BRABANT
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Seite 528
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Brabant
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I. VERFASSUNGS- UND TERRITORIALENTWICKLUNG IM HOCHMITTELALTER

Brabant, Herzogtum (der Landesname lebt in den Provinzbezeichnungen "N-Brabant" [Niederlande] und "Brabant" [Belgien] fort). Die Etymologie ist ungesichert; das Grundwort -bant dürfte 'Raum', 'Region' bedeuten (vgl. die Namen Teisterbant [in Holland], Osterbant), das Bestimmungs-Wort (Brac- u.a.) hat bisher keine befriedigende Erklärung gefunden. Im Vertrag von Meersen (870) werden "in Brachbanto comitatus IIII" erwähnt. Die Grenzen dieses Großgaus wurden im Norden und Westen von der Schelde, im Osten von der Dilöe (Dyle), im Süden von der Haine gebildet. Bonenfant nimmt an, dass der Gau ungefähr dem Cambraier Archidiakonat Brabant und die vier im Vertrag von Meersen (870) erwähnten Comitate vier Dekanaten entsprochen hätten, jedoch ist diese Unterteilung nicht unproblematisch. Über die genaue Ausdehnung der Grafschaft Brabant tappt man im dunkeln, da sie bis zum Ende des 10. Jh. nur sehr selten genannt wird. Die Geschichte des "Herzogtums Brabant" beginnt nicht vor dem Ende des 12. Jh. Grundlage war zum einen der ca. 959 von Brun, Erzbischof von Köln, eingerichtete Dukat (Nieder-)Lothringen, zum anderen die territorialen Besitzungen der alten lothringischen Herzogssippe, der REGINARE. Die niederlothringische Herzogswürde war 977 von OTTO II. dem westfränkischen KAROLINGER Karl, Bruder König Lothars, übertragen worden, während zur gleichen Zeit die Söhne Lambert und Reginar des 958 wegen Aufruhrs enteigneten und verbannten Reginar III. ihr Erbgut mit Ausnahme von Mons zurückerhielten. Lambert, der mit Karls Tochter Gerberga verheiratet war, gelang es zwar nicht, nach dem Tode von Karls Sohn Otto (ca. 1006) mit dem niederlothringischen Dukat belehnt zu werden, aber er vereinigte in seiner Hand die Grafschaften Löwen und Brabant (mit dem von Karl zum Zentralort ausgebauten Brüssel). Das Herzogsamt ging zunächst auf das sogenannte ARDENNER-Haus (Grafen von Verdun) über. Gegen Ende des 11. Jh. erscheint als Nachfolger des ins Heilige Land gezogenen Gottfried von Bouillon Graf Heinrich von Limburg als Inhaber des Herzogtums. Heinrich, letzter Gefolgsmann des alten Kaisers, wurde von dessen Sohn HEINRICH V. abgesetzt, das Amt ging auf Gottfried von Löwen, Urenkel Lamberts und Gerbergas, über. Zwar gelang es den LIMBURGERN, mit Heinrichs Sohn Walram noch einmal (1128-1139), die niederlothringische Herzogswürde zu erringen, aber mit Gottfrieds gleichnamigen Sohn wurden dann die Grafen von Löwen endgültig zu ständigen Inhabern des Titels. - Die Zählung der Gottfriede als niederrheinische Herzöge ist in der modernen Literatur nicht einheitlich, üblicherweise werden sie aber in nachstehender Reihenfolge aufgeführt:
Gottfried V. (1106-1128)
Gottfried VI. (1139-1142)
Gottfried VII. (1142-1190)
dann Heinrich I. (seit 1183 Mitregent, 1190-1235)
Heinrich II. (1235-1248)
Heinrich III. (1248-1261)
Johann I. (* 1252/53, Herzog 1267-1294)
Johann II. (1294-1312)
Johann III. (1312-1355)
Johanna mit Herzog Wenzel von Luxemburg als mainbour (1355-1406, Johanna ist kinderlos gestorben).
