OTTO IV.                                     Deutscher König (1198-1218)
-------------                                    Römischer Kaiser seit 4.10.1209
1177/82-19.5.1218                       Graf von Poitou
Normandie Harzburg

Begraben: St. Blasius zu Braunschweig
 

3. Sohn des Herzogs Heinrich XII. der Löwe von Bayern-Sachsen aus dem Hause der WELFEN aus seiner 2. Ehe mit der Mathilde von England, Tochter von König Heinrich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1570
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OTTO IV., römisch-deutscher König und Kaiser
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* wahrscheinlich 1175 oder 1176, + 19. Mai 1218
Braunschweig                                   auf der Harzburg

Begraben: St. Blasius zu Braunschweig

3. Sohn Herzog Heinrichs des Löwen und der Mathilde, Tochter König Heinrichs II. von England

oo 22. Juli 1212 Beatrix, Tochter PHILIPPS VON SCHWABEN

Ehe kinderlos

Die Wahl des Namens könnte unter Anknüpfung an die ottonischen Kaiser des 10. Jahrhunderts ein Hinweis auf den Königsgedanken Heinrichs des Löwen und das Selbstverständnis des welfischen Hauses sein. Ursprünglich wohl als Erbe des Herzogtums Bayern ausersehen, wurde OTTO IV. nach dem Sturz Heinrichs des Löwen der Obhut seines Oheims Heinrich II. [richtig: Großvaters] anvertraut. Seit 1182 wuchs er am englischen Königshof beziehungsweise in der Normandie auf, wo er Gunst und Freundschaft von Richard Löwenherz erlangte. Richards Versuch, OTTO IV. 1190 mit der Grafschaft York auszustatten, scheiterten ebenso wie der Plan, ihm über eine Heirat die schottische Krone zu verschaffen. 1196 wurde OTTO mit der Grafschaft Poitou belehnt, was ihm den Titel eines Herzogs von Aquitanien einbrachte. Er bewährte sich im Krieg gegen Frankreich als Heerführer König Richards. Als nach dem Tod Kaiser HEINRICHS VI. dessen Gemahlin Konstanze die Verbindung Siziliens zum Imperium löste und ihren Sohn FRIEDRICH ROGER der Vormundschaft des Papstes unterstellte, wählten die am staufischen Kaiserhaus festhaltenden Fürsten den Bruder HEINRICHS, Herzog Philipp von Schwaben, im März 1198 in Thüringen zum König. Die anti-staufische Opposition beschloß unter dem Einfluß der am Englandhandel interessierten Kölner Bürgerschaft und auf Initiative von Richard Löwenherz, dem STAUFER einen WELFEN entgegenzustellen. Obwohl kein Reichsfürst, wurde OTTO IV. - sein ursprünglich ins Auge gefaßter älterer Bruder Heinrich befand sich noch auf dem Kreuzzug - am 9. Juni 1198 von den STAUFER-Gegnern zum König gewählt. OTTO IV. bemächtigte sich im raschen Zugriff Aachens, wo er am 12. Juli 1198 von Erzbischof Adolf von Köln mit nachgebildeten Insignien gekrönt wurde. Er versprach, die Rechte und Besitzungen der Kirche anzuerkennen und auf das Spolienrecht zu verzichten. In dieser Situation verstand es Innozenz III., eine Schiedsrichterrolle im deutschen Thronstreit zu banspruchen, um letztlich dem Kandidaten seine Zustimmung zu erteilen, der bereit war, auf die päpstlichen Forderungen einzugehen. Gleichzeitig geriet Deutschland in das Fahrwasser des englisch-französischen Gegensatzes, da König PHILIPP VON SCHWABEN das staufisch-kapetingische Bündnis erneuerte und Militärhilfe gegen England versprach, das OTTO IV. großzügig mit Geld unterstützte.
