Hunfried I.                                                 Markgraf von Istrien und Rätien (807-835)
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Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 219
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Hunfridinger
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Ihr zu den 'primores' KARLS DES GROSSEN zählender erster Vertreter Hunfridverwaltete zu Beginn des 9. Jh. die Mark Istrien, amtierte um 807 in Rankweil als Graf in Rätien und war 808 als missus KARLS in Italien tätig. Mit dem Reichenauer Abt Waldo erwarb er eine Heilig-Blut-Relique für den Kaiser, konnte sie aber für das von ihm gegründete Frauenkloster Schänis in Gaster in Besitz nehmen. Dieser Hunfrid(oder sein gleichnamige Sohn?) begegnet 823/24 als 'comes Curiensis' bzw 'dux super Redicam' und römischer Gesandter LUDWIGS DES FROMMEN. In jener Zeit erfuhr die Herrschaftsbildung der frühen HUNFRIDINGER in Rätien offenbar Konkurrenz durch den vielleicht den WELFEN zugehörenden rätischen Grafen Roderich und den nach Rätien ausgreifenden Argen- und Linzgaugrafen Rudbert (UDALRICHINGER).
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KARL DER GROSSE hatte in Rätien 806 die Verbindung von geistlichem und weltlichen Amt gelöst und ein Jahr später den Grafen Hunfried mit der Verwaltung dieses Gebietes betraut. Im allgemeinen erschien Hunfried in den Quellen nur mit der Bezeichnung "comes". Lediglich Thegan nannte ihn "dux super Redicam".

Tellenbach Gerd: Seite 55
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"Der großfränkische Adel"

Hunfrid erscheint 807 als reciarum comes in Rankweil; nach der translatio sacri sanguinis reiste er im Auftrage des Kaisers nach Korsika, um die Reliquien zu holen. Er war so tapfer - berichtet unser Gewährsmann - dass er sich auf das Meer hinauswagte, während der Kaiser selbst große Angst davor hatte - ut semper solebat in aquis esse formidolosus - und 3 Tage suchen und bitten mußte, bis sich jemand zur Seereise bereitfand. 808 ging Hunfrid mit dem Grafen Helmgaud, einem der hervorragendsten Staatsmänner KARLS DES GROSSEN, zu Papst Leo III. nach Rom und Ravenna, und 823 war er abermals in höchst schwieriger Mission zusammen mit dem Abt Adalung von St. Vaast in Rom. Bei dieser Gelegenheit wird er comes curiensis genannt, und die Villa in Rankweil bei Feldkirch, wo sich LOTHAR I. auf der Rückreise aus Italien aufhielt und für Como urkundete, wird villa Unfredi comitis genannt. HunfridsStellung muß also ziemlich umfassend gewesen sein. Über seinen Aufgabenbereich wissen wir nichts Genaueres.
In der Nachkommenschaft Hunfrids gibt es alemannisch-rätische, italienische und offenbar auch westfränkische Grafen. Es ist auffallend, wie stark in dieser Familie der Zusammenhang der Reichsteile in Erscheinung tritt.

Borgolte Michael: Seite 219-224,226-228
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"Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit"

