Thangmar: Seite 775 (55-56)
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"Vita Bernwardi"

Kapitel 38.

Unterdessen gingen die Stimmen der Fürsten auseinander, da viele ohne Scheu und Gottesfurcht die Herrschaft des Reiches an sich zu reißen suchten. So kam es, daß ein Fürst Namens Bruno, der die unerschütterliche Treue des ehrwürdigen Bischofs Bernward für den verehrungswürdigsten Herzog Heinrich kannte und von ihm in seinen Unternehmungen gehindert zu werden fürchtete, eine möglichst große Schaar zum Verderben des Bischofs und zum Schaden der Hildenesheimer Kirche bewaffnete und wiederholte Raub- und Beutezüge gegen die Besitzungen und die Leute des Bischofs unternahm. Aber dieser ließ sich, seiner Sinnesart gemäß, niemals abtrünnig  machen, so empfindlich er auch durch viele Beleidigungen verletzt wurde. Dagegen legte der hochverständige Bischof nach Art des weisesten Baumeisters durch Gebete die Grundlage des neuen Reiches. Denn alle Schaaren der Brüder und Schwestern, welche für die göttlichen Scepter unter seiner Fahne stritten, ermahnte er, unter so schwierigen Verhältnissen eifrigst zu beten und zu wachen. Auch er selbst suchte die Gnade Gottes durch  strenge Enthaltsamkeit zu erflehen, was er aber Allen verheimlichte. So ergab sich durch Gottes Güte eine wunderbare Einmüthigkeit für den Erwählten, ja die Wünsche des Volkes eilten den Bestrebungen der Fürsten noch zuvor. Denn wo nur öffentliche Versammlungen gehalten wurden, forderte das Volk mit einer Stimme, der Herr Heinrich müsse Kaiser sein, er und kein anderer die Herrschaft führen. Da nun alle  einmüthig zu seiner Wahl sich vereinigten, führten der Erzbischof  Willegis und der Bischof Bernward nebst den übrigen Fürsten des Reichs den Herrn Heinrich mit höchster Ehre nach Mainz, übergaben ihm am Sonntage nach Pfingsten die Regierung und die königliche Gewalt mit der Lanze des Herrn und ertheilten ihm unter den üblichen Feierlichkeiten zum größten Jubel Aller mit Gottes Gnade feierlich die Salbung.