Bonifaz I.                                          Markgraf von Canossa (1015-1052)
-------------                                        Markgraf von Tuszien (1027-1052)
um 985-6.5.1052 ermordet
 

Ältester Sohn des Markgrafen Theodald von Canossa-Tuszien und der Willa von Bologna, Tochter von Markgraf Teubaldus
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Seite 423
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Bonifaz von Tuszien, Markgraf von Tuszien
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* ca. 985, + 1052 ermordet

Sohn des Tedald, Markgraf von Canossa, Graf von Modena, Reggio, Mantua, Brescia und Ferrara und der Willa "ducatrix"

1. oo vor 1015 mit der begüterten Witwe Richilde, Tochter des Grafen von Bergamo und Pfalzgrafen Giselbert

Tedald (+ 1013/15) hatte Bonifaz unter Ausschluß anderer Söhne zum einzigen Erben gemacht. An den Autonomiebestrebungen italienischer Großer war Bonifaz nicht beteiligt; er kämpfte 1016 auf kaiserlicher Seite gegen die Markgrafen von Turin, überwand einen Aufstand seines Bruders Konrad und besiegte seine lombardischen Gegner 1021 bei Coviolo (Reggio). KONRAD II. unterstützte er gegen dessen lombardische Gegner, die Wilhelm V. von Aquitanien die Langobardenkrone angeboten hatten. Wohl diese Haltung trug Bonifaz das Amt des Markgrafen von Turin ein (Bertolini: 1028 an Stelle des aufständischen Rainer; Anton: 1032 nach dessen Tod). 1032 steht Bonifaz im Heer KONRADS II. gegen Odo von der Champagne, der Burgund beanspruchte. Verwitwet heiratete er zwischen 1036 und 1038 Beatrix von Lothringen.
1040 versuchten auf einem Reichstag zu Augsburg italienische Große, gegen Bonifaz vorzugehen, konnten sich aber bei HEINRICH III. nicht durchsetzen. Nicht völlig geklärt sind Bonifaz' Beziehungen zu der römischen Familie der TUSCULANER (Papst Benedikt IX.) und das Bündnis mit Waimar von Salerno (1046?,1047?). HEINRICH II. und KONRAD II. hatten mit diesen zusammengearbeitet, während HEINRICH III. sich von beiden abgewandt hatte. Die Differenzen Bonifaz' mit HEINRICH III. mögen unter anderem auf dessen Eintreten für einen unangetasteten Kirchenbesitz zurückgehen. Nach anfänglicher Weigerung führte Bonifaz von Canossa jedoch Damasus II. 1048 nach Rom, wo Benedikt IX. vertrieben wurde.
Bonifaz hat den Besitz des Hauses CANOSSA erheblich erweitert, bisweilen auf Kosten kirchlicher Institute. Mit der späteren Hinwendung zum Reformkreis um Leo IX. gewann er die Übereinstimmung mit Kaiser und Papst wieder, die 1046/47 gefährdet war. Bonifaz nahm an der Synode zu Pavia 1049 teil und soll bei der Auffindung des Blutes Christi zu Mantua mit HEINRICH III., Leo IX. und seiner Gemahlin Beatrix beteiligt gewesen sein. Bedeutende Schenkungen erhielten canossanische Klöster an wichtigen oberitalienischen Plätzen, etwa entlang des Po (Polirone, Brescello); auch die Gründung von S. Maria di Felonia (Mantua) wird ihm zugeschrieben. Ein scharfes Licht auf die Religiosität des Markgrafen wirft die Überlieferung, dass Bonifaz jährlich mit großen Geschenken zu Abt Guido von Pomposa gezogen sei, um die Vergebung seiner Sünden zu erwirken; er habe sich sogar geißeln lassen und soll auch eine Wallfahrt in das heilige Land gelobt haben. Sein wohl hartes und bisweilen ungerechtes Regiment (so auch spätere Herrscherurkunden) wird zu seinem gewaltsamen Tod geführt haben.