Um die Jahreswende 1200/01 entschied sich Innozenz III. öffentlich für OTTO IV. ("Deliberatio de tribus electis", "Venerabilem"). Während die staufische Partei die von Innozenz in Italien ins Werk gesetzte territoriale Gestaltung nicht anerkannte und gegen die kuriale Einmischung in die deutsche Königswahl protestierte, beschwor OTTO IV. am 1. März in Neuß unter anderem die päpstliche Rekuperationen anzuerkennen und den Papst in Sizilien zu unterstützen. Trotz der päpstlichen Hilfe verschlechterte sich die Lage OTTOS IV. zusehends, da er in Deutschland als Landfremder nicht über die materiellen und finanziellen Resourcen wie sein Gegenspieler verfügte und ihm nach dem Scheitern König Johanns Ohneland in Frankreich vollends die englische Unterstützung fehlte. Viele seiner Parteigänger, unter anderem sein Bruder, der rheinische Pfalzgraf Heinrich und Erzbischof Adolf von Köln, liefen zu PHILIPP über. Nachdem OTTO IV. am 27. Juli 1206 bei Wassenberg von PHILIPP geschlagen worden war, ließ ihn auch Innozenz III. fallen. Als PHILIPP sich in Deutschland weitgehend durchgesetzt hatte, wurde er am 21. Juni 1208 von dem bayerischen Pfalzgrafen, Otto von Wittelsbach, in Bamberg ermordet. OTTO IV. verlobte sich mit PHILIPPS Tochter und wurde mit Unterstützung der staufisch gesinnten Reichsdienstmannen allgemein als König anerkannt. Nach seiner Nachwahl am 11. November 1208 setzte sich OTTO erfolgreich für die Wahrung des Landfriedens ein und erneuerte ohne fürstliche Zeugen den Neußer Eid. Innozenz III. verlangte hingegen die reichsrechtliche Sanktionierung dieser Versprechen durch die Fürsten. OTTO IV. vertröstete ihn bis nach der Kaiserkrönung, die Innozenz nicht ohne Bedenken am 4. Oktober 1209 vollzog. OTTO IV. begriff wahrscheinlich das Kaisertum und das Imperium als transpersonale Größen, deren Interessen es zu wahren galt. Er setzte sich über den Neußer Eid hinweg und betrieb, unter Anknüpfung an die Verhältnisse unter HEINRICH VI., die Wiederherstellung der Reichsgewalt in Italien, wobei er dem Papst die kaiserliche plenitudo potestatis entgegensetzte. Unter anderem ging er daran, Sizilien zu erobern, und stand im Herbst 1212 in Kalabrien, wo er auf die Flotte wartete, die ihn auf die Insel übersetzen sollte. Auf Betreiben des französischen Königs Philipp August und mit den Einverständnis des Papstes, der inzwischen OTTO IV. gebannt hatte, wählten in dieser Situation einige Fürsten den jungen König von Sizilien, FRIEDRICH ROGER, zum zukünftigen Kaiser. Um den Aufstand niederzuwerfen, eilte OTTO IV. nach Deutschland zurück. Als nach anfänglichen Erfolgen OTTOS IV. im September 1212 FRIEDRICH in Konstanz einzog und OTTOS IV. staufische Gemahlin starb, fiel der alte staufische Anhang reihenweise von ihm ab. Ein übriges taten das französische Geld und die vom Reichskanzler, Bischof Konrad von Speyer, veröffentlichten Reformpläne des Kaisers mit ihrer negativen Wirkung auf Kirche und Fürsten. Während sich OTTO IV. zunächst nach Köln, dann nach Sachsen zurückziehen mußte und er sich schließlich nach Dänemark und England begab, wurde FRIEDRICH II. am 5. Dezember 1212 von der Mehrheit der Fürsten erneut zum König gewählt und vier Tage später in Mainz gekrönt. Keiner der beiden rivalisierenden Könige konnte indes den anderen militärisch niederringen. Die Entscheidung fiel im französich-englischen Krieg, in den sich OTTO IV. als Verbündeter Johanns Ohneland eingeschaltet hatte. Am 27. Juli 1214 errang Philipp August bei Bouvines einen überragenden Sieg, und OTTO IV. verlor mit seiner Niederlage auch den Kampf um Deutschland.
Meist zu negativ betrachtet, wurde OTTO IV. das Opfer einer staufisch gesinnten Geschichtsschreibung; das von Burchard von Ursberg über ihn gefällte Urteil "superbus et stultus, sed fortis" ist sicher unzutreffend.

