COLONNA
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 52
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Colonna
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Bedeutendes italienisches Adelsgeschlecht, das in Rom und Latium eine führende Stellung innehatte. Nach der Tradition soll es über Petrus de Columna von den Grafen von Tusculum abstammen. Dieser Petrus de Columna ist zu Beginn des 12. Jh. als Herr von Colonna und Zagarolo bezeugt und erscheint in den Aufständen, durch die Papst Paschalis II. die Kontrolle über zahlreiche Orte in Latium verlor, an der Seite der TUSCULANER. In der Folge haben die COLONNA wohl bei der Restruktuierung des päpstlichen Dominums Latium mitgewirkt. Ihr Aufstieg erscheint jedenfalls in der 1. Hälfte des 13. Jh. gesichert, als der Adel Latiums in das päpstliche Herrschaftssystem voll integriert war. Giovanni (+ 1245), Kardinalpriester von S. Prassede, Verwalter des Patrimonium Petri, erfüllte unter den Päpsten Honorius III. und Gregor IX. politisch-diplomatische Missionen. Sein Zwist mit Gregor IX. und sein Übergang zur kaiserlichen Partei brachten wahrscheinlich eine politische Kurswende des Hauses COLONNA mit sich. Ein Neffe von Giovanno, Oddone di Giordano (+ 1256/57), der bereits 1238-1239 römischer Senator war und dabei eine gemäßigte Richtung vertrat, wurde in seiner zweiten Amtsperiode 1241 vom Papst abgesetzt. Infolge einer Güterteilung Oddones mit seinem Vetter Pietro (1252), der Oddones Besitzrecht auf Colonna, Zagarolo, Palestrina, Caprancia und alle römischen Güter anerkannte, teilten sich die COLONNA. Von Oddone leitete sich die Hauptlinie des Geschlechts ab, die COLONNA DI PALESTRINA. Pietro, der Ahnherr der Linie GALLICANO, behielt Tivoli, Gallicano und S. Cesareo. Die vermutlich bereits in früherer Zeit entstandene Linie GENAZZANO hatte ihr Zentrum im östlichen Teil Latiums. Nach einer Phase der politischen Stagnation, die vielleicht auf die kaiserfreundliche Parteinahme des oben erwähnten Kardinals Giovanni und das von den ANJOU beherrschte Senatorat in Rom zurückzuführen ist, scheint das Wiedererstarken der COLONNA mit der antiangevinischen Wendung Papst Nikolaus' III. in Zusammenhang stehen. 1278 führte Giacomo (+ 1318), der Sohn Oddones, nach seiner Erhebung zum Kardinal Verhandlungen über die Übertragung des Senatorats an den Papst. Nikolaus IV. (Franziskaner und ehemaliger Bischof von Palestrina) förderte die COLONNA in reichem Umfang: 1288 erhob er Pietro di Giovanni (+ 1326) zum Kardinaldiakon von S. Eustachio und betraute verschiedene Mitglieder der Familie mit Regierungsämtern, während in Rom das Ansehen von Giovanni und des Kardinals Giacomo wuchs, unter dem das Apsismosaik von S. Maria Maggiore von Jacopo Torriti ausgeführt wurde. In den mit größter Leidenschaft geführten Streit mit Bonifatius VIII. (Benedetto Caetani) zu Ende des 13. Jh. waren vor allem Kardinal Giacomo und die Söhne des bereits verstorbenen Giovanni verwickelt: Insbesondere Kardinal Pietro, Agapito (auf dessen Nachkommen der Besitz von Genazzano übergehen sollte), Stefano (+ zw. 1348 und 1350) und Giacomo Sciarra (+ 1329). Mit diesen Persönlichkeiten (mit Ausnahme des 1301/02 verstorbenen Agapito) ist im 1. Viertel des 14. Jh. der politische und territoriale Aufschwung der Familie COLONNA verbunden, die sich mit Stefano und seinen Nachkommen auf einen guelfisch-angevinischen Kurs hin orientierte. In der neuen Generation der COLONNA erschienen an der Kurie von Avignon - neben Mitgliedern aus Seitenlinien wie Landolfo (+ nach 1341) und sein Neffe Giovanni (+ gegen 1343/44)  - zwei Söhne von Stefano: Giovanni (+ 1348), seit 1327 Kardinaldiakon von S. Angelo in Pescheria, und Giacomo (+ 1341), seit 1328 Bischof von Lombez, beide ebenso wie Landolfos Neffe Förderer von Francesco Petrarcas.
