Paul Rockrohr

"Die letzten Brunonen" Halle 1885

Der Zeitpunkt, welchen vorliegende Arbeit berührt, fällt in die Regierungsjahre HEINRICHS III. und noch mehr in die seines unglücklichen Sohnes HEINRICHS IV. Gerade diese 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts bietet uns kein erfreuliches Bild von unserem deutschen Vaterlande. Wen wir die Zeiten des gewaltigsten der SALIER, HEINRICH III., vergleichen mit dem Zustande des Reiches unter seinem Sohne, so fällt der Vergleich sehr zuungunsten des letzteren aus. Jedoch war es zum wenigsten die Schuld HEINRICHS IV., dass Deutschland von inneren Fehden und Kriegen zerrissen wurde, und dass das deutsche Königtum seine weitherrschende Macht und Gewalt, die HEINRICH III. nach innen und außen, der Kirche und für den Laien gegenüber geltend gemacht, verlor; sondern die trüben Verhältnisse unter ihm waren bedingt durch die Ungunst der Zeiten, durch die gänzliche Umgestaltung der kirchlichen Verhältnisse, durch das Erstarken des Papsttums, das durch Gregor VII. einen so gewaltigen Vorkämpfer finden sollte, und dann ferner durch den Unsegen des Lehnswesens, dessen Unheil gerade jetzt stärker zur Geltung kam, indem der Drang der größeren Dynastengeschlechter, ihre territoriale Selbständigkeit zu wahren und zu stärken, die deutschen Fürsten und größere Herren nicht nur in endlose Kämpfe gegen das Königtum trieb, sondern sie auch mit dem Papsttum verbündete; so verhalfen sie diesem zum Siege und förderten ihre eigenen Sonderinteressen, beides auf Kosten der Krone und zum Schaden des Deutschen Reiches. Von jeher hatten die deutschen Könige mit starker Hand in die politische Stellung des Papsttumes eingegriffen und seine Bedeutung und sein Ansehen abhängig gemacht von der deutschen Kirche. So lange das deutsche Kaisertum an der Spitze der allgemeinen Entwicklung stand, hatte die deutsche Kirche ihre Selbständigkeit Rom gegenüber bewahrt, hatte der römische Bischof es nie gewagt, seine kirchliche Autorität über dieselbe und ihren weltlichen Oberherrn, den Kaiser, geltend zu machen, sondern er hatte immer in einer gewissen Abhängigkeit von den deutschen Kaisern gestanden und darin sein Heil gefunden. Als aber nun unter dem Einflusse der reformatorischen Ideen, wie sie in Cluny und anderen Klöstern entstanden oder gepflegt wurden, wie sie HEINRICH III. und Leo IX. förderten, das Papsttum von innen aus erstarkte und das Prinzip der oberpriesterlichen Gewalt über die abendländische Kirche geltend zu machen wußte, da begann es sich auch von der deutschen Krone zu emanzipieren und seinerseits die Oberherrschaft nicht nur in geistlichen, sondern auch in weltlichen zu fordern; mit dem kirchlichen Einflusse Roms ging auch sein politischer Hand in Hand. Und als nun Gregor, erfüllt von den Ideen der Weltstellung des reformierten Papsttumes, begünstigt durch die Sorglosigkeit der Regentschaft nach HEINRICHS III. Tode, durch das Zölibat gerade der Kleriker, die zu dem Volke in engster Beziehung standen, zu Werkzeugen seiner Politik zu machen suchte, als er die Investitur aus den Händen des Königs ganz in die seinigen bringen wollte und sich sogar die Entscheidung über die deutschen Krone anmaßte, da fand er in einem großen Teile deutscher Bischöfe und Fürsten nur allzu bereite Genossen, indem diese durch einen Bund mit Rom ihre Fürstengewalt selbständig neben die Macht des Königs erheben wollten, jene dadurch, dass man dem Könige die Investitur entriß, selbst mächtiger und unabhängiger zu werden hofften. Es waren nur Berechnungen einer nüchternen Verstandespolitik, die die deutschen Herzöge und im Norden namentlich die mächtigen sächsischen Dynastengeschlechter zu Vorkämpfern des Papsttumes machten. Als es ihnen aber wirklich gelungen war, das Königtum auf eine Zeit in den Sand zu strecken, da hatten sie doch weniger Vorteile, als sie geglaubt, indem nun der eine dem anderen den Vorrang streitig machte, und der Stärkere über den Schwächeren herfiel. Treffend klagt der Biograph des königsgetreuen Adalbert von Bremen: "Die Fürsten errangen zuerst ihre alte Freiheit wieder, um nicht unter dem Joche der Knechtschaft zu bleiben, dann begannen sie einen Wettstreit miteinander, wer unter ihnen der Mächtigste wäre, und endlich nahmen sie kühn die Waffen zur Hand und versuchten ihren Herrn und König abzusetzen."
Gerade die eigenen Verwandten waren es, die dem Enkel KONRADS II. am feindlichsten gegenübertraten, so RUDOLF VON SCHWABEN, so die Grafen von Stade und vor allem die Nachkommen der Kaiserin Gisela, nämlich die letzten aus dem altberühmten Geschlechte der BRUNONEN, von denen der ältere, Ekbert I., den Sohn der Mutter entriß, und der jüngere, Ekbert II., viermal seinem königlichen Vetter den Eid der Treue schwur und viermal denselben brach, ja selbst nach dessen Krone strebte. Wir finden ein hartes, in den ewigen Fehden verwildertes Geschlecht in diesen freien Herren und Grafen im Sachsenlande; nur um den eigenen Vorteil bekümmert, suchen sie herrschsüchtig und gewalttätig ihre Macht zu mehren: der Vasall zieht gegen den Lehnsherren, der Bruder gegen den Bruder, der Sohn gegen den Vater das Schwert; heute schwört jeder die heiligsten Eide, um sie morgens aufs gewissenloseste zu brechen. Kühne Waffentaten, wie sie uns die Lieder unserer Vorfahren besingen, finden wir genug in dieser Zeit; aber die deutsche Treue, deren Preis in jenen so herrlich erklingt, suchen wir zumeist vergebens: was Walther von der Vogelweide ein Jahrhundert später klagt:
        untriuwe ist in der saze
        gewalt vert uf der straze:
        fride unde reht sint sere wunt.
das findet auch für unsere Zeit seine traurige Berühmtheit.
 

                                              Bruno III. und Ekbert I.

Ludolf IV. hinterließ bei seinem Tode am 23. April 1038 zwei Söhne, Bruno und Ekbert, sowie eine Tochter, die Ida von Elsdorf. Ludolf war vermählt gewesen mit Gertrud, der Tochter des Grafen Arnulf von Holland, welche ihm als Erbgut die Gaue Stavero, Westergo und Isselgo als marchia Fresie zubrachte. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Ludolf als Besitzer dieser Gaue, über die er bereits alle Hoheitsrechte ausübte, den Titel marchio Brandenburgensis führte, wie denn auch seine Gemahlin als marchionissa (senior) bezeichnet wird. Ludolfs Vater, Bruno II., war der erste Gemahl der schönen und geistvollen Gisela, die ihren Stammbaum von Kaiser KARL DEM GROSSEN ableitete. Nach dem Tode des Herzogs Ernst von Schwaben zum zweiten Male Witwe, heiratet sie den nachmaligen Kaiser KONRAD II. So war Ludolf nahe mit dem Kaiserhause der SALIER verwandt. Das alte Stammland der BRUNONEN, das in Sachsen lag, erbte der jüngere Sohn Ekbert, während der ältere, Bruno, dem Vater in der Mark Friesland nachfolgte und als Inhaber derselben die Münzgerechtigkeit zu Bolsward, Dokkum, Leeuwarden und Staveren besaß. Von den sächsischen Erblanden kennen wir aus Urkunden die Gaue N-Thüringen, Darlingen, Valen, Saltga, Gretingen und Mulbeze (oder Flutwide), in deren Umfang die Parochieen Schöningen, Watenstädt, Schöppenstädt, Luklum, Atzum, Groß-Stockheim, Densdorf, Ringelheim, Henkelbüttel und Wienhausen genannt werden. Desgleichen besaßen die BRUNONEN Grafenrechte in den Gauen Flenithi, Valotungen, Aringen, Muthiwide und Guddingen.
