Hildebrand Ruth: Seite 10-18
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"Herzog Lothar von Sachsen"

Die Wirren, die mit dem Tode des Markgrafen Otto verbunden waren, wurden, so scheint es, zunächst durch seine Frau Adela von Löwen-Brabant ausgelöst, die sich nach dem Tode ihres Mannes mit dem Markgrafen Dedi von Wettin vermählte. Die Zeitgenossen, insbesondere Lampert von Hersfeld, schildern sie mit den abschätzigsten Worten: sie sei ein machthungriges Mannweib gewesen, eine Art Dämon. Ihrem zweiten Mann, Dedi von Wettin, übertrug sie den Kampf für das Erbe ihrer drei Töchter. Die drei Schwiegersöhne Adelas nahmen aktiv an diesem Kampf teil: Adalbert von Ballenstedt, dann Kuno von Northeim als Sohn des großen Sachsenführers und Egbert II., vom Vater Egbert I. Erbe eines bedeutenden Territoriums um Braunschweig. Er wurde als junger Schützling Dedis und der Adela, so scheint es, für sein Leben geprägt. Adelas Ehrgeiz war, ihre Töchter politisch besonders attraktiv zu verheiraten; Töchter - das bedeutete für sie: Schwiegersöhne.
Egbert I. feierte mit HEINRICH IV. zusammen das Weihnachtsfest in Mainz. In dieser Zeit muß der BRUNONE - so berichtet Lampert von Hersfeld - den Gedanken gefaßt haben, sich von seiner ersten Frau Immola, der Schwester der Kaiserin Berta, scheiden zu lassen, um die Witwe des ORLAMÜNDER Markgrafen zu heiraten. Aber er starb völlig unerwartet am 11.1.1070 [Richtig ist 2.1.1068]. Ein anderer interessierter Bewerber war sofort zur Stelle: Markgraf Dedi von Wettin, der bereits in erster Ehe mit der Frau des verstorbenen Wilhelm III. von Weimar-Orlamünde, dem Vater des Markgrafen Otto von Orlamünde, verheiratet gewesen war, also einen noch stärkeren Erbanspruch geltend machen konnte. Inzwischen war er ein älterer Herr geworden. Doch die ehrgeizige Adela wußte ihren Mann so zu bearbeiten, dass er beschloß, für die Erb- und Stieftöchter in den Kampf zu ziehen. Inzwischen hatte Adelas Tochter Adelheid den ASKANIER Adalbert geheiratet. So brach das Paar, Schwiegervater und Schwiegersohn, angestachelt von Adela, 1069, als HEINRICH IV. in Bayern weilte, auf, um sich sein "Recht" zu holen. Und es war tatsächlich die höchste Zeit, denn der König hatte bereits gehandelt. Seit 1067 verwaltete schon ein angesehener Ministeriale HEINRICHS IV. mit Namen Mazelin den Ostgau Hutisin, das Kernstück der ORLAMÜNDER Herrschaft, wo sicher noch bis zu seinem Tode Markgraf Otto gräfliche Funktionen ausgeübt hatte. Und ebendort erhielt ein anderer bedeutender Ministeriale HEINRICHS IV., Moricgo, eine auffallend große Schenkung von 24 Königshufen. HEINRICH IV. hatte schnell zugefaßt, um das ORLAMÜNDER Erbe in seine Hand zu bekommen. Als Orte, die Markgraf Dedi und sein Schwiegersohn berennen, werden ausdrücklich Nienburg an der Saale, Burgscheidungen und Beichlingen genannt. Nienburg war kaiserliche Abtei, für den Eroberer Adalbert von Ballenstedt attraktiv genug. Burgscheidungen war ebenfalls kaiserlich gewesen, bis es drei Jahre vorher, 1066, die Kaiserin Agnes an Bamberg gegeben hatte. Von Beichlingen - Burgscheidungen und Beichlingen wurden beide von Dedi berannt - wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht, wer der Besitzer war, wahrscheinlich aber war es doch ein Stück aus der orlamündischen Erbmasse, das HEINRICH IV. ebenfalls zurückhielt oder eingezogen hatte.
HEINRICH IV. rückte in Eilmärschen an und besiegte die beiden aufständischen Grafen vollständig. Adela mußte sich damit abfinden, dass ihrem Mann die Lust an diesem Abenteuer allmählich verging. Er schloß sich noch dem allgemeinen Aufstand an, machte aber 1074 mit dem Kaiser seinen Frieden und starb nach längerer Krankheit 1075. Inzwischen waren bereits neue Fäden gesponnen worden, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, wenn man in Adela die Urheberin sieht. Der Sohn Egberts I. war, als der Vater starb, noch ein Junge von 11 Jahren; Markgraf Dedi wurde sein Vormund. Bald war er mit Adelas Tochter Oda verlobt und sehr schnell verheiratet. Ein Schönheitsfehler war an der ganzen Rechnung nur der Sohn aus der ersten Ehe Dedis mit Oda von Orlamünde; aus Haß gegen die Stiefmutter stand er auf Seiten des Kaisers. So mußte er beseitigt werden. Man gab Adela die Schuld an seinem Tod. Aber da war noch der andere Sohn Heinrich aus der zweiten Ehe Dedis mit Adela. Er wurde schon als Kind in das politische Geschehen hineingezogen. Seine Mutter mußte ihn als Kind Kaiser HEINRICH übergeben, aber es gelang dem Jungen, mit Hilfe sächsischer Freunde zu entfliehen. Adela zur Seite stand der nicht viel ältere Schwiegersohn Egbert II. Adela ist mehrfach im Kampf gegen HEINRICH IV. mit ihm zusammen auf sächsischen Fürstentagen erschienen. Sie wird den jungen Mann in die Geheimnisse der Machtpolitik eingeführt haben.