JOBST                                           Deutscher König (1410-1411)
----------                                         Markgraf von Mähren (1375-1411)
um 1350-18.1.1411                       Markgraf von Brandenburg (1388-1411)
              Spielberg bei Brünn         Herzog von Luxemburg (1388-1411)

Begraben: St. Thomas zu Brünn
 

Ältester Sohn des Markgrafen Johann Heinrich von Mähren aus seiner 2. Ehe mit der Margarete von Habsburg, Tochter von Herzog Albrecht II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 492
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JODOK (JOBST), Markgraf von Mähren und Brandenburg, gewählter dt. König
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* 1354, + 18. Januar 1411

Nach dem Tode seines Onkels Kaiser KARLS IV. war JODOK der älteste der sechs männlichen LUXEMBURGER, war zu seinem Selbstbewußtsein und Ehrgeiz wesentlich beitrug. Sein Vater, der sparsame Markgraf Johann Heinrich von Mähren, hatte ihm als Haupterben 1375 die wirtschaftlich geordnete Markgrafschaft, beträchtliche Geldmittel und eine Schuldverschreibung KARLS von 64.000 Gulden hinterlassen; seine Brüder Johann Sobieslaw und Prokop erhielten kleinere Anteile. Seine finanzielle Schlüsselposition in der luxemburgischen Familie nutzte JODOK rücksichtslos für die territoriale Machtstellung aus. König WENZEL mußte ihm Glatz verpfänden, Johann Sobieslaw (1387 Patriarch von Aquileja) wurde aus den böhmischen Ländern verdrängt, mit dem mährischen Rivalen Prokop führte JODOK mehrere Kriege. Für beträchtliche finanzielle und militärische Hilfe, die sie SIGMUND im Kampf um Ungarn gewährten, wurden JODOK und Prokop vorübergehend die heutige W-Slowakei, 1388 dann Brandenburg für über 560.000 Gulden verpfändet. Im selben Jahr erhielt JODOK für die Rückgabe von Glatz das Stammland Luxemburg und die elsässische Landvogtei. Diese konnte er nur kurzfristig finanziell nutzen, und Luxemburg, das seit 1388 in Fehden verwüstet wurde und daher wenig Einnahmen bot, verpfändete er 1402 an Ludwig von Orleans. Das 1383 und 1393 von WENZEL an ihn übertragene Reichsvikariat in Italien blieb gänzlich unwirksam.
An den ständig und verwirrend wechselnden Koalitionen mit SIGMUND VON UNGARN, den HABSBURGERN, mit seinem Schwager Wilhelm von Meißen und besonders der mächtigen böhmischen Adelsfronde, die sich meist gegen Prokop, gegen den großen Einfluß Johanns von Görlitz am Prager Hof und letztlich gegen WENZELselbst richteten, hatte er entscheidenden Anteil. Der König wurde 1394 gefangengenommen und JODOK zum Regenten Böhmens ernannt. Johann von Görlitz befreite den König. Nach dem Tode Johanns, dessen Lausitzer Besitz JODOK gegen den Widerstand der Stände übernahm, rivalisierte er mit SIGMUND um die Beherrschung des böhmischen Königs; erst nach dem Tod Prokops (1405) kam es zum, von WENZEL allerdings teuer bezahlten Einvernehmen JODOKS mit dem Prager Hof. Schon 1397 war JODOK endgültig mit der Mark Brandenburg belehnt worden - die Kurstimme ließ ihn den Ehrgeiz auf die deutsche Krone richten. Um 1400 war JODOK durch seine Erwerbungen und die zahlreichen Kriege in finanzieller Notlage. Dennoch erreichte er nach dem Tod König RUPRECHTS sein langersehntes Ziel: 10 Tage nach der Königswahl SIGMUNDS mit drei Stimmen wurde er am 1. Oktober 1410 mit vier Stimmen gültig zum deutschen König gewählt. Ohne ins Binnenreich gekommen zu sein und wegen des Ruins seiner Finanzen ohne große Erfolgsaussichten, starb er kurz darauf in Brünn ohne Nachkommen.
Das Bild seiner Persönlichkeit ist bei Zeitgenossen und in der Wissenschaft wegen des skrupellosen Egoismus seiner Politik und der finanziellen Ausbeutung seiner Länder dunkel gefärbt; doch war er ein fähiger Feldherr und wegen seiner Kunstinteressen und seiner Gelehrsamkeit bekannt (Briefwechsel mit dem Humanisten Coluccio Salutati). Sein Scheitern war zweifellos auch durch die ungünstigen personellen und politischen Konstellationen in der luxemburgischen Familie bedingt.

