Sophia                                           Deutsche Gegen-Königin
---------                                          Gräfin von Salm
um 1050/55- nach 1088
 

Tochter des Grafen Meginhard V. von Formbach und der Mathilde von Reinhausen, Tochter von Graf Elli
 

Klebel Ernst:
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"Alemannischer Hochadel im Investiturstreit, in Grundfragen der Alemannischen Geschichte"

Sophia hieß auch die Witwe des Gegen-Königs HERMANN VON SALM, die vermutlich in Ober-Österreich gelegenes Gut an Göttweig gab (etwa eine Tochter der Euphemia, Gattin Ottos von Olmütz, da ihr Sohn Otto hieß).

Hlawitschka Eduard: Seite 30,34,47-48
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"Die 'Verwandtenehe' des Gegenkönigs Hermann von Salm und seiner Frau Sophie. Ein Beitrag zu den Familienbeziehungen der rheinischen Ezzonen/Hezeliniden und des Grafenhauses von Formbach/Vormbach."

Die Göttweiger Traditionsnotiz, die uns Sophie als Witwe König HERMANNS nachweist, enthält keine direkten Angaben über ihre Eltern und ihre weitere Verwandtschaft. Nur aus Argumenten läßt sich auf ihre Abstammung schließen. Solche sind
a) ihr Auftreten in Nieder-Österreich in einer Gründung Bischof Altmanns von Passau, die dieser zwischen 1070 und 1083 ins Leben rief und für die die Grafen von Formbach/Vornbach die Vögte stellten
b) ihr auffälliger und im 11. Jahrhundert noch seltener Name
c) die bereits einleitend erwähnte Beschuldigung gegen HERMANN VON SALM, mit seiner Frau in einer kanonisch nicht gestatteten Nahehe zu leben.
Wittes Hinweis auf die FORMBACHER/VORNBACHER hat 1955 Emil Kimpen aufgegriffen und gemeint:"Rein zeitlich könnte sie [= Sophie] als eine Tochter des 1066 getöteten Grafen Meginhard und Schwester seiner beiden Söhne Ulrich und Hermann von Windberg angesetzt werden. Da aber Meginhards Vater Thietmar II. von Formbach durch einen anderen Sohn namens Heinrich eine Tochter [gemeint wohl: Enkelin Tuta, die Gründerin des südlich von Formbach gelegenen Kloster Suben, hatte und diese als regina bezeichnte wird, kann keinem Zweifel unterliegen, daß sie die Gattin König HERMANNS und ihr Name Tuta nur ein Kosename für Sophie war".]
Deshalb müssen andere Möglichkeiten geprüft werden. Auszugehen ist dabei von einer engeren Verbindung Sophies zum Kloster Göttweig und - da sie in diesem Bereich eine Schenkung aus Eigenbesitz vornehmen konnte - davon, daß sie auch aus dem ostbayerisch-österreichischen Raum stammte. Dieses Kloster wurde seit seiner Gründung durch Bischof Altmann von Passau besonders von Mitgliedern der an der Gründung mitbeteiligten Familie der Grafen von Formbach/Vornbach gefördert, bevogtet und reich beschenkt. So erfolgte die Klosterweihe durch Bischof Altmann am 8. September 1083 in Anwesenheit des zur Formbacher/Vornbacher Grafenfamilie gehörenden Vogtes Graf Udalrich de Ratilenberge (und Windebrg) sowie seines Bruders Graf Hermann (von Radlberg und Winzenburg); und Schenkungen aus dieser Familie an Göttweig sind reich belegt. So liegt eine Einreihung Sophies in dieses Gründergeschlecht nahe, wie schon Heinrich Witte und auch Emil Kimpen erkannten.
Einen bislang nicht berücksichtigten Hinweis in dieser Richtung bietet meines Erachtens Sophies Traditionsnotiz selbst, indem ja ihre Schenkung tam pro sue anime quam pro remedio animarum parentum utrorumque erfolgte. Die Betonung der parentum utrorumque - statt wie gewöhnlich parentum suarem - setzt eigentlich bereits erfolgte eines Elternteils unbewußt voraus. Billigt man diesen Ansatz, so bleibt letztlich nur, diesen einen Elternteil in der Schenkungsgutsbezeichnung predium quoddam Meginoldi dictum zu erkennen. Sophie schenkt somit ein Besitztum ihres Vaters Megingold.
So zeigt sich uns, daß der Gegen-König HERMANN VON SALM mit seiner Frau in einer Verwandtenehe im kanonischen Gradverhältnis 3:4 (weniger wahrscheinlich 3:5) gelebt haben dürfte. Bei der Rigorosität, mit der kirchliche Reformkreise seit der Zeit Kaiser HEINRICHS II. nicht nur gegen solche Nahehen (wie etwa gegen die 3:4-Ehe Graf Ottos unn Irmingards von Hammerstein ab 1018), sondern auch noch gegen Verwandtenverbindungen im Gradverhältnis 4:4 (so etwa gegen Herzog Konrad I. von Kärnten 1003 auf der Synosde von Diedenhofen) oder 4:5 (so gegen die Ehe KONRADS II. und Gisela) oder auch 5:6 (so gegen die Heirat HEINRICHS III. mit Agnes von Poitou) vorgingen, entsprechende Briefe und Gutachten verfaßten, auch regelrechte Kampfschriften gegen die Eheverbindungen KONRADS II. und HEINRICHS III. lancierten, war dieser Verwandtschaftsgrad in echten Reformeraugen nicht mehr hinnehmbar. Anderen indessen - und zwar dem Großteil der in Quedlinburg 1085 versammelten Bischöfe - brannte offenbar die kritische Situation,  ind er sich die Kirchenreformwer und gleichzeitigen Gegenr Kaiser HEINRICHS IV. befanden, stärker auf den Nägeln. Die Not drängte zu einer Verschiebung der Untersuchung.