Literatur:
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JDG Heinrich II., 1862-1875 [Nachdruck 1975] - H. Bresslau, JDG Konrad II., 1879-1884 [Nachdr. 1967] - E. Steindorff, JDG Heinrichs III., 1874-1881 [Nachdr. 1963] - H. H. Anton, B. von Canossa, Mgf. v. Tuszien und die Italienpolitik der frühen Salier, HZ 214, 1972,529-556 -



Thiele, Andreas: Tafel 396
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

BONIFAZ (III.)
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* 985, + 1052 ermordet

Bonifaz I. folgte dem Vater und half 1014 die zweiten Rebellion von König Arduin von Ivrea niederzuschlagen. Er war eine treue Stütze von Kaiser HEINRICH II. und dessen Nachfolger KONRAD II. Letzterer ernannte ihn 1027 auch zum Markgrafen von Tuszien. Bonifaz führte auch den Titel eines Herzogs, wurde später auch noch Markgraf von Spoleto-Camerino und damit bei weitem mächtigster italienischer Fürst. Er half 1037 Rebellionen gegen Kaiser KONRAD II. niederzuschlagen, geriet später gegen Kaiser HEINRICH III. wegen dessen universalen Herrschaftsanspruch und wegen seiner Ehe mit Beatrix von Lothringen, durch die er großen Einfluß im Deutschen Reich gewann, was HEINRICH III. störte. Er nahm Verbindung zu Herzog Waimar IV. von Salerno und den Tusculaner Päpsten auf, griff mehrmals in Papstwahlen ein, setzte 1048 den ehemaligen Papst Benedikt IX. von Tusculum nochmals als Gegen-Papst ein. Er erwarb noch weiteren Besitz in Parma und Piacenza, residierte zu Mantua, geriet gegen seine Valvassores (Untervasallen), deren Rechte er trotz des kaiserlichen Ediktes von 1037 zu schmälern versuchte und wurde daher ermordet.