Literatur:
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Bosl, Böhm. Länder I [F. Seibt] - J. Heidemann, Die Mark Brandenburg unter J. v. M., 1881 - B. Bretholz, Zur Biogr. Des Mgf.en J. v. M., Zs. Des Vereins für Gesch. Mährens und Schlesiens 3, 1899, 237-265 - F. M. Bartos, Ceske dejiny II, 6, 1947 - A. Gerlich, Habsburg-Luxemburg-Wittelsbach im Kampf um die dt. Kg.skrone, 1960 - J. Meznik, Die Finanzen des mähr. Mgf.en J. (Acta creationis, hg. V. Precan, 1978), 69-91.



Schwennicke Detlev: Tafel 82
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

JODOK (JOBST)
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* 1354, + Spielberg bei Brünn 18. I 1411

Begraben: Brünn St. Thomas

1375 MARKGRAF VON MÄHREN
1388/97 MARKGRAF VON BRANDENBURG
1386/1402 HERZOG VON LUXEMBURG
1394 REGENT VON BÖHMEN
1410 als KÖNIG gewählt

  oo 1372
       AGNES-ELISABETH VON OPPELN
       * (1360), + 9. IX 1411

Tochter von Herzog Wladislaw



Der unheilvolle Sohn des Markgrafen Johann Heinrich von Mähren und der verwitweten HABSBURGERIN Margarete, die in erster Ehe die Schwiegertochter der Margarete Maultasch gewesen war, die ihrerseits in erster Ehe mit Johann Heinrich verheiratet war, wurde um 1350 geboren. Zunächst sollte JOBST die Nachfolge seines Onkels, Kaiser KARL IV., antreten, doch bekam dieser später noch Nachkommen. Als Neffe des Kaisers erhielt JOBST in Böhmen eine gute Erziehung und Ausbildung, so dass er als gebildeter und wissenschaftlich kenntnisreicher Mann galt. Zusammen mit seinem Bruder Prokop übernahm JOBST 1375 nach dem Tod des Vaters die Regierung der Markgrafschaft Mähren. JOBST spielte in der Familie der LUXEMBURGER zur Regierungszeit seines Vetters König WENZEL eine überaus negative, intrigante Rolle. In Geschäften nicht ungeschickt und dabei ohne jeden Skrupel, kam JOBST früh zu großem Reichtum, den er ungebremst zu seinem Vorteil in politischen Angelegenheiten einsetzte, dabei ließ er jede Rücksicht und familiäre Verbundenheit vermissen. 1383 ernannte WENZEL ihn zum Generalvikar von Italien, und darüber hinaus erhielt er das Stammherzogtum Luxemburg als Pfand. 1388 musste sein Vetter SIGISMUND, zu diesem Zeitpunkt König von Ungarn und Kurfürst von Brandenburg, sein Kurfürstentum aufgrund finanzieller Verpflichtungen ausliefern. In Böhmen versuchte JOBST alles, um die Stellung König WENZELS zu erschüttern. 1397 musste WENZEL JOBST als Kurfürst von Brandenburg bestätigen. An der Absetzung König WENZELS als Herrscher des Deutschen Reichs beteiligte sich JOBST jedoch nicht, obwohl er als Kurfürst die Möglichkeit dazu besessen hätte. Allerdings unterstützte JOBST danach die militärischen Anstrengungen König RUPRECHTS, als dieser sich 1401 anschickte, Böhmen zu erobern. Aber die Hoffnung auf die böhmische Krone erfüllten sich für JOBST VON MÄHREN nicht. Nach dem Tod König RUPRECHTS I. wurde JOBST am 1. Oktober 1410 in einer umstrittenen Wahl, aber rechtmäßig, mit Unterstützung WENZELS gegen seinen Vetter SIGISMUND zum König des Deutschen Reiches gewählt. Da König WENZEL offiziell nie auf seine Ansprüche verzichtet hatte und am 20. September 1410 SIGISMUND (unrechtmäßig) zum König gewählt worden war, regierten zu diesem Zeitpunkt neben drei Päpsten auch drei Könige im Deutschen Reich. Doch JOBST verstarb bereits am 18. Januar 1411 ganz plötzlich (vielleicht an Gift), wodurch der Weg für SIGISMUND frei wurde. JOBST war mit einer namentlich nicht bekannten ungarischen Prinzessin verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Der gewissenlose Pläne- und Ränkeschmied eignete sich kaum für das verantwortungsvolle Amt des Herrschers. Seine Zeitgenossen fürchteten ihn als bekannten Lügner und Betrüger. Wie kein anderer vor und nach ihm förderte JOBST den Machtzerfall der LUXEMBURGER. Er wurde in der Thomaskirche in Brünn bestattet.