Literatur:
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E. Winkelmann, Philipp v. Schwaben und O. IV. v. Braunschweig, 2 Bde, 1873-1978 - B. U. Hucker, O. IV., 1990.



Brandenburg Erich: Tafel 22 Seite 45
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 353 b. OTTO IV., Graf von Poitou, Deutscher König 1198 29. III., Kaiser 1209 4. X.
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* ca. 1177, + 1218 19. V.

Gemahlinnen:
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a) 1212 22. VII. Beatrix, Tochter König PHILIPPS VON SCHWABEN (siehe XIV 527)
                                 + 1241 28. III.

b) 1214 19. V. Marie, Tochter Herzog Heinrichs I. von Brabant (siehe XIV 596)
                                + nach 1260 9. III., vor 12. X.



Schwennicke Detlev: Tafel 18
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

OTTO IV.
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* (1176-1177) + auf der Harzburg 19. V 1218

Begraben: Braunschweig

Aachen 12. VII 1198 als KÖNIG gekrönt
Frankfurt 11. XI 1208 Nachwahl
Rom 4. X 1209 KAISER

  1. oo Nordhausen
           BEATRIX VON STAUFEN
           * (1198), + 11. VII 1212

Begraben: Braunschweig Dom

Tochter von König PHILIPP VON SCHWABEN

  2. oo Maastricht 19. V 1214
           MARIA VON BRABANT
                      , test. 9. III 1260, 14. VI 1260 +

Begraben: Löwen St. Peter

Tochter von Herzog Heinrich I.

(oo II VIII 1220 Wilhelm I. Graf von Holland + 4. II 1222)
 



Höflinger Klaus: Seite 311
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"König Philipp von Schwaben (1198-1208) und Kaiser Otto IV. (1198-1218)", in: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern

KAISER OTTO IV.
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* 1175/77 in Sachsen (?)
+ 19.5.1218 auf der Harzburg

Grabstätte: Dom zu Braunschweig

Vater: Heinrich der Löwe, Sohn Heinrichs des Stolzen, herzog von Bayern und Sachsen (+ 1139), und der Gertrud von Supplinburg (+ 1143), Tochter Kaiser LOHARS III.
* 1132/33
+ 6.8.1195 in Braunschweig

Grabstätte: Dom zu Braunschweig

Mutter: Mathilde (+ 1189), Tochter König Heinrichs II. von England (+ 1189), und der Eleonore von Poitou (+ 1204), Tochter des Guiollaume, Grafen von Poitou, Herzogs von Aquitanien (+ 1137)
* 1156
+ 28.6.1189 in Braunschweig

Grabstätte: Dom zu Braunschweig

  1. oo 24.5.1209 in Würzburg (verlobt seit Sommer 1207)
           BEATRIX VON SCHWABEN
           * April/Juni 1198 in Worms
           + 11.8.1212 in Nordhausen

Grabstätte: Dom zu Braunschweig

Eltern: König PHILIPP VON SCHWABEN und Irene, Tochter Kaiser Isaaks II. Angelos von Byzanz

  2. oo 19.5.1214 in Aachen
           MARIA VON BRABANT (mit ihr schon 1198 verlobt)
           * (1191), + (nach 9.3., vor 14.6.) 1260

Grabstätte: Löwen, St. Peter

Eltern: Heinrich I., Herzog von Brabant (+ 1235), und Mathilde (+ 1210/11), Tochter des Matthäus vom Elsaß, Grafen von Boulogne

9.6.1198: in Köln von niederrheinisch-westfälischen Fürsten zum römischen König gewählt
12.7.1198: in Aachen zum römischen König gekrönt
11.11.1208: Neuwahl in Frankfurt
4.10.1209: in Rom von Papst Innozenz III. zum Kaiser gekrönt



