Veldtrup Dieter: Seite 394-396,398-406
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“

KARL scheint Kasimir nun vorgeschlagen zu haben, er wolle sich, da eine Annullierung seiner Ehe mit Adelheid von Hessen nicht zu erreichen sei, beim Papst wenigstens für die Legitimierung (und damit Thronfolgefähigkeit) seiner Töchter von Hedwig einsetzen; sobald sie erfolgt sei, solle dann eine Ehe zwischen ihnen und KARLS Söhnen verabredet werden. Seine Überlegung war einfach: Da seine 4. Frau eine Enkelin des Polen-Königs war, war ihr und KARLS erster Sohn SIGMUND Kasimirs Urenkel; durch eine Ehe mit der Tochter des Königs würde er seine Thronfolgeansprüche verdoppeln. Zusätzlich sollte aber auch WENZEL, der Urgroßneffe Kasimirs, eine andere von dessen Töchtern heiraten. Nicht des Kaisers Erstgeborener stand hier im Vordergrund der Überlegungen, sondern SIGMUND aufgrund der direkten Abstammung von Kasimir. Die Durchführung dieses Planes, der die Ausschaltung Ludwigs vom polnischen Thron bedeutet hätte, hing ausschließlich vom Papst ab, der nach ungarischem Protest das Projekt ablehnte, da der Kaiser ihn nicht gegen Bernabo Visconti unterstützte.
SIGMUND war am 14. Februar 1368 in Prag geboren worden. Sein Vater, der sich gerade in Nürnberg aufhielt, versprach ihm bereits vier Tage später, unmittelbar nachdem die Nachricht von der glücklichen Entbindung der Kaiserin in Nürnberg eingetroffen war, der jüngeren Tochter des Burggrafen von Nürnberg, Catharina, zur Ehe. Nun, da KARL einen zweiten lebenden Sohn hatte, schien es ihm wichtig, die wegen der ungarischen Beziehung aufgegebenen Ansprüche auf die Burggrafschaft erneut zu begründen: Sollte der ZOLLER söhnelos sterben, würde den LUXEMBURGERN zwar nur ein Teil seines Erbes zufallen, aber die Hoffnung auf diesen Anteil sollte doch wenigstens erbrechtlich abgesichert werden..
Denn Anfang 1372 verhandelte der Kaiser trotz SIGMUNDS Eheversprechen mit der Nürnbergerin über eine in Zukunft abzuschließende Beziehung zwischen seinem Sohn und einer der Töchter Ludwigs von Ungarn. Ludwig hatte zunächst nicht bestimmt, welche seiner Töchter mit SIGMUND verbunden werden sollte. Erst am 21. Juni 1373 versprach er eidlich, die Dispens für die geplante Ehe zwischen seiner Tochter Maria und SIGMUND einzuholen, und beendete somit zumindest das Rätselraten über die Person der zukünftigen Frau des LUXEMBURGERS. Aber erst am 6. Dezember des folgenden Jahres wurde die päpstliche Ausnahmegenehmigung erteilt und am 15. Dezember erweitert, da man in Avignon noch eine nähere Verwandtschaft entdeckt hatte als die im vorigen Schreiben angegebene. Kaum waren die Dispense eingetroffen, als der Kaiser offiziell die Verbindung zwischen SIGMUND und Catharina von Nürnberg auflöste.
Am 14. April 1375 konnte nun der Ehevertrag über die Beziehung von SIGMUND und Maria von Ungarn abgeschlossen werden. Aber noch immer hatte Ludwig keine Erbfolgeanordnung getroffen. Er hoffte ganz offensichtlich immer noch auf einen männlichen Erben, dem er vermutlich das ungarische Königreich vorbehalten wollte.
So herrschte bis zu KARLS Tod Unsicherheit darüber, ob die LUXEMBURGER überhaupt am Erbe Ludwigs beteiligt sein würden und wenn ja, in welchem Ausmaß: ob an beiden Reichen, nur an einem oder an gar keinem. KARLS Interesse war auf Polen gerichtet, das er nach dem Erwerb der Mark Brandenburg zu einem neuen Zentrum luxemburgischer Macht gestalten wollte. Zwar huldigten noch vor Ludwigs Tod die polnischen Stände seiner Tochter Maria als der künftigen Königin, weigerten sich jedoch, als Maria nach dem Tode ihres Vaters zur Königin von Ungarn gekrönt worden war, die Fortsetzung der Personalunion zu dulden, und erzwangen die Krönung ihrer jüngeren Schwester Hedwig zum“ König“ von Polen. Damit mußten die luxemburgischen Hoffnungen auf Polen endgültig begraben werden, und erst nach Überwindung großer Schwierigkeiten konnte SIGMUND, der inzwischen im Oktober 1385 Maria geheiratet hatte, als deren Gatte am 31. März 1387 in Stuhlweißenburg wenigstens zum König von Ungarn gekrönt werden.
Seine Ehe mit Maria, die am 17. Mai 1395 starb, blieb kinderlos. Nach ihrem Tod plante er wahrscheinlich im Mai 1396 eine eheliche Verbindung mit Herzogin Margaretha von Brieg, mit der er im April 1401 unmittelbar vor der Hochzeit gestanden zu haben scheint. Doch noch im selben Monat wurde er von unzufriedenen ungarischen Magnaten gefangengenommen. Als er ein halbes Jahr später wieder freikam, fühlte er sich an die Beziehung zu der schlesischen Herzogs-Tochter nicht mehr gebunden, sondern verlobte sich noch 1401 mit Gräfin Barbara von Cilli, deren Verwandten er seine Befreiung verdankte. Aus der im Jahre 1408 vollzogenen Ehe stammte als einziges Kind die im folgenden Jahre 1408 geborene Tochter Elisabeth.

