Heinrich I. der Streitbare                Herzog von Brabant (1190-1235)
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1165-5.9.1235
          Köln
 

Ältester Sohn des Herzogs Gottfried III. von Brabant aus seiner 1. Ehe mit der Margarete von Limburg, Tochter von Herzogs Heinrich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 2066
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Heinrich I., Herzog von Brabant
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* 1165, + 5. September 1235

Ältester Sohn von Herzog Gottfried III. von Brabant und Margaretha, Tochter Graf Heinrichs II. von Limburg

    1179
  1. oo Mathilde, Tochter des Grafen Matthias von Boulogne
                 -   1210/11

    1213
  2. oo Maria, Tochter König Philipps II. August
                   -

Nach Mitregentschaft (1183) folgte Heinrich 1190 dem Vater nach. Als einer der mächtigsten Reichsfürsten strebte er nach Wiederherstellung der alten niederlothringischen Herzogswürde, doch durchkreuzte Graf Balduin V. von Hennegau seine Pläne (Hoftag von Schwäbisch Hall, 1190). Heinrichs Politik war durch häufige Frontwechsel im staufisch-welfischen Konflikt geprägt. Er setzte die Wahl seines Bruders Albert zum Bischof von Lüttich durch. Als Albert 1192 ermordet wurde und der Verdacht auf HEINRICH VI. fiel, betrieb eine Fürstenopposition die Absetzung des Kaisers und die Inthronisation Heinrichs. Dieser, der 1197 auf dem 3. Kreuzzug eine gewichtige Rolle als Oberbefehlshaber spielte, erlitt in späteren Jahren Rückschläge (1213 Niederlage bei Steppes gegen den Bischof von Lüttich, 1214 bei Bouvines als Verbündeter OTTOS IV.). Geldknappheit infolge seiner aufwendigen Politik erklärt wohl den ruhigen Verlauf der letzten Regierungszeit Heinrichs.



Brandenburg Erich: Tafel 26 Seite 53
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV 596 a. HEINRICH I., Herzog von Brabant 1190
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* ca. 1158, + 1235 5. IX..

Gemahlinnen:
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a) vor 1179
Mathilde, Tochter des Mattheus von Elsaß, Graf von Boulogne (siehe XIV. 108.)
        + 1210 oder 1211

b) 1213 22. IV.
Marie, Tochter des Königs Philipp II. von Frankreich
        + 1223 oder 1224 5. VIII.

Anmerkungen: Seite 154
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XIV. 596.-599

Knetsch 21f. Über Gottfried (589); Cokayne 8, 178f.



Thiele, Andreas: Tafel 20
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

HEINRICH I. "DER STREITBARE"
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* um 1158, + 1235

Sohn des Herzogs Gottfried III.

Heinrich I. folgte 1183 dem abdankenden Vater. Er war der typische Vertreter eines intrigenreichen, rücksichtslosen, politischen Opportunismus, machte den 3. Kreuzzug mit und war 1192-1194 führend an der Reichsrebellion gegen Kaiser HEINRICH VI. beteiligt, der wohl Heinrichs bischöflichen Bruder ermorden ließ. Er stützte sich auf England und die WELFEN, war 1196-1198 der Führer eines Kreuzzugs-Heeres nach Palästina und verhinderte 1199 die Krönung PHILIPPS VON SCHWABEN in Aachen, unterwarf sich ihm aber 1204. Nach dessen Ermordung war er zeitweise französischer Kandidat für den deutschen Thron, blieb bis 1213 französischer Verbündeter, ging zu OTTO IV. über, kämpfte 1214 bei Bouvines mit und unterwarf sich anschließend Kaiser FRIEDRICH II. Er bekam Maastricht als Reichslehen, war 1212/13 wegen heftiger Fehden mit dem Bischof von Lüttich gebannt und verlor 1213 überraschend die Schlacht bei Steppes. Er zog 1217/18 mit gegen Ägypten und nahm an der Schlacht bei Damiette teil. Er stritt ständig mit den Nachbarn Hennegau, Holland und Limburg wegen des Einflusses im Bistum Lüttich, mit Holland wegen Lehensfragen. Er unterstützte in Holland Graf Wilhelm I., erzwang die Hoheit über S-Holland, stand auch gegen Flandern und förderte da 1225/26 den "Falschen Balduin". Er wurde 1222 Mitregent in Holland, war zeitweise Lehensherr über Namur und sicherte sich mit seiner Heiratspolitik nach allen Seiten ab. Trotz seiner weitverzweigten verwandtschaftlichen Beziehungen galt er als der wankelmütigste und treuloseste Herrscher seiner Zeit.