Hoensch Jörg K.:
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"Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. "

Im Jahre 1385 konnte SIGISMUND mit der Unterstützung WENZELS IV. und seiner Vettern JOBST und Prokop, der mährischen Markgrafen, rechnen, die trotz mehrerer Fürsprachen seiner Mutter bisher nicht in sein Ringen um die polnische Krone eingegriffen hatten. Für die 50.000 Schock Prager Groschen, knapp 190.000 Gulden, die ihm am 13. Juli 1385 JOBST und Prokop zu leihen versprachen, musste SIGISMUND die Altmark und Priegnitz als Sicherheit an sie übertragen. Da die Stände der an JOBST und Prokop verpfändeten Altmark und Priegnitz die Huldigung verweigert hatten, musste SIGISMUND den mährischen Markgrafen als Ausgleich und bis zur vollständigen Bezahlung der ihnen entstehenden Kosten eine längerfristige Besetzung der von ihnen verwalteten Gebiete westlich der Waag zugestehen. Nach dem Schiedsspruch WENZELS IV. vom 12. Mai 1386 sollte JOBST zudem bis Martini 1386 als Pfandauslöse 200.000 ungarische Goldgulden erhalten. Da er diese Summe auch 1388 noch nicht erhalten hatte, hielt er weiterhin Teile der W-Slowakei besetzt.
Der 1351 geborene mährische Markgraf Jobst, dem sein Vater Johann Heinrich ein geordnetes, prosperierendes Land und eine gut gefüllte Kasse hinterlassen hatte, erwies sich als unzuverlässiger, intriganter, seinem Ehrgeiz und seiner Geldgier in skrupellosem Egoismus nachjagender Verbündeter. JOBST hatte seinen Brüdern das ihnen testamentarisch vermachte Erbteil beschnitten und wurde des Versuchs nicht müde, Prokopmit Waffengewalt zum Verzicht zu zwingen. Die Söhne und Neffen Kaiser KARLS IV. einte bloß ein Ziel: selbst und ohne Rücksicht auf familiäre Bindungen zu noch mehr Macht und größeren Einkünften zu gelangen, ihre Positionen zu behaupten und auszubauen. Ihr Eigennutz trug nicht unwesentlich dazu bei, dass mit dem Verlust an Ansehen und Autorität bald auch ihre ererbte politische Vorrangstellung in Gefahr geriet.
Für den von den Zeitgenossen als unvorstellbar hoch empfundenen Betrag von 565.263 Gulden verpfändete SIGISMUND am 22.Mai 1388 im slowakischen Schintau die Mark Brandenburg für vorerst fünf Jahre an JOBST. Da schon bei Vertragsunterzeichnung abzusehen war, dass SIGISMUND zur Pfandauslöse nicht in der Lage sein würde, konnte sich JOBST, der bislang in Reichsangelegenheiten keine einflussreiche Rolle gespielt hatte, bereits jetzt als rechtmäßiger Kurfürst fühlen. Die Voraussetzungen für die längerfristige Realisierung seiner ehrgeizigen Pläne, die Gewinnung der Reichskrone, hatte JOBST bereits zu Jahresbeginn geschaffen, als sich WENZEL IV. zur Verpfändung des Herzogtums Luxemburg und der - wahrscheinlich nicht in Kraft gesetzten - Abtretung der einträglichen Landvogtei des Elsaßes an ihn gezwungen gesehen hatte. Mit seinen feingesponnenen Intrigen setzte JOBST seinen Schuldner, König WENZEL, allmählich matt. Bereits am 2. Juni 1390 hatten sich in Preßburg, JOBST, SIGISMUND und Herzog Albrecht III. von Österreich zu einer "Liga oder Union" zusammengeschlossen, die eindeutig gegen WENZEL und Johann von Görlitz gerichtet war, und am 13. Januar 1392 zu einem "gegen jedermann, niemand