Stälin Paul Friedrich: Seite 208-223
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"Geschichte Württembergs"

An Ottos Stelle erhob die Kaiserin-Witwe Agnes, Vormünderin des jungen Königs HEINRICH IV., den Grafen Rudolf von Rheinfelden (1057-1080) zum Herzog. Nach einem freilich ziemlich späteren Berichte von geringer Glaubwürdigkeit soll er ein Sohn des Grafen Kuno von Rheinfelden, eines Bruders des Herzogs Theoderich von Ober-Lothringen, und der Gräfin Ida von Habsburg gewesen sein; anderen Nachrichten zufolge war seine Vaters-Schwester die Mutter des dem Königshause nahe verwandten Markgrafen Udo von der Nordmark. Bedeutende Erbgüter Rudolfs lagen zwischen dem Juragebirge und den Alpen innerhalb der Saone, dem Bernhardsberge und der Brücke zu Genf, so dass die Abstammung seiner Familie aus dem Königreich Burgund sehr wahrscheinlich ist. Diese Beziehung zu Burgund, dessen Verwaltung Rudolf zugleich mit dem Herzogtum Schwaben erhielt, vielleicht auch das verwandtschaftliche Verhältnis mögen auf obigen Entschluß der Kaiserin-Witwe gewirkt haben. Um den Herzog nach enger an ihr Haus zu fesseln, verlobte sie ihm ihre älteste erst 12-jährige Tochter Mathilde, ließ dieselbe sogleich nach Schwaben bringen und dem Bischof Rumold von Konstanz zur weiteren Erziehung übergeben. Kaum mit ihr im Jahr 1059 vermählt, wurde Rudolf bereits im folgenden Jahre Witwer  und erhielt bald darauf die Hand von Adelheid, der Tochter des Markgrafen Odo von Savoyen-Turin, einer Schwester von König HEINRICHS IV. Braut Bertha. So wurde er doppelt mit dem Könige verschwägert .
Zufolge einem etwas späteren Berichterstatters, dem Abt Ekkehard von Aura (+ nach 1125), hatte Kaiser HEINRICH III. dem Grafen Berchtold dem Bärtigen von Zähringen eine Anwartschaft auf Schwaben verliehen und ihm zum äußeren Zeichen dieser Verheißung seinem Ring eingehändigt, allein Rudolf raubte bald nach des Kaisers Tod die Prinzessin Mathilde und heiratete sie. Mit der Kaiserin wieder ausgesöhnt, wurde er von derselben mit dem Herzogtum belehnt, während Berchtold umsonst den Ring vorwies, zur Entschädigung jedoch eine Anwartschaft auf Kärnten und nach dessen Erledigung im Jahre 1061 dieses Herzogtum mit der Markgrafschaft Verona verliehen erhielt. Gegen die Glaubwürdigkeit dieser Erzählung, besonders hinsichtlich des Ringes und der Entführung der kaiserlichen Tochter, sind übrigens mancherlei Zweifel geltend gemacht worden.