Ekbert besaß diese sächsischen Erblande nicht allein, da wir auch von Bruno Grafenrechte daselbst nachweisen können; so kennen wir Bruno 1049 als Grafen im Gau Valen, 1052 und 1053 als solchen im Gau Flutwide. Allein diese Comitatsrechte müssen denen verschwindend klein gewesen sein, weil Ekbert noch bei Lebzeiten seines Bruders allein als Nachfolger in diesen sächsischen Gauen genannt wird. Von Ekbert erfahren wir auch urkundlich, dass er in den sächsischen Erblanden bereits zu Lebzeiten des Vaters einen Comitat inne hatte. Jedoch müssen wir annehmen, dass die Verleihung an den Sohn nur stattfand zur Sicherung der Nachfolge. Im Jahre 1051 wurde Ekbert für einen Teil seines Gebietes Vasall des Bischofs von Hildesheim, indem Kaiser HEINRICH III. die Oberlehnshoheit über die oben Seite 9 genannten Parochieen der Hildesheimer Kirche übertrug.
Am 5. Oktober 1056 traf das Haus der SALIER und ganz Deutschland ein schwerer Schlag. Kaiser HEINRICH III. wurde im besten Mannesalter dahingerafft, ohne seine hohen Ziele erreicht zu haben. Wenn sein Vater, KONRAD II., vom ersten Tage seiner Regierung an danach gestrebt hatte, die übermächtige Gewalt der Fürsten zu zertrümmern und sich eine Königsmacht zu schaffen, die sich unmittelbar über den kleineren Vasallen erheben sollte, so war es HEINRICHS Ziel gewesen, auf Grund der ererbten Macht seine kaiserliche Gewalt zu allgemeiner Anerkennung zu bringen und die Völker des Abendlandes seinem Willen zu beugen. Mit eiserner Hand hatte HEINRICH das Steuer des Reiches geführt und durch manchen Sturm das Schiff gelenkt, aber das ganze Bestehen seiner Allgewalt war auch nur an seine Person allein, an seinen starken Geist und Willen geknüpft. Es war ihm nicht vergönnt, den Hafen zu erreichen; auf halbem Wege starb der Lenker des Schiffes, das nun wieder ein Spiel der Wellen ward, hilflos den Stürmen preisgegeben. Er hatte den Kampf um die Welt gewagt, ohne dabei die Grundlagen zu sichern. "So schwungvoll HEINRICHS Entwürfe waren, so vieles ihm glückte, hat er doch wenig getan, um seiner Nachkommenschaft und seinem Volke die gewonnene Macht für die Dauer zu sichern. Wie sich einst nach dem Tode Kaisers OTTO II., da Lothar von Frankreich und Heinrich von Bayern als Agnaten die Vormundschaft beanspruchten, die treuen Anhänger des Kaiserhauses um Mutter und Großmutter scharten, um ihnen die Herrschaft zu sichern, so geschah es auch jetzt. Allein beim besten Willen konnte man doch nicht die Tatkraft des heimgegangenen Kaisers ersetzen. Die Fürsten atmeten wieder auf und begannen eigenmächtig ihre Interessen zu verfolgen. Zuerst in Sachsen sollte sich der Umschwung der Verhältnisse offenbaren. Leider sind wir dabei nur auf den Bericht Lamberts von Hersfeld angewiesen. "Die sächsischen Fürsten" so berichtete er zum Jahre 1057, "verhandelten in häufigen Zusammenkünften über die Unbilden, welche ihnen unter der Herrschaft des Kaisers zugefügt waren, und meinten, es würde ihnen deshalb eine schöne Genugtuung widerfahren, wenn sie dem Sohn desselben, so lange noch sein zartes Alter eine solche Gewalttat begünstigte, das Reich entrissen. Auch lag der Glaube nicht fern, dass der Sohn zu der Sinnesart und der Lebensrichtung des Vaters mit raschen Schritten übergehen werde. Unverhofft kam dazu, als eine große Hilfe zur Störung der öffentlichen Ruhe, Otto, der Bruder des Markgrafen Wilhelm [Wilhelm war am 10.9.1056 gefallen; die Nordmark erhielt Udo von Stade, der sowohl mit HEINRICH IV. als den BRUNONEN verwandt war. Böttger vermutet nicht ohne Wahrscheinlichkeit, dass beim Aussterben dieser älteren Linie der BRUNONEN mit Wilhelm die Nachkommen Ludolfs IV., also Bruno und Ekbert, mit dem pagus Osterwalde, den bisher Wilhelm zu Lehen trug, der aber 1112 unter den Erbgütern der BRUNONEN (der Gertrud, Ekberts I. Tochter) aufgeführt wird, gleichsam zur Entschädigung belehnt seien.], der aber aus ungleicher Ehe, nämlich mit einer slavischen Mutter, geboren war, ein Mann von durchdringendem Verstande und tapferem Arme. Dieser hatte bei dem Volke der Böhmen als Verbannter schon von Kindheit auf gelebt; als er aber die Nachricht von dem Tode seines Bruders empfängt, kehrt er mit großer Hoffnung, ihn zu beerben, nach Sachsen zurück, wird dort von allen (a cunctis) Fürsten gütig aufgenommen und durch mächtige Ermunterung aller angereizt, nicht nur die Mark, welche ihm vermöge seines Erbrechtes gebühre, sondern auch das Reich selbst zu erstreben. Als sie ihn rüstig und zu dieser Unternehmung finden, sagen ihm alle (omnes) ihren treuen Beistand zu, ein jeder verspricht ihm Handreichung und tätige Hilfe, und sie beschließen, den König, wo nur der Zufall günstige Gelegenheit bieten werde, zu töten. Betroffen von Furcht waren alle, welche einige Sorge für das Wohl des Reiches hegten, und darum fanden sie es für gut, dass der König eilends nach Sachsen kommen und des gefährdeten öffentlichen Wohles, wie immer es ihm nur möglich sein werde, sich annehmen möchte."