Durch die Verbannung seines Vaters wurde OTTO IV. am Hofe seines Onkels Richard I. Löwenherz erzogen und nahm an dessen Kriegen gegen Frankreich teil. Von diesem beeinflußt, wählten die Gegner der STAUFER am 9.6.1198 in Köln Otto von Poitou zum deutschen König und baten den Papst um Konfirmation der Wahl. OTTO unterwarf sich den Bedingungen der Kurie; Innocenz III. erkannte ihn daraufhin als allein rechtmäßigen König an, weil nur er von den Fürsten gewählt sei, denen "principaliter" und "specialiter" die Wahl zustehe. 1201 schloß er mit Dänemark ein Bündnis gegen die STAUFER. Im Juni 1201 erkannte OTTO IV. in Neuß die Rekuperationen der Kurie an und verzichtete eidlich auf jede selbständige Italienpolitik. Nach schweren Niederlagen seines englischen Verbündeten Johann Ohneland in Frankreich (1202-1206) verlor OTTO IV. unter den deutschen Fürsten fast alle Anhänger. Am 27.7.1206 erlitt er eine militärische Niederlage in der Schlacht bei Wassenberg in der Nähe von Köln durch König PHILIPP von Schwaben und wurde dabei verwundet. Nach dem Gefecht mußte er sich auf seine braunschweigischen Besitzungen zurückziehen. Nach der Ermordung PHILIPPS VON SCHWABEN (+ 21.6.1208) wurde der WELFE mit massiver päpstlicher Unterstützung einmütig von den Fürsten zum König gewählt. OTTO IV. erkannte im März 1209 in Speyer nochmals alle Forderungen der Kurie urkundlich an, verzichtete auf das Spolien- und Regalienrecht, ließ freie Bischofs- und Abtwahlen zu und gab damit auch die Rechte preis, die das Königtum seit dem Wormser Konkordat stets in Anspruch genommen hatte. Auf seinem Italienzug wurde OTTO IV. am 4.10.1209 in der Peterskirche von Rom zum Kaiser gekrönt. Anschließend sammelte der Kaiser ein Heer in N-Italien und eröffnete im Herbst 1210 entgegen aller dem Papst gemachten Zusagen den Angriff auf Sizilien. Im November 1210 verhängte Innocenz III. über den wortbrüchigen, aber siegreichen OTTO IV. den Kirchenbann. Nach der Wahl FRIEDRICH ROGERS zum deutschen König (1211) brach OTTO IV. seine militärischen Aktionen in S-Italien ab und kehrte eilig nach Deutschland zurück. Als der junge FRIEDRICH in Deutschland erschien, sank OTTOS Stern schnell. 1214 griff er mit niederrheinischen Fürsten den französischen Verbündeten des STAUFERS an. Durch die schwere Niederlage bei Bouvines östlich von Lille (27.7.1214) gegen französische Ritter und Aufgebote nordfranzösischer Kommunen war der staufisch-welfische Thronstreit praktisch zugunsten FRIEDRICHS II. entschieden. OTTO konnte nach Köln entkommen, wo er sich ein Jahr lang untätig aufhielt und letztlich wegen privater Schulden gewaltsam ausgewiesen wurde. Er zog sich auf seine braunschweigischen Besitzungen zurück und starb am 19.5.1218 ohne politischen Einfluß auf der Harzburg. Seine letzte Ruhestätte fand er im Dom von Braunschweig. OTTO IV. hatte seine Chancen durch seine arrogante, hochfahrende Art und seine unritterliche Haltung verspielt. Darüber hinaus förderten seine Vorliebe für das englische Verwaltungssystem und das Vorhaben, neue Steuern und Abgaben selbst dann noch zu fordern, als seine Macht bereits auf dem Spiel stand, seinen Sturz.

