Johann III. der Prächtige                Herzog von Brabant (1312-1355)
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(um 20.10.)1300-5.12.1355
                           Brüssel

Begraben: Abtei Villiers
 

Einziger Sohn des Herzogs Johann II. der Friedfertige von Brabant und der Margarete von England, Tochter von König Eduard I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 507
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Johann III., Herzog von Brabant seit 1312
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* 1300, + Dezember 1355

Einziger Sohn des Herzogs Johann II.

 1311
  oo Maria von Evreux, Tochter Ludwigs von Evreux
              -   1355

Da Johann beim Tode des Vaters minderjährig war, wurde eine Regentschaftsregierung eingesetzt; 1314 übernahmen jedoch die Städte, die unter der Außenhandelskrise und der Schuldenlast des Herzogtums litten, die Macht. Seit 1320 regierte Johann selbständig. Um Revanche für Worringen (1288) zu üben, bildete sich 1332-1334 gegen Brabant eine große Koalition. Bei dieser Gelegenheit entstand Johanns berühmtes "Wappenlied" (eine eigene Dichtung des Herzogs?). Um die finanzielle Unterstützung des Landes, namentlich der Städte, zu gewinnen, musste Johann weitreichende Zugeständnisse machen (Bestätigung der Landcharta von Kortenberg, 1332 Einsetzung des Rates von Kortenberg). In seiner späteren Regierungszeit versuchte der Herzog in eigensinniger Weise, die volle Autorität wiederzuerlangen. Seit ca. 1340 lebte er im Konkubinat mit der nichtadligen Ermengard van Vilvoorde. Da seine drei Söhne vor ihm starben, designierte er seine ältere Tochter Johanna zur Nachfolgerin, widerrief aber auf Drängen Ludwigs von Male, Grafen von Flandern (oo mit Margaretha, der jüngeren Tochter) diese Entscheidung, ohne aber die Erbfolgefrage abschließend zu regeln.



Thiele, Andreas: Tafel 21
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

JOHANN III. "DER TRIUMPHIERENDE"
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* 1300, + 1355

Johann III. folgte 1312 in der Regierung und war dem strahlenden Großvater ähnlich. Er wollte die Charta von 1312 rückgängig machen, führte viele Fehden mit den Nachbarn, eroberte unter anderem Monschau-Montjoie-Valkenburg und verlor andererseits Mecheln und Antwerpen an das von Frankreich stark unterstützte Flandern. Er schloss sich eng an Kaiser LUDWIG IV. VON BAYERN an, förderte zusammen mit Holland-Hennegau entschieden das deutsch-englische Bündnis von 1337, das zum Hundertjährigen Krieg führte. Er anerkannte erst 1349 KARL IV. VON BÖHMEN, seinen Neffen, und bekam dafür das Privileg "de non appelando" zugestanden. Er sicherte Kaiser KARLS Halbbruder Wenzel (wurde Schwiegersohn) die Nachfolge zu und erließ 1349 eine "Goldene Bulle", die die städtischen Freiheiten sicherte, auch die der Landstände. Er gewann die Hoheit über Cuyk und förderte wie seine Vorfahren die französische Kultur.

  oo 1314
       MARGARETE D' EVREUX-(FRANKREICH)
                  + 1355

Tochter des Grafen Ludwig von Navarra



Benker Gertrud: Seite 118,219
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"Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron."

Doch die Politik der Zeit ging über solche Frauenschicksale hinweg, über das der Klementia von Habsburg ebenso wie über das der Katharina von Habsburg. Diese muß eine bemerkenswerte Persönlichkeit von eleganter Erscheinung gewesen sein. 1295 war sie als Tochter ALBRECHTS I. geboren und schon in frühester Kindheit dem Herzog Johann von Brabant zugedacht worden. Diese Verbindung wußte jedoch Peter von Aspelt aus politischen Gründen zu hintertreiben, er hatte andere Pläne.
Die Stadt Mecheln gehörte zu den wichtigsten Handelszentren an der Rheinmündung. Sie unterstand dem Herzog Johann III. von Brabant, der ein Jahr später für ein Bündnis mit England gewonnen werden konnte. Beide Fürsten - Eduard III. und Johann III. - waren Vettern, und so schien die Einflußnahme Englands auch durch verwandtschaftliche Bande gefestigt. Johann hatte nun seinen Sohn einer Tochter des Grafen Wilhelm von Holland-Hennegau verlobt und beharrte auf dieser Verbindung, auch als am französischen Hof intensive Bemühungen einsetzten, eine französische Prinzessin hier ehelich-politisch wirksam werden zu lassen.
Frankreichs Verhandlungsgeschick, seinen Schmiergeldern - durch die gewaltigen Kreuzzugseinnahmen kommte man aus dem vollen schöpfen - und Landversprechungen gelang für dieses Mal ein unkriegerischer Sieg: Der Graf von Geldern und Wilhelm von Jülich traten auf die französische Seite (Mai 1332), Herzog Johann von Brabant wurde zu Verhandlungen gezwungen und mit einer Rente von 2.000 Pfund pro Jahr in Abhängigkeit vom französischen Thron genommen.
Der Zündstoff ging auch in den folgenden Jahren nicht aus. Plötzlich schien sich das Blatt zu wenden, und Herzog Johann von Brabant sah sich einer von Frankreich wegstrebenden Koalition der niederländischen Adligen und Wilhelms III. von Holland-Hennegau gegenüber. Wiederum war es die Stadt Mecheln, die von sich reden machte. Johann von Brabant nahm es als Herausforderung, daß der Bischof von Lüttich im Mai 1333 die Stadt an Ludwig von Flandern verkaufte.