SIGMUND VON LUXEMBURG, König von Ungarn und Böhmen, dt. König und Kaiser
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* 14.2.1368, + 9.12.1437
Prag               Znaim

Begraben: Großwardein

1.) – Nürnberg 18.2.1368 Beziehung aufgelöst Eger 30.12.1374

      CATHARINA VON NÜRNBERG
      * 1365 (3.6.131/1366), + 19.11.1409
                                            Hof

Gestorben als Äbtissin des Klarenklosters Hof

Begraben: Klarenkloster zu Hof

Tochter von Burggraf Friedrich V. und der Elisabeth von Meißen

2.) - ... Ende 1369 Dispens wegen Verwandtschaft im 3. Grade Rom vor 5.12.1369

      KUNIGUNDE (oder ANNA) VON POLEN
      *1367, + nach 3.11.1370

Tochter von König Kasimir III. dem Großen und seiner 4. Frau Hedwig von Sagan

3.) – Breslau um 14.3.1372 Dispens wegen Verwandtschaft im 4. Sowie im 3. Grade Avignon 6. und 12.12.1374, erneuert Brünn 14.4.1375, ~ Zvolen Frühjahr 1379, bestätigt Tyrnau Herbst 1379, 1. oo Okt./Nov. 1385

      MARIA VON UNGARN
      * 1371 (April 1371/April 1373, + 17.5.1395
                                                        bei Ofen

Begraben: Großwardein

Tochter von König Ludwig I. dem Großen von Ungarn und Polen und seiner 2. Frau Elisabeth von Bosnien

4.) ~ Brieg 11.5.1396

      MARGARETHA VON BRIEG
      * 1380/84, + 2.10. nach 1408

Tochter von Herzog Heinrich VIII. und seiner 2. Frau Margaretha von Masowien

5.) ~ ... Ende 1401, 2. oo 1408

      BARBARA VON CILLI
      * 1390/95, + 11.7.1451
                         Melnik

Begraben: Wenzelskapelle des Schlosses zu Prag

Tochter von Graf Wilhelm I. und der Anna von Polen