Allein schon auf den ersten Blick ersehen wir die Unwahrscheinlichkeit dieser Darstellung und fast Satz für Satz können wir hier die Haltlosigkeit der Behauptungen des Hersfelder Mönches nachweisen. Zunächst, was soll das bedeuten: agitabant de injuris, quibus sub imperatore offecti fuerant. Blättern wir nach in der Geschichte HEINRICHS III., so finden wir nirgends ein Beispiel, dass dieser Kaiser mit dem Sachsenvolke in einen Streit von Bedeutung geraten wäre, geschweige denn, dass er ihnen Unrecht zugefügt hätte. Man hat immer - namentlich auch beeinflußt durch diese Worte Lamberts - viel davon geredet, dass das Volk der Sachsen dem Hause der SALIER tief verfeindet gewesen wäre, aber überzeugende Beweise werden nirgends gebracht. Treffend sagt Steindorff von dem Verhalten der Sachsen während der Regierung HEINRICHS III.: "Der sächsische Stamm, später der wichtigste Verbündete Gregors VII. in seinen Kämpfen mit Kaiser HEINRICH IV. ertrug die Herrschaft des zweiten Kaisers aus dem fränkischen Hause ebenso willig wie die des ersten. Den hochverräterischen Umtrieben, welche Erzbischof Adalbert seinen Nachbarn, dem Herzog Bernhard II. und dessen nächsten Verwandten zur Last legte, standen der übrige Adel des Landes fern und während sich im oberen Deutschland, in Schwaben und Bayern eine feindliche Partei bildete, die den Kaiser nicht nur der Krone, sondern auch des Lebens berauben wollte, herrschte in Sachsen tiefe Ruhe." Somit wäre das Unrecht, das die Sachsen unter HEINRICH III. so vielfältig erlitten, eine Phrase Lamberts. Ferner sollen alle Fürsten den Slaven Otto gütig aufgenommen haben. Alle versprachen ihm Hilfe, und doch - so erzählt Lambert selbst - waren mächtige Dynastengeschlechter wie die von Stade, ferner die BRUNONEN seine heftigsten Gegner, ja der ganze Aufstand, der nach Lambert sogar die Thronfolge verändern sollte, - eine eigene Idee, den hergelaufenen Slaven, gegen dessen Volk die Deutschen damals soviel Haß und Verachtung zeigten, gleich zum König zu erheben! - erlischt dann ebenso schnell, wie er entstanden, und wird gedämpft allein durch das Gefolge der BRUNONEN. Denn, dass "alle Fürsten" der Sachsen nun gleich im Sinne gehabt, das Königskind zu ermorden, wo sie es nur träfen, dass die Regierung kein besseres Mittel sieht, den Aufstand zu stillen, als den jungen König persönlich nach Sachsen zu bringen, also direkt in den Rachen des Löwen, wie handgreiflich tragen diese Behauptungen den Stempel der Unwahrscheinlichkeit! Allzu gläubig sind hier die Historiker wie Stenzel, Böttger, Giesenbrecht, Posse und andere Lambert gefolgt; nur Floto hegt einige Zweifel. Und nun weiter: "Der König wollte", so fährt Lambert fort, "deswegen den Tag der heiligen Apostel Petrus und Paulus (29. Juni) in Merseburg feiern. Hierher ließ er alles, was an Fürsten in Sachsen vorhanden war, zur Besprechung berufen. Als diese nun dahin auf dem Wege waren, ein jeder nach dem Verhältnis seiner Macht von einer großen Schar von Vasallen begleitet, traf es sich, dass Bruno und Ekbert, die Vettern des Königs, zufällig auf das zahlreiche Gefolge des obengenannten Otto stießen, welcher mit dichtgedrängtem Zuge zum königlichen Hoflager ritt. Diese aber waren, abgesehen von der öffentlichen Sache, auch wegen persönlicher Feindseligkeiten seine heftigsten Gegner. Unverzüglich geben beide ihren Vasallen das Zeichen zum Angriff, spornen die Rosse und stürzen sich mit gleichen Hasse in wechselseitige Wunden. Da, an der Spitze der Ihrigen, begegnen sich Bruno und Otto, beide von Zorn erfüllt, beide nur darauf bedacht den Gegner zu treffen, ohne an ihre eigene Deckung zu denken, und mit so heftigem Ungetüm trafen sie aufeinander, dass ein jeder den anderen beim ersten Anrennen vom Pferde stieß und so mit tödlicher Wunde durchbohrte. Nach Verlust der Anführer schwankte der Kampf noch eine Zeit lang unentschieden hin und her. Aber Ekbert, wütend vor Schmerz über den Tod des Bruders, stürzt sich, obwohl schwer verwundet, in vollem Rosseslauf unaufhaltsam in das dichteste Gewühl der Feinde und tötet den Sohn des Grafen Bernhard, einen trefflichen Jüngling, der aber kaum zum Waffentragen reif war; die übrigen, die, weil sie ihren Führer verloren, nur noch lässiger kämpften, schlägt er in die Flucht. So wurde der Staat von einer großen Furcht befreit, und die Sachsen, da der Bannerträger der Empörung gefallen war, unternahmen nichts Arges wider den König." Gerade diese lebhafte Schilderung, die einen Augenzeugen vermuten lassen könnte, muß Mißtrauen erwecken. Der gegenseitige Fall der beiden Führer, wie sie wutentbrannt den Ihrigen voraus sprengen, ferner wie Ekbert, obschon schwer verwundet, den anderen feindlichen Führer im Zweikampfe aus dem Sattel räumt, alles dies erinnert uns an Zweikämpfe und Schlachten bei den alten Autoren, wie sie namentlich Livius gern schildert. Und so finden wir denn auch bei Livius II. c. 6. dieselbe Erzählung, mit der unser Mönch nicht nur in der ganzen Art der Darstellung des Kampfes, sondern auch in den einzelnen Redewendungen auffallend übereinstimmt. Livius erzählt uns daselbst, wie der vertriebene König Tarquinius an der Spitze der Vejenter und Tarquinier gegen Rom zieht, um Vaterland und Krone wieder zu erobern. In gleicher Weise, wie sein tapferer Sohn Aruns mit der Reiterei voranzieht, befehligt der Consul Brutus die römischen Reiter; so treffen die beiden Todfeinde an der Spitze der Ihrigen auf einander und durchbohren sich gleichzeitig im Zweikampfe mit den Lanzen. Mit kann uns hier Lambert kein sicherer Gewährsmann sein. Seine Erzählung ist in ihren Motiven offenbar von des Livius Darstellung beeinflußt, dass der Verbannte Heimat und Erbe mit Gewalt erobern wollte, und Bruno gleich Brutus als Opfer für den Staat fiel.
Ich denke, der Hergang war vielmehr dieser: Als Wilhelm von der Nordmark sein Ende gefunden hatte, und Udo von Stade die Belehnung von HEINRICH III. empfangen hatte, machte sich Otto auf, um das Erbteil des Vaters anzutreten. Er kam zu spät, um noch vor der Belehnung seine Ansprüche vor HEINRICH III. geltend zu machen, aber in Sachsen fand er inzwischen bei einer Anzahl der freien Herren Unterstützung, also wohl namentlich bei den alten Freunden seiner Familie und bei denen, die dem Haus von Stade die Erwerbung mißgönnten. Eifersucht und Hader trennten ja fast immer die sächsischen Herren, und nie dürfen wir uns dieselben so einmütig vorstellen, wie es nach den Schilderungen Lamberts und Brunos, des sächsischen Priesters, oft erscheint. Die Regentin zog nun mit dem jungen HEINRICH IV. zu dem auf den 29. Juni bestimmten Hoftag nach Merseburg, wohin auch die streitenden Parteien beschieden waren, um die Entscheidung der Regentschaft zu empfangen. Zwar hatte schon HEINRICH III. Udo belehnt, allein die Gegner konnten die Belehnung um so leichter anfechten, wenn sie anführten, dass diese offenbar - bei den damaligen Verhältnissen - in möglichster Hast (vielleicht erst auf dem Sterbebett des Kaisers) geschehen sei, und dieser, wenn er nicht den nahenden Tod vor Augen gehabt hätte, doch die Ankunft des Bruders Wilhelms erwartet oder ihm wenigsten einen Teil der väterlichen Besitzungen gelassen hätte. Allein Ekbert und Bruno kamen der Entscheidung der Königin zuvor. Es war nicht so zufällig, dass sie Otto beim Zug nach Merseburg trafen. Bei Hausneindorf an der Selke umzingelten [Ich folge hier dem sächsischen Annalisten, der offenbar eine von Lambert unabhängige Quelle benutzt.] die BRUNONEN den Slaven, den sie nicht anerkennen wollten und welchem sie persönlich verfeindet waren, und erschlugen Otto, der in Merseburg seine Ansprüche geltend machen wollte, auf dem Wege dahin samt dem jungen Sohne des Grafen Bernhard. Aber auch den BRUNONEN war der Kampf teuer zu stehen gekommen: Bruno selbst war gefallen und Ekbert hatte schwere Wunden davongetragen - So war es lediglich ein Akt der Privatrache, der Otto zum Opfer fiel. [Vielleicht hatten die BRUNONEN als die nächsten Verwandten Wilhelms einzelne Lehen desselben erhalten.]. Sein Tun vor der Welt und dem Königshause zu rechtfertigen, mochte dann Ekbert um so leichter sein, wenn man dem Letzten aus dem Hause der HALDENSLEBENER Hochverrat und sogar einen Mordanschlag gegen den jungen König unterschob; anderseits verwertete der Mönch im Hersfelder Kloster das ausgesprengte Gerücht, "den Klatsch der Straße," auf seine Weise, indem ihm die Geschichte der Tarquinier als Vorlage dienen mußte. Die Ereignisse selbst, die wir ja auch durch andere Quellen zum Teil erfahren, bringt uns Lambert ganz richtig; aber wohl entging ihm hier die wahre Veranlassung, die ursächliche Verknüpfung der Tatsachen. Jedenfalls kann ich daher der bisherigen Ansicht nicht beistimmen, die Ekbert aus Sorge um das Königshaus die Tat begehen läßt, am allerwenigsten Böttger, wenn er sagt: "So starb Bruno VII. am 26. Juni 1057 als Sühneopfer für seinen König und Blutsverwandten." Am Hofe durchschaute man sehr wohl den wahren Grund der Tat, allein Otto war nun einmal gefallen, der Zwist beigelegt, dessen Entscheidung der Königin doch nach einer Seite hin Widersacher hätte erwecken müssen. So machte man gute Mine zum bösen Spiel; aber die Regentschaft wußte darum Ekbert keinen Dank, sondern hielt ihn wohl geflissentlich vom Hofe fern.
