Johann II. der Friedfertige              Herzog von Brabant (1294-1312)
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27.9.1275-27.10.1312
                 Schloss Tervueren bei Brüssel
 

2. Sohn des Herzogs Johann I. der Siegreiche von Brabant aus seiner 2. Ehe mit der Margarete von Dampierre-Flandern, Tochter von Graf Guido
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 506
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Johann II., Herzog von Brabant seit 1294
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* 1275, + 27. Oktober 1312

Einziger Sohn des Herzogs Johann I.

  oo Margaretha von York, Tochter des Königs Eduard I. von England
               -   1333

Ihr widmete Jan van Heelu seine Reimchronik von der Schlacht von Worringen (1288). Seinen folgenreichsten Regierungsakt vollzog der Herzog auf dem Sterbebett: den Erlass der berühmten Landcharta von Kortenberg (27. September 1312), der sich an die Tradition der herzoglichen Testamente (Heinrichs II. und Heinrichs III.) anschloss und als Privileg in neun Artikeln vor allem die Errichtung des Rats von Kortenberg beinhaltete, der seit 1332 eine umfassende Kontrolle der Regierung des Herzogtums ausüben sollte.



Thiele, Andreas: Tafel 21
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

JOHANN II.
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* 1275, + 1312

Johann II. der Friedfertige war fähig, umsichtig und bedächtig, schützte die Juden und versuchte 1299 Erbansprüche in Holland-Seeland durchzusetzen. Er geriet damit gegen den deutschen König ALBRECHT I. VON HABSBURG, der beides als erledigte Reichslehen einziehen wollte, und das Haus AVESNES, das sich schließlich durchsetzte. Er besetzte Teile von Seeland, was zu jahrelangem Streit führte, auch wegen alter brabantischer Hoheitsrechte in S-Holland. Er half seinem Großvater in der Schlacht bei Kortrijk (Courtrai) 1302, stritt ständig mit den stärker werdenden Patriziern und Gilden in den Städten, musste ihnen in der "Charta von Cortemberg" wichtige Privilegien zugestehen, womit der Niedergang der herzoglichen Gewalt begann.

  oo 1290
       MARGARETE VON ENGLAND
                  + 1333

Tochter des Königs Eduard I.
(Insgesamt 5 Kinder)



Bock Friedrich: Seite 216
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"Englands Beziehungen zum Reich unter Adolf von Nassau"

Nach dem tragischen Tode Johanns I. von Brabant im Turnier beim Treffen der englischen Partei im Mai 1294 war dessen Sohn Johann II. zur Regierung gekommen, der kurz zuvor der Schwiegersohn des englischen Königs geworden war.
Am 23. April 1295 war ein Bündnis zwischen Eduard und Johann II. zustande gekommen, wonach der Herzog dem englischen König mit 2.000 schwerbewaffneten Reitern während der Dauer eines halben Jahres, vom Auszug des Heeres zum Kampfe an gerechnet, beistehen sollte im Kriege gegen Frankreich. Dafür versprach ihm der englische König 160.000 Turnosen (40.000 Pf. Sterling) in noch zu vereinbarenden Raten, außerdem Ersatz der Pferde und Gefangenenauslösung. Eine Reihe von Zahlungen auf diesen Vertrag hin lassen für den Herzog nachweisen. Er erhielt auch 4.000 Pfund Sterling auf den neuen Wollzoll angewiesen. Nach seiner Rückkehr blieb Johann II. in enger Zusammenarbeit mit seinem Schwiegervater.

Berg Dieter: Seite 162,178,180
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"Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters."

Ähnlich abwartend verhielt sich der PLANTAGENET bei den Verhandlungen mit Herzog Johann I. von Brabant, mit dem 1278 Gespräche über eine Eheschließung der englischen Königstochter Margarethe mit dem Sohn des Herzogs, Johann, begonnen wurden und erst im Jahre 1280 mit der Heirat der Kinder ihren Abschluss fanden.
Ungeachtet dieser Entwicklungen bemühte sich der PLANTAGENET beharrlich um die Anwerbung weiterer Verbündeter, wobei er im November 1294 Graf Heinrich III. von Bar, der seit 1293 mit Eleonore, einer Tochter des englischen Monarchen, verheiratet war, gegen Zahlung von 30.000 Mark zur Unterzeichnung eines Beistandspaktes veranlassen konnte. Erfolgreich waren Eduards Werbebemühungen schon im August 1294 bei Erzbischof Siegfried von Köln sowie bei Verbündeten in Burgund und Savoyen gewesen, gefolgt von der Anwerbung des Herzogs Johann II. von Brabant, der seit 1290 mit Eduards Tochter Margarethe verheiratet war, und des Grafen Rainald von Geldern, die alle die Stellung von Panzerreitern zusagten.
Die Reaktionen auf den Frontwechsel des Grafen Florenz V. erfolgten umgehend, da der englische König ein Handelsembargo gegen Holland verhängte und der Herzog von Brabant die Absetzung und Gefangennahme von Florenz betrieb, der von unzufriedenen Adligen seiner Grafschaft nicht nur inhaftiert, sondern nach Befreiungsversuchen holländischer Bauern am 27. Juni 1296 sogar getötet wurde.
Hinzu kamen erfolgreiche Bündnisaktivitäten des KAPETINGERS auf dem Kontinent, da er im Mai 1297 außer den Herren von Brabant und Holland Graf Johann von Hennegau für sich gewinnen konnte.

