Adalbert III.                                              Graf im Thurgau (894-911)
---------------                                             Graf im Scherrigau
    -6.6.911 hingerichtet
 

Sohn des Grafen Adalbert II. der Erlauchte im Thurgau
 

Adalbert war 894/910 Graf im Thurgau und 901-902 Graf im Klettgau. Er wurde nur anläßlich seines gewaltsamen Todes in Quellen erwähnt. Er hatte vermutlich keine Nachkommen.

Borgolte Michael: Seite 29-32
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"Die Grafen Alemanniens"

ADALBERT (III)
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894 1 27 - ?910 IV 20, + 911,
§ Thurgau 894 1 27 - ?910 IV 20,
Grafschaft am Nordufer des Bodensees ?897 11 23 [?1, ?898 V 28
- Linzgau ?897 11 23,
- Argengau ?898 V 28,
Klettgaui 901/2)

Belege mit comes-Titel:
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W II Nrn. 692 (= ThUB I Nr. 146), 693 (= ThUB I Nr. 147), W II Anh. Nr. 10 (= ThUB I Nr. 148), W II Nrn. 697 (= ThUB 1 Nr. 149), 699,701 (= ThUB I Nr. 150), 704 (= ThUB I Nr. 151), 709,710 ThUB I Nr. 153), 712 (= ThUB I Nr. 154), 713f., W III Anh. Nr. 9, W II Nr. 715, D Arn Nr. 165 (= W II Nr. 716, ThUB I Nr. 155), W II Nrn. 717 (= ThUB I Nr. 156), 719 (= ThUB I Nr. 157), UB Zürich I Nr. 57 (= Cartular Rheinau Nr. 2), W II Nr. 725, DD LdK Nrn. 20 (= W II Nr. 726), 82,23, W II Nrn. 727, 729,731f., BU I Nr. 86 (= CL 1 Nr. 59), W II Nrn. 736f.,739 (= ThUB I Nr. 160), 742f., 745-747, D LdK Nr. 44, W II Nrn. 749-752,754, D LdK Nr. 65 (= W II Nr. 755), UB Zürich I Nr. 65 (= Cartular Rheinau Nr. 3), W II Nr. 757 (= ThUB 1 Nr. 162), 758 (= UB Appenzell I Nr. 13), 759,761 (= ThUB 1 Nr. 163, BU 1 Nr. 89; UB St. Gallen Süd I Nr. 58), 762f.,764 (= ThUB I Nr. 164), Clavadetscher, Wolfinus Cozperti palatini comitis filius 151, Lendi, Untersuchungen 188f. (Annales Alamannici, Cod. Modoctiensis ad a. 911, Annales Laubacenses ad a. 911), ? W II Anh. Nr. 3, ? W I Nr. 227, ? St. Galler Gedenkbuch pag. 60 (= Piper, Libri Confrat. 81 col. 252, 5), ?Necrologium monasterii sancti Galli 475 ad 6.6. (= St. Galler Totenbuch 43)

Belege ohne comes-Titel:
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W II Nr. 768, ? Codice Necrologico-Liturgico Brescia 62 (fol. 34v)

Literatur:
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Meyer von Knonau, Rheingau 212f. - Pupikofer, Thurgau I 176-179 - Dümmler, Ostfrk. Reich III 569f. - Zeller, Salomo III 82f.,85-87 - Knapp, Buchhorner Urkunde 207,209f. - Hedinger, Landgrafschaften 24 - Tellenbach, Königtum und Stämme 52 Nr. 29g - Meyer-Marthaler, Rätien 76,79f.,81,87f. A. 224 - Schmid, Königtum, Adel und Klöster 270f. - Keller, Einsiedeln 23,25 - Maurer, Land zwischen Schwarzwald und Randen 42,47f. - Schulze, Grafschaftsverfassung 90,105,123 - Zotz, Breisgau 63,80 - Bilgieri, Geschichte Vorarlberg I 90-92 - Borst, Pfalz Bodman 208,211 - Goetz, "Dux" und "Ducatus" 17,307,327,373 - Clavadetscher, Wolfinus Cozperti palatini comitis filius 153,155-157,162 - Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens, s. v.