Heinzelmann, Josef:
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"Der Name Sophia als genealogisches Indiz und Problem"
veröffentlicht im Archiv für Familiengeschichtsforschung, 4 (2000), S. 96–110

I. Sophia, die Frau des Gegenkönigs Hermann von Salm

Den damals noch seltenen Namen der (hinterlassenen) Frau erfahren wir aus einer undatierten, kopial überlieferten Urkunde des Stiftes Göttweig: Sophia.  Ihre Ehe mit dem Gegen-König bestand 1085, als auf der Synode in Quedlinburg Bischof Otto von Ostia als päpstlicher Legat ihre Legitimität anzweifelte (ex consanguinitate sociatum) und ein Scheidungsurteil forderte, das die Synode vertagte. Die Unklarheit - und nicht nur für uns Genealogen, denen weder Namen noch Abstammungslinien genannt werden - entspringt wohl nicht der Unkenntnis der Versammelten über die Ahnen der Eheleute, sondern der Unsicherheit, ob die in Rom gepredigten strengeren Grenzen des Inzests nun wirklich anzuwenden seien oder nicht. Insofern könnte der Legat sogar eine Ehe 7:7 (!) angeprangert haben.
Eduard Hlawitschka hat die bisherigen, allgemein nicht akzeptierten Hypothesen als unhaltbar erwiesen und die Umstände der Verwandtschaft und die Namensgebung für Sophia überzeugend dargestellt.  Er musste bei HERMANN VON SALM (nie wird er in zeitgenössischen Quellen so bezeichnet, er war aber unzweifelhaft Graf von Salm) die Mutter genealogisch einreihen und bei Sophia, die man schon oft als mit den FORMBACHERN verwandt ansah, ihre Eltern zunächst hypothetisch zugrundelegen, um dann eine Ahnentafel zu erstellen, die eine für den Legaten kanonisch fragwürdige und für Genealogen sinnvolle Consanguinität ergibt. Ich darf seine Argumentationskette kurz resümieren.

Hermanns Mutter eine Hezelinidin

HERMANNS Erbansprüche an die Burg Cochem, sein und seines Bruders Konrad Name, eine erschöpfende Auswertung der bisherigen Literatur und letztlich die Blutsverwandtschaft zwischen HERMANN und Sophia bringen Hlawitschka nach Diskussion mehrerer Alternativen dazu, als HERMANNS Mutter (und Frau des Grafen Giselbert) eine Tochter des Pfalzgrafen Hezelin (Hermann) und seiner Frau, einer mutmaßlichen Schwester von Kaiser KONRAD II., auf alle Fälle einer SALIERIN, anzusetzen. Dies ist nicht nur unwiderlegbar, sondern auch in hohem Grade wahrscheinlich.