Hoensch, Jörg K.: Seite 26,29
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Der Sieger von Worringen, Herzog Johann I. von Brabant, hatte die LUXEMBURGER von dem Friedensschluß ausgenommen und erst nach schwierigen Verhandlungen einer Aussöhnung unter der Bedingung zugestimmt, daß der junge HEINRICH VII., einem Wunsch der Königin-Mutter Maria von Frankreich [Einwurf: Maria von Brabant war zwar die Witwe von König Philipp III., aber nur die Stiefmutter von König Philipp IV., so daß die Bezeichnung Königin-Mutter nicht exakt ist. ] entsprechend, seine Tochter Margarete zur Frau nahm. Nachdem eine päpstliche Dispens das Ehehindernis wegen zu enger verwandtschaftlicher Beziehungen beseitigte, die strittige Mitgiftfrage durch Vermittlung König Philipps IV. beigelegt un der Herzog das Versprechen abgegeben hatte, Luxemburg nicht anzugreifen, fand die Hochzeit im Juni 1292 statt. Eine Normalisierung der Beziehungen zu Brabant hat sich wegen der mangelhaften Einlösung der Mitgiftzusagen zwar erst unter Johann II. von Brabant eingestellt, mit der Heirat war aber die außenpolitische Isolierung Luxemburgs überwunden.
Wahrscheinlich bereits vor Bekanntwerden der Nachricht von der Ermordung König ALBRECHTS I. VON HABSBURG am 1. Mai 1308 durch seinen Neffen schloß Heinrich VII. am 11. Mai in Nivelles mit einigen benachbarten Fürsten, unter ihnen Guido von Flandern, Wilhelm von Hennegau-Holland und Johann II. von Brabant, ein Schutz- und Treuebündnis mit der Klausel, den Vertragspartnern ihre Lehen zu bestätigen, sollte einer von ihnen zum rex Romanorum gewählt werden.

Leo Heinrich Dr.: Seite 595-596
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Da Johann schon längere Zeit am Stein litt, berief er dem letztgenannten Jahre einen brabantischen Landtag, um auf demselben noch Landesordnungen für den Fall seines Absterbens zu geben. Er erklärte, keiner seiner Nachfolger habe das Recht, eine nicht hergebrachte außerordentliche Steuer vom Lande zu fordern; hergebrachte außerordentliche Steuern seien aber nur die Beden bei der Lösung des Herrn aus der Gefangenschaft, und bei der Verheiratung oder dem Ritterschlag seiner Kinder. Kein Brabanter solle anders nach hergebrachtem Recht gerichtet, keine Stadt bei ihren Freiheiten bedrückt werden.
Ferner ordnete er einen Ausschuß der Stände an, bestehend aus 4 guten Rittern, 3 Abgeordneten von Brüssel, 1 von Löwen, 1 von Antwerpen, 1 von Hertogenbosch, 1 von Tienen (Tirlemont) und 1 von Leeuwe (Leau). Dieser Ausschuß sollte alle drei Wochen einen Tag halten auf dem Saal in Kortemberge und über des Landes Bestes beraten; vorher aber sollten seine Glieder einen Eid leisten, daß sie dem Herzoge und allen Lehensleuten von Brabant ihr Recht wahren wollten. Abgehende Glieder desselben sollten durch Wahl des Ausschusses und der Stände ersetzt werden. Sollte der Herzog oder einer seiner Nachfolger gegen hergebrachtes, offenkundiges Recht der Untertanen verfahren, so sollen die Stände auch ihm sein Recht verweigern können.
Die Geistlichkeit von Brabant, welche damals noch keinen integrierenden Teil der Ständeversammlungen gebildet zu haben scheint, erhielt durch eine Urkunde vom 3. Oktober ebenfalls ihr hergebrachtes Recht zugesichert. Hierauf starb der Herzog am 27. desselben Monats. Von seiner Gemahlin Margaretha (Tochter Eduards I. von England) hinterließ er nur einen Sohn, seinen Nachfolger: Johann III. [1 Aber eine ganze Reihe Bastarde: Jan van Cosselaer, Herrn von Witthem; Jan van Wytvliet, Herrn von Blaesvelde; Jan van Cordekin, Herrn van Glims; Jan Magermon und Jan Esselen.].
 
 
 
 

 8.7.1290 London
   oo Margarete von England, Tochter des Königs Eduard I.
        11.9.1275-11.3.1333
 
 
 
 
 

5 Kinder:

  Johann III. der Prächtige
  1300-5.12.1355
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 162,178,180 - Bock, Friedrich: Englands Beziehungen zum Reich unter Adolf von Nassau. Seite 216 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 257 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 26,29 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 590-596 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 21 -