Ekbert                                            Graf im Derlingau
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um 980- nach 1013
 

Sohn des Grafen Ekbert der Einäugige im Ambergau
 
 

Bork Ruth: Seite 74
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"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

Auf Grund einiger Urkunden und anderen Quellenstellen, in denen die angegebenen Namen und Besitzungen Schlüsse auf billungische oder sogar Ekbertsche Nachkommenschaft zulassen, hat man auch die zu Beginn des 11. Jahrhunderts mehrfach bezeugten Grafen Ekbert und Amelung zu den Söhnen Ekerts des Einäugigen rechnen wollen [2 Freytag Seite 151 ff.]. Als Belege hierfür erscheinen
a) eine Urkunde, betreffend die Schenkung OTTOS III. vom 23. Januar 1001 an das Hildesheimer
    Bistum, welches das "castellum Dalshem nominatum, situm autem infra eiusdem episcopatus
    terminos in pago Hastfala sive Ambargan in comitatu filiorum Ekbrahti comitis et nepotis nostri"
    nennt [3 DO III. 390 Es handelt sich dabei um das heutige Königsdahlum im Regierungsbezirk
    Hildesheim, und Freytag (Seite 151) weist darauf hin, daß dasselbe etwas später im Jahre 1009 in
    einer Urkunde HEINRICHS II. (DH II. 206) als dem Grafen Wichmann III. gehörig bezeichnet.],
    und
b) eine Urkunde, die nun dem Jahre 1013 glaubt zurechnen zu können [4 DH II. 260.], und in der von
    der Praefectur eines Ekbert die Rede ist. Ferner finden sich in der Vita Meinwerci zu den Jahren
    1015-1031 mehrfach Stellen, in denen ein Graf Amelung vorkommt, der auch in
    Rechtshandlungen der Paderborner Kirche als Stiftsvogt auftritt [5 Vita Meinw. c. 31 Seite 34, c. 35
    Seite 36, c. 45 Seite 40, c.49  Seite 42, c. 50 Seite 43, c. 67 Seite 47, c. 94 Seite 53, c. 128 Seite 63,
    c. 213 Seite 125.]. Da als sein Bruder ein Graf Ekbert zum 14. September 1024 erwähnt wird, den
    man für den in den eben zitierten Urkunden genannten hält, so wird unter Hinweis auf die
    verwandtschaftlichen Beziehungen des Bischofs Meinwerk zu den BILLUNGERN [2 Näheres
    unten Seite 109.] daraus die Folgerung gezogen, daß es sich in den Brüdern um Söhne Ekberts des
    Einäugigen handle, was Freytag zumindest für Ekbert des gleichen Namens wegen sicher genug
    belegt zu haben glaubt [3 Freytag Seite 151 ff. Auf die Urkunde vom 23. Januar 1001 (DO III. 390)
    nimmt auch Hulshof in der Einleitung zu seiner Alpert-Ausgabe Bezug, wenn er Ekbert und
    Amelung als die Brüder Wichmanns III. bezeichnet, die nach seiner Meinung aber schon vor
    dessen Tod (im Jahre 1016) gestorben sein müssen.]. Es handelt sich dabei zugleich um den
    Versuch, auf Grund annehmbarer Verwandtschaftsbeziehungen bestimmte Besitzverhältnisse der
    Wichmannschen Linie nachzuweisen, über dessen Verwertbarkeit für unsere Aufstellung schon
    gelegentlichähnlicher Fälle das Nötige gesagt wurde.

Freytag, Hans-Joachim: Seite 54-56
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"Die Herrschaft der Billunger in Sachsen"