Bruno war kinderlos gestorben; so trat Ekbert die alleinige Herrschaft über die sächsischen Gaue und die Mark Friesland an. Wenn wir unter dem Besitzer dieser friesischen Gaue mit Böttger den marchio Brandenburgensis oder Marcgravius a Brandenburch verstehen, so finden wir Ekbert in den Jahren 1058 und 1059 in seinen neuen Erblanden in kriegerischer Tätigkeit. Wie schon sein Bruder Bruno 1048 und 1049 im Bunde mit Hermann II. von Köln, Wazo und Dietwin von Lüttich und Bernold von Utrecht gegen Dietrich IV. von Holland für HEINRICH III. gekämpft hatte, so nahm auch Ekbert mit Anno von Köln und Dietwin von Lüttich sowie mehreren anderen großen Vasallen die Fehde gegen den Markgrafen Florenz I. von Holland wieder auf. Allein Florenz brachte im Bunde mit den Friesen den Verbündeten eine schwere Niederlage bei. Erst im Jahre 1061 hatte man wieder ein kampfbereites Heer gesammelt, an dessen Spitze Ekbert im Hochsommer desselben Jahres dem Markgrafen Sieg und Leben entriß. Um das Jahr 1057 gelang es Ekbert seine Macht im Westen bedeutend zu vermehren, indem er von Adalbert von Bremen als dessen Vasall die Grafenrechte in dem reichen Fivelgoe mit den Untergauen Hunesgo und Fivilgo erwarb. Dieser größte Comitat in ganz Friesland war ehedem im Besitze des Herzogs Gottfried von Lothringen gewesen, ihm aber im Jahre 1044 wegen seines Aufruhrs durch ein Fürstengericht mit anderen Lehen abgesprochen worden. Da ihm durch die Gnade des Kaisers das Herzogtum Nieder-Lothringen wieder verliehen wurde, so wird Gottfried auch diesen Comitat wieder erhalten haben, der damit verbunden war. Als aber der Herzog gegen Ende 1057 von neuem die Fahne des Aufruhrs erhob, versprach HEINRICH III. seinem getreuen Erzbischof Adalbert von Bremen während eines Besuches daselbst im Jahre 1048 die Grafschaft in diesen friesischen Gauen.
Doch es sollten noch acht Jahre vergehen, ehe sich diese Anwartschaft verwirklichte, und es Adalbert gelang, faktisch Besitz von dem Gaue zu ergreifen (1056). Erst nach dem Tode des großen Kaisers erlangte er auch die urkundliche Bestätigung des Besitzes am 25. April 1057 zugleich mit der Münzgerechtigkeit in Wincheim und Gerlewiswert. 1.000 Mark Silber war der Preis, um den er die wertvollen Lande erwarb; diese selbst übertrug er darauf Ekbert gegen einmalige Erlegung von nur 200 Mark als Lehen. Adalbert hoffte in dem reichen und kriegserprobten Vasallen einen sicheren Schutz gegen seine Feinde, namentlich gegen die BILLUNGER, zu finden. Allein er sollte sich bitter getäuscht haben.
Nach dem Tode Ottos von Schweinfurt, des Herzogs von Schwaben, der im Jahre 1057 am 28. September starb, heiratete Ekbert dessen Witwe Irmengard, die Tochter des Markgrafen Manfred II. von Turin, um die reiche Mitgift derselben zu erlangen, aber nicht, wie man so oft behauptet hat, um sich eine Anwartschaft auf das erledigte Herzogtum zu sichern. Denn mit dem war ganz kurz nach Ottos Tode, noch im gleichen Jahre 1057, der Graf Rudolf von Rheinfelden belehnt worden. Da wir Ekberts Heirat somit später anzusetzen haben als RUDOLFS Belehnung, - denn Ekbert wird doch wohl nicht gleichsam an der Bahre des Verstorbenen um Irmengard gefreit haben - ist es ganz verfehlt, Ekbert Hoffnungen und Ansprüche auf den schwäbischen Herzogsstuhl unterzuschieben, wovon uns ja auch keine Quelle etwas berichtet. Es ist diese Ansicht wesentlich dadurch beeinflußt, dass man hier annahm, der junge König HEINRICH IV. habe Ekbert 1057 Leben und Krone zu danken. Da wir nun Ekbert einige Jahre später bei dem Anschlage gegen die Regentschaft der Kaiserin beteiligt finden, man aber von einem Zerwürfnis zwischen ihm und Agnes nichts wußte, so nahm man als einziges Motiv zu seiner Teilnahme an dem Raube HEINRICHS IV. an, Ekbert habe für seine Dienste nicht den beanspruchten Lohn erhalten und sich durch die andersweitige Besetzung jenes großen Reichslehens, auf das er sich Aussicht gemacht, in seinen vermeintlichen oder wirklichen Rechten gekränkt gefühlt. Allein wir haben oben Seite 14 gesehen, wie eigenmächtig Ekbert der Entscheidung der Kaiserin vorgriff und auf alles andere als auf Dank von Seiten der Regentschaft Anspruch hatte. So war es sein Überfall bei Hausneindorf und nicht die Belehnung RUDOLFS VON SCHWABEN, die Ekbert zum Genossen des kühnen Planes Annos von Köln machte.