ausgenommenen" Bündnis ausgebaut wurde. Die führenden Vertreter des Herrenbundes nahmen 1394 den von der Jagd zurückkehrenden König WENZEL gefangen, und ließen ihn am 1. August nach der Zusage einer Generalamnestie frei. Da WENZEL seine Zusagen nicht einhielt, blieb JOBST VON MÄHREN in engem Kontakt  mit den unzufriedenen Mitgliedern des Herrenbundes und verbündete sich am 17. Dezember 1394 in Weitra auf sieben Jahre mit den österreichischen Herzögen. Der umtriebige Markgraf von Mähren zeigte sich zugleich bemüht, den ungarischen König wieder enger an sich zu binden und wies Anfang Juli 1395 die brandenburgischen Stände an, bei seinem kinderlosen Tod anstelle des ursprünglich als Erben benannten Bruders Prokop, mit dem er verfeindet war, seinem Vorgänger SIGISMUND den Eid zu leisten. Als WENZEL aus Verärgerung über diesen Schritt kurzzeitig auf dem Karlstein gefangen hielt, reifte bei den Repräsentanten des Großadels der Entschluss, mit Unterstützung der österreichischen Herzöge militärisch gegen den König einzuschreiten.
Im Juni 1397 eskalierte nach der in JOBST Auftrag erledigten Ermordung einiger Gefolgsleute des Königs die Auseinandersetzung erneut. Zu Jahresanfang des Jahres 1399 war JOBST mit Zustimmung des zurückgesetzt fühlenden Markgrafen Wilhelm von Meißen in den Lausitzen einmarschiert und hatte den Hochadel nochmals zum Widerstand gegen WENZEL animiert. Nach der Absetzung WENZELS als deutscher König (20. August 1400) gelobte sogar der missgünstige Markgraf Jobst aus gekränkter Ehre Rache, "oder ich enwill nirgen ein har in myme barte behalden"; sein Schwur war um so ernster zu nehmen, weil er wegen seines langen, dichten Bartes, auf den er offenbar sehr stolz war, den Beinamen Barbatus führte.
Markgraf Jobst wurden 1401 für seine Mithilfe bei der Befreiung des gefangenen ungarischen Königs SIGISMUND die Lausitzen und ein Teil des Schlagschatzes der Kuttenberger Münze in Aussicht gestellt; dieser verfolgte jedoch vorrangig das eigennützige Ziel, die ihm erst vor kurzem von SIGISMUND eingeräumte Anwartschaft auf die Nachfolge in Ungarn abzusichern und bemächtigte sich im Zusammenwirken mit seinem Bruder Prokop mit böhmischem und mährischem Kriegsvolk des Gebiets zwischen Waag und Donau. Als JOBST aber begann, sich dort huldigen zu lassen, wandte sich Stibor von Stiborze, Wojewode von Siebenbürgen, mit nationalen Parolen auch gegen die mährischen Markgrafen und unternahm alles, um sie aus der Slowakei herauszudrängen.
Nach der am 6. März 1402 erfolgten Gefangennahme WENZELS durch seinen Bruder SIGISMUND stand JOBST weiterhin auf dessen Seite und verzichtete damit auf die von König RUPRECHT zugesagte böhmische Königskrone. Nach dem Scheitern von WENZELS Romfahrt 1402 hatte JOBST in guter luxemburgischer Familientradition die SIGISMUND zugesagte loyale Unterstützung inzwischen aufgekündigt, seine eigene Thronerhebung in Böhmen betrieben und sich RUPRECHT VON DER PFALZ angenähert, worauf SIGISMUND versuchte, den ganzen luxemburgischen Besitz mit Hilfe der HABSBURGER an sich zu reißen. Nach der Flucht WENZELS aus seinem Wiener Gefängnis versöhnte er sich mit seinen mährischen Vettern und schloss SIGISMUND wegen Wort- und Vertrauensbruchs und ständiger Feindseligkeiten von der Nachfolge aus. Nach dem Tod seines Bruders Prokop (+ 24.9.1405) stand JOBST, dem WENZEL gegen das Versprechen treuen Beistands den gesamten Besitz des Bruders übereignet hatte, fest im Lager des Königs und widmete sich, ohne in die innerböhmischen Verhältnisse einzugreifen, vorrangig dem Ausbau seiner Herrschaft in seinen Erblanden, in der Lausitz und der Mark Brandenburg.