  1. oo MATHILDE VON LOTHRINGEN(-FLANDERN)
                      + 1210/11

Tochter des Grafen Matthäus von Boulogne und der Marie de Blois von England

  2. oo MARIE VON FRANKREICH
           * 1198, + 1224

Tochter des Königs Philipp II. August von Frankreich



Die Chronik des Otto von St. Blasien.: Seite 70,77
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Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. Alfred Lorentz/Leipzig 1941 -

1195
42. In diesen Tagen (8 1197) begeisterte eine dritte Fahrt über das Meer viele Fürsten unserer Länder mit vielen anderen zur Reise nach Jerusalem. Unter ihnen hatten den Vorrang der ehrwürdige Erzbischof Counrad von Mainz [9 Schon Weihnachten 1196 begab sich Conrad von Mainz über Verona und Piacenza nach Apulien; März 1197 traten 30 Schiffe die Fahrt an.] und Cuonrad der Kanzler, der Bischof von Würzburg, erlauchte Männer. An diesem Zuge nahmen teil: Friedrich, Herzog von Oestreich, der Sohn Leopalds (V.), der für das Seelenheil des Vaters auf diesem Wege sein Leben den Tode preisgeben sollte, aber wie zu hoffen ist, nur dem irdischen - es folgte ihm im Herzogtu Leopald (VI.), sein Bruder - und auch Heinrich, Pfalzgraf vom Rhein, der Sohn des Herzogs Heinrich von Sachsen, der Schwestersohn des Königs von England, der Bruder des Kaisers Otto (IV.), mit dem Herzog Brabants [1 Heinrich] von Loewen und vielen anderen berühmten Baronen nahmen mit auserwählter Mannschaft das Kreuz und fuhren, in dem Wunsche, Christi nachzufolgen der Kirche jenseit des Meeres zu Hilfe übers Meer, wo sie noch viele von dem früheren Zuge fanden.

1198
46. Der Erzbischof von Köln aber und der von Trier und einige Bischöfe und Heinrich, der Pfalzgraf von Rhein [8 Heinrich, der Pfalzgraf war noch nicht aus dem heiligen Lande zurückgekehrt.], mit anderen Baronen jener Gebiete vereinigt, erklärten die Wahl des Sohnes des Kaisers für ungültig, und beriefen den Herzog Bertold (V.) von Zähringen, da sie ihn zum König wählen wollten. Als dieser zum bestimmten Tage nach Köln gekommen war, wurde ihm von seinen Räten abgeraten, ihrer Wahl zuzustimmen, wegen des Widerspruchs der östlichen Fürsten und wegen der bereits erfolgten Wahl des Sohnes des Kaisers, und er versprach, darüber nachzudenken [1 Sicher ist in Köln bereits eine Designation Bertholds V. erfolgt; sonst wäre die Stellung von Geiseln nicht recht erklärlich.]. Er kehrte also zurück, nachdem er Geiseln gestellt hatte, und versprach, daß er am bestimmten Tage wiederkommen werde [2 Er versprach nach Andernach zu kommen und sich dort wählen zu lassen.]. Da er aber nicht zurückkehrte [3 Berthold war ein geiziger Herr; nachdem er 6.000 Mark für seine Wahl bereits ausgegeben, verzichtete er angesichts neuer Ausgaben auf die Krone.], wurden die Geiseln festgehalten, und die Fürsten zwangen sie, das Geld zu geben, welches er beziehungsweise versprochen hatte. Sie schickten dann den Grafen Emicho (III.) von Leiningen und beriefen Otto, den Sohn Heinrichs, des einstigen Herzogs von Baiern und Sachsen, und wählten ihn, als er kam, zum König unter Begünstgung einiger Städte jener Länder [4 Otto, Graf von Poitou, wurde am 9. Juni 1198 in Köln gewählt.]. Da nun die Fürsten des Reiches also in solcher Weise gespalten waren, traf das diesseits der Alpen gelegene Reich das Mißgeschiock allgemeiner Verheerung. Denn die Fürsten, welche an den Königswahlen nicht teilgenommen hatten, hielten es nachmals bald mit dem einen, bald mit dem anderen, nämlich Leoplad [5 Leopold VI.], der Herzog von Oestreich, und der König [6 Otakar Przemysl] von Böhmen, und auch der Landgraf [7 Hermann] von Thüringen, und Bertold von Zähringen mit Philipp, der Herzog von Brabant [8 Heinrich I.] und einige andere mit Otto.