Als die Grafen von Löwen die niederlothringische Herzogswürde endgültig übernahmen, war diese schon nicht mehr mit einem Monopolanspruch auf den herzoglichen Rang im niederländischen Raum verbunden. Schon Gottfried VI. (1139-1142) war vor seiner Einsetzung gelegentlich als Herzog von Löwen erwähnt worden, und die LIMBURGER wurden nach 1139 zunächst auch als Herzöge von den Ardennen, später als Herzöge von Limburg bezeichnet. Dass man im 12. Jh. den alten "ducatus regni Hlotarii" nicht mehr als alleinige Rechtsgrundlage für die Macht des niederlothringischen Fürstentums betrachtete, kam im Titel der Herzöge aus dem Hause LÖWEN zum Ausdruck: Zunächst tritt neben "dux Lotharingiae" der Zusatz "comes", dann "dux Loviniae", schließlich (zuerst 1188) "dux Brabantiae". Was die Herzöge bewogen hat, ihre Bezeichnung zu wechseln, ist noch nicht in befriedigender Weise ermittelt worden. Der Ruf der aus Brabant stammenden Söldner, der Brabanzonen, könnte vielleicht dazu beigetragen haben, den Herren ihres Landes als Herzog von Brabant zu bezeichnen, aber ob dies dann den Fürsten selbst zu der Titeländerung bewogen hat, bleibt fraglich. Im übrigen haben die Herzöge von Brabant nie auf ihren legitimen Titel verzichtet; nach dem Erwerb Limburgs (1283/88) lautet dieser (in französischer Fassung) durchweg N.N. "par la grace de Dieu, duc de Lothier, de Brabant et de Limbourg et marquis du Saint Empire", wobei sich der Titel "marquis" auf die 1106 Brabant angegliederte Grafschaft Antwerpen bezog. Die Bedeutung des niederlothringischen Dukats stand 1184/90 zur Debatte, als FRIEDRICH BARBAROSSA und HEINRICH VI. die Erhebung des Grafen von Hennegau in den Reichsfürstenstand betrieben, und zwar sollte dabei die Grafschaft Namur mit den Grafschaften Luxemburg, Laroche und Durbuy zu einer Markgrafschaft zusammengefasst werden. Als diese Absichten 1190 publik wurden, protestierte Herzog Heinrich I. dagegen, weil dies seine Stellung mindere. Sein Herzogtum reiche bis zum Truncus Berengeri, das heißt bis zur Grenze von Artois, Cambresis (Cambrai) und Vermandois, schließe also den Hennegau  ein. Der Kanzler Giselbert von Mons erwiderte darauf als Vertreter des HENNEGAUERS, weder Namur noch Laroche oder Hennegau hätten je zum Herzogtum (Lothringen) gehört. (In seiner Chronik bezeichnet Giselbert sicherheitshalber den Herzog stets als "duc Lovaniensis".) Es wurden dann auf einem Hoftag zu Schwäbisch Hall zwei Urteile gefällt: das eine vom Grafen von Flandern, demzufolge der Hennegauer zum Markgrafen und Reichsfürsten erhoben werden dürfe, da der Herzog nicht nachweisen könne, dass seine Herzogsgewalt auch in dessen Ländern gelte. Das andere Urteil wurde vom Markgrafen von Meißen gefunden: der "dux Lovaniensis" habe den "ducatus" nur in den Grafschaften inne, die er selbst halte oder die von ihm zu Lehen gingen. Herzog Heinrich zählte dann die folgenden auf: Löwen, Nijvel (Nivelles) und Aarchot, die er selbst halte, Geldern, Kleve und Loon (Looz), die von ihm zu Lehen gehalten würden. Der Graf von Loon protestierte darauf sogleich, seine Grafschaft gehe vom Bischof von Lüttich zu Lehen. Die Argumente Gisleberts und die beiden Urteile zeugen deutlich, dass man am Ende des 12. Jh. die Institution des Dukats auf die unmittelbare und auf die lehnsrechtlich gebundene Herrschaft des Fürsten reduzieren wollte. Dies ist  zwar im wesentlichen gelungen, doch haben die Brabanter Herzöge auch später ihren Anspruch auf eine weiterreichende Geltung ihres Amtsbereichs nicht nur im Titel kundgetan. Die expansive Territorialpolitik der Herzöge von Brabant im Spätmittelalter, die ihren Höhepunkt in der Schlacht bei Worringen (1288) mit der Eroberung des Herzogtums Limburg erreichte, hat Brabant zwar zur Großmacht im Nordwesten gemacht, doch ist es den Herzögen nicht gelungen, ihr Fürstentum zu einer unbestrittenen Hegemonialmacht zwischen Schelde, Maas und Rhein auszubauen. Zum einen gab es mit Flandern, Hennegau (seit 1299 Personalunion mit Holland-Seeland) in dem Erzbistum Köln ebenbürtige und mit dem Fürstbistum Lüttich und den Grafschaften Jülich sowie Luxemburg immerhin beachtenswerte Konkurrenten, die eine eindeutige Vormachtstellung unmöglich machten; zum anderen lag die territoriale Basis der Herzogsmacht doch zu weit im Westen.

