Margarete von Brabant                Deutsche Königin
----------------------------                Römische Kaiserin
4.10.1276-14.12.1311                  Gräfin von Luxemburg
                 Genua

Begraben: Genua, San Francesco di Castelletto (abgerissen), Grabmal von Giovanni Pisano
 

Älteste Tochter des Herzogs Johann I. von Brabant aus seiner 2. Ehe mit der Margarethe von Flandern-Dampierre, Tochter von Graf Guido
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 235
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Margarete von Brabant, deutsche Königin
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* 4. Oktober 1275/76, + 14. Dezember 1311
                                    Genua

Begraben: Genua, San Francesco di Castelletto (abgerissen), Grabmal von Giovanni Pisano

Tochter Herzog Johanns I. von Brabant und dessen 2. Frau Margarete von Flandern

  oo 9. Juni 1292 Graf Heinrich IV. oder HEINRICH VII. VON LUXEMBURG (1308 König, 1312 Kaiser)

Kinder:

Johann, König von Böhmen (+ 1346),
Maria, Königin von Frankreich (+ 1324)
Beatrix (+ 1319)

Margaretes Ehe besiegelte den Frieden zwischen Brabant und Luxemburg nach der Schlacht von Worringen (1288). Margarete von Brabant soll während des Italienfeldzuges mehrfach mäßigend auf ihren Gemahl eingewirkt haben. Sie erlag der Seuche, die während der Belagerung von Brescia HEINRICHS Heer befallen hatte.

Literatur:
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H. v. Einem, Das Grabmal der Königin Margarete (Fschr. H. R. Hahnloser, 1961), 125-150 -



Schwennicke Detlev: Tafel 82
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

HEINRICH (IV.) VII.
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* Valenciennes 12. VII (1274/75), + Buonconvento bei Siena 24. VIII 1313

Begraben: Pisa Kathedrale

1288 Graf von LUXEMBURG
Frankfurt 27. XI 1308 gewählt
Aachen 6. I 1309 gekrönt als KÖNIG
Mailand 6. I 1311 KÖNIG VON ITALIEN
Rom S. Giovanni in Laterano 29. VI 1312 KAISER

  oo Tervueren 9. VI 192
       MARGARETA VON BRABANT
       * 4. X 1276, + Genua 14. XII 1311

Begraben: Pisa Kathedrale

Tochter von Johann I. Herzog von Lothringen und Brabant, 1287 Herzog von Limburg



Kaiser Karl IV. Katalog zur Ausstellung 15. Juni-15. Oktober 1978: Seite 32
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19 Kopf der Temperantia vom Genueser Grabmal der Königin Margarethe von Luxemburg

Gioivanni Pisano, 1313 Weißer Carraramarmor Höhe 16,2 cm, Breite 13 cm, Tiefe 15 cm
Kleine Bruchstellen an Mund und Kinn, ein Teil des Faltenstegs über dem linken Ohr fehlt

