Johann I. der Siegreiche                  Herzog von Brabant (1268-1294)
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1252/53-3.5.1294
Brüssel   Lierre
 

2. Sohn des Herzogs Heinrich III. der Friedfertige von Brabant und der Adelheid von Burgund, Tochter von Herzog Hugo IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 506
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Johann I., Herzog von Brabant seit 1267
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* 1252/53, + 3. Mai 1294
                   Bar an den Folgen von Turnierverletzungen

Sohn von Heinrich III.

    1270
  1. oo Margaretha, Tochter Ludwigs IX. von Frankreich
                   -   1271

    1273
  2. oo Margaretha, Tochter von Gui III. von Dampierre, Grafen von Flandern
                    -   1285

Johanns älterer Bruder, Heinrich IV., war beim Tode des Vaters minderjährig und schwachsinnig. Die umstrittene Regentschaft der Mutter, Aleidis, brachte Brabant an den Rand des Bürgerkrieges. 1267 leistete Heinrich IV. zugunsten Johanns Verzicht auf seine Rechte. Johann erwarb sich bleibenden Ruhm durch den großen Sieg, den er bei Worringen am 5. Juni 1288 über den Erzbischof von Köln errang (Limburger Erbfolgekrieg, 1283-1289). 1289 wurden seine Ansprüche auf das Herzogtum Limburg anerkannt. Der Herzog galt späteren Generationen als Muster höfischen Rittertums. Er entfaltete an seinem Brabanter Hof ein blühendes literarisches Leben und trat selbst als mhd. Dichter hervor (9 Minnelieder in der Großen Heidelberger [Manessische] Handschrift.



Thiele, Andreas: Tafel 21
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

JOHANN I. "DER SIEGREICHE"
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* 1253, + 1294 gefallen

Sohn des Herzogs Heinrichs III. des Friedfertigen

Johann I. der Siegreiche folgte seinem schwachsinnigen Bruder Heinrich IV. unter Vormundschaft seiner Mutter in der Regierung. Er war ein prachtliebender Draufgänger, leutselig, ein eifriger Bahnbrecher des französischen Einflusses am Niederrhein. Er hatte engste Beziehungen zum französischen Hof und zog 1275/76 und 1284/85 mit seinem Schwager Philipp III. von Frankreich gegen Aragon. Er war jahrelang Mitregent in Holland und gab letztlich seine Hoheitsansprüche über S-Holland auf, um Hollands Hilfe im Limburg-Erbfolgekrieg 1280 zu gewinnen. Er verbündete sich auch mit Kleve, Berg, Altena-Mark und der Stadt Köln gegen den Erzbischof von Köln und Geldern und Limburg. In der siegreichen Schlacht bei Worringen 1288 nahm er den Erzbischof von Köln gefangen, sicherte sich die Schirmvogtei über das Bistum Lüttich und gewann das Herzogtum Limburg. Er wurde 1292 durch König ADOLF VON NASSAU Reichspfleger am Niederrhein, errang damit de facto die volle Unabhängigkeit vom Deutschen Reich und markierte den Höhepunkt seines Hauses. Er kodifizierte das Recht, unterwarf hart den Landadel, förderte sehr das Rittertum und war wie schon sein Vater dichterisch tätig. Johann war einer der berühmtesten Turnierer seiner Zeit und starb an den Folgen einer schweren Verwundung, die er am 20.9.1293 im Turnier zu Bar-le-Duc erhalten hatte.

  1. oo 1270
          MARGARETE VON FRANKREICH
                      + 1271 im Kindbett

Tochter Ludwigs des Heiligen

  2. oo 1273
           MARGARETE DE DAMPIERRE
                      + 1285

Tochter des Grafen Guido von Flandern und Namur



Berg Dieter: Seite 162
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"Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters."

Ähnlich abwartend verhielt sich der PLANTAGENET bei den Verhandlungen mit Herzog Johann I. von Brabant, mit dem 1278 Gespräche über eine Eheschließung der englischen Königstochter Margarethe mit dem Sohn des Herzogs, Johann, begonnen wurden und erst im Jahre 1280 mit der Heirat der Kinder ihren Abschluss fanden.

Hoensch, Jörg K.: Seite 24
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Als 1281 das limburgische Herzogshaus mit Walram IV. im Mannesstamm ausstarb, meldete seine mit Reinald von Geldern verheiratete Tochter Irmgard, die aber bereits 1283 kinderlos starb, und Graf Adolf von Berg, ein Vetter des Toten, ebenso Erbansprüche an wie Gerhard von Durby als Sohn und Heinrich VI. von Luxemburg als Enkel Walrams III. Gerhard, der Senior des Hauses LUXEMBURG-LIMBURG, und Adolf verkauften ihr Anrecht an Herzog Johann I. von Brabant, der zum Niederrhein vorstoßen und die dort verlaufende Handelsstraße seiner Kontrolle unterstellen wollte. Graf Heinrich VI., dem Reinald von Geldern die weitgehenden Rechtstitel seiner verstorbenen Frau abgetreten hatte, sagh bei einem Erfolg die einzigartige elegenheit, sein Territorium  weit in den niederländischen Raum vorzuschioeben und dort eine führende Rolle zu übernehmen. Nachdem er sich 1287 gegen den Bischof von Lüttich durchgesetzt hatte, konnte er den Erzbischof von Köln auf seine Seite ziehen, worauf er sich am 5. Juni 1288 bei Worringen einer Entscheidungsschlacht, einem der letzten großen Reitertreffen des Mittelalters stellte, die ihm, drei Brüdern und vielen luxemburgischen Rittern das Leben kostete und mit einem vollständigen Sieg der gegnersichen Koalition endete.