II. TERRITORIALPOLITIK UND INSTITUTIONSGESCHICHTE IM SPÄTMITTELALTER

Die Regierungswechsel nach dem Tode Heinrichs (Hendrik) I. (1190-1235) und Heinrichs II. (1235-1248) verliefen problemlos. Nach dem Tode Heinrichs III. (1248-1261) ergaben sich jedoch Schwieirigkeiten, da dessen ältester Sohn Heinrich IV. (1261-1267) minderjährig und zudem schwachsinnig war. Aleidis, die Herzogin-Mutter, übte die Regentschaft aus, bis ihr jüngerer Sohn, Johann (Jan) I. (1267-1294), nach Eintritt seiner Volljährigkeit die Regierung übernahm. Zum Zeitpunkt des Todes Johanns II. (1294-1312) war sein einziger Sohn Johann III. (1312-1355) noch minderjährig. Es wurden zwei Regenten eingesetzt. Ihre Regierung stieß auf starken Widerstand der Städte, so dass sie 1314 abtreten mussten. Von 1314 bis 1320 sollten die Städte die Macht ausüben. Neue Schwierigkeiten ergaben sich nach dem Tode Johanns III., der nur weibliche Nachkommen hinterließ. Nach langen Unterhandlungen wurde seine älteste Tochter Johanna, die mit Herzog Wenzel (Wenceslas) von Luxemburg vermählt wurde, vom Lande als Nachfolgerin anerkannt (1356-1406). Als Wenzel 1383 starb, waren aus der Ehe noch keine Kinder hervorgegangen. Im Jahre 1390 designierte Johanna, gegen Aspirationen der LUXEMBURGER auf das Brabanter Erbe, ihre Nichte Margarete von Male, Tochter ihrer Schwester Margareta (oo mit dem Grafen von Flandern), als ihre Nachfolgerin. Margarete von Male war Gattin Philipps des Kühnen, des Herzogs von Burgund und Grafen von Flandern. 1404 übernahm Anton (Antoine), Philipps und Margaretes von Male zweitältester Sohn, die Regierung von Brabant, zunächst als Gouverneur. Nach dem Tode Johannas (1406) wurde er Herzog. Er fiel 1415 bei Azincourt; seine beiden Söhne Johann (bis 1427) und Philipp (bis 1430) folgten ihm. Unter Johann wurde 1426 die Universität Löwen gegründet. Nach Philipps Tod fielBrabant an Philipp den Guten, Herzog von Burgund, und verblieb bei den Besitzungen der burgundischen VALOIS; die nachfolgende Eingliederung Brabants in den Verband der burgundischen Staaten gestaltete sich in mehreren Etappen. Durch die Ehe der Maria von Burgund (1477-1482) mit MAXIMILIAN kam Brabantdann mit den anderen burgundischen Besitzungen an das Haus HABSBURG.
Heinrich I. festigte die herzogliche Macht im nördlichen Teil von Brabant, wo die Herrlichkeit Breda eine brabantisches Lehen wurde. Aber er betrieb auch territoriale Expansionspolitik im Osten. Dieser sogenannte "Drang nach Osten" erreichte seinen Höhepunkt während der Regierung Johanns I. mit der Eroberung des Herzogtums Limburg (Schlacht bei Worringen 1288). Brabant wurde damit der mächtigste Staat im niederlothringischen Bereich. Seitdem trugen die Herzöge einen dreifachen Titel: "Herzog von Lothringen, Brabant und Limburg". Während der Regierung Johanns III. wurde dem noch der Titel "Markgraf des heiligen Reiches" hinzugefügt. Johann II. und vor allem Johann III. waren bestrebt, Mecheln, eine Enklave des Fürstbistums Lüttich in Brabant, in ihre Gewalt zu bekommen, was gegen Ende der Regierung Johanns III. auch gelang. Aus dem Erbfolgekrieg, der nach dem Tode Johanns III. entstand, ging jedoch der Graf von Flandern als Sieger hervor; ihm fielen Antwerpen und die Herrlichkeit Mecheln zu (Vertrag von Ath 1357).