Die St. Galler Urkunde 692 vom 27. Januar 894, die eine Übertragung in Wuppenau, Zuckenriet, Zuzwil und ?Buchen festhält, schließt mit der Wendung sub comite Hadalb(er)to comite ivniore. Schreiber Hartbert legte offenbar Wert darauf, den damaligen Grafen im Thurgau von dessen namengleichen Vorgänger zu unterscheiden. Tatsächlich wird seine carta chronologisch ganz nah an den Wechsel der Amtsverwalter heranführen, da Adalbert (II) "der Erlauchte" wohl 893 noch gelebt hat. Ich nenne deshalb W I Nr. 692 als 1. Beleg für Adalbert, auch wenn Nr. 689 (893 V 14), 690 (893 VI 24) und 691 (?894 1 10) ebenfalls schon seiner Amtszeit statt derAdalberts (II) angehört haben könnten.
Die Nachweise Adalberts im Thurgau reichen in dichter Folge bis zum Jahr ?910 (s.o. W II Nrn. 692f., Anh. Nr. 10,697-714, 715, D Arn Nr. 165, W II Nrn. 717,719,725,727-732,736-754, UB Zürich I Nr. 65, W II Nrn. 757-764; Udalrich VI). Zweifelhaft ist die Zuordnung der St. Galler Urkunden W I Nr. 227 und II Anh. Nr. 3 (vgl. bereits Borgolte, Chronol. Stud. 173). Nachdem Wartmann die Stücke in die Zeit LUDWIGS DES FROMMEN datiert hatte, setzte sie Meyer von Knonau (Besitz 108 A. 104; Ein thurgauisches Schultheissengeschlecht 113f. A. 2) in die Jahre 904 bzw. 900, also in die Herrschaft Ludwigs des Kindes. Eines seiner beiden Argumente, es habe am Beginn des 9. Jahrhunderts keinen Grafen Adalbert gegeben, überzeugt nicht mehr ganz, seitdem der Beleg eines Niagnaten dieses Namens von ca. 814 bekannt geworden ist (s. Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens 227). Andererseits spricht weiterhin der laicus Otherius, Empfänger der beiden cartae, für eine chronologische Bestimmung nach Meyers Vorschlag, da Otherius mit einem Thurgauer centurio der Jahrhundertwende identisch gewesen sein könnte. Auch die formelhafte Gestaltung der Datumszeile in Nr. 227 läßt sich für die spätere Datierung der Urkunden geltend machen (Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens 76). Sollten trotzdem einmal neue Gesichtspunkte den Ausschlag für die frühere Datierung der Urkunden geben, so wäre der in ihnen genannte Graf noch vor Adalbert (I) und während der Belegzeit Rihwins einzuordnen.
Anno 11 Hlodewici regis wurde in pago Cblegowe in comitatu Adilbertieine Rheinauer Tauschurkunde ausgestellt (UB Zürich I Nr. 57); bei dem König Ludwig hat man nach den überzeugenden Darlegungen Schmids nicht an Ludwig den Deutschen (so noch Hedinger), sondern an Ludwig das Kind zu denken. Gehört die Quelle demnach in die Zeitspanne von 901 II 4-902 II 3, so darf der Graf mit dem gleichzeitigen Thurgauer Amtswalter identifiziert werden. Aus dem Zeugnis läßt sich aber nicht zwingend ableiten, dass der Klettgau eine eigene Grafschaft gebildet hat (Borgolte, Kap. X).
Aus einer anderen Gegend Alemanniens stammt ein weiterer Beleg für einen Grafen Adalbert, der wegen seines Datums ebenfalls auf Adalbert bezogen wird. Es handelt sich um eine im 11. Jahr König ARNULFS, wahrscheinlich am 28. Mai 898, ausgestellte St. Galler Urkunde, in der eine Güterübertragung in Lauterach niedergelegt ist (W III Anh. Nr. 9). Nach traditioneller Meinung der Forschung weist der mit dem Güterort in Beziehung gesetzte Eschatokollvermerk Notavi ( ... ) Adalbertum comitem A. als Graf im Rheingau aus (Meyer von Knonau, Rheingau; Meyer-Marthaler 81). Mit der Urkunde war für Knapp (207) gleichzeitig erwiesen, dass die seit Anfang des 9. Jahrhunderts bestehende "Personalunion zwischen den Grafschaften im Linzgau