Verlag August Lax Hildesheim 1986 Seite 7,75-76 - Jaekel, Hugo: Die Grafen von Mittelfriesland aus dem Geschlechte König Ratbods. Gotha 1895 Seite 89 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 654-655 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band VI Seite 250 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 54 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 7 -