  1. oo RICHILDE VON BERGAMO
                    + um 1036

Tochter des Pfalzgrafen Giselbert II.; Erbin von Castel Nogara

  2. oo BEATRIX VON LOTHRINGEN
                    + 1076

Tochter des Herzogs Friedrich II. von Ober-Lothringen



Trillmich Werner: Seite 348,359
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Der junge Bonifaz heiratete Richilde, eine Tochter des Pfalzgrafen Giselbert von Bergamo, die ihrem Gemahl reiches Brautgut zubrachte. Stets klug auf den eigenen Vorteil bedacht, verstand es Bonifaz, sein Vermögen auch auf Kosten der Kirche rücksichtslos zu mehren. Ein jüngerer Bruder, Konrad, mit dem er sich nach heftigen Auseinandersetzungen ausgesöhnt hatte, fand im gemeinsamen, siegreichen Kampfe gegen rebellische Untertanen den Tod. Die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Vasallen, der aufstrebenden Bürger und ihrer erstarkenden Verbände bekümmerten den Markgrafen wenig. Vor harten und ungerechten Maßnahmen scheute er niemals zurück, wenn sie ihm Vorteile versprach. Trotzdem galt er als fromm, unternahm häufig Pilgerfahrten und brachte Abt Guido von Pomposa wertvolle Geschenke dar für sein Seelenheil. Beim Thronwechsel des Jahres 1024 entschied sich Bonifaz, politisch weitsichtig, in Erwartung neuen Gewinns ohne Zögern für KONRAD II. Das mag ihm um 1030 die Belehnung mit Toskana eingetragen haben, so dass er nun alle Paßstraßen von der Poebene über den Apennin nach Mittelitalien beherrschte, südwärts bis in den Raum von Corneto. Der neue Titel dux et marchio kündet unüberhörbar von der ihm zuteil gewordenen Machtfülle. Sein geistlicher Bruder Tedald unterstützte ihn tatkräftig als Bischof von Arezzo. Für den Kaiser aber wurde der erfolgreiche Mann zum unentbehrlichen Helfer und Ratgeber in Krieg und Frieden.
Unter den Männern, die KONRAD II. zum Dank für stete, wenn auch nicht uneigennützige Treue vornehmlich auszeichnen mußte, nahm Markgraf Bonifaz von Canossa, der Beherrscher wichtiger Poübergänge und Apenninpässe, den ersten Platz ein. Seine Gemahlin Richilde war verstorben, ohne Kinder zu hinterlassen. Nun bot ihm der SALIER - vielleicht schon 1035 - ab, sich mit Beatrix von Bar zu vermählen, der vermögenden Erb-Tochter ihres im Mannesstamme erloschenen Hauses, die als Nichte der Kaiserin zu Giselas Hofstaat gehörte. Sie wird ihrem etwa 50-jährigen Gemahl als Brautgabe bedeutende Allodien in Lothringen zugebracht haben. Der Einzug der jungen Fürstin in die neue Heimat soll mit königlichem Prunk erfolgt und drei Monate lang gefeiert worden sein. Als "Leuchte des Reiches" nahm der Markgraf nun eine Stellung ein, die das Ansehen aller seiner Standesgenossen und des Erzbischofs von Mailand überstrahlte. Im Juni 1036 kam Bonifaz von Canossa zur Hochzeit König HEINRICHS nach Nymwegen. Als neuer Verwandter des Kaiserhauses wird er sich glanzvoll zur Geltung gebracht haben. Vordringlich veranlaßte vielleicht das lothringische Heiratsgut seiner Frau diese Reise nach Deutschland, doch in politischen Gesprächen spielte gewiß der bevorstehende Italienzug eine wichtige Rolle. Unter dem Schutze des Markgrafen stand wohl die Abordnung der Äbtissin Adelheid von S. Sisto zu Piacenze, für deren Kloster er am 5. Juli 1036 intervenierte.
 
 
 

   um 1010
  1. oo 2. Richilde von Bergamo, Tochter des Pfalzgrafen Giselbert
      x             - um 1036

    1037
  2. oo 1. Beatrix von Ober-Lothringen, Tochter des Herzogs Friedrich II.
              1013/26-18.4.1076
                            Pisa
 
 
 
 

Kinder:
2.Ehe

  Beatrix
        - vor 17.12.1053

  Bonifaz II.
         -   1055

   Mathilde
   1046-24.7.1115

Illegitim

  Julia
       -

  Marchionissa
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 366 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 42,48,64,70,133,213 - Bresslau Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 Band I Seite 431-436 - Brunhofer, Ursula: Arduin von Ivrea. Untersuchungen zum letzten italienischen Königtum des Mittelalters. Arethousa Verlag Augsburg 1999 Seite 60,101,206,222-226,238,249,250,261,262,268, 269,372 - Bühler, Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 704,716,726 - DIE SALIER UND DAS REICH. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 425 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 70 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 6,82,163,175 - Fumagalli Vito: Mathilde von Canossa. Verlag Klaus Wagenbach Berlin 1998 - Goez Elke: Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. Jahrhunderts, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 9-225 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf 1998, Seite 17-299 - Hermann von Reichenau: Chronicon. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 698,706 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II. 1. bis 3. Band, Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 -
Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 153 - Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer Verlag Tübingen 1982 Seite 59,73,115 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 335,342,388, 394 - SCHWABEN UND ITALIEN IM HOCHMITTELALTER. Vorträge und Forschungen Band LII Jan Thorbecke Verlag Stuttgart 2001 Seite 43,47,61,74,115,123,158,105 - Steindorff, Ernst: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich III. 1. und 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 396 - Wolfram Herwig: Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche. Verlag C.H. Beck München 2000 Seite 136-138,140,146,151,207,262,294,342 -