und im Rheingau" vor 898 gelöst worden sei. Bei diesem Schluß blieb unbeachtet, dass von 894 bis ca. 905 sichere Nachrichten über die Verwaltung des Linz- und Argengaus fehlen, Adalbertalso auch hier amtiert haben könnte. Neuerdings hat Bilgeri, ausgehend von einer anderen Abgrenzung der Gaue (Ders., Besiedlung 9-11), Adalbert aufgrund der besprochenen Quelle selbst die Grafschaft im Argengau zugeschrieben (Ders., Geschichte Vorarlbergs l 90ff.). Adalbert soll, wie Bilgeri glaubt, die Verwaltung der N-Bodenseegebiete wahrgenommen haben, seitdem  Udalrich (V) wegen seiner Teilnahme am Aufstand Bernhards (890) in Ungnade gefallen war. Tatsächlich ist der Rebell Udalrich (V) jedoch 891 bereits wieder als Graf im Linzgau nachweisbar, während 894 derselbe und ein anderer Udalrich im Argengau amtiert haben. Erst geraume Zeit nach dem Aufstand Bernhards scheint Adalbert also nördlich des Bodensees Fuß gefaßt zu haben. Für die Frage, wie lange Adalberthier tätig gewesen ist, darf man auf einen bisher nicht beachteten Sachverhalt hinweisen. Durch eine der St. Galler Urkunden aus dem Thurgau, datiert von ca. 897 (Nr. 709), bedingte sich nämlich ein Tradent von Gütern in Goldach auf Lebenszeit die Anwartschaft auf die Basilika von Manzeil im Linzgau aus. Die Archivare des Gallusklosters haben diese ins Auge gefaßte Gegenleistung durch einen dorsualen Vermerk explizit festgehalten und als Kapitelzahl XXX vermerkt, die auf Manzell, nicht auf Goldach, paßt (Clavadetscher-Staerkle, Dorsuainotizen 154f., vgl. Staerkle, Rückvermerke I 63 mit Karte I ebd. im Anhang). In der Grafenformel der Urkunde ist aber nur Adalbertaufgeführt. Da die Übergabe der Güter zu Goldach ad hoc erfolgte, muß man sicher den Namen in erster Linie auf den Grafen im Thurgau beziehen; doch fragt es sich, ob Adalbert nicht zugleich als Amtswalter im Linzgau bezeichnet sein könnte. Allein der zuerst behandelte Beleg von ?898 dürfte allerdings ausreichen, Adalbert als Graf der Grafschaft am Nordufer  des Bodensees zu charakterisieren; der Argengau war nämlich damals schon jahrzehntelang mit dem Linz- und wohl auch mit dem Alp- und dem Rheingau zu einem Comitat vereinigt gewesen.
Die häufig wiederholte Angabe Meyer-Marthalers (76), Adalbert habe auch den Comitat im Scherra innegehabt, entbehrt jeder Grundlage in der Überlieferung (vgl. nach Meyer-Marthaler, Zotz 63, Maurer 47, Schulze 123).
In den Jahren 903 (DD LdK Nrn. 20,23; das Falsifikat D LdK Nr. 82 mit Zeugenreihe), 906 (D LdK Nr. 44) und 909 (D LdK Nr. 65) hat ein Graf Adalbertbei Diplomen Ludwigs des Kindes interveniert; auch 904 weilte Adalbert nach einer Lorscher "Privaturkunde" am Hof zu Ingelheim (BU I Nr. 86). Wie ein Vergleich der Intervenienten- bzw. Zeugengruppen zeigen kann, befand sich Adalbertjeweils in der Umgebung alemannischer und rätischer Großer (s. Artt. Konrad II, Burchard, Udalrich VI, Arnulf, Hugo, Adalgoz, Reginbold), so dass es erlaubt ist, ihn mit Adalbert gleichzusetzen (Goetz 327, Borst 208; im Hinblick auf DD LdK Nrn. 20 und 23 anders Tumbült, Albgau 159 A. 7). Bei 2 St. Galler Rechtsgeschäften waren einige der Magnaten, unter ihnen Adalbert, ebenfalls zugegen.