Von Herzog Rudolf selbst wird in den ersten Jahren seines Regiments keinerlei Beteiligung an den Angelegenheiten des Reiches erwähnt, möglich, dass er durch die Verwaltung Burgunds zu sehr in Anspruch genommen wurde. Noch der Vermittlung seiner ihm stets wohlwollenden Schwiegermutter hatte er es ohne Zweifel zu verdanken, dass seinem Sohne Berchtold schon als Kind die Nachfolge im Herzogtum zugesichert wurde. Nach dem Sturze dieser seiner Gönnerin dürfte er zunächst vom Hofe ferngehalten worden sein. Später suchte ihn, wie es scheint, Erzbischof Adalbert an seine Interesse zu fesseln, wenigstens erhielt Rudolfs Bruder, Adalbero, ein Ungeheuer an Leibesumfang und Eßlust, seither Mönch von St. Gallen, im Sommer 1065 zum allgemeinen Ärgernis das Bistum Worms und etwa um dieselbe Zeit der Herzog für sich selbst die Abtei Kempten. Allein für die Dauer vermochte Adalbert auch ihn nicht zu gewinnen, denn unter den geistlichen und weltlichen Fürsten des Reiches, welche, die Erzbischöfe von Köln und Mainz an der Spitze, im Januar 1066 zu Tribur vom Könige die Entfernung Adalberts erzwangen, wird auch Rudolf als besonders eng mit Anno vereint erwähnt. Noch einige Male, so bei der Verleihung des Herzogtums Bayern an Welf IV., den Sohn des Markgrafen Azzo von Este, an Weihnachten 1070, wird zwar seiner vermittelnden Tätigkeit beim Könige gedacht; allein bald trat eine Spannung zwischen den Schwägern ein. Von Widersachern Rudolfs benachrichtigt, dass dieser gegen ihn und das Reich Feindseliges im Sinn habe, lud HEINRICH den Herzog wiederholt vor den Hof, sich allda zu rechtfertigen, doch wußte die Kaiserin-Witwe, welche auf die Bitte Rudolfs aus Italien den 25. Juli 1072 in Worms eintraf, denselben von allem Verdacht der Schuld zu befreien, so dass er in Frieden entlassen wurde. Freilich nahm er die Überzeugung mit, der König habe seinen Groll gegen ihn nicht aufgegeben, warte vielmehr nur die Gelegenheit zur Rache ab, und so kam es, dass schon gegen Ende des Jahres, während ganz Sachsen in aufrührerischer Stimmung war, eine Erhebung Rudolfs befürchtet wurde. Übrigens gelang es noch, ihn von den Waffen, den König von einem ungestümen Vorgehen gegen ihn abzuhalten, und am Palmsonntag (24. März) 1073 nahm HEINRICH zu Eichstätt oder Augsburg ihn, sowie andere verdächtige Große, wieder zu Gnaden an.
Aus der Harzburg, in welcher er von den sächsischen Aufrührern belagert, entkommen, bat HEINRICH den 18. oder 19. August 1073 zu Spieskappel (bei Ziegenhain) Rudolf und andere Fürsten fußfällig um Beistand, allein dieselben kamen ihm nur in ungenügender Weise entgegen. Von Rudolf insbesondere wurde meist geglaubt, dass er ein geheimes Einverständnis mit den Sachsen unterhalte; auch war er schon damals mit dem neuen Papst Gregor VII. in enger Verbindung und bestrebt, eine Unterwerfung des Königs unter die päpstlichen Anforderungen zu bewirken. Daher erhielt er von Gregor am 1. September des Jahres reichliches Lob gespendet, zugleich aber die Aufforderung, nach Rom zu kommen, um allda mit seiner Schwiegermutter Agnes, mit Beatrix von Tuszien und einigen gottesfürchtigen Männern gemeinsam über die Bedingungen einer dauernden Aussöhnung zwischen dem Könige und dem heiligen Stuhle zu beraten.
Die vom Könige zu Verhandlungen mit den Sachsen nach Gerstungen gesandten Abgeordneten: die Erzbischöfe von Mainz und Köln, die Bischöfe von Metz und Bamberg, die Herzoge Rudolf, Gozelo von Nieder-Lothringen und Berchtold kamen nach dreitägiger Besprechung (20.-22. Oktober) in treuloser Weise mit denselben insgeheim überein, es sei die Absetzung HEINRICHS und die Wahl eines neuen Königs in Betracht zu ziehen. Ja, die Versammlung war bereit, Rudolf alsbald auf den Thron zu erheben, doch er erklärte, die Krone nur annehmen zu wollen, wenn sie ihm, ohne dass er sich des Treuebruchs schuldig mache, durch allgemeine Fürstenwahl ordnungsgemäß übertragen werde, eine Erklärung, welche deutlich bewies, dass er der Annahme keineswegs abgeneigt sei. Die Erbitterung zwischen HEINRICH und Rudolf wurde noch gesteigert, als bald darauf ein Angeber letzterem eröffnete, der König habe ihn zu seiner Ermordung gedungen. HEINRICH hielt den Herzog, übrigens wohl zu Unrecht, für den Anstifter der gewiß unwahren Sache und war willens, sich selbst mit ihm im gerichtlichen Zweikampf zu messen; doch brachte man unter Hinweisung darauf, dass dies des Königs nicht würdig sei, von seinem Vorhaben ab.