Schon längst waren die Fürsten und Ersten des Reiches des Regimentes überdrüssig, das die Kaiserin Agnes unter dem Einfluß ihres treuen Ratgebers, des Bischofs Heinrich von Augsburg, führte. Sie hatten gehofft, sie könnten nach dem Tode des Kaisers HEINRICH III. ihren Sonderinteressen unbekümmert um das Reich und auf Kosten der Krone frönen und andererseits von entscheidendem Einfluß auf den Gang der Geschäfte sein. In beiden Erwartungen sahen sie sich getäuscht; so begann die Opposition gegen die Regentschaft immer stärker, immer heftiger zu werden. "Daher hielten sie häufig Zusammenkünfte, handelten lässiger bei öffentlichen Verrichtungen, reizten die Gemüter des Volkes auf und bestrebten sich endlich auf jede Weise, den Sohn von der Mutter abzuziehen und die Verwaltung des Reiches auf sich selbst zu übertragen." Der ehrgeizige und herrschsüchtige Erzbischof Anno von Köln war es, der die herrschende Stimmung benützte, um sich durch den Sturz der Regentschaft selbst an das Ruder des Staates zu bringen. Es war ein glücklicher Gedanke Annos, den nächsten Verwandten des jungen Königs, den reich begüterten und tatenlustigen Ekbert, dessen starken Arm er in den friesischen Kämpfen schätzen gelernt hatte, zum Genossen seines Anschlages zu machen, eines Planes, der auf nichts Geringeres ausging als HEINRICH IV. den Armen der Mutter zu entreißen. So verhinderte Anno eine Annäherung Ekberts an den Hof und einen Bund der Kaiserin mit dem mächtigen Vasallen, der das ganze Unternehmen hätte zum Scheitern bringen können. Der Dritte im Bunde war Otto von Northeim.
Im Jahre 1062 schritt man zur Tat. Die Kaiserin hatte zu Utrecht das heilige Osterfest gefeiert und ging von da nach der Kaiserpfalz, welche auf der Insel des heiligen Suitbert nahe dem rechten Rheinufer unterhalb Kölns lag. Ohne Aufsehen zu erregen, fanden sich die Verschworenen am Hofe ein; zuletzt kam auch Anno von Köln aus zu Schiffe an. Als man eines Tages eben vom Mittagsmahl aufstand, forderte Anno den 12-jährigen HEINRICH auf, eines seiner Schiffe, das er zu diesem Zwecke besonders prächtig hatte schmücken lassen, in Augenschein zu nehmen. Man wußte es so einzurichten, dass außer dem Knaben nur noch die drei Verschworenen und ihre Mannen das Fahrzeug betraten. Kaum war HEINRICH im Schiff, als auch die Ruderknechte dasselbe schleunigst vom Lande abstießen und es mit gewaltiger Anstrengung mitten in den breiten Strom trieben, um allen Angriffen vom Lande aus vorzubeugen. Zum Tode erschrocken, warf sich das Königskind in die reißenden Fluten des Rheines, um sich an das Ufer zu retten, wo die bestürzte Menge des königlichen Gefolges und das Volk in lautes Wehklagen ausbrachen. Allein Ekbert sprang dem Knaben sofort unerschrocken nach, und es gelang dem kühnen Manne nach hartem Kampfe mit den Wellen den Erben des Reiches dem sicheren Tode zu entreißen und ihn zurück auf das Schiff zu bringen. So büßte Ekbert gleichsam den Raub, indem er sein eigenes Leben in die Schanze schlug, um seinen königlichen Vetter vom Tode zu erretten. Dank den getroffenen Vorkehrungen gelangten die Verschwörer ungefährdet nach Köln; auch die Krönungsinsignien wurden dahin gebracht.
So hatte Anno das Spiel gewonnen; nur er allein eigentlich erntete die Früchte der Tat, denn Ekbert, der an diplomatischer Gewandtheit und an Regierungskunst dem Erzbischof bedeutend nachstand, war doch nur dessen Werkzeug gewesen; er war ein tapferer, tollkühner Kriegsmann, der weniger im Rate taugte als zum kräftigen Dreinschlagen. Aber auch Otto von Northeim war gewissermaßen nur Geschäftsträger Annos, der namentlich sein eminentes Feldherrentalent wohl zu nutzen verstand und seinen Arm nicht entbehren konnte. Dagegen sah sich Anno genötigt, den gesamten Fürsten des Reiches wenigstens scheinbar ein Zugeständnis zu machen, nämlich dass jeder Erzbischof, - nicht Bischof, wie Lambert irrig angibt - in dessen Diözese der König sich aufhielte, eben zu der Zeit dafür zu sorgen habe, dass das Gemeinwesen keinen Schaden litte, und dass er in Sachen, welche bei dem Könige angebracht worden wären, vorzugsweise Bescheid geben solle. Anno vergab sich in der Tat nicht viel durch dieses Zugeständnis. Adalberts Metropole in Deutschland war viel zu klein, der greise Eberhard von Trier mochte sich wenig um Politik bekümmern; Magdeburg und Salzburg kommen, wie wir aus dem Itinerar erkennen, für den Anfang nicht in Betracht. Nur für den Primas der deutschen Kirche, Siegfried von Mainz, dessen Sprengel bei weitem der größte war, konnte das Zugeständnis von Wert sein. Allein seine Persönlichkeit war derartig, dass Anno wohl hoffen konnte, ihn bald gänzlich bei Seite zu schieben. Anno wollte vor allen Dingen Zeit gewinnen, um sich in seiner Stellung zu behaupten und seinen Vorrang zu bewahren. Wie bald ihm dies gelang, ersehen wir aus der Urkunde vom 26. November 1062, wo bereits Gebhard von Salzburg ihm gegenüber auf seine problematische Herrschaft verzichtete. Bald sollte auch Siegfried von Mainz weichen. Schon längst mußte dieser erkennen, wie wenig Vorteil ihm Annos Zugeständnis gebracht hatte; seinen Ehrgeiz, seinen maßlosen Eigendünkel mußte es bitter kränken, wenn er sah, wie unbestritten jetzt Anno den Vorrang unter den Fürsten behauptete. Und wie wenig gerade Siegfried geeignet war, das Szepter zu führen, das zeigte sich namentlich bei dem Goslarer Ärgernis, Pfingsten 1063, wo Hezelo von Hildesheim mit Abt Widerad von Fulda ernstlich aneinander geriet. Schon auf der Provinzialsynode zu Weihnachten 1062, wo Siegfried präsidierte, war zu Goslar ein Streit ausgebrochen, indem die Kämmerer des Hildesheimer Bischofs, zu dessem Sprengel Goslar gehörte, mit denen Widerads handgemein wurden, als die Stühle für die geistlichen Würdenträger hingestellt wurden. Die Fuldaer Äbte nämlich, die allein unter dem Papste standen und unter den deutschen Äbten den Vorrang beanspruchten, hatten auch nach altem Herkommen das Recht, bei Versammlungen der geistlichen dem Erzbischof von Mainz - wenigstens in dessen Diözese - zunächst zu sitzen. Hier aber hatte Hezilo von Hildesheim, der ebenfalls den nächsten Platz nach dem Erzbischofe in seinem Sprengel beanspruchte, dem Abte weichen müssen, indem Otto von Northeim für diesen Partei ergriff. Der Bischof war daher, ohne Abschied zu nehmen, tief gekränkt wieder davon gezogen. Jetzt aber zu Pfingsten (8. Juni), wo auch König HEINRICH anwesend war, gedachte er seine Ansprüche besser zu wahren. Wenn Otto von Northeim die Partei des Abtes begünstigte, so gelang es ihm dagegen, Ekbert, seinen Vasallen, zu gewinnen, der ihm auch seine Hilfe versprach. Jedoch auch Wilderad hatte sich vorgesehen und war mit seinen sämtlichen Vasallen, soviel er deren aufbringen konnte, mit kriegerischem Pompe in Goslar eingerückt. Ekbert hatte mit seinen und des Bischofs Vasallen vorher die Kirche besetzt und dieselben hinter den Altar versteckt. Als nun der