Adalbert wird in den zitierten Urkunden wahrscheinlich immer mit, manchmal sogar unmittelbar neben Burchard, dem marchio von Rätien, genannt. Auf beide darf man die Nachricht der Annales Alamannici (Cod. Modoctiensis) beziehen, dass Purghart, Graf und Princeps der Alemannen, nach einem ungerechten Urteil getötet wurde, während frater vero ipsius Adalbertus nobilissimus atque iustissimus comes nutu episcopi Salomonis et quorundam aliorum ermordet worden sei (Lendi 188; vgl. auch Annales Laubacenses ebd. 189). 911, im Jahr des Annalenberichts, hatte Burchard nach Auffassung der Forschung, vielleicht mit Unterstützung seines Bruders, versucht, den Dukat in Alemannien zu erlangen, war dabei aber am Widerstand anderer weltlicher Großer und Salomons III. von Konstanz gescheitert. Tatsächlich brechen die urkundlichen Belege für Adalbert und Burchard um 909/10 ab; im jüngeren St. Galler Necrolog aus dem 10./11. Jahrhundert wird zum 6. Juni der obitus Adalberti comitis vermerkt, den Dümmler und Wartmann auf Adalbert bezogen haben (St. Galler Todtenbuch 43, vgl. 67). WarAdalbertein Bruder Burchards, so gehörte er wie dieser zu den Söhnen Adalberts (II) "des Erlauchten", seines Vorgängers im Amt des Thurgaugrafen.
Nach der von Clavadetzscher entdeckten St. Galler Urkunde aus der Zeit von ca. 900-910 hat Wolfinus, der Sohn des Pfalzgrafen Gozbert, seinen Verwandten (cognatus) Graf Adalbert zum Vogt gehabt. Wahrscheinlich darf man Gozbert mit einem um die Jahrhundertwende belegten Grafen gleichen Namens gleichsetzen (Gozbert II, III), der seinerseits mit dem Rheinauer Restaurator Wolvene und dem Grafen Adalbert (II) verwandt gewesen ist (s.a. Art. Wolvinus). So scheint auch der Vogt des Wolfinus mit Adalberts "des Erlauchten" Sohn Adalbert identisch gewesen zu sein.
Schon auf den toten Adalbert bezieht sich offenkundig eine St. Galler Urkunde vom 5.4.912 (W II Nr. 768; Meyer-Marthaler 88 A. 224); nach ihrem Wortlaut hat Albrich damals pro remedio anime senioris mei Adalberti seinen Besitz in der Mark von Keßwil an das Galluskloster übertragen. Albrich war sicher mit jenem gleichnamigen Vasallen Adalperts, eines Getreuen König ARNULFS, identisch, der 889 in pago Turgouue in comitatu Adalperti Güter in Uttwil, Langrickenbach, Keßwil und Altnau vom Herrscher zum Gebrauch erhalten hatte (D Arn Nr. 51; Adalbert II). Man darf annehmen, dass er im Dienst Adalberts "des Erlauchten" zu Königsgütern gekommen war, von denen er nach den Ereignissen von 911 zugunsten des jungen Adalbert eine Stiftung zum Seelenheil finanzierte.
In den Gedenkbüchern des KAROLINGER-Reiches konnte Adalbert bisher nicht nachgewiesen werden (vgl. Art. Adalbert II). Am ehesten darf man an ihn wohl bei einem umfangreichen Eintrag im Gedenkbuch von St. Gallen denken, der mit den Namen Adalb(er)tus comes iunior, Liukart, Uuolfmunt, Odalrich beginnt (pag. 60, vgl. Keller 25 A. 76). Eine Namengruppe im Liber vitae von Brescia hat mindestens folgenden Umfang. Adalbertus comes, Odelricus, Manegoldus, Adelbertus, Ropertus, Albericus, Burchardus, Adelinda, Rodlinda, Rumilda, Rodlinda (Codice Necrologico-Liturgico Brescia 62). Da der an der Spitze stehende Graf Adalbert mit Adalbert (II), der auf ihn folgende Odelricus mit Udalrich (V) identifiziert werden kann, ist der Eintrag um 900 zu datieren. Nach Keller (22) war Manegoldus ein weiterer Sohn Adalberts (II) "des Erlauchten". Der an 4. Position aufgeführte Adalbertus könnte Adalbert gewesen sein, zumal in der Namengruppe auch ein Burchardus erscheint.
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Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 18,22,24,27,29-32,57,85-87,138,147,172,204,257,267 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 96-98,109, 197,205,210,234,242,244,256 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 64-67,71 -