Nach dem kaiserlichen Zwischenspiel von 1312 (HEINRICH VII.) und 1328 (LUDWIG DER BAYER) und dem Ende des angevinischen Senatorats (1336) erschöpften sich die COLONNA in Rom in blutigen Kämpfen gegen die ORSINI, deren mittelbare Folge auch das abenteuerliche Tribunat des Cola di Rienzo war. Wie zur Zeit Bonifatius' VIII. fand der Kampf der COLONNA mit dem Tribunen großen Widerhall; sein Höhepunkt war das Gefecht an der Porta S. Lorenzo (20. November 1347), in dem unter anderem Pietro, der Sohn Agapitos I., Herr von Genazzano (Senator 1338-1339, 1347), und Stefanuccio, Sohn des Stefano (Senator 1332,1342), sowie dessen Sohn Giovanni (Senator 1344) fielen. An dem zweiten Kampf gegen Cola (1354) waren die COLONNA ebenfalls führend beteiligt.
Durch die Nachkommen von Stefano, Agapito I. und Giacomo Sciarra waren die COLONNA fast während der gesamten 50-er Jahre des 14. Jh. wiederholt im römischen Senat vertreten, bis eine Reform im Jahre 1358 die Adligen vom Senat ausschloß und damit der Vorherrschaft des römisch-latinischen Adels in Rom ein Ende setzte. Während des Abendländischen Schismas wurden drei COLONNA zu Kardinälen erhoben, deren Genealogie strittig ist: 1378 Agapito III. (+ 1389) und Stefano, Propst von St-Omer (+ 1378), 1405 Oddone (Nachkomme Agapitos I.), der unter dem Namen Martin V. 1417 zum Papst gewählt wurde. Sein Pontifikat, mit dem das Schisma zu Ende ging, bedeutete für die COLONNA eine Periode großen Glanzes, da der Papst seine Brüder Giordano (+ 1424) und Lorenzo (+ 1423) sowie dessen Söhne Antonio (+ 1472), Odoardo und Prospero (+ 1463, seit 1426 Kardinal) mit Ämtern, Benefezien und Besitzungen in Latium und im Königreich Neapel ausstattete. Einbußen erlitten die COLONNA jedoch unter Martins V. Nachfolger, Eugen IV. und unter Sixtus IV., der, infolge des Bündnisses der COLONNA mit dem König von Neapel, den Kardinal Giovanni, Sohn des Antonio, gefangensetzen ließ. In der Folge wurde Lorenzo, Sohn des Odoardo, 1484 als Rebell hingerichtet und ein Feldzug gegen die Burgen der COLONNA geführt, die von Prospero (Sohn des Antonio, + 1523) und Fabrizio (Sohn des Odoardo, + 1520) verteidigt wurden. Sowohl Eugen IV. wie Sixtus IV. stützten sich auf die ORSINI, deren Rivalität mit den COLONNA die Geschichte Roms und Latiums im ganzen 15. Jh. charakterisiert, bis beide Geschlechter unter dem Pontifikat von Alexander VI. beinahe der Vernichtung anheimfielen.

Quellen und Literatur:
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DBI XXVII, s.v. - DHGE XIII, 328-340 - LThK III, 8-12 - A. Eitel, Der Kirchenstaat unter Klemens V., 1907 - K. Burdach-P. Piur, Vom MA zur Reformation, II: Briefwechsel des Cola di Rienzi I, 1913, 133-135; III, 1912, passim; V, 1929, passim - L. Mohler, Die Kard.e Jakob und Peter C., QuF 17, 1914 - R. Neumann, Die C. und ihre Politik von der Zeit Nikolaus IV. bis zum Abzug Ludwigs des Bayern aus Rom, 1288-1328, 1916 - F. Gregorovius, Gesch. der Stadt Rom im MA (hg. W. Kampf, 1978), passim.