Twellenkamp, Markus: Seite 492-496
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"Das Haus der Luxemburger" in: Die Salier und das Reich

Im August 1081 wurde Konrads jüngerer Bruder HERMANN in Ochsenfurt zum König gewählt. Der neue Gegen-König wird in den Quellen der Zeit nicht als Graf von Salm bezeichnet, als der er in die neuere Historiographie eingegangen ist. Die in den Ardennen gelegene Grafschaft Salm hatte aber schon HERMANNS und Konrads Vater Giselbert innegehabt, der wohl über seine Gemahlin in ihren Besitz gekommen ist. Die beiden Söhne HERMANNS werden dann wieder als Inhaber dieser Grafschaft bezeichnet. Über Graf Konrads Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder wird nirgendwo etwas berichtet. Es ist daher nicht bekannt, ob Konrad es gebilligt hat, dass sich HERMANN dazu bereit erklärte, die Nachfolge RUDOLFS VON RHEINFELDEN anzutreten. Nach Bruno waren die Sachsen und Schwaben maßgeblich bei der Wahl des zweiten Gegen-Königs beteiligt. Dies bestätigen auch eine Reihe weiterer Quellen. Lothringer oder Franken werden nicht als Anwesende bei der Wahl des in spätere Quellen auch als lothringischer Fürst bezeichneten Königs genannt. So wird man vermuten können, dass der neue König in seiner Heimat kaum nennenswerte Unterstützung fand. Warum aber fiel die Wahl von 1081 ausgerechnet auf den eher unbedeutenden lothringischen Grafen Hermann von Salm, der bis dahin in der Reichspolitik überhaupt noch nicht in Erscheinung getreten war?
Nach dem Tod RUDOLFS VON RHEINFELDEN Mitte Oktober 1080 brachen die schon vor seiner Wahl in Forchheim 1077 zutage getretene Gegensätze zwischen der sächsischen und der süddeutschen Oppositionspartei wieder auf. RUDOLF VON RHEINFELDEN hatte sich bereits 1070 nach dem Prozess gegen Otto von Northeim zugunsten Welfs IV. eingesetzt, der dann Nachfolger in dem Otto von Northeim gerade entzogenen Herzogtum Bayern wurde. Das wichtigste Ziel des NORTHEIMERS war seit seinem Prozess von 1070 die Wiedererlangung des bayerischen Herzogtums. Seine Motive deckten sich demnach nicht mit denen der sächsischen Opposition, die gegen die Rekuperationspolitik HEINRICHS IV. vornehmlich in O-Sachsen ankämpfte. Otto von Northeim wird ebensowenig wie 1077 in Forchheim vier Jahre später den Besitz der Königskrone angestrebt haben. Dies wäre wohl schon daran gescheitert, dass ihm Welf IV., der nach dem Tod RUDOLFS der mächtigste Fürst S-Deutschlands war, sicher seine Zustimmung versagt hätte. Den Sachsen ging es offenbar vor allem um den Führungsanspruch innerhalb der Opposition gegen HEINRICH IV. Dass diese Kräfte dann nach dem Tod des bei seiner Wahl sehr renommierten RUDOLF VON RHEINFELDEN auf einen bis dahin kaum bekannten Grafen vom Westrand des Reiches verständigten, lässt die Trostlosigkeit ihrer Situation deutlich werden.
Der neue Gegen-König scheint vor seiner Wahl über einige Verbindungen nach Sachsen verfügt zu haben. So besaß sein Onkel Friedrich, Herzog von Nieder-Lothringen, wahrscheinlich über seine Frau einige Güter in Sachsen. Klebel hat vermutet, dass HERMANNS Gemahlin Sophia mit dem billungischen Herzogshaus verwandt war. Dies wurde aber jüngst von Erkens mit dem Hinweis auf die ältere Auffassung von Sophias Abstammung aus dem ostbayerischen Grafenhaus von Formbach bestritten. Wichtiger als eine solche tatsächliche oder vermeintliche Beziehung zu den BILLUNGERN war aber wohl HERMANNS Verschwägerung mit den WELFEN. Die 'Historia Welforum' berichtet, Welf II. habe seine Gemahlin aus dem salischen Geschlecht (de gente Salica) gewählt, nämlich Imiza, die Schwester Herzog Heinrichs von Bayern, des Herzogs Friedrich von Nieder-Lothringen und des Bischofs Adalbero von Metz. Imiza war mithin eine Tante HERMANNS und Großmutter Herzog Welfs IV. von Bayern, dessen Anwesenheit bei der Wahl in Ochsenfurt durch die Augsburger Annalen bezeugt ist. Dass auch HERMANN de genete Salica oder doch mit der Königssippe weitläufig verwandt war, dürfte bei seiner Wahl vielleicht auch eine Rolle gespielt haben. So wird man HERMANN wohl als idealen Kandidaten einer bereits weitgehend gescheiterten Opposition bezeichnen können. Politisch hatte er sich offenbar noch nicht exponiert, als Lothringer war er für Schwaben wie Sachsen gleichermaßen akzeptabel: mit Welf IV. war er verschwägert, mit dem abgelehnten König weitläufig verwandt. Diese Tatsache konnte die Hoffnung nähren, dass er vielleicht einmal Anhänger HEINRICHS IV. auf seine Seite ziehen könne.
Wenn die Wähler überhaupt große Hoffnungen auf den Gegen-König gesetzt haben sollten, so dürften diese schon sehr bald verflogen sein. Die Nachwelt hat ihm keine große Taten nachzusagen gewusst. In Helmholds Slavenchronik und in den Pöhlder Annalen wird ihm der Beiname "Knoblauch" gegeben, was gewiss kein Epitheton ornans sein sollte. Ebenso geringschätzig gemeint war die Qualifizierung des Königs HERMANN als miles des Bischofs von Metz durch den HEINRICH IV. freundlich gesonnenen Sigebert von Gembloux. Der Verfasser der 'Vita Heinrici' schildert mit unverhohlener Schadenfreude, wie HERMANN von den Sachsen aus ihrem Land verjagt und dann bei einem aus Spaß unternommenen Überfall auf eine Burg von einem Stein erschlagen worden sei, den eine Frau von einem Turm auf ihn herabgeschleudert habe. Auch Gregor VII. scheint keine gute Meinung von diesem König gehabt zu haben. Der Papst hat zwar nach dem Tod RUDOLFS VON RHEINFELDEN Bischof Altmann von Passau und Abt Wilhelm von Hirsau zur Wahl eines neuen Königs aufgefordert und ihnen auch gleich eine Eidesformel zugesandt, die der zu wählende König dem Papst leisten sollte, HERMANNS Name tritt in den Briefen Gregors VII. jedoch nicht auf. Der Gegen-König wurde auf einer in Quedlinburg im Jahre 1085 abgehaltenen Synode sogar von dem päpstlichen Legaten Otto von Ostia wegen seiner angeblichen Verwandtenehe angegriffen. Am 28.9.1088 ist König HERMANN in Lothringen ums Leben gekommen.