Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Liudolfs Sohn war wiederum ein Graf Bruno. Das ergibt sich an Hand von Amtsgebiet und Namen, der sich in typischer Folge jeweils vom Großvater auf den Enkel vererbte. Thietmar überlieferte, dass Brun 990 an der Heerfahrt zur Unterstützung Herzogs Miseco gegen Herzog Boleslav von Böhmen teilnahm. Der alte Machtanspruch seiner Familie trat gerade bei ihm deutlich zutage. Er versuchte 1002 nach dem Tode des letzten OTTONEN, die deutsche Königskrone zu erlangen. Diesen Vorgang bezeugten zwei Quellen: die Vita Meinwerci und die Vita Bernwardi. Thietmar von Merseburg überging ihn, obwohl er ausführlich die Bemühungen Ekkehards von Meißen schilderte. Die Vita Meinwerci schrieb quidam etiam princeps Brun nomine regni fastigium optinere voluit, sed effectu carens, multis votis eius non faventibus... Eine analoge Stelle brachte die Vita Bernwardi. Beide betiteln ihn princeps, nicht etwa comes. Das erklärt sich primär nicht durch seine Stellung zum Königshaus, sondern durch sein Recht, an der Wahl teilzunehmen. Brunos Anspruch war durchaus begründet. Durch den Tod eines seiner Vorfahren fiel das Herzogtum Sachsen Otto dem Erlauchten zu. Während Ottos Nachkommen zum Königtum und Kaisertum aufstiegen, wurden die BRUNONEN immer mehr von ihnen in den Hintergrund gespielt. Selbst das Herzogtum Sachsen blieb ihnen vorenthalten. OTTO DER GROSSE übertrug es in bewußter Ausschaltung der eigenen Familie Hermann Billung. Die Chronica ducum de Brunswick hob ausdrücklich hervor: quia ducatus, quem predecessores sui tenuerant, viris difficientibus, ab OTTONE primo Hermanno... est donatus. Genau so äußerte sich die Braunschweigische Reimchronik: wante wir habens gelesen/daz dher erste Keyser OTTO gaph/daz Herzochtoum undh herscaph/Hermanne.../daz Brunes vorvaren helten scone/.
Vielleicht reiht sich in diesen Zusammenhang doch jener Eccardus, filius Liudolfi ein, dessen Feindschaft gegen Hermann Billung sich aus persönlicher Zurücksetzung erklären würde. Auch 1002 erreichten die BRUNONEN nicht ihr Ziel. Die Krone fiel Herzog Heinrich von Bayern als dem nächsten Agnaten zu. Da besonders Bernward von Hildesheim für seine Wahl eintrat, zog er den Haß des BRUNONEN auf sich, der ihn in der Folgezeit schädigte, wo immer er konnte. Bruno, den der sächsische Annalist (a. 1026) comes de Brunswic nannte, war mit Gisla vermählt. Der Annalist berichtete, dass sie aus dem Werlaer Grafenhaus stammte. Er gab ihr Rudolf, Bernhard und Mathilde zu Geschwistern. Auch der Braunschweiger Reimchronik nannte sie: eyn vrowe Gisle was se ghenant von Werle. Diesen in späteren Zeiten komplizierten Quellen von zweifelhafter Zuverlässigkeit steht das zeitgenössische Urteil Wipos gegenüber, der als ihre Eltern Herzog Hermann von Schwaben und Gerberga, die Tochter König Konrads von Burgund, bezeugte. Seiner Aussage gebührt der Vorzug. Er war nämlich Kaplan KONRADS II., der selber Gislas dritter Gatte wurde. Nach dem sächsischen Annalisten (a. 1026) war Gisla dreimal verheiratet: ihr erster Gatte war Ernst, der Sohn des BABENBERGERS Liutpold, der Markgraf der Ostmark (Österreich) war. Die Chronica ducum de Brunswick und die Braunschweiger Reimchronik verwechselten Vater und Sohn. Wahrscheinlich kamen die BABENBERGER erst durch diese Heirat in den Besitz des Herzogtums Schwaben. Bollnow machte wahrscheinlich, dass Gisla die älteste Tochter des Schwaben-Herzogs war. Herzog Ernst starb am 31. März 1015.
Als Gislas zweiten Gatten erwähnte der sächsische Annalist Graf Bruno von Braunschweig. Sein Todesjahr ist nicht genau überliefert. Schon um 1017 ging Gisla ihre dritte Ehe mit KONRAD, dem späteren König, ein. Sowohl Thietmar als auch der sächsische Annalist hielten diese Ehe für unerlaubt, weil Gisla KONRADS Nichte war.
Es ist auffällig, dass Thietmar wohl ihre Ehen mit Herzog Ernst und KONRAD erwähnte, ihre Verbindung mit Bruno von Braunschweig jedoch völlig überging. Thietmar bezeichnete Gisla, als sie ihre Ehe mit KONRAD schloß, als vidua Ernesti ducis. Das ist nach den Ausführungen des Annalisten nur bedingt richtig, da die Ehe mit Bruno dazwischen lag, die frühestens 1016 zustande gekommen sein kann. Holtzmann hielt in seiner Thietmar-Ausgabe an der Reihenfolge fest. Er datierte den Tod Brunos von Braunschweig, der von einem persönlichen Feind Milo in seinem eigenen Wohnsitz erschlagen wurde, in das Jahr 1016, so dass für diese Ehe praktisch nur ein Jahr übrigbleibt, in das auch die Geburt ihres Sohnes Liudolf fallen muß. Unabhängig von der erwähnten Thietmar-Stelle erbrachte Bollnow auf Grund chronologischer Überlegungen den Beweis, dass Gislas Ehe mit Bruno von Braunschweig ihre erste war. Wenn man seine Beweisführung, die viel Wahrscheinlichkeit für sich hat, aufrechterhalten will, so ergibt sich damit zwangsläufig, dass Brunos Todesdatum um einige Jahre, wahrscheinlich auf 1012, vordatiert werden muß, als ihr zweiter Gatte Ernst die Nachfolge im Herzogtum antrat. Das bedeutet nämlich, dass sie zu dieser Zeit schon mit ihm verheiratet war. Herzog Ernst starb - wie schon erwähnt - 1015. Da aus dieser Ehe zwei Kinder hervorgingen: Ernst II. und Hermann, wird man wohl ungefähr auf dieses Datum kommen. Bollnow setzte Gislas Geburtsjahr auf Grund genealogischer Erwägungen um das Jahr 985. Zu einem etwas späteren Zeitpunkt gelangte Rieckenberg. Er ging von der Aufschrift ihrer Grabplatte im Speyrer Dom aus, die das Jahr DCCCCXCVIII trägt. Da die Eingravierung nur sehr flüchtig ausgeführt sei, schlug er vor, die letzten Zahlenzeichen (VIIII) als Abkürzung für die Indikation aufzufassen und kam auf diese Weise zu dem Ergebnis, dass Gisla am 13. November 990 geboren wurde. Trotzdem wird man ihre Heirat mit Bruno von Braunschweig und die Geburt ihres ersten Sohnes Liudolf in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends ansetzen dürfen. Ehen pflegten im 10. Jahrhundert ohne Berücksichtigung des jugendlichen Alters der Frauen geschlossen zu werden.