Königin Margarethe begleitete im Oktober 1310 ihren Gemahl, HEINRICH VII. VON LUXEMBURG, auf seinem unheilvollen Romzug, durch den das römische Kaisertum erneuert und Italien befriedet werden sollte. HEINRICH empfing am Dreikönigstag 1311 in Mailand die lombardische Krone. Am 14. Dezember 1311 starb die Königin in Genua an Fieber und wurde dort in der Franziskanerkirche S. Francesco in Castelletto nahe dem Choraltar beigesetzt (vgl. die Illustrationen der Romfahrt HEINRICHS VII. im Codex Balduini, Kat. Nr. 25). Die 36-jährige Königin hatte einen heiligmäßiges Leben geführt. Zeitgenössische Chronisten berichten von Wundern am Grab der „sanctissima imperatrix“. Für das Grabmal quittierte Giovanni Pisano in Genua eine Teilzahlung am 25. August 1313 - einen Tag nach dem Kaiser HEINRICHS VII. Da die Kirche S. Francesco ab 1805 abgebrochen und ihr Inventar zum Teil schon vorher verkauft worden ist, konnte bis heute keine Vorstellung über die ursprüngliche Grabmalsanlage gewonnen werden. Erhalten blieb im Palazzo Bianco zu Genua die fragmentierte Gruppe der Erhebung der Königin durch zwei Engel, die sie ins Paradies geleiten, offenbar das Mittelstück des Grabmals, das in seiner Kühnheit der figuralen Komposition mit dem diagonal aufsteigenden Leib der Königin, ihrem energisch ins Profil gewendeten Haupt, ihrem sibyllinischen Blick, den souveränen Altersstil Giovanni Pisanos veranschaulicht. Giovanni da Cermemate schrieb damals: „Dieser Todesfall ist nicht zu beklagen, da sie, die irdische Krone hinter sich lassend, hinübergegangen ist, um die himmlische Krone zu empfangen“. In solchen Vorstellungen könnte die für ein Grabmal singuläre Thematik der Engelserhebung begründet sein.
Als Teile des Grabmals identifizierte die Forschung ferner den Torso einer Madonna und die Figur der Justitia, beide in Genueser Museumsbesitz, schließlich das hier ausgestellte Köpfchen der Temperantia, dessen Zugehörigkeit durch Repliken der vier Kardinaltugenden des Grabmals auf der Vorhalle von S. Maria Maddalena in Genua nachweisbar ist. Über den Mund der Temperantia legte sich - am Original abgemeißelt, an der Kopie erhalten - der rechte Zeigerfinger als Gebärde der Schweigsamkeit. Der im Typus der Sibylle an der Kanzel Pisanos in Pistoia geschwisterlich verwandte Kopf der Temperantia zeigt höchste Sensibilität in der plastischen Form und einen nuancierten, vielschichtigen Ausdrucksgehalt.

Literatur:
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H. v. Einem: Das Grabmal der Königin Margarethe in Genua, in: Festschrift Hans R. Hahnloser, Basel-Stuttgart 1961, Seite 125 ff. - M. Seidel: Ein neu entdecktes Fragment des Genueser Grabmals der Königin Margarethe von Giovanni Pisano, in: Pantheon 26, 1968, Seite 335 ff. - M. Ayrton und H. Moore: Giovanni Pisano, Bildhauer, Frankfurt a, Main 1970 Seite 187 ff.



Hoensch, Jörg K.: Seite 26,31,40,44
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„Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437.“

Der Sieger von Worringen, Herzog Johann I. von Brabant, hatte die LUXEMBURGER von dem Friedensschluß ausgenommen und erst nach schwierigen Verhandlungen einer Aussöhnung unter der Bedingung zugestimmt, dass der junge Heinrich VII., einem Wunsch der Königin-Mutter Maria von Frankreich entsprechend, seine Tochter Margarete zur Frau nahm. Nachdem eine päpstliche Dispens das Ehehindernis wegen zu enger verwandtschaftlicher Beziehungen beseitigt, die strittige Mitgiftfrage durch Vermittlung König Philipps IV. beigelegt und der Herzog as Versprechen abgegeben hatte, Luxemburg nicht anzugreifen, fand die Hochzeit im Juni 1292 statt. Obgleich Margarete etwas älter als ihr Gemahl gewesen sein dürfte, war die aus politischen Gründen geschlossene Verbindung, aus der drei Kinder hervorgingen, ausgesprochen glücklich und von gegenseitigem Vertrauen, großer Herzlichkeit und Harmonie geprägt. Margarete hat trotz ihrer tiefen Frömmigkeit und asketischen Neigungen einen stetig anwachsenden Einfluß auf die Entscheidungen ihres Gatten ausgeübt. Eine Normalisierung der Beziehungen zu Brabant hat sich wegen der mangelhaften Einlösung der Mitgiftzusagen zwar erst unter Johann II. von Brabant eingestellt, mit der Heirat war aber die außenpolitische Isolierung Luxemburgs überwunden.
Noch bevor der Papst am 11. Januar 1309 die - nicht eigens erbetene - Approbation aussprach, waren HEINRICH VII. am 6. Januar in Aachen in Anwesenheit der übrigen Kurfürsten vom Kölner Erzbischof Heinrich zum Römischen König, seine Gemahlin Margarete zur Königin gekrönt worden.
Ohne den Erfolg des böhmischen Unternehmens abzuwarten, brach HEINRICH VII. in Begleitung seiner Gemahlin Margarete, seiner Brüder Walram und Balduin sowie zahlreicher befreundeter Herren bereits am 21. September 1310 von Colmar in Richtung Süden auf.
Nachdem HEINRICH VII. Mitte Oktober 1311 in Pavia ein großes Parlament der Lombardei abgehalten, aber keine besondere Unterstützungsbereitschaft vorgefunden hatte, marschierte er mit seiner bescheidenen Streitmacht, die nur noch aus 600 Reitern bestand, nach Genua, um dort zu überwintern, Gelder für die Anwerbung neuer Kontingente aufzutreiben und die politischen Voraussetzungen für die Kaiserkrönung zu verbessern. Dort starb am 13. Dezember Königin Margarete, die als ausgleichende Vermittlerin seinen verletzten Stolz, seine gelegentlichen Zornesausbrüche und seine Rachsucht zu mäßigen gewusst und daher einen beträchtlichen Einfluß auf die Entscheidungen des Königs ausgeübt hatte; sie wurde schon 1313 seliggesprochen.