König und die Bischöfe zum Abendgottesdienste sich in der Kirche versammelten und, wie man vorausgesehen, der alte Zwist sich unter den Kämmerern erneuerte, fiel Ekbert plötzlich über die fuldaischen Diener her und vertrieb sie mit Fausthieben und Stockschlägen aus der Kirche. Kaum aber vernahmen dies die Ritter des Abtes, von denen dieser einen Teil ahnungsvoll ganz in der Nähe postiert hatte, als sie auch mit gezückten Schwertern im dichten Keil in die Kirche eindrangen und die Schmach ihres Abtes blutig zu rächen begannen. Es entspann sich so mitten im Gotteshaus und unmittelbar vor den Augen des Königs ein blutiger Kampf. Hezilo erklomm einen höher gelegenen Platz in der Kirche und ermunterte die Seinen, wacker dreinzuschlagen, indem er alle Verantwortung auf sich nahm. Wie eine Kriegsdrommete erklang die schmetternde Stimme des würdigen Bischofs. Durch die Kirche hallte das Getöse des Kampfes, das Klirren der Waffen, der Zuruf der Streitenden, das Wehklagen der Getroffenen; in Strömen rann das Blut über die steinernen Fliesen dahin. Vergebens suchte der junge König dem Greul Einhalt zu tun; er mußte endlich froh sein, dass ihm die Seinen einen Weg mitten durch die Streitenden bahnen konnten. Schließlich gelang es Ekbert, die Fuldaer aus der Kirche zu werfen, worauf man sich nach Möglichkeit verschanzte. Die Vasallen des Abtes, verstärkt durch neue Scharen der Ihrigen, die in voller Waffenrüstung aus den ferner gelegenen Quartieren herbeigeeilt waren, besetzten nun den Außenraum, um den Kampf zu erneuern, wenn die Hildesheimer die Kirche verließen. Jedoch sollte es nicht zu weiteren Morden kommen, indem die hereinbrechende Nacht und das Gefolge des Königs dem Streite Halt geboten. Auf beiden Seiten waren viele verwundet, viele gefallen. Ekbert verlor einen seiner besten Ritter, den Bero, während die Fuldaer namentlich den Tod des Reginboto, des Bannerträgers des Klosters, zu beklagen hatten. Eine strenge Untersuchung wurde nun angeordnet; allein Ekbert ging straflos hervor, wohl weniger wegen seiner Verwandtschaft mit dem Könige, wie Lambert will, als weil er Annos Genosse war, dessen Macht ganz unbestritten dastand. Dagegen wurde Widerad, dessen Mannen nachweislich zuerst das Schwert gezückt hatten und so die Hildesheimer gleichsam zur Notwehr gezwungen hatten, verurteilt, vollen Schadenersatz zu leitsen, ein Richterspruch, der den Reichtum des Klosters Fulda arg schmälerte und die Blüte desselben für immer knickte. Ja Hezilo von Hildesheim, den doch wahrlich mit die größte Schuld trifft, ging soweit in unedler Rache, dass er alle Fuldaer, welche das Schwert für ihren Abt gezogen, durch den Bannstrahl von der Gemeinschaft der Kirche ausschied; selbst die Manen der Gefallenen verschonte er nicht.
Wunderbarer Weise erfahren wir hierbei gar nichts von Siegfried, dessen Anwesenheit doch sicher bezeugt ist, da er noch sechs Tage nach dem Blutbade sich eine Schenkung machen ließ. Gerade vor sein Forum hätte die Entscheidung gehört, da er nicht nur als Reichsverweser in seiner Diözese, sondern auch als Erzbischof über seine Suffragane das Urteil zu sprechen hatte, zumal als sich die aufrührerischen Mönche von Fulda gegen ihren ohnehin schon hart getroffenen Abt erhoben. Allein im letzteren Falle bezeugt uns Lambert selbst ausdrücklich, dass Anno mit Otto von Northeim, der hier gleichsam als Schutzvogt von Fulda erscheint, zusammen über die Mönche zu Gericht saß und sie hart strafte. Und doch bekommt es Lambert fertig, von derselben Zeit zu behaupten: "Die Erziehung des Königs und die Anordnung aller Staatsgeschäfte war bei den Bischöfen, und unter diesen ragte das Ansehen der Erzbischöfe von Mainz und Köln am meisten hervor." Gerade Lamberts eigene Darstellung beweist uns, dass der EPPENSTEINER völlig den Boden unter den Füßen verloren. Nur dazu hatte er seine Stellung als Reichsverweser zu benutzen vermocht, dass er die lange ersehnte Abtei Seligenstadt nun endlich erlangte; und Anno war ihm darin nicht entgegengetreten, um ihn gleichsam zu entschädigen für die Regierung des Reiches, die ihm hier in seiner Diözese gebührte, welche ihm aber Anno keineswegs gewillt war zu gewähren. Anno hatte ihm seine Obmacht gezeigt, indem er ihn in Goslar gänzlich beiseite schob und für ihn den Kirchen- und Klosterfrevel richtete. Siegfried, zu wenig energisch, um für das Recht einzutreten, fädelte daher, ganz seinem Charakter gemäß, Ränke ein, um Annos Alleinherrschaft zu untergraben. Es gelang ihm, Otto von Northeim auf einige Zeit dem Kölner zu entfremden; mußte doch Otto sich nicht wenig gekränkt fühlen, dass Anno über seinen Schützling, den Abt Widerad von Fulda, dessen Sache er noch Weihnachten erfolgreich vertreten, so herfuhr; kaum dass er ihm bei der Rebellion der Mönche seinen Hirtenstab hatte bewahren können. Statt Ekbert, der ja durch seine Parteinahme für Hezilo in eine gewisse Spannung mit Otto von Northeim getreten war, gewann man den Markgrafen Dedi von der Lausitz.
Anno war Siegfrieds steigender Unmut und Neid nicht verborgen geblieben; als ihm nun Siegfrieds Wühlereien, sein Bund mit Otto von Northeim und Dedi gegen ihn hinterbracht wurden, da beugte er klug dem drohendem Sturme vor, indem er kurz entschlossen selbst die Schwenkung machte, die vielleicht jene beabsichtigten, und sich der Partei der Königstreuen näherte. Schon im Ausgange des Jahres 1062 hatte sich Anno mit der Kaiserin Agnes versöhnt, jetzt knüpfte er mit Adalbert, dem Haupte der monarchischen Partei, die immer ungestümer ihren Anteil an der Regierung forderte, und die namentlich durch den Goslarer Tage aufs höchste erbittert sein mochte.
Adalbert zögerte nicht, seinen Vorteil wahrzunehmen. Bereits am 27. Juni finden wir ihn am Hofe in seiner neuen Stellung als Mitregent [Es ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Adalbert auf die Kunde von dem Goslarer Skandal hin schon aus eigenem Antriebe an den Hof geeilt war, und ihm daselbst erst Anno die Mitregentschaft anbot, beziehungsweise einräumte.]. In der betreffenden Urkunde wird Adalbert, der der Empfänger ist, patronus regis, Anno magister genannt. Siegfried erscheint dagegen erst an zweiter Stelle, während er bisher in seiner Diözese stets zuerst in den Urkunden aufgeführt wird. So war Anno klug den Plänen seiner Nebenbuhler entgegen getreten und hatte ihre Anschläge vereitelt, indem er seine Alleinherrschaft, die doch als eine angemaßte  bei der natürlichen Eifersucht der andern weniger Begünstigten nicht von langer Dauer hätte sein können, mit dem Bremer teilte; aber er hatte schwerlich geahnt, wie gefährlich ihm dieser Adalbert, getragen von einer immer mehr erstarkten Hofpartei, werden sollte, und es ist eine Ironie des Schicksals, dass gerade einer seiner getreuesten Anhänger, einer der Teilnehmer am Raube des jungen Königs, der leidenschaftliche, unbesonnene Ekbert den Anstoß zu jener Machtveränderung gegeben hatte.