Im Zusammenhang mit der erzählten Angelegenheit berief zwar der Erzbischof von Mainz die Fürsten aus dem ganzen Reich in seine Residenz, um in gemeinschaftlicher Beratung Rudolf zum König zu wählen; allein HEINRICH wußte durch sein Erscheinen in Mainz einen solchen Beschluß zu verhindern, und noch einmal schloß sich Herzog Rudolf seinem Schwager vollständig an. Als der König im Jahr 1075 aus ganz Deutschland ein gewaltiges Heer zur Bekämpfung der Sachsen sammelte, welche nach dem Abschluß des für ihn schimpflichen Gerstunger Friedens vom 2. Februar 1074 zu übermütiger Gewalttat vorschritten, fand sich, wie die Herzoge Berchtold und Welf, auch Herzog Rudolf, verletzt durch das einseitige Vorgehen der Sachsen bei jenem Frieden, im Heer ein und entwickelte eine ganz besondere Tätigkeit für des Königs Sache. Er war es, welcher dem letzteren am 9. Juni 1075 zu einem plötzlichen unerwarteten Angriffe auf die bei Homburg an der Unstrut lagernden Sachsen bestimmte, eine Aufforderung, wofür ihm HEINRICH zeitlebens dankbar zu bleiben versprach. In der lange schwankenden, mörderischen Schlacht, welche zugunsten des Königs ausfiel, brachte nur der Beistand Herzog Welfs mit seinen Bayern die Schwaben, über welche die Feinde so mächtig einstürmten, dass sie schon zurückzuweichen begannen, wieder zum Stehen. Von ihren Großen fielen unter anderen zwei Söhne des königlichen Rats, Graf Eberhard von Nellenburg; Rudolf selbst, auf dessen Haupt sein Vetter, Markgraf Udo von der Nordmark, einen kräftigen Streich führte, verdankte sein Leben mehr als einmal nur seiner starken Rüstung.
Im Februar 1076 sprach Papst Gregor VII. den Bann über den König aus, entsetzte ihn des Thrones und entband alle seine Untertanen ihres Eides. Schnell waren die drei oberdeutschen Herzoge bereit, sich von dem Könige loszusagen; sie blieben von den Versammlungen fern, welche HEINRICH ausschrieb, verständigten sich mit den Bischöfen von Salzburg, Würzburg, Passau und Metz und verkehrten ununterbrochen mit Gregor. Wohl nicht später als in der Mitte Septembers hielt diese päpstliche Partei, während in Sachsen der Aufstand allgemein wurde, zu Ulm eine Zusammenkunft und beschloß allda, zur Hebung der Wirren auf den 16. Oktober nach Tribur einen allgemeinen Fürstentag auszuschreiben. Aber auch an letzterem Orte wurde nur eine weitere allgemeine Fürstenversammlung in Augsburg auf den 2. Februar 1077 verabredet, wo nach dem Urteile des Papstes, welchen man bitten wollte, selbst zu erscheinen, die Sache des Königs, wenn er sich zuvor Lösung vom Banne erwirken könnte, entschieden werden sollte. Der König gestand alles zu, beschloß aber, dem Papste, von dessen Anwesenheit in Deutschland in einer Fürstenversammlung er das Schlimmste für seine Zukunft befürchtete, zuvorzukommen. Er eilte über den Mont Cenis nach Italien, da die genannten Herzoge die Alpenpässe in ihren Ländern sorgfältig hüteten, wie denn zum Beispiel Bischof Dietrich von Verdun, der dem König nach Italien folgen wollte, von Graf Adalbert von Calw ergriffen, beraubt und erst nach längerer Zeit gegen Lösegeld aus seiner Gefangenschaft freigelassen wurde. HEINRICH erlangte zwar im Januar 1077 zu Canossa durch die tiefste Demütigung für sich und seine getreuen Räte die Lösung vom Bann; allein seine Gegner in Deutschland, nicht gewillt, sich ihm wieder zu unterwerfen, trafen allerlei Gegenanstalten. Gegen die Mitte Februar traten der Erzbischof von Mainz und die Bischöfe von Würzburg und Metz, sowie RUDOLF, Welf und Berchtold nebst