Hoensch, Jörg K.: Seite 86,138
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Während seit Oktober 1333 im Königreich Böhmen der den Titel eines Markgrafen von Mähren führende Thronerbe KARL bemüht war, die Folgen der Herrschaft der Barone und der daraus resultierenden Adelsfehden sowie der von offener Erpressung und Verpfändung begleiteten Finanzpolitik des Vaters zu beseitigen, war Johann im Bündnis mit mehreren geistlichen und weltlichen Fürsten in einen Konflikt mit Herzog Johann III. von Brabant um die Erbansprüche auf das Herzogtum Limburg verstrickt. Dank der Vermittlung Philipps VI. wurde bald ein Waffenstillstand geschlossen und der LUXEMBURGER finanziell großzügig abgefunden.
Der Erbfall trat schon im Dezember 1355 ein. Aus Verärgerung über die Testamentsanfechtung durch die brabantische Verwandtschaft setzten Wenzel und Johanna, deren Ehe kinderlos blieb, auf Initiative des Kaisers 1357 KARL IV. und seine Nachkommen vertraglich auch als Erben in Brabant und Limburg ein.

Leo Heinrich Dr.: Seite 596,605
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Im Jahr 1314 heiratete dann Johann III. die Tochter des Grafen Louis d'Evreux, eine Prinzessin von Frankreich.
Inzwischen hatte Herzog Johann drei Söhne durch den Tod verloren [2 Sie hießen Johann, Heinrich, Gottfried. Außer einer große Anzahl unehelicher Töchter hatte der Herzog noch folgende Bastarde: Jan Brant, Herr von Ayseau; Jan van Veen; Willem van Erpe; Arnoud van der Hulpen; Hendrik van der Hulpen; Claes Sweerthere, Claes Werthusen.] und keine Hoffnung mehr, neue Nachkommenschaft zu erhalten. Er traf also seine Disposition dahin, daß seine älteste Tochter Johanna, die Herzogin von Luxemburg, Erbin aller seiner Fürstentümer und Herrschaften werden sollte; die zweite, Margaretha von Flandern, sollte eine Abfindung von 120.000 Talern, und die dritte, Maria von Geldern, eine dergleichen von 80.000 Talern erhalten. Diese Anordnung bestätigte Kaiser KARL im Frühjahr 1354. Herzog Johann aber starb am 5. Dezember 1355, nachdem er noch seiner Tochter Johanna und deren Gemahl den Ständen als Nachfolger empfohlen hatte.
 
 
 
 

 1311
  oo Maria von Evreux, Tochter des Grafen Ludwig
       um 1300-31.10.1335
 
 
 
 

Kinder:

  Johanna
  24.6.1322-1.12.1406
  Brüssel     Brüssel

    1334
  1. oo Wilhelm IV. Graf von Holland
      x   um 1307-26.9.1345

     1354
   2. oo Wenzel I. Herzog von Luxemburg
      x    25.2.1337-7.12.1383

  Margarete
  9.2.1323-   1368

 1347
  oo Ludwig III. von Maele Graf von Flandern
       25.11.1330-9.1.1384

  Maria
  1325-1.3.1399

 1347
 oo Rainald III. Herzog von Geldern
      13.5.1333-4.12.1371

  Johann
  24.11.1327-   1335

 1335
  oo Isabella von Holland
              -26.1.1360

  Heinrich Herzog von Limburg Mitregent
         -29.11.1349

  1347
  oo Johanna von Frankreich, Tochter des Königs Johann II.
       24.6.1343-3.11.1373

  Gottfried Herr von Aerschot Herzog von Limburg seit 1349
          - nach 3.2.1352

 
 
 

Literatur:
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Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 118,219,222 - Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 224,231 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 251,257 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 44 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 86,138 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 596-606 -
Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 109,269 - Sütterlin, Klaus: König Johann. Ritter auf dem Schauplatz Europa. Verlag Markus Knecht 2003 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 21 -