Sophia Tochter Meginhards von Formbach und der Ezzo-Nachfahrin Mathilde von Reinhausen

Sophia erscheint in Göttweig als relicta des schon 1088 September 28 gestorbenen Gegen-Königs, aber wann? Als Zeuge erscheint dabei Otto filius eiusdem regine. Das würde bedeuten, dass er zumindest zeugnismündig, also 12 Jahre alt war. Sehr viel weiter hilft das nicht, da wir weder das Datum der Heirat HERMANNS und Sophias kennen, noch ihr Alter. Das Schenkungsgut, ein predium qoddam Meginoldi dictum irrlichtert mit genealogischer Bedeutung. Wäre der Name des früheren Besitzers aus „Meginardi“ verschrieben, ist eine Leitnamen-Linie zu Meinhard von Formbach zu ziehen. In gleiche Richtung weist die Schenkung an das von den FORMBACHERN bevogtete Göttweig. Dies führt Hlawitschka (ich verkürze seine Darstellung auch älterer Ansätze) dazu, Sophie als Tochter des Grafen MeginhardV von Formbach  und seiner Frau Mathilde von Reinhausen einzureihen.
Für Mathilde sind sechs Geschwister belegt: Konrad, Heinrich, Hermann, Udo (Bischof von Hildesheim), Richenza und Beatrix. (Letztere hatte eine Tochter Sophia.) Vater war ein Graf Elle (auch Alvericus, also Alberich, Aubry?) „von Reinhausen“ (bei Göttingen). Die Namenvererbung (Hermann, Richenza, Mathilde, Sophia) weist darauf hin, dass die Mutter (also Elles Frau) eine EZZONIN war, wofür Hlawitschka dann weitere Indizien bringt. Entweder handelt es sich um eine weitere, bisher unbekannte Tochter des Ezzo-Sohnes Liudolf, oder direkt eine der Töchter Ezzos, die zwar als Äbtissinnen belegt sind, aber vorher verheiratet gewesen sein könnten. Die chronikalische Überlieferung des EZZONEN-Klosters Brauweiler ist derart unsicher, einseitig klerikal und schütter, dass Hlawitschka (und die Forschung allgemein) sie zurecht für nicht umfassend hält, dass also ein Nicht-Vorkommen darin nicht als Gegenbeweis angeführt werden kann. Je nach Weg ergibt sich eine Verwandtschaft 3:4 oder 3:5 für HERMANN und Sophia:

               Hermann I., Pfalzgraf, oo  Heilwig

          ----------------------------------------------------------
     |Hermann/Hezelin                                        Erinfrid/Ezzo

    oo Salierin                                                   oo Mathilde
                                                                 entweder –––––––––––– oder
 

      ---                                                       ---                                 ---
     N.N.                                               Mathilde                         Liudolf

  oo Giselbert v. Luxemburg                   oo Elle
 

     ---                                                     ---                                  ---
  Hermann „von Salm“                       Mathilde                         Mathilde

                                                          oo Meginhard V.             oo Elle
 

                                                            ---                                   ---
                                                        Sophia                           Mathilde

                                                                                                oo Meginhard V.
 

                                                                                                  ----
                                                                                              Sophia