Otto von Northeim wandte sich deshalb bald wieder Anno zu; bereits im September desselben Jahres finden wir ihn an der Spitze eines Heeres, mit dem Adalbert von Bremen nach Ungarn zog, wo Salomo in Stuhlweißenburg als Vasall des deutschen Königs die Krone empfing. Da Adalbert hierbei seinen Stolz darein setzte, dass ihm seine großen Vasallen, so Graf Hermann der BILLUNGER, nach Ungarn Heeresfolge leisteten, so wird auch Ekbert als sein Lehnsmann nicht gefehlt haben. Diese Annahme unterstützt auch der Umstand, dass wir Ekbert am 24. Oktober unter der glänzenden Schar der Fürsten und Bischöfe zu Regensburg finden, wo der junge König HEINRICH nach Vollendung des Kriegszuges Hoftag hielt.
Im allgemeinen aber suchte Ekbert seinen Rückhalt mehr an Anno, der ihm in Goslar seine Hilfe so tätig zugewandt, weniger an Adalbert, wie wir aus seinem Verhalten beim Sturze des Bremer Erzbischofs erkennen. Mit dem Hofe, besonders mit seinem königlichen Vetter, trat Ekbert durch seinen Anschluß an Anno ebenfalls in ein näheres Verhältnis; so finden wir ihn, wie oben erwähnt, in HEINRICHS Umgebung zu Regensburg.
Aber immer mehr stieg die Macht Adalberts, der namentlich von großem persönlichen Einfluße auf den jungen HEINRICH war; der Stern Annos war im Sinken. Adalberts Ideal war die Herstellung eines unbeschränkten Königtums, er wollte seinen Herrn, dem er in warmer Liebe und echter Treue anhing, hoch über die stolzesten Fürsten erheben und diese in gebührender Abhängigkeit erhalten, während Anno, so eigenmächtig er auch regiert hatte, diese im Reiche sich selbst überließ und ihren sonderdynastischen Bestrebungen nicht im Wege stand. So trat Adalbert in einen immer schärferen Gegensatz zu den Fürsten. Namentlich war er in Sachsen, wo er sich nie einer besonderen Gunst erfreut hatte, bald der bestgehaßte Mann. Als König HEINRICH im Winter 1065 auf 1066 in Goslar Hof hielt und auch daselbst das Weihnachtsfest beging, war er "ganz ohne die hinreichenden Mittel zu einer Hofhaltung, die dem königlichen Ansehen entsprechend gewesen wären. Denn außer dem Wenigen, was aus den Gefällen der königlichen Kammer einkam, und was die Äbte durch erzwungene Leistungen lieferten, wurde Alles zu seinem täglichen Bedarf nur durch tägliche Ausgaben erkauft. Und dies geschah aus Haß gegen den Erzbischof von Bremen, den alle beschuldigten, dass er unter dem Vorwande der Vertraulichkeit mit dem König allein sich  die Regierung zu offenbarer Gewaltherrschaft angemaßt habe. Deshalb verweigerten sie dem Könige die gewohnten Dienste. Die Fürsten waren wenig dazu angetan, es bei einem passiven Widerstande bewenden zu lassen; zu dem persönlichen Hasse gegen Adalbert kamen dieselben Gründe, die sie einst auch zur Opposition gegen das Regiment der Kaiserin geführt hatten. HEINRICH mußte dem Drängen der Fürsten nachgeben und Adalbert entlassen. So groß war der Haß gegen den Erzbischof, dass ihm HEINRICH ein Geleit seiner Getreuen mitgeben mußte, damit man ihm den Freund nicht unterwegs erschlüge. War aber Adalbert gestürzt, seine Ideen hatten schon festen Boden gewonnen: die Königlichen, die Adalbert geleitet, blieben auch nach seinem Sturze mächtig, und HEINRICH selbst war in diesen Triburer Tagen vollends zum Manne gereift.
So fand nun auch Anno, als er sich wieder dem Hofe näherte, die Verhältnisse völlig verändert; er war nur noch ein Berater, kein Herrscher mehr.
Über Adalbert aber stürzten seine Feinde wie eine losgelassene Meute her. Was half es ihm nun, dass er alle hervorragenden Krieger in seinen Dienst zu ziehen sich bemüht, alle welche am Hofe von Bedeutung waren, sich verpflichtet hatte? Gerade seine Vasallen bedrängten ihn am ärgsten; ja man wollte ihn ganz aus dem Bistume hinausstoßen und ihn aus dem Reiche der Lebendigen ausrotten. Jetzt hielt auch Ekbert die Zeit für gekommen, sich von seinem Lehnsherrn loszusagen und die reichen Einkünfte des Comitates im Fivelgaue ganz für sich zu verwerten. Vor allem aber ließ er Adalbert in treuloser Weise in so fern im Stiche, dass er ihm alle Hilfe gegen die BILLUNGER verweigerte, die seine Güter ausplünderten und ihm selbst nach dem Leben trachteten. Der bittren Not gehorchend übertrug nun Adalbert seinem Todfeinde, dem Herzog Magnus, welcher ihn am meisten bedrängte, ein Drittel der gesamten Güter der Kirche zu Lehen, um vor ihm Ruhe zu haben; vergebens aber machte er ihm zugleich die Bedingung, die Vasallen wieder in die Lehnspflicht zurückzuführen und namentlich seine reiche Grafschaft in Friesland, die Ekbert aus dem Lehnsverbande gerissen, wieder unter seinen Krummstab zu bringen. Er errichte nichts weiter, als dass er selbst nicht aus seinem Bistume vertrieben wurde; von Ekbert aber und dem Grafen Bernhard, der gleich ihm seinen Lehnspflichten nicht nachkam, erlangte er keine andere Leistung der Dienstpflicht als nur den Titel eines Lehnsherrn.
Nach der Vertreibung Adalberts finden wir auch Ekbert wieder häufiger am Hofe, so im Mai 1066 zu Fritzlar. König HEINRICH war in eine schwere Krankheit verfallen, die ihm unsägliche Schmerzen bereitete. Da gelobte er das Kloster Malmedy, das nach dem Willen des Stifters, des heiligen Remaklus, nie vom Kloster Stablo getrennt werden sollte, wieder mit demselben zu vereinen und es Anno zu entziehen, der dies Kloster sich einst von HEINRICH hatte schenken lassen. Siegfried von Mainz und Ekbert waren die Bürgen, dass der König sein Gelübde auch erfüllen werde. Allein Anno behielt diese Abtei bis zum Jahre 1071, ein Beweis, dass Ekbert nicht gerade sehr in HEINRICH drang, sein Gelübde zu verwirklichen und so seinen alten Genossen um das reiche Kloster zu bringen.
Als HEINRICH sich von seiner Krankheit erholt hatte, feierte er auf Drängen der Kaiserin Agnes und der Fürsten seine Vermählung [Zu Tribur am 13. Juli 1066] mit Bertha, der Tochter des Grafen Otto von Savoyen und Adelheids, der Tochter des Grafen Manfred I. von Turin; bereits HEINRICH III. hatte ihm die Braut verlobt. So trat denn Ekbert durch diese Heirat in ein noch näheres Verwandtschaftsverhältnis zu dem jungen Könige. Wir haben im vorigen gesehen, wie das Verhältnis zwischen Ekbert und seinem königlichen Vetter ein immer engeres geworden. Bald sollte Ekbert auch eine Bestätigung des königlichen Wohlwollens erhalten: im Jahre 1067 empfing er die Markgrafschaft Meißen, die durch den Tod des Markgrafen Otto von Orlamünde erledigt worden war, als Lehen. Von der Mark selbst, welche eigentlich aus drei Marken: Merseburg, Zeitz und Meißen bestand, wurde die Zeitzer Mark abgetrennt und an Udo II. von Stade, den Markgrafen der Nordmark, verliehen.