Nach einer Urkunde vom 23. Januar 1001 schenkte OTTO III. dem Hildesheimer Bistum das "castellum Dalehem nominatum, situm autem infra eiusdem episcopatus terminos in pago Hastfala sive Ambargau in comitatu filiorum Ekbrahti comitis et nepotis nostri" [1 DO III. 390, vgl. Koch Seite 175.]. Die Ausdrucksweise des Diploms läßt nicht allein in jenem Ekbert, den Sohn des älteren Wichmann deutlich erkennen, aus ihr geht auch hervor, daß seine Söhne nach seinem 994 erfolgten Ableben gemeinsam den väterlichen Gewaltbezirk verwalteten. Eine wohl an das Ende des Jahres 1001 zu setzende Urkunde OTTOS III. berichtet nun, daß die villa "Lutterun", d.i. Lutter am Barenberg, "in pago Ventsgoi ... in burgwardio quoque Dalehem atque comitatu Herieldi comitis" gelegen war. Ihre Zuweisung zum Burgbezirk Königsdahlum zieht den Schluß nach sich, daß dieses im Januar 1001 in der Grafschaft der Söhne Ekberts des Einäugigen gelegene castellum sich nunmehr innerhalb des Komitats des Grafen Herield befand. Letzterer umfaßte also Ende 1001 zumindest einen Teil des zu Beginn des Jahres bestehenden Gewaltbezirkes der Söhne Ekberts. Und im Jahre 1009 gehörte das gleiche Königsdahlum im Ambergau zum Komitat des Grafen Wichmann, eines Sohnes Ekberts des Einäugigen [5 DH II. 206.]. Alle drei Male handelt es sich um den gleichen Bezirk, der zu Beginn des Jahres 1001 sowie 1009 im Besitz der Wichmannschen Linie bezeugt wird. Da der Name des Herield diesen nicht als Nachkommen Ekberts des Einäugigen und damit als Erben von dessen Grafschaft wahrscheinlich macht, liegt die Vermutung nahe, in ihm einen Lehngrafen zu sehen, der für Wichmann III. die Verwaltung führte, solange der BILLUNGER mit OTTO III. in Italien weilte [6 Vita Heinr. II. 3, Seite 684.]. Weiterhin kennt das spurium DH II. 260, das die Zustände von etwa 1013 wiedergibt, eine Grafschaft Ekberts, eines Sohnes Ekberts des Einäugigen, im Derlingau [7 Im Komitat Ekberts lagen: Remlingen, Semmenstedt, Mollenstedt, Hachum, Achim, Seinstedt in Braunschweig Kreis Wolfenbüttel und Isingerode im Regierungsbezirk Magdeburg Kreis Wernigerode.].
Die angezogenen Urkunden lassen in dem Gebiet an der oberen Oker und Innerste folgende Herrschaftsverhältnisse vermuten: Ekbert der Einäugige gebot als Graf um Goslar. Nach seinem Tode ging sein Gewaltbezirk in die gemeinsame Verwaltung seiner Söhne über. Doch muß diese bald ein Ende gefunden haben, denn als Wichmann III. den Kaiser nach Italien begleitete, vertraute er seinen Herrschaftsbereich eine Grafen Herield an, um nach seiner Rückkehr selbst wieder die gräflichen Rechte wahrzunehmen. Auf den väterlichen Komitat dürfte aber auch die Grafschaft des jüngeren Ekbert im Derlingau zurückgehen. Bekannt ist, daß Wichmann III. seine letzten Lebensjahre im Westen des Reiches verbrachte, hier sehr stark in die politischen Wirren am Niederrhein verstrickt war. Da legt die Anführung des Komitats Ekberts im Derlingau um 1013 die Vermutung nahe, da Wichmann III. zwischen 1009 und 1013 in dem Gebiet um Goslar seinem Bruder Platz machte. Wie auch die Herrschaftsverhältnisse im einzelnen gestaltet gewesen sein mögen, erkennbar wird auf jeden Fall ein umfangreicher Gewaltbezirk etwa zwischen Braunschweig und Goslar der sich im ausgehenden 10. und beginnenden 11. Jahrhundert in der Hand der Wichmannschen Linie befand. Dieser zog sich im Süden des in den Gauen Ostfalen und Marstem, im Loin- und Sturmigau gelegenen Bereich der Hermannschen Linie hin.
In den Jahren 1015 bis 1031 nennt die Vita des Bischofs Meinwerk von Paderborn wiederholt einen Grafen Amelung als Zeugen in Urkunden des Paderborner Hochstifts. Die ungefähre Lage seines Komitats wird aus zwei Nachrichten ersichtlich. 1015 wurden in seinem Gericht Güter übertragen, die in Aspe sowie in nicht angeführten Orten zwischen dem Süntel und dem Osning lagen. Und 1031 befanden sich Alfen sowie Etteln "in pago Paderga in comitatu Amulungi" [6 Vita Meinw. Seite 120 c. 206; DK II. 158.]. Sein Gewaltbezirk  zog sich demnach über Teile des Padergaues hin und dehnte sich im Norden bis in die Gaue Wehsi und Theotmalli. An anderer Stelle dieser Vita erscheint derselbe Amelung als "comes et advocatus" [7 Vita Meinw. Seite 50 c. 76.]