Heinzelmann, Josef:
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"Der Name Sophia als genealogisches Indiz und Problem"
veröffentlicht im Archiv für Familiengeschichtsforschung, 4 (2000), S. 96–110

I. Sophia, die Frau des Gegenkönigs Hermann von Salm

Den damals noch seltenen Namen der (hinterlassenen) Frau erfahren wir aus einer undatierten, kopial überlieferten Urkunde des Stiftes Göttweig: Sophia. Ihre Ehe mit dem Gegen-König bestand 1085, als auf der Synode in Quedlinburg Bischof Otto von Ostia als päpstlicher Legat ihre Legitimität anzweifelte (ex consanguinitate sociatum) und ein Scheidungsurteil forderte, das die Synode vertagte. Die Unklarheit - und nicht nur für uns Genealogen, denen weder Namen noch Abstammungslinien genannt werden - entspringt wohl nicht der Unkenntnis der Versammelten über die Ahnen der Eheleute, sondern der Unsicherheit, ob die in Rom gepredigten strengeren Grenzen des Inzests nun wirklich anzuwenden seien oder nicht. Insofern könnte der Legat sogar eine Ehe 7:7 (!) angeprangert haben.
Eduard Hlawitschka hat die bisherigen, allgemein nicht akzeptierten Hypothesen als unhaltbar erwiesen und die Umstände der Verwandtschaft und die Namensgebung für Sophia überzeugend dargestellt. Er musste bei HERMANN VON SALM (nie wird er in zeitgenössischen Quellen so bezeichnet, er war aber unzweifelhaft Graf von Salm) die Mutter genealogisch einreihen und bei Sophia, die man schon oft als mit den FORMBACHERN verwandt ansah, ihre Eltern zunächst hypothetisch zugrundelegen, um dann eine Ahnentafel zu erstellen, die eine für den Legaten kanonisch fragwürdige und für Genealogen sinnvolle Consanguinität ergibt. Ich darf seine Argumentationskette kurz resümieren.

Hermanns Mutter eine Hezelinidin

HERMANNS Erbansprüche an die Burg Cochem, sein und seines Bruders Konrad Name, eine erschöpfende Auswertung der bisherigen Literatur und letztlich die Blutsverwandtschaft zwischen HERMANN und Sophia bringen Hlawitschka nach Diskussion mehrerer Alternativen dazu, als HERMANNS Mutter (und Frau des Grafen Giselbert) eine Tochter des Pfalzgrafen Hezelin (Hermann) und seiner Frau, einer mutmaßlichen Schwester von Kaiser KONRAD II., auf alle Fälle einer SALIERIN, anzusetzen. Dies ist nicht nur unwiderlegbar, sondern auch in hohem Grade wahrscheinlich.

Sophia Tochter Meginhards von Formbach und der Ezzo-Nachfahrin Mathilde von Reinhausen

Sophia erscheint in Göttweig als relicta des schon 1088 September 28 gestorbenen Gegen-Königs, aber wann? Als Zeuge erscheint dabei Otto filius eiusdem regine. Das würde bedeuten, dass er zumindest zeugnismündig, also 12 Jahre alt war. Sehr viel weiter hilft das nicht, da wir weder das Datum der Heirat HERMANNS und Sophias kennen, noch ihr Alter. Das Schenkungsgut, ein predium qoddam Meginoldi dictum irrlichtert mit genealogischer Bedeutung. Wäre der Name des früheren Besitzers aus „Meginardi“ verschrieben, ist eine Leitnamen-Linie zu Meinhard von Formbach zu ziehen. In gleiche Richtung weist die Schenkung an das von den FORMBACHERN bevogtete Göttweig. Dies führt Hlawitschka (ich verkürze seine Darstellung auch älterer Ansätze) dazu, Sophie als Tochter des Grafen Meginhard V. von Formbach  und seiner Frau Mathilde von Reinhausen einzureihen.
Für Mathilde sind sechs Geschwister belegt: Konrad, Heinrich, Hermann, Udo (Bischof von Hildesheim), Richenza und Beatrix. (Letztere hatte eine Tochter Sophia.) Vater war ein Graf Elle (auch Alvericus, also Alberich, Aubry?) „von Reinhausen“ (bei Göttingen). Die Namenvererbung (Hermann, Richenza, Mathilde, Sophia) weist darauf hin, dass die Mutter (also Elles Frau) eine EZZONIN war, wofür Hlawitschka dann weitere Indizien bringt. Entweder handelt es sich um eine weitere, bisher unbekannte Tochter des Ezzo-Sohnes Liudolf, oder direkt eine der Töchter Ezzos, die zwar als Äbtissinnen belegt sind, aber vorher verheiratet gewesen sein könnten. Die chronikalische Überlieferung des EZZONEN-Klosters Brauweiler ist derart unsicher, einseitig klerikal und schütter, dass Hlawitschka (und die Forschung allgemein) sie zurecht für nicht umfassend hält, dass also ein Nicht-Vorkommen darin nicht als Gegenbeweis angeführt werden kann. Je nach Weg ergibt sich eine Verwandtschaft 3:4 oder 3:5 für HERMANN und Sophia:

               Hermann I., Pfalzgraf, oo  Heilwig

          ----------------------------------------------------------
     |Hermann/Hezelin                                        Erinfrid/Ezzo

    oo Salierin                                                   oo Mathilde
                                                                 entweder –––––––––––– oder
 

      ---                                                       ---                                 ---
     N.N.                                               Mathilde                         Liudolf

  oo Giselbert v. Luxemburg                   oo Elle
 

     ---                                                     ---                                  ---
  Hermann „von Salm“                       Mathilde                         Mathilde

                                                          oo Meginhard V.             oo Elle
 

                                                            ---                                   ---
                                                       Sophia                           Mathilde

                                                                                                oo Meginhard V.
 

                                                                                                  ----
                                                                                             Sophia



Nachdem ich mich ein wenig intensiver mit den Consanguinitätsregeln beschäftigt habe, halte ich von den zwei Verwandtschaftswegen den über Liudolf für wahrscheinlich. Eine Verwandtschaft 4:3 war kirchenrechtlich innerhalb der Verbotsgrenzen, wenn auch dispensierbar, also auf keinen Fall von den Bischöfen ignorierbar. 5:3 war in der traditionellen Auslegung frei, aber bei den besonders strengen Kirchenlehrern auch verboten. Hier hätten wir deutlich den Gegensatz zwischen den verschiedenen Grenzen der Verwandtschaftsverbote und der Kardinal ist Vertreter der „modernen“ Lehre. – Chronologische Probleme sehe ich nicht, auf der 5er Linie sind inklusive Sophia drei Frauen und Liudolf ist deutlich älter als Mathilde, ebenso Ezzo als Hezelin.
Ich folge Hlawitschka freilich nicht bei der Vermutung, dass der mütterliche Großvater Sophias, Graf Elle von Reinhausen, identisch sei mit dem Grafen Ello/Hello im Engersgau, der nur 1021 und 1022 belegt ist, also amtsmündig und wohl auch verheiratet war. Dem (H)Ello im Engersgau folgt 1034 ein Wigger, 1019 ging ihm der berühmte Otto von Hammerstein voraus, der wohl nie mehr diese Grafschaft zurückerhielt. Des REINHAUSENER Elle/Elli sieben Kinder werden nach Hlawitschka und der Evidenz in den 40er Jahren geboren.
Es wundert mich, dass ein so erfahrener Genealoge wie Hlawitschka übersehen hat, dass die von ihm als „namenvermittelnde“ Gattin vorgeschlagene Ezzo-Tochter Mathilde nach 1030 als Äbtissin erscheint, also verwitwet sein müsste. Das geht zwar mit den vermutlichen Daten des Ello vom Engersgau zusammen, nicht aber mit den für die Kinder anzunehmenden Geburtsdaten.
Elle von Reinhausen kann nur Sohn (oder Neffe) des Ello vom Engersgau sein. Die EZZONIN war dann eher des REINHAUSENERS Frau als dessen Mutter. Als diese nehme ich eine Konradinerin an. Denn neben den ezzonischen Leitnamen bei seinen Kindern sollte man auch die „konradinischen“ Konrad und Udo sehen. Vielleicht war der Engersgraf irgendwie mit Otto von Hammerstein verschwägert. Das hätte ihn als dessen Nachfolger (oder Vertreter) qualifiziert. Aber auch Liudolf hatte einen Sohn Konrad, der seinen Namen von den mütterlichen Vorfahren haben muss. Insofern wäre dieser Name ein zusätzlicher Beweis für Abstammung über Liudolf.
Über die väterlichen Vorfahren Sophias, die FORMBACHER, müssen wir hier nicht handeln. Ich glaube freilich, dass auch Loibls Darstellung, die ja nicht direkt eine genealogische ist, einige Probleme nicht nur nicht löst, sondern sie auch übersieht. Als Beispiel erwähne ich nur, dass er Meginhard V. schon als Niederaltaicher Vogt zur Zeit des Abtes Gotthard (997–1022) amtieren lässt. Das heißt, er wäre etwa gleich alt mit Hello vom Engersgau. Dass er dann nicht Vater der Sophia von Salm sein könnte, müsste man Hlawitschka anrechnen. Aber er könnte dann auch nicht Vater der für ihn belegten Söhne Ulrich und Hermann (von Winzenburg-Windberg-Ratelnberg) sein. Halten wir uns an einen nicht so alten Meginhard V., der deren belegter Vater und Mann der Mathilde von Reinhausen war, und der mit einem Bruder Pilgrim 1066 gewaltsam ums Leben kam, wenn dieser Eintrag überhaupt ihm gilt, was keineswegs sicher ist..