Erst 1406, als Anton von Burgund seinem Vater Philipp dem Kühnen als Herzog von Brabant nachfolgte, kam Antwerpen wieder unter Brabanter Herrschaft. Während der Regierung der Herzogin Johanna waren die meisten brabantischen Territorien zwischen Maas und Rhein verpfändet worden, was einen spürbaren Rückgang des Einflusses von Brabant in diesen Gebieten zur Folge hatte.
Die ostwärts gerichtetebrabantische Territorialpolitik, die zur Bildung von Stützpunkten im Raum zwischen Rhein und Maas führte, trug den Herzögen von Brabant die Gegnerschaft der Grafen von Jülich und der Erzbischöfe von Köln ein. Schließlich kam es wegen der Brabanter Rheinpolitik zum offenen Krieg zwischen Brabantund den rheinischen Mächten, die in der Schlacht von Baesweiler (22. Juli 1371) den Sieg davontrugen. Gleichwohl hat Herzog Wenzel, Herzog von Brabant, die Versuche, ein Stützpunktsystem zwischen Maas und Ruhr zu errichten, nicht aufgegeben (1378 Erwerbung der festen Häuser Millen, Gangelt und Waldfeucht).
Die Brabanter Stände (Standen) entwickelten sich seit dem 13. Jh. Ein charakteristischer Moment in dieser Entwicklung waren die ständischen Bündnisse. Der erste Städtebund bildete sich 1261-1262. Anlass hierzu war der Kampf um die Vormundschaftsregierung für Heinrich IV. Fortan verbanden sich die Städte in Zeiten politischer Krisen zur Verteidigung ihrer Interessen (1313,1355,1372,1428). Nach dem Vorbild der Städte schlossen auch die anderen Stände in Krisenzeiten Bündnisse: so entstanden 1314 und 1355 Konföderationen der Abteien; und 1355 bildete sich ein Ritterbund, der in seinem Statut den Text der Urkunde des Städtebundes desselben Jahres im Wortlaut übernahm. Es sei bemerkt, dass die Weltgeistlichen in Brabant fiskalische Immunität genossen und sich daher nie in einer ständischen Vereinigung organisierten. Die Stände erreichten von den herzögen schriftlichen Konstitutionen; diese konstitutionellen Urkunden entwickelten sich allmählich zu einem Korpus des öffentlichen Rechts. Marksteine der Verfassungsentwicklung von Brabant waren die "Testamente" Heinrichs II. (1248) und Heinrichs III. (1261), die Charta von Kortenberg Johanns II. (1312), die flämische und die wallonische Charta Johanns III. (1314) und besonders die "Blijde Inkomst", erlassen von Johanna und Wenzel im Jahre 1356. Treibende Kraft bei der Brabanter ständisch-konstitutionellen Bewegung waren die großen Städte, die von ihren Auffassungen von "Volkssouveränität" ausgehend, die herzogliche Macht kontrollieren und einschränken wollten. Die führende Rolle von Brüssel und Löwen in der "nationalen" Politik wird im 14. Jh. auffallend deutlich; doch sollte sie im 15. Jh. allmählich durch die Koalition der Herzöge mit dem stets mächtiger werdenden Adel abnehmen. Trotz allen Machtzuwachses gelang es den Städten auch im 14. Jh. nicht, den großen Konstitutionen eine dauernde und immerwährende Geltung zu verschaffen. So blieb der Rat von Kortenberg, der nach der Charta von Kortenberg die herzogliche Verwaltung kontrollieren sollte, nur während kurzer Zeit aktiv. Die berühmte "Blijde Inkomst" wurde bereits nach einigen Monaten von Johanna und Wenzel zunächst wieder zurückgezogen. Die Dreierkonstellation Herzog - Adel - Städte sollte sich im übrigen definitiv zum Vorteil des Adels entwickeln.