Leo Heinrich Dr.: Seite 584,586-590
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Im Jahr 1269 heiratete Johann die Prinzessin Margarethe von Frankreich, verlor sie aber schon 1271 wieder durch den Tod, und heiratete dann 1273 zum zweiten Male Margaretha, die Tochter Guis de Dampierre.
Die Verhältnisse, welche Herzog Johann mit der limburgischen Erbschaft in Verbindung brachten, sind bereits in der luxemburgischen Geschichte dargestellt [1 Siehe oben Seite 524ff. Nach Butkens Berechnung hätten sich die Summen, welche Johann für Limburg gab, auf 6.025 livres de Louv. und 4.381 Mark (wahrscheinlich Cöln) belaufen.], auch in wiefern die Schlacht von Worringen in dieser Angelegenheit entscheidend war. Reinald von Geldern blieb ungefähr 16 Monate des Herzogs Johann Gefangener, bis König Philipp IV. von Frankreich, den sowohl der Graf Reinald von Geldern, als auch Johann zum Schiedsrichter wählten, im Oktober 1289 folgenden Ausspruch tat [2 Butkens preuves, p.123,124.]: Reinald solle die Freiheit erhalten, dagegen auf alle Ansprüche an limburgische Territorien für alle Zeit verzichten; desgleichen auf Duisburg, Wassenberg, Herve und Spremont und die damit verbundenen Herrschaften [3 Wassenberg war an den Erzbischof vonKöln für 8.600 Marl Cöln.verpfändet; davon sollte Reinald dem Herzoge Johann 4.300 Mark zur Beihilfe bei der Auslösung zahlen, auch andere auf Duisburg und Wassenberg, Herve und Spremont gemachte Schuden selbst abtragen.]. Dagegen solle der Herzog seine Eroberungen, nämlich Bommelreweert und Thielreweert, herausgeben an Geldern, doch dürfe er vorher die Veste von Driel schleifen, die er selbst darin gebaut, und Graf Reinald brauche Teile, was er erobert und zerstört hatte, nur so zurückzugeben, wie es sei, ohne Schadenersatz. Auch sollten alle Verbündete in diesen Frieden eingeschlossen werden.
Diesen Ausspruch nahmen Herzog Johann und Graf Reinald an. Außer Limburg, Spremont, Rode, Wassenberg, herve und Duisburg nebst den damit verbundenen Herrschaften, erhielt Brabant durch deisen Frieden eine große Anzahl neuer Vasallen.
Vor der diplomatisch anerkannten Erwerbung Limburgs fällt auch noch der Tod der Gemahlin Johanns im Jahr 1285, und ein zweiter Zug mit dem König von Frankreich nach der pyrenäischen Halbinsel im selben Jahre.
Bei Gelegenheit der Hochzeit Heinrichs von Bar mit einer englischen Prinzessin wurde Herzog Johann im Turnier von dem Ritter Pierrede Beaufremont schwer verwundet; nach einem längeren Herumsiechen starb er in Folge davon am 3. Mai 1294. Von seiner zweiten Gemahlin, Margaretha von Flandern, hinterließ er einen Sohn [1 Ein Sohn Gottfried war vor dem Vater gestorben. - Außerdem waren noch vier natürliche Söhne übrig: Jan Meeuve, nachmals Herr von Dongelberghe, Jannekin van Mecheln, Jan Pylisar, und endlich Jan van der Plast.] und zwei Töchter. Jener war sein Nachfolger, Johann II., von diesen war die ältere,Margaretha, die Gemahlin HEINRICHS VON LUXEMBURG; die jüngere, Marie, wurde später an einem Grafen von Savoyen verheiratet.
 
 
 
 
 
 

    1270
  1. oo Margarethe von Frankreich, Tochter des Königs Ludwig IX.
           1254-   1271         (Braut seines Bruders)

        Sie starb im Kindbett.

    1273
  2. oo Margarethe von Flandern-Dampierre, Tochter des Grafen Guido
           um 1250/55-3.7.1285
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Gottfried
  1273/74-13.9.1283

  Johann II. der Friedfertige
  27.9.1275-27.10.1312

  Margarete
  4.10.1276-14.12.1311

 9.6.1292
  oo HEINRICH VII. von Luxemburg Deutscher König
       1274/5-24.8.1313

  Maria
  um 1278- nach 2.11.1338

6.2.1305
  oo 2. Amadeus V. Graf von Savoyen
          1253-16.10.1323
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 162 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 257 - GELRE GELDERN GELDERLAND. Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern. Verlag des Historischen Vereins für Geldern und Umgebung 2001 Band I Seite 117- Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 18,24 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 581-590 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 21 -