Hermanns und Sophias Nachkommen

Kommen wir zu den von Hlawitschka nur am Rande berührten Nachkommen des Gegen-Königs und der Existenz Sophias nach dessen Tode. Halten wir uns vorerst an die beiden belegten Söhne des Gegen-Königspaars: Hermann „von Salm“ und Otto „von Rheineck“. Beider erste zeitlich fixierte Erwähnung ist 1104 Oktober 3: Herimannus Salmucensis comes et frater eius Otto.
Hermann von Salm (war 1104 mindestens 16 Jahre alt) fungiert später als Vogt von Senones und stirbt 1135. Da er Agnes von Bar-Mömpelgard heiratet, eine Enkelin der Sophia von Mousson, kann seine Mutter Sophia nicht eine Tochter oder Enkelin oder Großnichte dieser frühen Namensträgerin gewesen sein kann. Die gemeinsame Abstammung des Ehepaars von Pfalzgraf Ezzo ist 5:5, evtl 4:5, vorausgesetzt natürlich, unsere Filiationen sind richtig.

  Agnes --- Dietrich --- Sophie von Mousson --- N.N. (Sophia?) --- N.N.

  oo                                                                                                             Ezzo

  Hermann --- Sophia --- Mathilde von Reinhausen --- N.N. --- Liudolf



Hermanns Bruder Otto von Rheineck († 1150) trägt einen Namen, der im Luxemburger Grafenhaus bis dahin nicht üblich war, also wohl von Mutterseite stammt. Er heiratet die Witwe des 1113 verstorbenen Pfalzgrafen Siegfried (von Ballenstedt/Laach), Gertrud von Northeim. Zeitweise führt er den Pfalzgrafentitel, den er viel später wohl nicht nur wegen seiner auf etwa 1114 zu datierenden Heirat und als Stiefvater erhalten hat, sondern weil er bereits bestehende Erbansprüche dadurch aktivierte. Es bleibt offen, warum er erst relativ spät geheiratet hat. Er muss ja allerspätestens 1089 geboren sein.
Otto hatte eine Tochter Sophie († 1176, oo1139 Theoderich von Holland, † 1157) und einen Sohn Otto, der 1149 von Hermann von Stahleck auf dessen Burg Schönburg (über Oberwesel) gefangen gehalten und erdrosselt wird, und zwar im Kampf um die Pfalzgrafschaft. Er war spätestens 1146 mit einer Tochter Albrechts des Bären verheiratet (vgl. unten).

Sophias Geschwister

Der Vater, Meginhard V. soll 1066 mit seinem Bruder Pilgrim, von dem wir sonst nichts wissen, getötet worden sein. Jugmann-Stadler erklärt eine Urkunde von „ca. 1073“, in der anlässlich der bevorstehenden Heirat Udalrichs von der noch nicht ganz durchgeführten Erbteilung mit seinem Bruder Hermann gehandelt wird, als „wohl zu früh datiert“. Sei dem, wie dem wolle, bisher kannte man nur drei Söhne Meginhards V.
Udalrich von Formbach: Er hatte neben anderen ungenannten Kindern einen Sohn Konrad und eine Tochter Liutgard.
Konrad: Er starb jung. Sein Name muss von Mutterseite herrühren.
Hermann von Windberg/Winzenberg. Auch sein Name kommt wohl von Mutterseite. Von ihm wird hier noch die Rede sein, ebenso von der jetzt von Hlawitschka eruierten Tochter:
Sophia, verheiratet spätestens 1085, möglicherweise schon ca. 1080 mit HERMANN, dem als Grafen (von Salm) belegten Mitglied des Luxemburger Hauses, der 1081 bis zu seinem Tode 1088 deutscher Gegen-König war. Sie überlebte ihn.

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