Wolfram Herwig: Seite 50,55
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"Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche."

Eine Quelle des 12. Jahrhunderts läßt Gisela zuerst Ernst und danch den Sachsen Bruno heiraten [10
Annalista Saxo a. 1026, Seite 676.]; damit blieben allerdings für eine Ehe Giselas mit Bruno und die Geburt ihres Sohnes Liudolf, möglicherweise sogar noch einer gleichnamigen Tochter Gisela [11 Vgl. Bischoff, Chronologie der Kaiserin Gisela 286 mit Anmerkung 7, mit Kimpen, Ezzonen 1-91, besonders 50 mit Anmerkung 4.] nur rund eineinhalb Jahre. Dieser Umstand und die Tatsache, daß Liudolf am 1. Juli 1028 eine Urkunde seines Stiefvaters KONRAD bezeugte, daher damals kaum erst zwölf Jahre alt gewesen war, widersprechen der überlieferten Reihenfolge der Ehen Giselas [12 Vgl. BA e. Dagegen war der DH II. 255 von 1013 als Zeuge genannte Graf Liudolf sicher nicht der Sohn Giselas, da die Unterschriftenliste aus 1007 stammt: siehe Bresslau, Urkundenlehre 2, 203 Anmerkung 1. Vgl. DH II. 263 von 1013 III 26, wo die Grafschaft eines Grafen Liudolf an oder nahe der Leine erwähnt wird. Dieser Liudolf könnte mit dem erstgenannten identisch gewesen sein: siehe BG 1771 und 1780.]. Im Grunde bedarf es jedoch weder dieser Argumente noch eines Indizienprozesses über das Lebensalter der Ernst-Söhne, wenn man Thietmars Chronik genau liest: Am 10. November 1014 muß der Tod Brunos schon eine gewisse Zeit Vergangenheit gewesen sein [13 Thietmar, Chronicon VII 6. BA e. BG 1851c und d: Das Datum ist durch DH II. 325 und Thietmar, Chronicon VII 8 (6), abgesichert.], so daß eine Ehe zwischen dem Sachsen und Gisela nur am Beginn ihrer drei Verbindungen stehen kann; sie war also zuerst mit Bruno von Braunschweig verheiratet.
Der Sachse Bruno zählte 1002 zu den, wenn auch nicht aussichtreichen, Kandidaten um die Nachfolge OTTOS III. Der Konkurrenzt, den HEINRICH II. am ehesten zu fürchten hatte und der seinem Königtum am längsten Widerstand leistete, war Hermann II. von Schwaben, der Vater Giselas [14
BG 1478a und 1508a. Keller, Schwäbische Herzöge 135 ff., bes. 137 Anmerkung 88 und 143 (Bruno von Braunschweig). Zum letzteren siehe Schneidmüller, Otto III. 17 mit Anmerkung 29.]. Nicht unmöglich, daß der schwäbische Herzog die jüngere, etwa zwölf- oder dreizehnjährige Tochter Gisela mit einem sächsischen Thronprätendenten ungefähr zur selben Zeit verheiratete, als er die Wormser Familie durch die Ehe Mathildes mit Konrad, dem Sohn Ottos, des am ehesten erbberechtigten Nachfolgers im Königtum, zu gewinnen suchte. Diese Ehe muß vor dem 24. Juni 1002 bereits bestanden haben. Für die Eheschließung Brunos und Giselas fehlt jede Zeitangabe; sie könnte jedoch ebenfalls damals vollzogen worden sein [15 BG 1487a und b. Wolf, Königskandidatur 93, nach Thietmar, Chronicon V 25, und DH II. 34 (Narratio).]. Am 25. Juli 1002 entschieden sich die Sachsen in Merseburg für HEINRICH II., wodurch eine mögliche Kandidatur Brunos hinfällig wurde [16 Brunos Kandidatur geht aus Vita Meinwerci c. 7; Seite 13f. und Thangmar, Vita Bernwardi c. 38; Seite 775, hervor, was aber Hirsch, Jahrbücher I, 457 mit Anmerkung 6,, wohl zu Unrecht nicht gelten läßt. Vgl. etwa Wunder, Gisela 4, und Schwarzmaier, Von Speier 51f., sowie Wolf, Königskandidatur 93.]. Wenn man nicht Giselas Ehe mit Ernst I. von Schwaben dazu benötigt, um die beiden zahlreiche, wenn auch namenlose Töchter produzieren zu lassen, die man als Stammütter der verschiedensten Geschlechter verwenden kann, wird man Giselas Ehe mit Bruno von Braunschweig von etwa 1002 bis ungefähr 1008/10 reichen lassen [19 Siehe etwa Wunder, Gisela 4, und Schwarzmaier, Von Speyer 51f.]. Am 10. November 1014 wird die Ermordung Brunos in seinem eigenen Haus als ein in der Vergangenheit liegendes Beispiel und Motiv für aktuelles Handeln HEINRICHS II. zitiert [20 Thietmar, Chronicon VII 6.]. Der gewaltsame Tod Brunos kann daher durchaus geraume Zeit zurückgelegen sein. Aus dieser Ehe stammten der Sohn Liudolf (vor 1010-1038) [21 DKo. 124, DH II. 279 (Liudolf wird hier als Sohn Brunos und Vater Ekberts genannt) und Annales Hildesheimenses a.1038, Seite 43: Liudolfus comes, privignus imperatoris, IX Kal. Maii immatura morte obiit. Et eius frater Herimannus, Alemanniae dux, subita infirmitate preventus, bonis flebilis omnibus XVI Kal. Julii denotavit. Vgl. unten Anmerkung 57.] und eine mögliche Tochter Gisela [22 Kimpen, Ezzonen 50 mit Anmerkung 4. Es stellt sich jedoch die Frage, wieweit es sich dabei nicht wieder um eine genealogische Konstruktion, um nicht zu sagen, Spekulation Kimpens handelt. Zur Kritik an Kimpens Methode siehe etwa Schneidmüller, Otto III. - Heinrich II. 11 Anmerkung 10.].