Nachdem ich mich ein wenig intensiver mit den Consanguinitätsregeln beschäftigt habe, halte ich von den zwei Verwandtschaftswegen den über Liudolf für wahrscheinlich. Eine Verwandtschaft 4:3 war kirchenrechtlich innerhalb der Verbotsgrenzen, wenn auch dispensierbar, also auf keinen Fall von den Bischöfen ignorierbar. 5:3 war in der traditionellen Auslegung frei, aber bei den besonders strengen Kirchenlehrern auch verboten. Hier hätten wir deutlich den Gegensatz zwischen den verschiedenen Grenzen der Verwandtschaftsverbote und der Kardinal ist Vertreter der „modernen“ Lehre. – Chronologische Probleme sehe ich nicht, auf der 5er Linie sind inklusive Sophia drei Frauen und Liudolf ist deutlich älter als Mathilde, ebenso Ezzo als Hezelin.
Ich folge Hlawitschka freilich nicht bei der Vermutung, dass der mütterliche Großvater Sophias, Graf Elle von Reinhausen, identisch sei mit dem Grafen Ello/Hello im Engersgau, der nur 1021 und 1022 belegt ist, also amtsmündig und wohl auch verheiratet war.  Dem (H)Ello im Engersgau folgt 1034 ein Wigger, 1019 ging ihm der berühmte Otto von Hammerstein voraus, der wohl nie mehr diese Grafschaft zurückerhielt. Des REINHAUSENER Elle/Elli sieben Kinder werden nach Hlawitschka und der Evidenz in den 40er Jahren geboren.
Es wundert mich, dass ein so erfahrener Genealoge wie Hlawitschka übersehen hat, dass die von ihm als „namenvermittelnde“ Gattin vorgeschlagene Ezzo-Tochter Mathilde nach 1030 als Äbtissin erscheint, also verwitwet sein müsste. Das geht zwar mit den vermutlichen Daten des Ello vom Engersgau zusammen, nicht aber mit den für die Kinder anzunehmenden Geburtsdaten.
Elle von Reinhausen kann nur Sohn (oder Neffe) des Ello vom Engersgau sein. Die EZZONIN war dann eher des REINHAUSENERS Frau als dessen Mutter. Als diese nehme ich eine Konradinerin an. Denn neben den ezzonischen Leitnamen bei seinen Kindern sollte man auch die „konradinischen“ Konrad und Udo sehen. Vielleicht war der Engersgraf irgendwie mit Otto von Hammerstein verschwägert. Das hätte ihn als dessen Nachfolger (oder Vertreter) qualifiziert. Aber auch Liudolf hatte einen Sohn Konrad, der seinen Namen von den mütterlichen Vorfahren haben muss. Insofern wäre dieser Name ein zusätzlicher Beweis für Abstammung über Liudolf.
Über die väterlichen Vorfahren Sophias, die FORMBACHER, müssen wir hier nicht handeln. Ich glaube freilich, dass auch Loibls Darstellung, die ja nicht direkt eine genealogische ist, einige Probleme nicht nur nicht löst, sondern sie auch übersieht. Als Beispiel erwähne ich nur, dass er Meginhard V. schon als Niederaltaicher Vogt zur Zeit des Abtes Gotthard (997–1022) amtieren lässt. Das heißt, er wäre etwa gleich alt mit Hello vom Engersgau. Dass er dann nicht Vater der Sophia von Salm sein könnte, müsste man Hlawitschka anrechnen. Aber er könnte dann auch nicht Vater der für ihn belegten Söhne Ulrich und Hermann (von Winzenburg-Windberg-Ratelnberg) sein. Halten wir uns an einen nicht so alten Meginhard V., der deren belegter Vater und Mann der Mathilde von Reinhausen war, und der mit einem Bruder Pilgrim 1066 gewaltsam ums Leben kam, wenn dieser Eintrag überhaupt ihm gilt, was keineswegs sicher ist..

Hermanns und Sophias Nachkommen

Kommen wir zu den von Hlawitschka nur am Rande berührten Nachkommen des Gegen-Königs und der Existenz Sophias nach dessen Tode. Halten wir uns vorerst an die beiden belegten Söhne des Gegen-Königspaars: Hermann „von Salm“ und Otto „von Rheineck“. Beider erste zeitlich fixierte Erwähnung ist 1104 Oktober 3: Herimannus Salmucensis comes et frater eius Otto.
Hermann von Salm (war 1104 mindestens 16 Jahre alt) fungiert später als Vogt von Senones und stirbt 1135. Da er Agnes von Bar-Mömpelgard heiratet, eine Enkelin der Sophia von Mousson, kann seine Mutter Sophia nicht eine Tochter oder Enkelin oder Großnichte dieser frühen Namensträgerin gewesen sein kann. Die gemeinsame Abstammung des Ehepaars von Pfalzgraf Ezzo ist 5:5, evtl 4:5, vorausgesetzt natürlich, unsere Filiationen sind richtig.

  Agnes --- Dietrich --- Sophie von Mousson --- N.N. (Sophia?) --- N.N.

  oo                                                                                                             Ezzo

  Hermann --- Sophia --- Mathilde von Reinhausen --- N.N. --- Liudolf



Hermanns Bruder Otto von Rheineck († 1150) trägt einen Namen, der im Luxemburger Grafenhaus bis dahin nicht üblich war, also wohl von Mutterseite stammt. Er heiratet die Witwe des 1113 verstorbenen Pfalzgrafen Siegfried (von Ballenstedt/Laach), Gertrud von Northeim. Zeitweise führt er den Pfalzgrafentitel, den er viel später wohl nicht nur wegen seiner auf etwa 1114 zu datierenden Heirat und als Stiefvater erhalten hat, sondern weil er bereits bestehende Erbansprüche dadurch aktivierte. Es bleibt offen, warum er erst relativ spät geheiratet hat. Er muss ja allerspätestens 1089 geboren sein.
Otto hatte eine Tochter Sophie († 1176, ? ?1139 Theoderich von Holland, † 1157) und einen Sohn Otto, der 1149 von Hermann von Stahleck auf dessen Burg Schönburg (über Oberwesel) gefangen gehalten und erdrosselt wird, und zwar im Kampf um die Pfalzgrafschaft. Er war spätestens 1146 mit einer Tochter Albrechts des Bären verheiratet (vgl. unten).

