WORRINGEN, SCHLACHT VON
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 337
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Worringen, Schlacht von (5. Juni 1288).
Sie beendete den Limburger Erbfolgestreit zugunsten des Herzogs Johann I. von Brabant, der im Verein mit den Grafen von Berg, Jülich und Mark sowie mit der Stadt Köln den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg und seine Verbündeten, die Grafen von Geldern und Luxemburg, niederrang. Der Erzbischof geriet in bergische Gefangenschaft und mußte sich größtenteils den Friedensbedingungen der Siegermächte beugen, deren Auswirkungen er nach seiner Freilassung nicht mehr revidieren konnte. Der Sieg sicherte Brabant das kleine Territorium Limburg; aber für die künftige Gestaltung der niederrheinischen Territoriallandschaft war weitaus entscheidender die endgültige Zerschlagung der erzbischöflichen Vormachtstellung, die sich auf Herzogsgewalt und Lehnsherrlichkeit stützte. Diese beiden Säulen hatten sich aber schon seit der Mitte des 13. Jh. für ein auf der räumlichen Basis des erzbischhöflichen Dukats (Niederrhein und südliches Westfalen) konzipiertes Großterritorium als untauglich erwiesen. Die in Worringen siegreichen Dynastenhäuser JÜLICH, BERG und MARK, aber auch die neutral gebliebene Hauptlinie in Kleve und der unterlegene Graf von Geldern hatten als Edelvasallen dem alten erzstiftlichen Lehnshof angehört, aber sich schon im 13. Jh. im wesentlichen auf der Grundlage der Gerichtsherrschaft eigene, in ihrer Existenz nicht mehr ernsthaft gefährdete Territorien aufgebaut. Sie traten nach Worringen immer mehr als gleichrangige Partner neben die Kölner Erzbischöfe. Die künftige Territorialstruktur in disem Raum war durch die Ausformung einer Reihe überschaubarer, mittelgroßer, selbständiger, gleichberechtigter und gleich starker Territorien bestimmt. Das Ergebnis dieses bereits lange vor Worringen sich anbahnenden territorialpolitischen Umstrukturierungsprozeß im NW unterstreicht eindrucksvoll der Ausgang der Schlacht. Nach der Niederlage in Worringen gab Geldern seine Expansion nach Süden endgültig auf, und Luxemburg, dessen Grafen in Worringen gefallen waren, wandte sich vom Rhein ab und suchte Anschluß im Westen. Die Stadt Köln schließlich, die erst kurz vor der Schlacht auf die brabantische Seite getreten war, schüttelte durch den Sieg in Worringen die erzbischöfliche Stadtherrschaft ab und erkämpfte sich de facto die Reichsfreiheit, die aber erst 1475 auch de iure anerkannt wurde.

Literatur:
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F.-R. Erkens, Siegfried von Westerburg (1274-1297). Die Reichs- und Territorialpolitik eines Kölner Erzbischofs im ausgehenden 13. Jh. (Rhein. Archiv 114, 1982) - Der Tag bei Worringen 5. Juni 1288, hg. W. Janssen-H. Stehkämpfer (Veröff. Staatl. Archive NRW, C 27, 1988) - Der Name der Freiheit 1288-1988. Aspekte Kölner Geschichte von Worringen bis heute, hg. W. Schäfke, 1988 [Ausstellungskatalog, Ergänzungsband] - W. Janssen, Worringen 1288. Geschichtlicher Markstein oder Wendepunkt, RhVjbll 53, 1989, 1-20 [ältere Literatur].