einigen schwäbischen Herren in Ulm zusammen und bestimmten auf den 13. März einen großen Reichstag nach Forchheim, bei welchem zu erscheinen Herzog Rudolf, der zum mindesten seit dem Tage zu Tribur nach der Krone strebte und dessen Aussichten auf dieselbe in Ulm wohl ziemlich sich befestigt hatten, den Papst noch besonders aufforderte. So wurde RUDOLF auf dem Pilatushofe zu Forchheim den 15. März des Jahres unter wesentlicher Mitwirkung der päpstlichen Legaten von einer beträchtlichen Anzahl deutscher Fürsten, zuerst von den, übrigens nicht zahlreich vertretenen geistlichen, voran den Erzbischof von Mainz, und nach einigen Verhandlungen auch von den weltlichen, einstimmig zum Könige gewählt und von dem umstehenden Volk durch Zurufen als solcher anerkannt. Doch mußte er jedem Erbrecht seiner Kinder an die Krone ausdrücklich entsagen und die Besetzung der Bistümer durch freie kanonische Wahlen gestatten. Nachdem er am 26. des Monats zu Mainz von Erzbischof Siegfried gekrönt worden [die Krone, mit welcher RUDOLF gekrönt wurde, soll er sich bereits vorher im geheimen im Kloster Ebermünster an der Ill habe schmieden lassen.], eilte er nach Schwaben. Er berührte hier Eßlingen, feierte den Palmsonntag (9. April) in Ulm, Ostern in Augsburg, dessen Bürgerschaft und Bischof jedoch innerlich an HEINRICH festhielten; dann zog er über Ulm und Reichenau, Konstanz, dessen Bischof, ein heftiger Gegner der päpstlichen Partei, sich auf eine benachbarte Burg des Grafen Otto von Buchhorn flüchtete, und später nach Zürich.
Sehr bald zeigte sich übrigens, dass RUDOLFS Sache in Deutschland im Grunde doch wenig Anklang fand, und insbesondere in seinem eigenen Herzogtum, welches in Kürze ein greulich verheerter Hauptschauplatz des Kampfes um das Königtum werden sollte, erhielt er gegen sein Erwarten wenige Anhänger. Auf der Seite König HEINRICHS, des bewährten Gönners der Schwaben, für welchen die noch immer kräftigen Erinnerungen an das alte Kaisertum sprachen, standen zum Beispiel Graf Eberhard IV. der Bärtige von Nellenburg, des Königs vertrauter Ratgeber, welcher schon durch Papst Alexander II. gebannt worden war, Graf Friedrich von Staufen, Markgraf Diepold von Giengen, Graf Otto von Buchhorn, Egino, Hunfried, Beringer von der ACHALMER Grafenfamilie, ferner die Bischöfe von Konstanz, Augsburg, Speier und Straßburg, welche letzterer gleichfalls zur ACHALMER Familie gehörte, endlich das Kloster St. Gallen mit dem von HEINRICH im Jahr 1077 eingesetzten Abte Ulrich III., und ferner, so lange Ulrich auch diese Abtei innehatte, Reichenau. Dagegen hielten zu König RUDOLF, durch welchen das alte Kaisertum der kirchlichen und der fürstlichen Gewalt aufgeopfert wurde und für welchen Otto von Nordheim die mächtigste Stütze war, die zu Schwaben in enger Beziehung  stehenden Herzoge Berchtold und Welf, ferner Graf Hugo von Tübingen, die Grafen Markward und Ulrich von Bregenz, letzterer RUDOLFS Tochtermann, Hartmann von Dillingen-Kiburg, Kuno und Liutold von Achalm und Wülflingen, Mangold von Veringen, Burchard von Nellenburg, Bruder des für HEINRICH streitenden Eberhard, der mächtige Graf Adalbert von Calw, die Bischöfe von Würzburg, Worms; sodann von Klöstern: Hirsau, welches unter der Leitung seines Abtes Wilhelm vornehmlich in der nächsten Zeit vorort der für den Papst wirkenden Klosterreformation wurde, und anfangs auch Reichenau unter dem Abte Ekkehard aus dem Hause Nellenburg, für welchen, jedoch nicht auf lange, der bereits genannte Gegenabt Ulrich eingesetzt wurde.