Sophias Geschwister

Der Vater, Meginhard V. soll 1066 mit seinem Bruder Pilgrim, von dem wir sonst nichts wissen, getötet worden sein.  Jugmann-Stadler erklärt eine Urkunde von „ca. 1073“, in der anlässlich der bevorstehenden Heirat Udalrichs von der noch nicht ganz durchgeführten Erbteilung mit seinem Bruder Hermann gehandelt wird, als „wohl zu früh datiert“.  Sei dem, wie dem wolle, bisher kannte man nur drei Söhne Meginhards V.
Udalrich von Formbach: Er hatte neben anderen ungenannten Kindern einen Sohn Konrad und eine Tochter Liutgard.
Konrad: Er starb jung. Sein Name muss von Mutterseite herrühren.
Hermann von Windberg/Winzenberg. Auch sein Name kommt wohl von Mutterseite. Von ihm wird hier noch die Rede sein, ebenso von der jetzt von Hlawitschka eruierten Tochter:
Sophia, verheiratet spätestens 1085, möglicherweise schon ca. 1080 mit HERMANN, dem als Grafen (von Salm) belegten Mitglied des Luxemburger Hauses, der 1081 bis zu seinem Tode 1088 deutscher Gegen-König war. Sie überlebte ihn.

II. Die Spanheimer Ahnfrau Sophia „aus Bayern“

Die meines Wissens zeitlich nächste Sophia, für die die Forschung bisher keine Namensherleitung anbieten kann, ist Sophia, die Stammmutter der rheinischen SPANHEIMER. Mötsch meinte wegen einer Fülle von Indizien, die zu den FORMBACHERN führen, dass als ihre Eltern Meginhard V. und seine Frau Mathilde infragekommen. Dabei kannte er noch nicht den Beleg für ihre bayerische Herkunft, die Uita domnæ Juttæ inclusæ, eine bisher verschüttete Quelle, die Franz Staab entdeckt, vorbildlich herausgegeben und übersetzt hat. Jutta ist danach ca. 1092 geboren und verlor mit drei Jahren den Vater, den Edlen Stephan von Spanheim, der eine Sophia, omni prudentia decoratam de clarissima Bauariorum ortam prosapia zur Frau hatte. Es gab cetera pignora, von denen nur der spätere Graf Meginhard bekannt ist; die mindestens drei Kinder sind wohl in den 1090-er Jahren geboren.
Jetzt hat Hlawitschka plausibel gemacht, dass eine Tochter des Ehepaars Meginhard V. - Mathilde den Namen Sophia geerbt haben kann, aber gleichzeitig auch, dass die so benannte Tochter die Frau HERMANN VON SALM war. „Da indessen … Meginhard den Namen Sophie nicht an zwei Kinder gegeben haben dürfte, scheidet [Mötschs] Sicht der Zusammenhänge aus.“ Eine andere Sophia mit einem Geburtsdatum 1060–1075 kann es bei den FORMBACHERN nicht geben.
Der Widerspruch ist meiner Meinung nach keiner. Sophia, Witwe des Gegen-Königs Hermann von Salm, kann in einer zweiten Ehe Frau des Stephan von Spanheim geworden sein… Die erste Ehe schied der Tod 1088, die zweite Heirat ist auf spätestens 1092 zu datieren. Sophia war dann etwa ab 1096 (schon wieder) Witwe. Die Schenkung an Göttweig (1088–1106) könnte also direkt nach dem Tod HERMANNS geschehen sein, den sie dann allerdings wegen der Zeugnismündigkeit des (wahrscheinlich nicht ältesten) mitschenkenden Sohnes Otto schon etwa 1076 geheiratet hätte, oder nach 1096, was eleganter passt. Die Bezeichnung ihrer Herkunft de Bavaria in der Vita beatae Juttae inclusae trifft wörtlich auf sie zu, wenn sie eine FORMBACHERIN ist. Dass der Autor der Vita sie nicht als Königin-(Witwe) bezeichnete, könnte man so erklären, dass er die Erinnerung an den unglücklichen Gegen-König nicht gerade auf dem Tablett präsentieren wollte. Der Name Meginhard ihres Sohnes lässt sich bestenfalls bei gezwungenen Konstruktionen von den Kärntner SPANHEIMERN herleiten. Auch Meginhard war mit seiner Frau, der Erbtochter Adalberts von Mörsberg, über Ezzo verwandt, aber weit außerhalb der Inzestgrade (5:6). Charakteristisch ist dabei, dass sie eine Nichte seines ältesten Halbbruders Hermann Graf von Salm war.:
Um die Ahnfrau der rheinischen SPANHEIMER mit der Witwe des Gegen-Königs gleichzusetzen, brauchen wir bessere Anhaltspunkte als eine vielleicht doch zufällige Namens- und Alterskoinzidenz. Dass auch die SPANHEIMER im Investiturstreit (und wohl nicht nur wegen diesem) auf der Seite der Königsgegner standen, ist nicht mehr als ein zusätzliches Indiz. Was Mötsch weiter erwähnt, hilft auch nur begrenzt weiter. Die vielfältigen Beziehungen zwischen Hermanns von Winzenburg Familie und seinen Nachkommen zu den Kärntner SPANHEIMERN und ihrer Magdeburger Linie beweisen wenig für eine zu den rheinischen SPAMHEIMERN, ich übergehe sie. Jungmann-Stadlers prosopographische Übersicht zu ihm bietet immerhin neben seinen vielen Aufenthalten im rheinischen Gebiet ein zusätzliches „Verdachtsmoment“:
Hermann von Winzenburg bestätigt 1111 September 4 in zwei Urkunden HEINRICHS V. die Freiheiten des Klosters Allerheiligen bei Schaffhausen. Das könnte damit zu tun haben, dass sein mutmaßlicher junger Neffe Meinhard von Spanheim damals schon verheiratet war mit der Tochter Adalberts von Mörsberg, des Schaffhausener Vogts als Erbe der NELLENBURGER.
Als weiteres Indiz gilt, dass der jüngere Otto von Rheineck 1144 die Grafen Otto und Ulrich von Are, deren Mutter man als SPANHEIMERIN ansieht, als seine consanguinei bezeichnet. Der Wortlaut der Zeugenreihe mit dieser Angabe weckt jedoch Zweifel: Godefridus comes de Spaneheim, comes Otto de Rinecka eiusque consanguinei Otto et Othelricus de Ara. Hätte es bei einer Verwandtschaft über Sophia und Stephan nicht mindestens heißen müssen „eorumque consanguinei“, da sie dann mit Gottfried näher verwandt gewesen wäre als mit Otto? Auch wenn man annimmt, dass die Mutter der beiden ARE eine Tochter Sophias aus erster Ehe mit HERMANN war, wären sie mit Gottfried, dem Enkel aus der zweiten Ehe blutsverwandt, wenn auch deutlich entfernter. Dies ist neben dem fehlenden „Regina“ in der Jutta-Vita ein zweites Gegenargument für die spanheimische Witwen-Heirat Sophias, freilich letztlich genauso wenig zwingend wie die allerdings gewichtigeren Indizien, die dafür sprechen.
 
 
 

  1. oo HERMANN VON SALM Deutscher Gegenkönig
          um 1040-28.9.1088

  2.oo Stephan Graf von Spanheim
               -   1118
 
 
 
 

Kinder:
1.Ehe

  Otto von Rheineck Pfalzgraf bei Rhein
        -   1150

  Hermann II. Graf von Salm
         -   1135

2. Ehe

 Meginhard Graf von Spanheim
         -

  Jutta Gründerin des Frauenklosters Disibodenberg
  1090-   1136

  Hugo Erzbischof von Köln (1137)
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 494 - Hlawitschka Eduard: Die 'Verwandtenehe' des Gegenkönigs Hermann von Salm und seiner Frau Sophie. Ein Beitrag zu den Familienbeziehungen der rheinischen Ezzonen/Hezeliniden und des Grafenhauses von Formbach/Vormbach. Festschrift für Andreas Kraus zum 80. Geburtstag. In: Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Band 140, Verlag C.H. Beck München 2002 - Klebel, Ernst: Alemannischer Hochadel im Investiturstreit, in Grundfragen der Alemannischen Geschichte, Vorträge und Forschungen Band 1, Thorbecke Verlag 1952 Seite 209-243 -