Jordan Karl: Seite 214-216,230-232
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"Heinrich der Löwe"

Gegen Ende Juli des Jahres 1182 trat Heinrich der Löwe von Braunschweig aus die Fahrt in die Verbannung zu seinem Schwiegervater Heinrich II. von England an. In seiner Begleitung befanden sich seine Gemahlin Mathilde, ihre einzige Tochter Richenza, die an Stelle dieses im anglonormannischen Bereich ganz ungewöhnlichen Namen fortan den Namen ihrer Mutter Mathilde annahm, ferner Heinrich und Otto, der erste und der dritte Sohn des Herzogspaares. Erst im Frühjahr 1185 setze Heinrich und Mathilde mit ihrem Gefolge nach der Normandie über und kehrten im Herbst nach Braunschweig zurück. Auf jeden Fall kam ihr ältester Sohn Heinrich mit nach Deutschland, wo wir ihn in der Folgezeit wiederholt in der Umgebung seines Vaters sehen. Vielleicht kehrte auch Otto für kurzer Zeit nach Sachsen zurück.
Schon vorher hatte Heinrich der Löwe in den ersten Apriltagen des Jahres 1189 zur Zeit des Osterfestes zusammen mit seinem Sohn Heinrich Sachsen verlassen und die Reise nach England angetreten. Von den übrigen Söhnen hielten sich OTTO und Wilhelm bereits in England auf.
Dafür, dass Richard Löwenherz von England seine Verpflichtungen einhalten würde, stellte er dem Kaiser die beiden jüngeren Söhne Heinrichs des Löwen, OTTO und Wilhelm, die sich damals in England aufhielten, als Geiseln.
Nach der Aussöhnung zwischen STAUFERN und WELFEN in der Pfalz Tilleda im März 1194 hatte sein Onkel König Richard für den damals etwa 17-jährigen OTTO die Erlaubnis erwirken wollen, dass er unter Aufhebung seiner Geiselhaft den Kaiser ebenfalls nach Italien begleiten dürfe. HEINRICH VI. lehnte dies aus Mißtrauen gegenüber den WELFEN ab, gewährte aber OTTO während dieser Geiselhaft gewisse Erleichterungen. Gegen Ende des Jahres wurde OTTO freigelassen und begab sich sofort zum englischen König, der ihn bald mit der Grafschaft Poitou belehnte.

Schneidmüller Bernd: Seite 266
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."

Krankheit und Tod

Im Angesicht des Todes zog OTTO IV. im Mai 1218 auf die Harzburg. Aktiv bis zum Schluß, regelte er die letzten Dinge und machte seinen Frieden mit der Kirche. Darüber unterrichteten OTTOS Testament, das erste urkundlich erhaltene politische Testament eines mittelalterlichen Kaisers, und ein vermutlich vom Zisterzienserabt Friedrich von Walkenried niedergeschriebener Augenzeugenbericht (Narratio de morte Ottonis IV,. imperatoris). Unter einer ruhrartigen Durchfallerkrankung leidend, rief der Kaiser den Abt von Walkenried und Propst Goswin von St. Burchard/Halberstadt zu sich, außerdem den Bischof von Hildesheim. Eine Rückschau auf seine politischen Leistungen verband OTTO unter Bußübungen mit einem umfassenden Schuldbekenntnisüber seine Verfehlungen gegenüber der römischen Kirche. Am 15. Mai erlangte er die Zusage der Sündenvergebung. Am 18. Mai errichtete er sein Testament, in dem er sich an die letzten Getreuen wandte, an seinen Bruder Pfalzgraf Heinrich, an seine Ministerialen und an die Braunschweiger Bürger. Seine kaiserlichen Herrschaftszeichen - das heilige Kreuz, die Lanze die Krone, ein Zahn Johannes' des Täufers und die übrigen Insignien mit Ausnahme des nach St. Aegidien/Braunschweig gestifteten Mantels - übertrug er dem Bruder mit der Auflage, sie nach einer Wartezeit dem einmütig von den Fürsten gewählten Herrscher auszuhändigen, auch FRIEDRICH II. als dem "jetzt Gewählten, wenn sich die Fürsten auf ihn einigen." Kein Geld solle der Bruder dafür annehmen, es sei denn, er könne das Erbe des Hauses (patrimonium) dafür zurückgewinnen. In Einzelbestimmungen erwies sich der Sterbende als freigebiger, schenkender Herrscher, der insbesondere den Besitz des Braunschweiger Stifts St. Blasius wie den Kirchenschatz mit fast allen seinen Reliquien mehrte. Tags darauf, am 19. Mai 1218, starb OTTO IV. auf der Harzburg. Albert von Stade wußte später, daß der Kaiser von solch "unsagbarer Reue ergriffen wurde, daß er seinen Köchen befahl, ihm auf den Hals zu treten". Bischof Siegfried von Hildesheim bestattete den reuigen und wieder in den Schoß der Kirche aufgenommenen Herrscher in St. Blasius/Braunschweuig, an der Seite seiner Eltern und seiner ersten Gemahlin Beatrix. Hier festigte sich dadurch die welfische Grablegetradition.
 
