Annalista Saxo:
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"Reichschronik"

Das Jahr 1038.
 
Weil aber der oben genannte Mailänder Bischof noch in der begonnenen Ausschreitung beharrte und weder durch Drohungen geschreckt werden, noch durch Zusicherungen der Verzeihung, welche aus Mitgefühl sowohl von dem Herrn Papste, als auch von den übrigen Bischöfen angeboten wurde,
zur Reue und Genugthuung veranlaßt werden konnte, so hat der Herr Papst jenen nach dem Beschlusse der gesammten Bischöfe mit der Verdammniß des Anathems getroffen, und Ambrosius, ein edler Mann, in jenem Lande einheimisch, königlicher Kapellan, folgte ihm durch die Gnade des Kaisers im Bisthume, so daß jener innerhalb der Mauern hauste, dieser draußen seine  Geschäfte nach Möglichkeit erledigte.  - -
 
[Thietmar, Bischof von Hildesheim] gab die von Gold und Silber strahlende Krone, welche vor dem Hauptaltar hängt. In diesem Jahre ist der sächsische Graf Liudolf, der Sohn Bruno's von Bruneswik und der Kaiserin Gisla, am 23. April zur großen Betrübniß seiner Landsleute eines zu frühen Todes
gestorben. Und sein Bruder Herimann, Herzog von  Alemannien, der Sohn des Herzogs Ernest und derselben Kaiserin Gisla, ist von plötzlicher Krankheit befallen worden, als er der Heerfahrt des Kaisers in die romanischen Länder folgte, und beweint von allen Guten, schied er am 16. Juni aus diesem Leben. Diese beiden waren Stiefkinder des Kaisers Konrad und Brüder des Königs Heinrich durch ihre Mutter, die Kaiserin. Liudolf aber zeugte mit der Gräfin Gertrud den Bruno, welcher bei dem Dorfe Niethorp erschlagen worden ist, und den Markgrafen Ekbert den Aelteren. - [Der fromme König der Ungarn Stephan starb,] welcher mit seinem ganzen Volke zum Glauben an Christus bekehrt worden war. Diesen hat der heilige Bischof und Märtyrer Adalbert getauft und seine Mutter, Namens Gisla, ist die Schwester des Kaisers Heinrich von Babenberg gewesen.

Jahr 1057.
 
[Als Otto, der Bruder des im vorigen Jahre von den Liutizen getödteten Markgrafen Willehelm aus einer unebenbürtigen Ehe, nämlich der Sohn einer slavischen Mutter, ein scharfsinniger und thatkräftiger Mann, zu dem Hofe des Königs in Mersburg reiste, wurde er von den Grafen Bruno und
Ekbert,] den Söhnen Liudolfs von Bruneswik, der ein Oheim des Königs war, überfallen bei einem Dorfe Namens Nienthorp an dem Flusse Salica. - Am 28. September starb der Schwabenherzog Otto von Suinvorde und wurde in Suinvorde bei seinen Eltern bestattet. -
 
Zu dieser Zeit war in Sachsen Herzog Otto von  Northeim mächtig, der Herkunft nach ein Sachse, aber Herzog von   Baiern, ein Mann von höchstem Adel, der Sohn Benno's von Northeim, dessen Bruder Sigefrid zusammen mit den  Gebrüdern Heinrich und Udo von Catelenburg den Markgrafen Ekkihard, Guntars Sohn, getödtet hat. Diesen Otto hat König Heinrich nachher vom Herzogthume entsetzt.