Erster Graf war Hunfrid, der von ca. 806 bis 823/24 regierte. Sein Nachfolger wurde Roderich, der - da er nicht aus der Familie Hunfrids hervorgegangen war - eine materielle Grundlage für seinen Comitat schuf, indem er die Bischofskirche von Chur beraubte.
Die Rolle Hunfrids in der rätischen Grafschaft des frühen 9. Jahrhunderts wurde kürzlich auch durch Karl Schmid geprüft. Mit Einträgen im Reichenauer Verbrüderungsbuch konnte Schmid zeigen, daß Graf Hunfrid wohl noch über 824 hinaus gelebt hat.
In der Überlieferung ist Hunfridzum ersten Mal durch eine widersprüchlich datierte Privaturkunde belegt [Zu Unrecht löst Perret (s. A.19) das Datum bestimmt als 807 II 7 auf, siehe Borgolte, Chronolog. Stud. 162 mit A. 464 - Die Quellen über Hunfrid sind schon übersichtlich zusammengestellt bei Hlawitschka, Franken in Oberitalien 206f. Nr. XCV, vgl. Tellenbach, Der großfränkische Adel 55. Zur Verleihung der Grafschaft vgl. Notkeri Balbuli Gesta Karoli Magni 51 c. II.2.]. Am 7.2.806,807 oder 808 hat demnach Unfredus, vir inluster, Reciarum comis, in Rankweil Gericht gehalten. Kurz darauf, im März/April 808, weilte er als Gesandter KARLS DES GROSSEN zusammen mit dem Grafen Helmgaud in Italien, und zwar in Rom bei Papst Leo III., am Hofe König Pippins und beim Erzbischof von Ravenna. Die beiden Königsboten hatten wohl den Auftrag, einen Streit zwischen KARLS Sohn, dem Unterkönig von Italien, und dem Papst zu schlichten. Danach fehlt, und das ist bemerkenswert, von Hunfrid jeder Nachweis bis 823. Am 4. Juni dieses Jahres stellte aber Kaiser LOTHAR I. auf seiner Reise zum Vater Uenomnia villa Unfredi comitis, in Rankweil, der villa desGrafen Hunfrid, ein Diplom aus. Auf dem im Mai/Juni 823 abgehaltenen Frankfurter Reichstag wurdeHunfridus comes Curensis erneut zum kaiserlichen Legaten nach Rom bestimmt. Mit dem Abt Adalung von St. Vaast sollte er die Umstände klären, unter denen zwei Anhänger Kaiser LOTHARS ermordet worden waren. Auf dem Reichstag in Compiegne vom November 823 erstatteten die Gesandten LUDWIG DEM FROMMEN Bericht.
Im Königsdienst wird Hunfridnicht nur durch zeitgenössische Quellen bellegt; die Translatio Sanguinis Domini, ein Erzeugnis der Reichenauer Hagiographie aus der Mitte des 10. Jahrhunderts, charakterisiert ihn vielmehr ebenfalls als Gesandten KARLS DES GROSSEN in Italien. Die Überlieferung beruht offenkundig auf den Berichten der fränkischen Reichsannalen von 799 bis 801 über den Gesandtenverkehr KARLS mit dem Kalifen von Bagdad, dem Patriarchen von Jerusalem und dem muslimischen Statthalter der spanischen Stadt Huesca; auch Notkers Gesta Karoli scheinen benutzt worden zu sein. Angesichts der extensiven Verwertung noch vorhandener Quellen in der Translatio erscheint zweifelhaft, daßHunfrid, wie der Erzähler vorgibt, noch weitere Legation nach Korsika und Sizilien auf sich genommen hat. Wichtig und gleubwürdig ist dagegen die Nachricht, Hunfridhabe neben Rätien auch Istrien verwaltet. Im Mittelpunkt der Translatio steht aber nicht die Person Hunfrids, sondern die Geschichte der Reichenauer Heiligblutsreliquie. Dieses Amulett, ein Pektoralkreuz aus Gold und Edelsteinen, in dem Blut Christi und ein Span vom heiligen Kreuz eingeschlossen waren, soll KARL der Präfekt von Jerusalem geschenkt und Hunfridnach einer gefahrvollen Expedition überbracht haben. Hunfrid, der schon hochbejahrt gewesen sein soll, habe aber die Reliquie vom Herrscher erbeten und für seinen treuen Dienst auch erhalten. Er habe, berichtet der Reichenauer Anonymus weiter, in Churrätien zur Ehre des Kreuzes das Kloster Schänis errichtet und hier zur Betreuung des Kultes eine Schar der heiligen Frauen versammelt.

Meyer-Marthaler, Elisabeth: Seite 75-77
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"Rätien im frühen Mittelalter. Eine verfassungsgeschichtliche Studie"

807 hatte KARL DER GROSSE die Grafschaft in Churrätien Hunfrid übergeben, einem dem Königshause eng verbundenen Großen von wahrscheinlich fränkischer Abstammung [Die Anschauungen darüber sind geteilt. Die Festsetzung des Geschlechtes im rätisch-alemannischen Gebiete bildet noch kein Zeugnis für seine alemannische Stammeszugehörigkeit, welche etwa Tellenbach, Königtum und Stämme, Seite 51, sowie Ders., Vom karolingischen Reichsadel zum deutschen Fürstenstand, in Adel und Bauern im deutschen Staat des Mittelalters, hg. v. Th. Mayer, Leipzig 1943, Seite 39 anzunehmen geneigt ist; vgl. auch H.W. Klewitz, Das alemannische Herzogtum, in Oberrheiner, Schwaben, Südalemannen, hg. v. F. Maurer, Straßburg 1942, Seite 90 und Anm. 25. Auffallend sind die engen Beziehungen Hunfrids zum Königshofe. Dagegen beruht die Bezeichnung Hunfrieds als filius magistri palatii in einem Diplome von 891 Juli 12 auf freier Erfindung von K. Widmer, Transsumt, im Stiftsarchiv St. Gallen, Pfäfers, Hs. 17, Seite 66 (Bündner Ub. I, 43).]. 799 Markgraf in Istrien, übernimmt er mehrmals wichtige diplomatische Missionen, um dann 807 die rätischen Grafenrechte anzutreten und sie bis zu seinem Ende 823 erfolgten Tode zu verwalten. Mit ihm hat sich die erste nicht einheimische Beamtenfamilie in Rätien niedergelassen und damit jenen Prozeß eingeleitet, welcher bald zur Verdeutschung des Adels und der höheren Geistlichkeit führen sollte, denn es ist seinen Nachkommen nicht nur gelungen, die gräfliche Würde in Rätien weiterhin zu beklieden, sondern von dieser Grundlage aus auch eine bedeutende ostschweizerische und alemannische Stellung aufzubauen, die in der Errichtung des Herzogtums Schwaben ihre Krönung und ihren Abschluß fand.
 
 
 
 

  oo Hitta
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Kinder:

  Hunfried II. Graf von Istrien
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  Adalbert I. Graf von Rätien und Thurgau
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Literatur:
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Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 205,219-224,226-228,253- Meyer-Marthaler, Elisabeth: Rätien im frühen Mittelalter. Eine verfassungsgeschichtliche Studie, Verlag Leemann Zürich 1948 Seite 75-77 - Tellenbach Gerd: Der großfränkische Adel und die Regierung Italiens in der Blütezeit des Karolingerreichs. in: Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des Großfränkischen und frühdeutschen Adels Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1957, Seite 55 -