 
 
 

  22.1.1212
  1. oo Beatrix die Ältere von Schwaben, Tochter des Königs PHILIPPS
     x    1198-11.8.1212

  19.5.1214
  2. oo 1. Maria von Brabant, Tochter des Herzogs Heinrich I.
     x         um 1191-nach 9.3.1260
 
 
 
 

Literatur:
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Ay, Karl-Ludwig/Maier, Lorenz/JahnJoachim: Die Welfen. Landesgeschichtliche Aspekte ihrer Herrschaft. Universitätsverlag Konstanz GmbH 1998 - Barz Paul: Heinrich der Löwe. Ein Welfe bewegt die Geschichte. Keil Verlag Bonn 1978 Seite 240,331,374,378,381 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Seite 45 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 128,129 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 13-148 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 121-125, 127-130,138,139 - Fried Johannes/Oexle Otto Gerhard (Hg.): Heinrich der Löwe. Herrschaft und Repräsentation. Jan Thorbecke Verlag 2003 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 204,207,210-215,220 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Gillingham John: Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf 1981 -
HEINRICH DER LÖWE UND SEINE ZEIT. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235. Katalog der Ausstellung Braunschweig 1995 Hirmer Verlag München Band 1, 2 und 3 Herzog Anton Ulrich-Museum - Horst, Eberhard: Friedrich der Staufer, Claassen Verlag Düsseldorf 1989, Seite 36-39,43-45,48,50-54,56-58,62,65,67,73,81,89,93,132, 231,241 - Höfer, Manfred: Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 102-105 - Höflinger Klaus: König Philipp von Schwaben (1198-1208) und Kaiser Otto IV. (1198-1218), in Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern, Hg. von Karl Rudolf Schnith, Seite 308-321 - Hucker Bernd Ulrich: Otto IV. Der wiederentdeckte Kaiser. insel taschenbuch 2557 2003 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 86 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 134,138,214,216,221,23,239,248 - Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite, Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1991, Seite 17,22,45,51,57,61,63,66,72,80,90,97,102,106,114,136,160,164,377,490 - Lehmann, Johannes: Die Staufer. Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts, Gondrom Verlag Bindlach 1991, Seite 150,171,212,215,223,226,319 - Masson Georgina: Friedrich II. von Hohenstaufen, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbeck bei Hamburg 1991, Seite 42,48,49,51,55,59,63 - Mühlbacher, Josef: Lebensweg und Schicksale der staufischen Frauen, Bechtle Verlag Esslingen 1977 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997, Seite 64,68,72,75,78-80,91,93,102,110,154,215,235,253,291,293, 296,330,351,364 - Pernoud Regine: Der Abenteurer auf dem Thron. Richard Löwenherz König von England, Eugen Diederichs Verlag, München 1994, Seite 246,251,254,261 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 188,218,224-228,254 - Rösch, Eva Sibylle/Rösch, Gerhard: Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 46,54-56, 59-61,64,68,168 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 19,37,148,223,234,237,242-246,248,250-268,272,274,276, 277,279,284,286,289,290,292,300 - Schulze Hans K: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 18 - Stälin, Paul Friedrich: Geschichte Württembergs, Gotha 1882 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 75-248 - Stürner Wolfgang: Friedrich II. Teil 2 Der Kaiser 1220-1250 Primus Verlag Darmstadt, 2000 Seite 23,61,65,76, 83,136 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998 A - Töpfer, Bernhard: Philipp von Schwaben und Otto IV.,  in Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 197-209 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 35,38,41,45,62,68,72,85,97, 101,106,134,253 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 3-544 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 12,63,66,67,181,274,362,378,382 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 14-566 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite I 507 II 3,12,84,91,95,99,519,520, 527-535,537 -