Leo Heinrich Dr.: Seite 527
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„Zwölf Bücher niederländischer Geschichten“

Die Ansprüche des Hauses LUXEMBURG auf Limburg wurden dann völlig aufgegeben in Folge der Verlobung Heinrichs IV. mit Margaretha, der ältesten Tochter Johanns von Brabant, im April 1292, welche dem Hause LUXEMBURG eine Mitgift von 33.000 livr. De petits Tourn. zubrachte. Die Hochzeit fand in der nächsten Pfingstwoche statt.

Schneider Friedrich: Seite 15,38
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„Kaiser Heinrich VII. Dantes Kaiser.“

Doch der spätere Kaiser söhnte sich mit dem Sieger aus und führte im Jahre 1292 dessen Tochter, die blonde Margarete von Brabant, als Gattin heim. Ein wahrhaft adliges Paar hatte sich gefunden.
Seine Ehe mit seiner Cousine Margarete von Brabant, die er am 9. Juli 1292 auf dem Schlosse Tervueren bei Brüssel, dem alten Lieblingssitz der Herrscher von Brabant, auf Grund eines Dispenses des Papstes Nikolaus’ IV. heiratete, war eine reich gesegnete. HEINRICH und Margarete waren ein wahrhaft adliges Paar. Ihr edles gegenseitiges Verhältnis hat die Zeitgenossen begeistert und den gütigen frauenhaften Einfluss mag man aus HEINRICHS Leben überhaupt nicht wegdenken.
Das Leben in der Familie wurde durch den heranwachsenden Sohn Johann (geboren 10. August 1296) und mehrere Töchter verschönt. Als Mutter liebevoll und heiter, als Gräfin und Königin gütig und fromm schritt die blonde Margarete von Brabant an der Seite ihres Gemahls durch das Leben, um vor ihm, 36 Jahre alt, im fremden Lande Italien, in Genua, in die Ewigkeit heimzugehen (14. Dezember 1311). Der schlichte Bleisarg ist längst zerfallen, in dem die Leiche dem verschwundene Kirchlein der Minoriten in Genua anvertraut wurde, um später, wie man vergeblich hoffte, in die Heimat übergeführt zu werden.
 
 
 
 

9.6.1292
  oo HEINRICH VII. Deutscher König
      1274/75-24.8.1313
 
 
 
 

Kinder:

  Johann der Blinde König von Böhmen
  10.8.1296-26.8.1346

  Beatrix
  1305-11.11.1319

24.6.1318
   oo 2. Karl Robert König von Ungarn
           1288-16.7.1342

  Maria
  1304-25.3.1324

24.8.1322
   oo Karl IV. König von Frankreich
       1294-31.1.1328
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 26,31,40,44,66 - Kaiser Karl IV. Katalog zur Ausstellung 15. Juni-15. Oktober 1978 Prestel Verlag München Seite 32 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 527 - Schneider Friedrich: Kaiser Heinrich VII. Dantes Kaiser. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart-Berlin 1943 Seite 15, 38 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 82 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 -