Von Zürich zurückkehrend, hielt RUDOLF zunächst nach Ostern des Jahres einen Fürstentag zu Eßlingen und belagerte sodann mit seiner zusammengerafften Mannschaft, kaum 5.000 Leuten, die Burg Sigmaringen. Auf die Kunde, dass König HEINRICH mit einem überallher, selbst aus Böhmen, gesammelten Heeres schon die schwäbische Grenze erreicht habe, wollte er ihm zwar entgegeneilen; allein sein eigenes Heer verweigerte ihm den Dienst, ja verlangte sogar, dass er Schwaben ohne Schwertstreich räume. So mußte er über Kloster Hirsau, wo er Pfingsten (4. Juni) feierte, nach Sachsen ziehen, um, auf dessen Kräfte gestützt, den Krieg gegen HEINRICH fortzusetzen. Dieser seinerseits rückte noch vor Pfingsten von Ostfranken und vom Main her über Eßlingen nach Ulm und versammelte dort einen großen Reichstag, bei welchem er, mit der Krone geschmückt, auftrat. Zugleich hielt er nach schwäbischem Recht Gericht über die aufständigen Herzoge, welche des Lebens, ihrer Würden und Lehen für verlustig erklärt wurden. Infolge dieses Urteilsspruchs vergabte er einen Teil der eingezogenen Lehen sogleich an seine Anhänger, während er die beiden Herzogtümer Schwaben und Bayern vorläufig selbst in der Hand behielt. Indes zog RUDOLF gegen Ende Julis mit einem starken sächsischen Heere vor die zu HEINRICHhaltende Stadt Würzburg, vereinigte sich während der übrigens erfolglosen Belagerung mit Berchtold und Welf, welche ihm namentlich eine Schar schwäbischer Ritter zuführten, und näherte sich dem am unteren Neckar in der Gegend von Ladenburg stehenden Gegner. Mit seiner überlegenen Macht suchte er vergeblich HEINRICH zum Kampfe - wie von einer HEINRICH feindlichen Seite berichtet wird, auch zum Zweikampfe - zu bewegen, allein die Fürsten auf beiden Fürsten beredeten zur Entscheidung des Thronstreits einen Fürstentag auf den 1. November und bis dahin Waffenruhe. Sofort zog RUDOLF nach Sachsen, Welf und Berchtold kehrten nach Schwaben zurück, das HEINRICH unter schrecklichen Verwüstungen durchzogen haben soll. Den angesagten Fürstentag wußte er zu vereiteln, allein den 12. November erneuerte der päpstliche Legat in Goslar den Bann gegen ihn. Freilich weigerte sich der Papst, der HEINRICHS Macht gewaltiger sah, als er erwartet hatte, lange, dieses Vorgehen anzuerkennen, und von beiden Parteien während der winterlichen Waffenruhe angegangen, benahm er sich schwankend und zurückhaltend.
