Rupp Gabriele: Seite 195-196
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"Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten"

Es scheint, dass Ekkehard noch vor dem Tod seines Vaters im Jahr 982, oder wenigstens bald darauf, Swanhilde geheiratet hat. Thietmar berichtet, Ekkehard habe nach manchen mit seinem Vater durchgestandenen Kriegsmühen die Gnade des Kaisers wiedererlangt, sei in Ehren heimgekehrt und habe sich daraufhin mit Swanhilde vermählt [1 Thietmar IV, 39, SS rer. Germ. N.S. 9, Seite 176; Annalista Saxo a. 998 und a. 1002, SS 6, Seite 642 und 648.]. Swanhilde war die Tochter von Herzog Hermann Billung von Sachsen, ihr Bruder der regierende Herzog von Sachsen. Durch diese Heirat war Ekkehard mit dem die Reichspolitik bestimmenden hohen Adel weitläufig verschwägert, und insofern wurde dadurch auch das Ansehen der ekkehardinischen Familie selbst erheblich erhöht [2 Vgl. Schölkopf, Die sächsischen Grafen, Seite 65; Althoff, Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Seite 424.]. Die Verwandtschaft mit den BILLUNGERN wird auch durch die Aufnahme zahlreicher ekkehardinischer Familienangehöriger in das die billungische Familienmemoria festhaltende Lüneburger Nekrolog dokumentiert.
In erster Ehe war Swanhilde mit dem Markgrafen Thietmar (+ 979), dem Bruder des Erzbischofs Gero von Köln, verheiratet gewesen [3 Patze, Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen, Seite 108; Leyser, Herrschaft und Konflikt, Seite 93/94.]. Aus dieser Ehe stammte Markgraf Gero II. Zusammen mit Ekkehard hatte Swanhilde sieben Kinder, von denen der sächsische Annalist nur die drei Söhne Hermann, Ekkehard und Gunther und die Tochter Liudgard nennt [4 Annalista Saxo a. 1029, SS 6, Seite 678.].
Die Reihenfolge der Söhne entspricht wahrscheinlich ihren Geburtsjahren. Hermann wird wesentlich früher in den Quellen erwähnt als seine Brüder, und es ist anzunehmen, dass Gunther als der jüngste von den dreien in den geistlichen Stand eintrat. Hermann erhielt den Namen seines Großvaters mütterlicherseits Hermann Billung, während den anderen beiden Söhnen die Leitnamen der väterlichen Familie gegeben wurden. Thietmar vervollständigte die Reihe der Kinder. Bei ihm taucht Liudgard als erstes Kind auf [5 Thietmar IV, 39, SS rer. Germ. N.S. 9, Seite 176.]. Auch nennt Thietmar noch den vierten Sohn namens Eilward, der ebenfalls die geistliche Laufbahn einschlug, und zwei weitere Töchter mit den Namen Oda und Mathilde.
Dass Swanhilde über die Stellung einer normalen Gräfin hinaus gewachsen war, zeigen ihre Interventionen in Herrscherdiplomen [6 Siehe Kapitel IV.2.6.]. Swanhilde versuchte auch, nach dem Tod Ekkehards aktiv für die Rechte ihrer Söhne einzutreten, indem sie nach der Beisetzung des alten Markgrafen mit ihrem Sohn Hermann nach Meißen zog, um den ererbten Besitz an sich zu nehmen [7 Thietmar V, 8, SS rer. Germ. N.S. 9, Seite 230.]. Witwen von Grafen und Markgrafen konnten gelegentlich Nachfolgeschwierigkeiten zugunsten ihrer Söhne ebensogut regeln wie Kaiserinnen für ihre Söhne [8 Vgl. Leyser, Herrschaft und Konflikt, Seite 83.].
Leider bricht der Bericht Thietmars an dieser Stelle ab, so dass wir nicht erfahren, warum Swanhilde scheiterte. Dass nämlich ihr Bemühen nicht von Erfolg gekrönt war, geht daraus hervor, dass Gunzelin der Nachfolger ihres Mannes Ekkehard I. in der Markgrafenwürde wurde, nicht einer ihrer Söhne.
Als Swanhildes Todestag überliefert Thietmar den 26. November 1014. Er spricht von einem plötzlichen Tod: "Post XIIII dies domna Swonehild, socrus eiusdem, morte subitanea VI. Kal. Decembr. obiit." [9 Thietmar VII, 7, SS. rer. Germ. N.S. 9, Seite 406.] In Anbetracht ihrer Geburtszeit - etwa zwischen 945 und 955 - wie auch des Alters ihrer Kinder ist anzunehmen, dass Swanhilde in vorgerücktem Alter starb. Insofern steht der Ausdruck "subitanea" wohl weniger für einen zu früh eingetretenen Tod als vielmehr für einen plötzlichen Tod ohne vorherige Krankheit [10 Bork, Die Billunger, Seite 117.]. Swanhildes Todestag überliefern auch die Nekrologe von Lüneburg [11 "Suanehild com", in: Althoff/Wollasch, Die Totenbücher von Merseburg, Magdeburg und Lüneburg, Seite 22,37. Vgl. auch Althoff; Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Seite 424 G 168.] und Merseburg [12 "Suonehild com". Merseburger Totenbuch, Codex 129, Seite 16, in: Althoff/Wollasch, Die Totenbücher von Merseburg, Magdeburg und Lüneburg, Seite 22,37. Vgl. auch Althoff; Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Seite 424 G 168.].