Die auswärtige Politik des Herzogtums war durch eine Anzahl von Konstanten gekennzeichnet. Vielfach wurde bisher angenommen, dass das Hauptziel in der Beherrschung des Weges von Brügge nach Köln, wegen der Handelsinteressen der großen Brabanter Städte, bestand. Diese Interpretation muss aber differenziert werden. Es zeigt sich, dass die Beziehungen der Herzöge zu Deutschland auch stark durch ihre Stellung als Reichsfürsten und Herzöge von Nieder-Lothringen geprägt wurden. Die "Wiederherstellung" ihrer Würde und Macht als Fürsten von Nieder-Lothringen hat ihre Politik gegenüber dem Reich länger, als häufig angenommen wurde, bestimmt. Die Verwirklichung dieses alten Traums stieß unter Johann III. jedoch auf den wachsenden Widerstand der großen Städte. Diese forderten, dass der Herzog in erster Linie die Brabanter Eigeninteressen berücksichtigen solle. Die lothringischen Ambitionen des Herzogs wurden als zu abenteuerlich und zu kostspielig empfunden. So stand die "nationalistische" Brabanter Politik der Städte im scharfen Gegensatz zu lothringischer Politik der Herzöge. Seit der Regierung Heinrichs I. trachteten die Herzöge ihr Ansehen als Herzöge von Nieder-Lothringen durch glanzvolle Heiratsverbindungen zu erhöhen; namentlich sind eine Reihe von Ehen mit den Königshäusern des Reiches, Frankreich und England zu nennen. Hierbei spielten vielleicht auch ökonomische Interessen, besonders der Schutz des Brabanter Handels (Champagnemessen) und der Brabanter Textilproduktion (Wolleinfuhr aus England), eine Rolle. Die Beziehungen zum Bischof von Lüttich, zu dessen Diözesanbereich Brabant zum größten teil gehörte, waren traditionell sehr gespannt, was im Widerstand der Herzöge gegen die Jurisdiktionsgewalt Lüttichs über brabantische Untertanen begründet war (Kampf gegen das Tribunal de la Paix, Pläne für die Gründung eines eigenen Bistums für Brabant). Während der ersten Phase des Hundertjährigen Krieges sollte Brabant bei der Bildung der Koalition gegen Frankreich an der Seite König Eduards III. von England eine zentrale Rolle spielen. Mit der Machtübernahme durch die Burgunder war die selbständige Rolle des Herzogtums in der Außenpolitik beendet. Doch behielten die Herzöge von Burgund eine Anzahl traditioneller Elemente brabantischer Politik in ihren politischen Konzepten bei, namentlich die lothringische Aspirationen der Brabanter Herzöge.



Mittelbelgische Provinz

Brabant gehörte zum Herzogtum Lothringen, kam 959 zu Nieder-Lothringen. Seit dem 9. Jahrhundert erhoben sich die Grafen von Löwen zu großer Macht und einem derselben, Gottfried I., wurde 1106 die herzogliche Gewalt über die Lothrier, womit die markgräfliche Gewalt über Antwerpen verbunden war, verliehen. Allmählich ging der Titel des Herzogs von Lothringen in den von Brabant auf, seit Heinrich I. (1190-1235) galt nur noch dieser. Mit Johann III. starb 1355 die männliche Linie aus und seine Erbtochter Johanna heiratete Wenzel von Luxemburg. Nach dem kinderlosen Tode Johannas kam Brabant durch Vermählung an das burgundische Haus und zwar zunächst an ihren Großneffen Anton von Burgund, zweiten Sohn Philipps des Kühnen. Als dieser 1415 bei Azincourt fiel, und seine beiden Söhne, Johann IV. 1427 und dessen Bruder Philipp I. Graf von St. Pol 1430 kinderlos gestorben waren, wurde das Land als Erbteil Philipps des Guten förmlich Burgund zuerkannt. 1477 an HABSBURG, 1830 zu Belgien.
 
 
 
Haus LÖWEN
Gottfried I. der Bärtige 1114-1128
Gottfried II. 1128-1142
Gottfried III. 1142-1190
Heinrich I. 1190-1235
Heinrich II. 1235-1248
Heinrich III. 1248-1261
Heinrich IV. 1261-1267
Johann I. der Siegreiche 1267-1294
Johann II. 1294-1312
Johann III.  1312-1355
Johanna 1355-1406

 
Haus BURGUND
Anton von Burgund 1406-1415
Johann IV. 1415-1427
Philipp I. von St.-Pol 1427-1430