Nach dem Tode RUPRECHTS VON DER PFALZ waren JOBST, der die brandenburgische Kur beanspruchte, und Rudolf von Sachsen der Meinung, dass eine Königswahl unnötig sei, da der König noch an Leben sei und blieben der Wahl fern. Nach der zweifelhaften Wahl SIGISMUNDS zum deutschen König schlug die Stimmung um. Da JOBST zudem weitgehende Zusagen im Sinne der Erzbischöfe von Mainz und Köln machte, dabei versprach, seine Approbation nur von Johann XXIII. anzunehmen, ihre Privilegien zu bestätigen und während seiner Abwesenheit vom Reich einen Vikar "in Dutschen landen gemeinlich" einzusetzen und versicherte, die Wahl anzunehmen sowie die Krone nur mit Wissen und Willen seiner Wähler aufzugeben, stand seiner Elektion nichts mehr im Wege. Am 1. Oktober 1410 wurde nach Verlesung von WENZELS Verzicht auf das Reich Markgraf Jobst von den Kurfürsten von Mainz und Köln, seinem eigenen Beauftragten für Brandenburg und dem Gesandten WENZELS für die böhmische Kur gewählt; nach verspätet eingetroffener Vollmacht trat am Abend der Beauftragte Rudolfs von Sachsen der Wahl bei. Auch dieser Akt warf wegen Missachtung des in der Goldenen Bulle verankerten Ablaufs rechtliche Probleme auf, die noch dadurch verschärft wurden, dass WENZEL trotz seines Rücktritts "von unsern und des hl. reiches sachen wegen" weiterhin die Reichssteuer für sich beanspruchte. Der "illustris princeps Jodocus", dem Habgier, Unzuverlässigkeit und skrupelloser Ehrgeiz unterstellt wurden, der jetzt aber auch für seine Gegner als "vir magnificus, prudens, industrius et expertus" in Ansehen stand, nahm die wahl zwar an, konnte die damit verbundenen Amtsgeschäfte in dem ihm verbleibenden dreieinhalb Monaten allerdings nicht ausüben, weil auch seine Erhebung angefochten wurde. Die Gefahr, dass es neben den drei Päpsten jetzt mit WENZEL, SIGISMUND und JOBST drei Römische Könige geben und sowohl die höchste Autorität in den zu erwartenden kriegerischen Auseinandersetzungen als auch die territoriale Integrität des Reiches schwersten Schaden nehmen werde, war nicht von der Hand zu weisen. Die Anhänger SIGISMUNDS beharrten auf ihrem Anspruch, dass seine Wahl "legitime, sancte, iuste, perfecte" zustande gekommen sei, während sie den 55 Jahre alten JOBST zum senilen Greis abzustempeln suchten, der das höchste Amt (imperium seu regnum Romanorum) nicht mehr angemessen vertreten könne.
Ende Januar 1411 traf in Ofen die Nachricht vom unerwarteten Ableben JOBSTS VON MÄHREN ein, der am 18. Januar bei Brünn verstorben war; den umlaufenden Gerüchten zufolge hatte man ihn vergiftet und den angeblichen Täter grausam hingerichtet. Der Anschlag wurde sogleich mit SIGISMUND als Auftraggeber in Verbindung gebracht, der nicht nur politisch von dem Tod des kinderlosen Rivalen profitierte.

