Alfons X. der Weise                      König von Kastilien (1252-1282)
-------------------------                     Deutscher König (1257-1273)
23.11.1221-4.4.1284
Burgos       Sevilla

Begraben: Burgos, Kloster Las Huelgas
 

Ältester Sohn des Königs Ferdinand III. von Kastilien aus seiner 1. Ehe mit der Beatrix von Schwaben, Tochter von König PHILIPP
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 396
********************
Alfons X. der Weise, König von Kastilien und Leon seit 1252
--------------------------
26.11.1221-4.4.1284
Toledo     Sevilla

Begraben: Burgos, Kloster Las Huelgas

Erster Sohn Ferdinands III. und der Beatrix von Schwaben, Tochter PHILIPPS VON SCHWABEN

Vor seiner Thronbesteigung war Alfons im Auftrag seines Vaters an mehreren Feldzügen und Missionen beteiligt, die alle mit der Reconquista Murcias zusammenhingen. Als König verfolgte Alfons X. der Weise einen für das 13. Jahrhundert typischen "Imperialismus", der sich auf verwandtschaftliche Bindungen mit dem französischen Königshof stützte und eine Eroberung Marokkos ins Auge faßte, wofür er wegen des benötigten Schiffsraumes die Unterstützung der Seestädte im westlichen Mittelmeer brauchte.
Der Tod des römischen Königs KONRAD IV. (1254) war Anlaß, sich über seine Mutter als einziger Erbe der STAUFER zu fühlen, 1255 das Herzogtum Schwaben zu reklamieren und im März 1256 die Wahl durch ghibellinische Pisaner zum Kaiser anzunehmen. Im Vordergrund des Interessses (in Spanien unter dem Schlagwort fecho del Imperio geläufig) stand das staufische Erbe in Italien; auch die 1257 gegen RICHARD VON CORNWALL vom Trierer Kurfürsten betriebene und vom französischen Königshof unterstützte Königswahl in Frankfurt hatte im wesentlichen den Sinn einer besseren Rechtsgrundlage im Kampf gegen den "Usurpator" Manfred in Italien. Seine Anerkennung als König in Deutschland, das er persönlich nie betreten hat, blieb abhängig von den Fürsten, die der französischen Politik verpflichtet waren; das Papsttum wich dieser Anerkennung aus und lenkte 1265 mit der Belehnung Karls von Anjou die italienische Politik in andere Bahnen. Noch nach der Königswahl Rudolfs von Habsburg (1273) wurde Alfons X. wegen des fecho del Imperio beim Papst vorstellig und mußte im Sommer 1275 behutsam zum Verzicht auf das römische Königtum gebracht werden. Alle Aktionen für den fech del Imperio wurden erheblich durch Adelsunruhen im kastilischen Reich behindert. Der kastilische Adel wehrte sich gegen Zentralisationsbestrebungen der Krone und paktierte in wechselvollem Siel mit den Sarazenen in Granada und mit Jakob I. von Aragon, obwohl dieser der Schwiegervater Alfons' war. Jakob fürchtete um seinen Einfluß in Navarra, schlug aber auch für seinen Schwiegersohn den Aufstand der Mudejares in Murcia nieder, weil er damit rechnen mußte, dass Alfons andernfalls die maurische Bevölkerung in Valencia unterstützte. Indem die Sarazenen von Granada die Mudejares in Murcia und in Andalusien begünstigten und Hilfe von Marokko annahmen, brachten sie die Reconquista zum Erliegen; Alfons X. der Weise konnte nur Jerez, Medina Sidonia, Lebrija, Niebla und Cadiz erobern.
Alfons letzte Regierungsjahre waren durch Thronkämpfe gekennzeichnet. Nach dem Tod seines erstgeborenen Sohnes Fernando de la Cerda beanspruchten dessen Sohn Alfons de la Cerda wie auch der Infant Sancho die Krone; letzterer veranlaßte seinen Vater, ihn zum Erben einzusetzen. Alfons' Versuch, ein von Kastilien abhängiges Königreich Jaen zu schaffen, um seinem Enkel Alfonsdamit abzufinden, scheiterte am Widerstand Sanchos. Ein offener Krieg zwischen Vater und Sohn brach 1281 aus; schließlich sah sich Alfons von allen Anhängern verlassen, nur die Städte Sevilla und Murcia blieben loyal. Doch trat allmählich eine Besserung der politischen Situation für Alfons ein; sie zu nutzen, hinderte den König der Tod.
Blieb Alfons X. der Weise auf politischem Gebiet ein oft wirklichkeitsfremder Herrscher, der zwar imperiale Träume verfolgte, in schwierigen Situationen aber vielfach Tatkraft und den Mut zur Entscheidung vermissen ließ, so übertraf er wohl alle zeitgenössischen Herrscher als Gesetzgeber und Gelehrter, als Anreger und Förderer von Wissenschaft und Literatur.



