Adalbert:
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"Fortsetzung des Regino"

Das Jahr 939.

Im J. d. g. M. 939 wird Eberhard aus der Verbannung entlassen und das  ganze Land mit Feindseligkeiten und Empörung erfüllt. Denn  Eberhard und Gisalbert verschwören sich mit Heinric, dem Bruder des Königs gegen den König, aber auch einige verbrecherische und Gott verhaßte geistliche Männer einigen sich mit ihnen in Parteiung und brachten an verschiedenen Orten alle Rechte des Friedens und der Eintracht in Verwirrung. Wie da der König die Lothringer angreift, bei denen damals die Empörung vorzüglich ihren Sitz hatte, trifft Gisalbert, als er mit des Königs Bruder den Uebergang über den Rhein wehren wollte, und es  nicht vermochte, bei Biertana mit den Bundesgenossen des Königs zusammen, denen Gott den Sieg verlieh, und nachdem Mehrere von den Seinen getödtet und Andere in die Flucht geschlagen waren, sucht er selbst und des Königs Bruder Schutz in der  Flucht. Der König gelangte sie verfolgend bis nach Caprimons und schloß die dortige Burg ringsum ein. Inzwischen drang Ludwig, der König des romanischen Galliens, Karls Sohn auf den Rath der Feinde des Königs unter dem Vorgeben das lotharische Reich wieder zu gewinnen, das sein Vater verloren hatte, ins Elsaß ein, wo er, so viel er vermochte, mehr feindlich als königlich sich benahm. König Otto ertrug das nicht ruhig, hob die Belagerung von Caprimons auf, rückte gegen das Elsaß und vertrieb König Ludwig. Nach seiner Vertreibung belagerte er die sehr feste Burg Brisaca. Wie viel kriegerische Heldenthaten da von beiden Seiten geschehen sind, wird der Folge  nachkommender Geschlechter unverborgen bleiben. Frideric der Erzbischof von Mainz und Ruodhard der Bischof von Straßburg, welche ihre Zelte unter den Belagerern aufgeschlagen, flohen heimlich in der Nacht, ließen das Gepäck der Truppen, das sie mitgebracht, zurück und hofften, indem sie nach Metz gingen, wie sie sich verschworen, Gisalbert und Heinric zu begegnen. Doch ganz anders geschah ihnen, da die eitelste Hoffnung sie täuschte, denn Gisalbert und Eberhard wurden, als sie bei der Feste Anternac mit den Ihrigen über den Rhein setzen wollten, von den Grafen Udo und Chuonrad und den übrigen Getreuen des Königs am Uebergange durch kriegerischen Kampf und ein schnelles Ende verhindert; Eberhard nämlich wurde erschlagen und Gisalbert kam um, indem er im Rheine ertrank, und die meisten ihrer Genossen wurden getödtet, die übrigen aber in die Flucht geschlagen oder gefangen. Auf diese Nachricht unterwerfen sich die Burgleute von Brisaca den königlichen Geboten und die Burg wird der Belagerung ledig. Darauf griff der König wieder die Lothringer an und unterwarf sie alle seiner Herrschaft. Aber auch seinen Bruder, der die Waffen weggeworfen hatte und zu ihm gekommen war, nahm er in gewohnter Milde wieder auf; denn er verzieh ihm Alles, was er gegen ihn begangen und behielt ihn in brüderlicher Liebe bei sich. Nachdem alle Lothringer unterworfen waren, versuchte der Bischof von Metz eine Zeitlang zu widerstehen, daher er auch die Kapelle des Herrn Kaisers Ludwig  des Frommen in Theodonis Villa, welche wie die von Achen begonnen war, zerstörte, damit sie nicht vollendet oder als Befestigung betrachtet würde. Doch verharrte er nicht sehr lange in dieser Empörung; denn das ganze Land wird alsbald unter Gottes Beistand, wie aus innerster Herzenstreue zum Könige  bekehrt, und nachdem die Feinde unterdrückt waren, Frieden und Eintracht erneuert, Erzbischof Frideric in das Kloster Fulda geschickt, Ruodhard von Straßburg in das Kloster Corbeia entsendet. Während das Erzählte geschieht, weilt die Frau Königin Edgid im Kloster Lauresham. In derselben Zeit wird Dankmar der Bruder des Königs von einem Kebsweibe, als er  sich empörte, in der Burg Eresburg erschlagen, und die übrigen Anhänger desselben verstümmelt oder erhängt. Diese Bewegung stürmte nicht nur in einer, sondern in allen Provinzen von Sachsen  und Franken hin und wieder. Der Sachse Wigmann, der sich empört,  wird wieder versöhnt. König Ludwig nahm Gerbirga, Gisalberts Wittwe, zur Frau.