Es mochten verschiedene Gründe sein, die HEINRICH bewogen, die wichtige Mark Ekbert zu übertragen. Jedenfalls glaubte er in ihm eine wichtige Stütze in Sachsen zu finden, da Ekbert in den letzten Jahren treu zu dem Hause der SALIER gehalten hatte. Auch Annos Fürsprache wird von Einfluß gewesen sein. So wurde Ekbert auch ein marchio Misnensis. Doch nicht lange sollte er sich des neuen Besitzes erfreuen, da ihn schon ein Jahr später ein schneller Tod dahinraffte. Seine Ländergier war durch diesen neuen Erwerb nicht befriedigt worden, ja dieser gab ihm nur den Anstoß zu neuen Plänen. Um nämlich sich im Besitze seines Lehens noch mehr zu sichern  und namentlich die reichen Allodien seines Vorgängers und die zahlreichen Lehen, die dieser von verschiedenen Herren getragen hatte, zu gewinnen, faßte er den Entschluß, seine Gattin, die ihm zwei Kinder, Ekbert und Gertrud, geboren, zu verstoßen und Ottos Witwe Adelheid zu heiraten. Dass Adelheid an Formschönheit seine Gemahlin weit übertraf und ihm selbst, dem tatendurstigen, tollkühnen Manne, geistesverwandter erschien, mochte ihm die neue Heirat bedeutend angenehmer erscheinen lassen, wenn auch dieser Umstand sicherlich nicht der Hauptgrund war, wie Floto im Anschluß an Lambert meint. Auch scheint sich Ekbert in bezug auf den Reichtum und die Mitgift seiner Gemahlin Irmgard sehr getäuscht zu haben; wenigstens können wir nirgends nachweisen, dass Irmgards Kinder, weder aus der Ehe mit Otto von Schweinfurt noch aus der mit Ekbert irgend einen Teil ihrer Erbschaft erhalten haben [Dafür spricht auch, dass sie 1073 in Italien über einen Teil ihres Erbgutes verfügt, ohne ihrer Kinder zu gedenken.], während doch HEINRICH IV. durch seine Vermählung mit Bertha in den Diözesen von Turin und Asti eine Menge Pfalzservitien erhielt. Es ist darum anzunehmen, dass Ekbert nicht so über das Erbgut seiner Gemahlin verfügen konnte, wie er wollte, selbst dann nicht, als er von ihr einen Sohn und Erben besaß, und dass dieser Umstand nicht wenig dazu beitrug, sich von Irmgard zu trennen: Politik hatte ihn mit ihr verbunden, Politik bewog ihn auch, sich nach fast 10jähriger Ehe wieder von ihr zu trennen. Dass er hierbei mit der Kirche in argen Konflikt kommen konnte, besorgte ihn wenig. Die Großen aus HEINRICHS Umgebung machten es ja nicht viel besser; suchte doch HEINRICH selbst ein Jahr später mit allen Mitteln sich seiner ihm angetrauten Gemahlin, die ihm die Politik des Vaters bestimmt hatte, zu entledigen. So verstieß Welf von Bayern 1070 seine Gemahlin Ethelinde, die Tochter Ottos von Northeim, weil dieser am Hofe in Ungnade gefallen war, und die Ehe ihm nicht die erwarteten Vorteile bot. So versuchte auch RUDOLF VON SCHWEABEN seine Ehe mit Adelheid, der Tochter des Markgrafen Otto von Savoyen zu lösen, indem er sie fälschlich der Untreue beschuldigte. Ja Wenrichs von Trier giftgefüllte Feder zeiht den Herzog sogar einer gleichzeitigen Ehe mit drei Gemahlinnen, die im alle feierlich angetraut waren.
So wollte also auch Ekbert seiner Gemahlin den Scheidebrief zusenden, unbekümmert, ob er vielleicht dadurch seinen königlichen Vetter aufs tiefste kränken und beleidigen könnte [Dass HEINRICH selbst mit dem Gedanken umging, seine Ehe zu lösen, konnte Ekbert schwerlich wissen, da er es vor allen geheim hielt, wenn es auch die Vertrauten am Hofe nicht unbekannt bleiben konnte, wie wenig sich der König seiner jungen Gemahlin näherte.]. Allein der Tod trat dazwischen und hinderte sein "gottloses Vorhaben." Ekbert feierte noch mit König HEINRICH zu Goslar das heilige Weihnachtsfest. Als er nach den festlichen Tagen nach seinen Besitzungen, vielleicht nach dem nahen Braunschweig, dem Hauptsitze der BRUNONEN, zurückkehrte, ergriff ihn ein Fieber, das am 11. Januar 1068 seinem vielbewegten Leben ein Ende machte.
Im Vorgefühl eines nahen Todes hatte er jedoch kurz vorher seinem Sohne, der noch im zarten Kindesalter stand, die wichtige Mark Meißen samt Merseburg zu sichern gewußt; denn sein eigner Besitz war zu kurz, als dass der Sohn begründete Ansprüche auf dieselbe als auf ein erbliches Lehen hätte machen können.
Wo Ekbert seine letzte Ruhestätte fand, läßt sich nicht ermitteln. Vielleicht ist an die St. Blasienkirche auf der Burg Dankwarderode zu Braunschweig zu denken. Wir wissen, dass Ekbert sich um ihren Ausbau verdient machte und ihr Vergebungen schenkte, wie denn auch seine Memorie daselbst gefeiert wurde.
Der Sitte der Zeit gemäß stiftete einige Jahre später, 1071, HEINRICH IV. dem heimgegangenen Verwandten zum Gedächtnis acht Hofgüter der Meißner Kirche, damit daselbst Seelenmessen für ihn gelesen werden sollten.
So hatte Ekbert nach einer Regierung von 30 Jahren sein Dasein beschlossen. Es war ihm gelungen, seinen ererbten Besitz so zu vermehren, dass er am Ende seines Lebens als einer der reichsten Fürsten dastand. Alle Mittel hatten ihm dazu helfen müssen, das Erbe der Väter zu vergrößern; indem er seine Verwandtschaft und die Stellung am Königshofe, die er sich seit 1062 daselbst errungen, benutzte, gelang es ihm, die wichtige Mark Meißen zu erwerben; aber er verschmähte es auch nicht, seinen Lehnsherrn, als dieser in Not kam, treulos im Stiche zu lassen und sich so den unbeschränkten Besitz des größten und reichsten Comitates in Friesland anzueignen. Ekbert ist uns ein getreues Spiegelbild seiner Zeit, wie die Großen es damals verstanden, die Zeitverhältnisse auszunutzen und ihren Besitz auf Kosten der Krone, auf Kosten der anderen Fürsten zu mehren und ihr Erbe den Nachkommen zu sichern. Ohne sich mit unfruchtbaren Plänen abzugeben, sondern den Blick nur auf das Naheliegende, auf den Erwerb gerichtet, von großer persönlicher Tapferkeit und Unerschrockenheit, voll Eifer, sich durch fromme Stiftungen die Gnade des Himmelskönigs zu erwerben, aber ohne Scheu wiederum vor den heiligsten Gesetzen der Kirche, die er schonungslos mit Füßen trat, wenn es galt, einen Vorteil zu verfolgen, so tritt und Ekbert im Verlaufe der Geschichte entgegen, so waren auch die meisten seiner Zeitgenossen.