Alfons X. der Weise, wohl sorgfältig erzogen, machte die väterliche Reconquista mit, wurde Statthalter von Andalusien und folgte seinem Vater 1252 als König von Kastilien. Er besaß keine Regentenfähigkeiten und führte mit seiner inkonsequenten Politik das Land in neue Bürgerkriege, in denen der Adel, gestützt auf Alfons' Brüder, wieder größeren Einfluß gewann, verärgerte die Brüder, indem er die Algarve nach und nach an Portugal zurückgab und die kastilischen Ansprüche auf die Gascogne an England abtrat. Alfons gründete 1256 die Universität Sevilla und erregte mit seinen Kaiserträumen Unwillen, die ihn nur von den kastilischen Problemen ablenkten und riesige Summen verschlangen, wofür er erdrückende Steuern auferlegte, eine Inflation riskierte und die Bezahlung der Beamten reduzierte. Alfons wurde durch einen Teil der Kurfürsten am 1.4.1257 in Frankfurt als Enkel PHILIPPS VON SCHWABEN zum deutschen König gewählt. Er kam nie ins Reich, wurde nur ausgenützt, um fragwürdige Ansprüche etlicher Reichsfürsten zu sanktionieren und scheiterte mit seinen Ansprüchen für Italien und Schwaben. Er reiste 1274/75 nach der Provence und N-Italien, wurde 1273 gebannt, da er nach der Wahl RUDOLFS I. VON HABSBURG immer noch seinen deutschen Königstitel führte, den er aber 1275 ablegte. Auf Rebellionen regierte er zuerst mit Milde, was ihm aber als Schwäche ausgelegt wurde und wurde daher zunehmend mißtrauisch und grausam. Ab 1275 kam es zu neuen Bürger- und Thronkriegen, da er mit immer neuen Erbplänen alle verunsicherte. 1277 anerkannte er Sancho IV., geriet deshalb in Konflikt mit seiner Frau, die ihre "französischen" Enkel DE LA CERDA unterstützte und als er diese mit Teilgebieten bedachte, wurde er 1282 abgesetzt, für regierungsunfähig erklärt und als Titular-König auf Sevilla beschränkt, suchte dort die Hilfe von Granada gegen den Sohn, den er verfluchte. Alfons X. hatte auch viel Streit mit Portugal und Aragon, eroberte trotz vernachlässigter Reconquista unter anderem Cadiz, Jerez und Medina-Sidonia. Er vollendete das Gesetzgebungswerk des Vaters und war ein eifriger Mäzen der Künste und Wissenschaften, dichtete in galizischer Mundart und war Schöpfer der kastilischen Hochsprache, regte die spanische Geschichtsschreibung an, schuf die "Alfonsinischen Tafeln", erkannte dabei wohl schon das heliozentrische Weltbild, wagte es aber nicht offen zu formulieren. Er beschäftigte sich auch mit Astrologie, Alchemie und Philosophie, genoß in ganz Europa größte Bewunderung wegen seiner Gelehrsamkeit, wurde in Spanien, wo man nur Staats- und Kriegskunst hochschätzte, nur gering geachtet, ja verachtet. Er förderte den Minnesang, ließ die Bibel ins Kastilische übersetzen, Urkunden nur noch in kastilisch verfassen und ging rücksichtslos gegen Mauren und Juden vor.

Seine Konkubine war Maria Guzman.
 
 
 
 

 1248
  oo Jolanthe von Aragon, Tochter des Königs Jakob I.
       um 1236-   1301
 
 
 
 

10 Kinder:

  Beatrix
  1253- um 1280

 1271
  oo 2. Wilhelm VII. Markgraf von Montferrat
                   -   1292

  Berengaria Nonne
  1253-   1300

  Ferdinand de la Cerda
  4.1.1256-25.7.1275

  Sancho IV.
  13.4.1258-25.4.1295

  Jakob
         -

  Peter Senor de Alba de Tormes
         -10.10.1283

 1281
  oo Margarete von Narbonne, Tochter des Grafen Aimery VI.
              -

  Johann I. Senor de Valencia
  vor 4.1264-25.6.1319 gefallen

    1281
  1. oo Isabella von Montferrat
               -

  2. oo Maria Diaz von Haro
                 -

  Violante
        -

  oo Diego Lopez III. Graf de Haro
              -   1310

  Jakob Graf de los Cameros
  1268-   1284

Illegitim

  Martin Abt von Valladolid
        -

  Beatrix    von Maria Guzman
  1242-27.10.1303

18.10.1254
  oo Alfons III. König von Portugal
      5.5.1210-16.2.1279

  Konstanze  Nonne
         -   1280

  Alfons Nino
  vor 1254-   1281

  oo Blanka von Kastilien, Tochter Alfons von Molina
              -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 47 - Die Begegnung des Westens mit dem Osten, hg. von Odilo Engels und Peter Schreiner, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993, Seite 240,340,398-403,405,410 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 149,158 - Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron, Verlag Styria 1986, Seite 54,60,63, 88,108,110 - Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 107,192 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 218 - Hoensch, Jörg K.: Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König. Verlag Styria Graz Wien Köln 1989 Seite 84,111,130,132,152,200, 202,207,210,216 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 - Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite 28,119,159,183 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 35,40 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 321,356 - Schoen Wilhelm von: Alfons X. von Kastilien. Ein ungekrönter deutscher König. Verlag F. Bruckmann München 1957 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 123,125,130,134,142-157,159,161,164,178, 189,209,233,238 -