Leo Heinrich Dr.: Seite 561-575
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Er hinterließ von seiner ersten Gemahlin:
   1) seinen Nachfolger Herzog Heinrich II.
   2) Gottfried von Löwen Herrn von Beaucignies u.s.w.
   3) Marie, Gemahlin König OTTOS IV.
   4) Margaretha, Gemahlin Gerhards von Geldern
   5) Adelheid, Gemahlin: a) Arnold von Looz, b) Guillaume d'Auvergne
   6) Mathilde, Gemahlin Florens von Holland
Von seiner zweiten Gemahlin hatte Heinrich nur zwei Töchter:
  1) Elisabeth, vermählt a) mit Dietrich von Dinslaken, Sohn Dietrichs IV. von Kleve, b) Gerhard von
      Limburg
  2) Marie


  1. oo Mathilde von Boulogne, Tochter des Grafen Matthäus von Flandern
           um 1159-   1210/11

  22.8.1213
  2. oo 2. Maria von Frankreich, Tochter des Königs Philipps II. August
              1198-15.8.1223

        1. oo Philipp Graf von Namur
                  um 1175-   1212
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe 7 K

  Heinrich II. der Großmütige
  um 1207-1.2.1248

  Maria
  um 1191- nach 9.3.1260

    19.5.1214
  1. oo 2. Kaiser OTTO IV.
              1182-19.5.1218

    1220
  2. oo 2. Wilhelm I. Graf von Holland
               um 1165-4.2.1223

  Margarete
           -21.9.1231

  oo Gerhard III. Graf von Geldern
              -22.10.1229

  Adelheid Gräfin von Boulogne
          -   1261/78

  1. oo Arnulf Graf von Looz
                - vor 6.10.1221

   3.2.1225
  2. oo Wilhelm XI. Graf von Clermont und Auvergne
                 -   1246

  12.4.1251
  3. oo Arnold, Herr von Wesemaele, Marschall von Brabant
                  - nach 1288

  Mathilde
         -21.12.1267

    1212
  1. oo Heinrich II. Pfalzgraf bei Rhein
        um 1195-1.5.1214

    1224
  2. oo Florenz IV. Graf von Holland
          24.6.1210-19.7.1234

  Gottfried von Löwen, Herr von Baucignes, Leeuwe und Gaesbeek
  1209-21.1.1253

2. Ehe 2 K

  Elisabeth Erbin von Sprimont
  um 1215/20-23.10.1273

  1. oo Dietrich von Kleve, Herr zu Dienslaken
                 -23.10.1273

  2. oo 2. Gerhard von Limburg Herr zu Wassenberg
                      -   1254

  Maria
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Ahlers Jens: Die Welfen und die englischen Könige 1165-1235. Verlag August Lax Hildesheim 1987 Seite 56,158,159,167,183,185,188,198,203,214-216,218,223,225,229,241,242,246,247,250,251 - Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 81,85,89,94,101,108,113 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 26 Seite 53,154 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 82,109,110,111,113,199, 172 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 47,56,77,84,93,105,126,145,147,149,154,156,164,179,181,193,202 - Die Chronik des Otto von St. Blasien. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. Alfred Lorentz/Leipzig 1941 Seite 70,77 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 150 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 155,163 - Gillingham John: Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf 1981 Seite 297 - Hucker Bernd Ulrich: Otto IV. Der wiederentdeckte Kaiser. insel taschenbuch 2557 2003 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 561-575 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Seite 98-156 - Mühlbacher, Josef: Lebensweg und Schicksale der staufischen Frauen. Bechtle Verlag Esslingen 1977 Seite 86-91 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 867,869, 871-872 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 244 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 311, 320 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 102,152,164,169,185,218 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 20 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 11,102,123-125,133,144-148,165-167,169,171,183 A,187,227,291,331 - Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 92,101,103,164,217, 219-231,240,244,260,280-282,290,295,296,298,318,387,390,414-416,460,477 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 60,83-85,89,131,132,143,147,156,159,181,202, 210,219,221,244,249,250,306,311-314,319-322,331-335,359,361,364,365,368,372,396,397,398,404, 421,425,437,440,442,462 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Band I Seite 39,170,250,312,321,331,442/Band II Seite 109,118-120,127,154,157,281,300,304,329, 341,348,354, 355,358-360,363-371, 375,376,380-382,384,391,393,395,458,467 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II., Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Band I Seite 16,39, 45,58,351,361,396,397,398,400,401,403,404,408,451,458,497,499,501,539-541 -