Im nächsten Jahr (1078) wütete der Kampf von neuem besonders in SW-Deutschland. Im Elsaß besiegte Herzog Berchtolds Sohn, der junge Berchtold von Zähringen, die unter Führung der Bischöfe von Basel und Straßburg nach Grafschaften aufgebotenen Bauern und ließ die Gefangenen entmannen. Das rheinische Franken durchzogen der alte Berchtold und Welf unter furchtbaren Verwüstungen, um nach Ostfranken vorzudringen und sich mit dem aus Sachsen heranrückenden RUDOLFzu vereinigen. HEINRICH verhinderte dies zwar den 7. August des Jahres bei Melrichstadt im Würzburgischen durch einen unerwarteten Angriff auf RUDOLF, allein an sich war der Erfolg der Schlacht unentschieden und HEINRICHerlitt empfindliche Verluste, so namentlich durch den Tod seines getreuen Grafen Eberhard von Nellenburg und des Markgrafen Diepold von Giengen. Auch unterlag am gleichen Tage ein Bauernheer von gegen 12.000 Mann, welches der König im Fränkischen ausgerüstet hatte, nach heißem Kampf dem Heer der beiden Herzoge. Sie wüteten gegen die Besiegten so unmenschlich, wie der junge Berchtold im Elsaß, und zogen sich sofort unter entsetzlichen Verwüstungen in ihre Heimat zurück. HEINRICH selbst aber drang mit einem neuen Heere, das er in Bayern, Böhmen, Burgund, Franken und aus seinen Anhängern in Schwaben gesammelt, im November von Regensburg her in letztgenanntes Land ein, wo es hauptsächlich den Erbgütern Berchtolds und Welfs galt. Schrecklich wurde, wenigsten nach den Berichten der Gegenpartei im Lande gehaust. An 100 Kirchen wurden entweiht, als Pferdeställe und zu noch niedrigeren Zwecken benützt, die Geistlichen geprügelt, die in den Kirchen geraubten Weiber geschändet, in Mannstracht und geschoren als Gefangene fortgeschleppt. Im WELFEN-Sitz Altdorf wurde ein hölzernes Kruzifix zerschlagen, Graf Hugo auf seiner Burg Tübingen [Der Name wird hier das erste Mal in der Geschichte genannt.] belagert und zur Unterwerfung gezwungen. Ohne Zweifel wurde damals dem Grafen Liutold von Achalm als Anhänger RUDOLFS "Baichilingen" und "Notzingen" und alle dessen würzburgische Lehen in Ostfranken, mehr als 1.000 Mansen entzogen, wofür der Graf sich übrigens später durch die Wegnahme von Nürtingen und anderem rächte. Inmitten dieser Greuel starb den 6. November auf seiner Feste Lintburg (wahrscheinlich Limburg oberhalb Weilheim) der betagte Herzog Berchtold, welcher bei dem Anblick der Verwüstung seiner Güter in Irssin verfallen war. Er wurde im Kloster Hirsau beigesetzt. Ihm folgte aus König HEINRICHS Heer in raschem Tode den 13. des Monats vor Tübingen Erzbischof Udo von Trier, der Bruder des kürzlich gefallenen Grafen Eberhard von Nellenburg.
Um Ostern (24. März) des Jahres 1079 verlieh König HEINRICH zu Regensburg das Herzogtum Schwaben an den Grafen Friedrich von Schwaben, verlobte ihn zugleich mit seiner noch im Kindesalter stehenden einzigen Tochter Agnes und übertrug ihm den Befehl über ein namentlich aus O-Franken, Bayern und im Augsburgischen gesammeltes Heer, welches seinen Gegner in Schwaben bekämpfen sollte. Ihm entgegen erhob die Partei RUDOLFS, welcher den jungen Berchtold von Zähringen mit seiner Tochter Agnes vermählte, insbesondere Herzog Welf, RUDOLFS jungen Sohn Berchtold in Ulm feierlich zum Herzoge. Nach Welfs Abzug besetzte Herzog Friedrich die Stadt, mußte sie jedoch wieder räumen, als Welf mit kriegerischer Macht zurückkehrte. Gleichzeitig mit der Vergebung des Herzogtums Schwaben hatte übrigens HEINRICH auch die Abtei Reichenau an seinen treuen Anhänger, den Abt Ulrich von St. Gallen (seit 1077) verliehen. Verwüstete nun der ZÄHRINGER die im Breisgau gelegenen Güter St. Gallens und Welf die an die welfischen Ländereien grenzenden Besitzungen desselben, so rächte sich Ulrich dafür dadurch, dass er in Gemeinschaft mit Graf Otto von Buchhorn die Burgen Markdorf und Kiburg, sowie die Stadt Bregenz niederbrannte.