Veltrup Dieter: Seite 356-368
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“

Vermutlich im Oktober 1354 wurde Johanns erster Sohn JOST geboren, so dass nun das Weiterbestehen des luxemburgischen Hauses wenigstens in der Seitenlinie gesichert war. Auch er wurde schon früh von seinem Onkel, der ja immer noch nicht über männliche Erben verfügte, in dessen territoriale Erwerbspläne eingespannt. Als JOST 1356 durch das erwähnte Eheversprechen mit Elisabeth von Ungarn verbunden wurde, lebte zwar noch deren älterer Bruder, Herzog Johann von Dalmatien; die Aussicht, dass sie einmal Ungarn und Polen erben würde, hing also von dessen Überleben ab. Aber KARLwar bestrebt, bereits jetzt die Grundlagen dafür zu schaffen, dass - sollte Johann sterben - die LUXEMBURGER durch die Ehe eines Angehörigen ihres Hauses mit der ungarischen Erbin die Ansprüche auf den Thron der ANJOU geltend machen konnten. KARLS Vorausschau zahlte sich aus: Im Herbst 1360 starb Elisabeths Bruder. Am 17. November bedankt sich Ludwig vonUngarn beim Dogen von Venedig für dessen Beileidsschreiben, und nur zwei Tage später bittet KARL in Avignon um die Erteilung des Dispens, die für eine Ehe zwischen Elisabeth und JOST wegen der Verwandtschaft im 4. Grad erforderlich war. KARLS Eile war verständlich: Nun war eingetreten, was er erhofft hatte, Elisabeth war nach dem Tode ihres Bruders einzige Erbin der ANJOU in Ungarn; es galt, das nicht vom Papst sanktionierte Eheversprechen mit JOST von 1356 so schnell möglich in eine kirchenrechtlich wirksame desponsatio impuberum umzuwandeln, zumal sich das Verhältnis zu Ludwig getrübt hatte. Ludwig verpflichtete sich, die Ehe vollziehen zu lassen, sobald Elisabeth das kanonisch zulässige Alter erreicht habe, und sicherte ihr eine zentrale Frauengabe von 10.000 Mark zu. Nur wenige Tage nach dieser Absprache wurde KARL Vater eines Sohnes; JOST trat familienpolitisch ins zweite Glied zurück. Zusätzlich verschlechterte sich noch im selben Jahr das Verhältnis zwischen KARLund Ludwig rapide, angeblich weil KARL beleidigende Äußerungen über Ludwigs Mutter gemacht hatte
 
 
 
 

 1372
  oo Elisabeth von Schlesien-Oppeln, Tochter des Herzogs Wladislaw
       1360-9.11.1411
 
 
 
 

Literatur:
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Höfer, Manfred: Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 153-154 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 127 - Prinz Friedrich (Hg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Böhmen und Mähren. Siedler Verlag - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 82 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 356-368 -