. In der letzteren Eigenschaft nahm er häufigt Rechtshandlungen für die Paderborner Kirche vor oder war bei solchen neben dem Bischof Meinwerk zugegen. Tritt er uns an den angeführten Stellen der Vita als "advocatus" entgegen, so wird ihm bei seiner letzten Nennung im Jahre 1031 die Bezeichnung "summus matrisecclesiae advocatus" zuteil. Da nach 1015 noch drei weitere Stiftsvögte genannt werden, kann angenommen werden, daß Amelung einer der Vögte des Paderborner Hochstifts war und erst 1031 zum Hauptvogt dieses Bistums aufgerückt ist. Doch wird er bereits vordem als Graf im Padergau, in dem die Bischofsstadt lag, eine bevorzugte Stellung als Vogt eingenommen haben, wie seine häufige Nennung verrät. Im Kapitel 202 der Vita stellt der Verfasser neben diesen Amelung dessen Bruder, einen Grafen Ekbert. Diese Tatsache läßt in ersterem einen Sohn Ekberts des Einäugigen vermuten, was an Wahrscheinlichkeit gewinnt, wenn wir uns das verwandtschaftliche Verhältnis Bischof Meinwerks zu den BILLUNGERN sowie deren enge Beziehungen zu dem Hochstift vor Augen halten. Auch war der Name Amelung im Geschlecht der BILLUNGER keineswegs ungebräuchlich Für den Herrschaftsbereich der Wichmannschen Linie würde sich damit ein Hinübergreifen über die Weser nach Westen sowie der Besitz der Vogteigewalt im Bistum Paderborn ergeben.
Bei der Feststellung der Herrschaftsbereiches der Söhne Ekberts des Einäugigen an der oberen Oker und Innerste erwähnten wir bereits, daß Wichmann III. seine letzten Lebensjahre im Westen des Reiche, am Niederrhein, verbrachte, wo er ausgedehnte Rechte innehatte. Zu Monreberg [1 Gemeinde Altkalkar im Regierungsbezirk Düsseldorf Kreis Kleve.] besaß er eine Burg, die der Mittelpunkt seiner Herrschaftsbefugnisse im Düffelgau war. Damit waren seine Besitztitel jedoch keineswegs erschöpft. Im Jahre 989 bekleidete er die Stelle des Vogtes des Klosters Borghorst. Und nach einer am 25. Januar 993 ausghefertigten Urkunde OTTOS III. wurde er vom König als Vogt des Stiftes zu Metelen eingesetzt. Vermählt war dieser Sohn Ekberts mit einer Tochter des 1006 verstorbenen Gottfried, Grafen im Hattuariergau, die ihm reiche Besitzungen in Nieder-Lothringen zugebracht hatte. Auf diese Verbindung geht sein Streit mit dem berüchtigten Balderich, Grafen von Drenthe, und dessen Gemahlin Adela zurück, da Wichmann nach dem Tode des Grafen Gottfried schützend seine Hand über seinen kranken und schwachsinnigen Schwager hielt, für diesen die Vormundschaft in dem väterlichen Gewaltbezirk im Hattuariergau führte. Am 5. Oktober 1016 erlag der BILLUNGER einem Anschlag Balderichs und wurde in der Abtei Vreden im Gau Bursibant "bei seinen Vätern", wie Thietmar von Merseburg sagt, beigesetzt [7 Thietmar VII, 47,48.]. Die Bemerkung Thietmars gestattet einen Rückschluß auf die Herkunft seiner Besitztitel am Niederrhein, soweit er sie nicht durch seine Gemahlin erwarb. Die Königin Mathilde, Gemahlin HEINRICHS I., stattete das von ihr gegründete Stift zu Nordhausen mit zahlreichen bei Gemen und Bocholt gelegenen Allodialgütern aus. Da erscheint es als sehr wahrscheinlich, daß Besitzungen in und um das nördlich von beiden vorgenannten Orten befindliche Vreden ebenfalls aus dem Widukindschen Erbe herzuleiten sind, welche die Gemahlin des älteren Wichmann diesem Zweig des billungischen Hauses zugebracht hatte. So wird die Notiz Thietmars dahingehend zu deuten sein, daß Wichmann III. auf dem von seiner Großmutter übernommenen Erbe seine letzte Ruhe fand. Als sicher kann weiterhin angenommen werden, daß die Vogtei dieses Klosters seit dem Übergang auf die Wichmannsche Linie in deren Händen lag. Die enge Verknüpfung mit der Abtei kommt auch darin zum Ausdruck, daß sehr wahrscheinlich Hadwig, Tochter des älteren Wichmann und Witwe Siegfrieds, des Sohnes des Markgrafen Gero, die von 959 bis 1014 dem Kloster Gernrode vorstand, ebenfalls Äbtissin von Vreden war. Nach der Ermordung Wichmanns III. übernahm Bernhard II. die Vormundschaft über dessen noch unmündigen Sohn Wichmann und dessen Erbe [12 Thietmar VII, 48; Alpertus II 14 Seite 717.]. Obgleich seitdem weder Wichmann IV. noch seine möglichen Nachkommen jemals wieder in unser Blickfeld treten, nimmt Wilmans an, daß sie in dem Geschlecht der Edlen von Gemen weitergelebt haben.
 
 
 
 

Literatur:
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Bork Ruth: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Dissertation Greifswald 1951 Seite 74 - Freytag, Hans-Joachim: Die Herrschaft der Billunger in Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1951 Seite 54-56 -