Die Gegen-Könige selbst hatten gegen den Schluß des Jahres nach mannigfachen Verhandlungen über eine Ausgleichung und nach kurzem Waffenstillstand wieder stark gerüstet und HEINRICH insbesondere machte wahrscheinlich gegen Ende des Jahres einen Streifzug nach Schwaben. Als sie sich jedoch nunmehr in Thüringen entgegentraten, war der Ausgang der Schlacht bei Flarchheim vom 27. Januar 1080 für RUDOLF günstig.
Für die kommende Fastensynode wurde der Papst wiederum von beiden Parteien mit Gesandten angegangen, namentlich aber von den Sachsen mit den schweren Anklagen gegen HEINRICHbestürmt. So gab er denn sein bisheriges Doppelspiel auf, erneuerte den 7. März den Bann gegen HEINRICH und verfluchte zugleich alle seine Anhänger. Jetzt war es vielleicht, dass er seinen Schützling eine Krone mit der stolzen Inschrift: "Roma dedit Petro, Petrus diadema Rudolpho" überschickte. Allein dieses Mal verfehlte der Bannstrahl seine Wirkung: an Pfingsten des Jahres ließ HEINRICH zu Mainz durch 19 Erzbischöfe und Bischöfe, deren Beschluß die anwesenden weltlichen Fürsten beitraten, den Papst absetzen, ja im Juni wurde zu Brixen unter seiner Mitwirkung durch eine von Deutschland und Italien besuchte Synode Gregor nochmals abgesetzt, der Erzbischof von Ravenna, Wibert, ein alter Feind Gregors, zum Papste erwählt, der Gegen-König RUDOLF und Herzog Welf und ihr Anhang mit dem Kirchenbann belegt.
Mit einem bedeutenden Heere, in welchem die Bayern und nach ihnen die Lothringer an Zahl vorherrschten, aber auch Herzog Friedrich von Schwaben und mehrere schwäbische Bischöfe vertreten waren, zog HEINRICH im Herbst nach Sachsen, und den 15. Oktober kam es unweit Hohenmölsen an der Grune zu einer hitzigen Schlacht. Im ganzen siegten hier die Sachsen und brachten HEINRICHS Heer in vollständige Auflösung; allein RUDOLF, der sich selbst mitten in den Kampf geworfen, verlor die rechte Hand - nach einer späteren kaum begründeten Angabe durch einen Schlag Gottfrieds von Bouillon - erhielt einen Stich in den Unterleib und verschied noch am Schlachttage selbst oder am folgenden Tag. Auf die Nachricht vom Siege der Seinen sprach er: "Nun werde ich lebend und sterbend gerne dulden, was der Herr über mich beschlossen hat". Nach einem anderen Bericht freilich soll er, in den letzten Zügen liegend und schwer atmend, im Anblick seiner Hand zu den umstehenden Bischöfen gesagt haben: "Sehet, das ist die Hand, mit welcher ich meinem Herrn HEINRICH den Eid der Treue geleistet. Ich verlasse jetzt sein Reich und das Leben, aber ihr, die ihr mich seinen Thron besteigen hießet, sehet wohl zu, ob ihr mich, der ich eurer Aufforderung folgte, auf den rechten Weg geführt habt." Beigesetzt wurde er im Dom zu Merseburg, allwo sein stattliches Denkmal, sowie die abgehauene Rechte noch heute zu sehen sind. Dass RUDOLF als ein heiliges Opfer für die Kirche gefallen, wie seine Grabinschrift rühmt, möchte mit Recht bezweifelt werden; weltlicher Ehrgeiz vor allem dürfte den früher vom Glück begünstigten Emporkömmling geleitet haben. So urteilt denn auch ein treuer und leidenschaftlich ergebener Anhänger König HEINRICHS in dessen etwas rhetorisch gehaltener Lebensbeschreibung über seinen Gegen-König: "Er war ein ausgezeichneter Herzog, ein Mann von großem Ansehen und Lob im ganzen Reich, am Wahren und Rechten eifrig haltend, tapfer in den Waffen, bewährt in jeglicher Art von Tüchtigkeit, nur die alles bezwingende Ehrfurcht hat ihn besiegt und zum Verräter an seinem Herrn gemacht, so dass er die Treue einer ungewissen Ehre nachsetzte."