Trillmich Werner: Seite 144
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Die Kaiserin und der Hof geleitete die Leiche ihres Gemahls nach Bamberg. Zunächst führte Kaiserin Kunigunde, wohl beraten durch ihre Vertrauten, während des Juli und August die Regierung mit Festigkeit weiter. In ihrer Obhut befanden sich Reichsschatz und Insignien, deren der Nachfolger zur Legitimierung seiner Herrschaft bedurfte. Die Leitung der Geschäfte scheint der Erzkapellan und deutsche Erzkanzler, Erzbischof Aribo von Mainz, übernommen zu haben. Dem Erzbischof zur Seite stand Bischof Eberhard von Bamberg, HEINRICHS II. vertrauter Berater, der Erzkanzler für Italien und Leiter der Hofkapelle. Auch zwei ehemalige Kanzler, Erzbischof Gunther von Salzburg und Bischof Egilbert von Freising, unterstützten die Kaiserin. Von der LUXEMBURGER Verwandtschaft halfen ihr Bischof Dietrich von Metz und Herzog Heinrich von Bayern, dem Adel und Klerus seines Herzogtums ebenso treue Gefolgschaft leisteten wie seiner Schwester Kunigunde, die neben dem Gatten einst selbst als Herzogin in Regensburg residiert hatte. Des toten Kaisers Bruder, Bischof Bruno von Augsburg, kehrte aus der ungarischen Verbannung heim und stellte sich ebenfalls der Schwägerin zur Verfügung.
Nach der Beendigung der feierlichen Wahlhandlung trat die verwitwete Kaiserin Kunigunde mit ihrem Gefolge in den Kreis der Männer und schritt auf den Erwählten zu, um ihm den sorgsam gehüteten Kronschatz zu übergeben, der sich in der Obhut von Kaplänen der Hofkapelle befand. Die alte Kaiserin wird sich nach dieser letzten Amtshandlung, durch die sie unwiderruflich jeden Anteil am Regiment entsagte, von der Reichsversammlung getrennt und auf ihr Witwengut zurückgezogen haben.
An dem nach Ostern 1025 in Regensburg stattfindenden Landtag nahm neben Herzog Heinrich zum letztenmal dessen Schwester, Kaiserin Kunigunde, die ihrem Range gebührende weltliche Ehrenstellung für sich in Anspruch. Erneut brachten beide durch einen herzlichen Empfang ihr Einvernehmen mit dem SALIER KONRAD zum Ausdruck, der seine Erhebung nicht zuletzt ihrem tatkräftigen Beistande verdankte. Kunigunde wünschte, am 13. Juli, dem Todestage ihres Gemahls, die Kirche des von ihr gestifteten Klosters Kaufungen durch Aribo weihen zu lassen und während dieser Feier den Schleier zu nehmen, um sich in frommer Zurückgezogenheit auf den Tod vorzubereiten können. Deshalb nutzte sie die Begegnungen dieser Tage zum Abschluß und zur rechtlichen Absicherung von Tauschverträgen und testamentarischen Verfügungen über ihr Wittum. KONRAD ließ sie gewähren, ohne dagegen Einspruch zu erheben, obwohl er das von ihr genutzte Reichsgut uneingeschränkt für die Krone in Anspruch nahm und nicht bereit war, leichtherzig darauf zu verzichten.