Bork Ruth: Seite 76
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"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

Das gleiche gilt für den Versuch, Bruno von Braunschweig für einen Sohn Ekberts des Einäugigen zu erklären, wobei häufig die Äußerungen der neueren Forschung auf ältere, qellenmäßig nicht genügend begründete Thesen zurückgehen [4 Vanderkindere (La formation territoriale des principautes belges II, Seite 289) bezeichnet zum Beispiel Bruno von Braunschweig und Wichmann III. als die Söhne Ekbert des Einäugigen und spricht von ihnen, wie auch von ihren Nachkommen nur als den BRUNONEN, was er offensichtlich von Eckhardt (Orig. Guelf. IV, 418 und 881) übernahm. Auch Weltereck (H. Vjz. Band 33 1931 Seite 177) greift wieder auf die BRUNONEN-These zurück, indem sie Ekbert den Einäugigen als den Gründer Goslars bezeichnet und in seinem vermeintlichen Sohn Bruno den Gründer Braunschweigs und den Stammvater der BRUNONEN sehen will, eine freilich noch wieder etwas andere Aufstellung als die Eckhardts, der Ekbert den Einäugigen für den Sohn eines Bruno und somit für einen Halbbruder Wichmanns des Jüngeren hielt (Siehe oben Seite 44, Anmerkung 3.)]. Böttger suchte demgegenüber vor allem die Meinung zu widerlegen, daß Ekbert der Einäugige, wie auch sein vermeintlicher Sohn Bruno von Braunschweig, der mit Gisela, der späteren Gemahlin KONRADS II. verheiratet war, Schirmvögte von Corvey gewesen seien [5 Böttger, Die Brunonen Seite 158ff., 220ff.,307ff.]. Denn gerade diese angebliche Schirmherrschaft, auf der man die übrigen Konstruktionen gründete, wurde von ihm als Fälschung Falkes [6 Falke, Trad. Corb. Seite 660ff. Die Willkür, mit der Falke arbeitete, geht schon daraus hervor, daß er zum Zwecke seiner möglichst lückenlosen Aufstellungen die örtlichen und familären Zusammenhänge von sich aus herstellte. So unternahm er es zum Beispiel, die im Derlingau gelegene Stadt Areburg mit der Alaburg Ekberts des Einäugigen und diesen wiederum mit Corvey zusammenzubringen (Trad. Corb. Seite 161f.). Indem er das Ganze als Corveyer Tradition ausgab, fuhr er fort, aus den so zusammengestellten Verhältnissen Folgerungen auf ein reiches Erbe Ekberts im Derlingau zu ziehen, woraufhin später auch Wedekind, Not. II, Seite 76ff. und Lüntzel, Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim I, Seite 107, von einem sogenannten zweiten brunonischen Stamm, der sich von Wichmann dem Älteren herleitet, sprechen zu können glaubten. Dabei mußte Falke jedoch zugeben, daß kein Zeugnis vorliegt, welches Ekbert als den Vater Brunos nennt, aber dies ergäbe sich, wie er meinte, ja aus seiner Corveyer Advokatur, einer seiner Konstruktionen. Wie er sich diese Advokatur Ekberts dachte, wenn er schreibt: "Mortou Ecberto monoculo, qui aduccatus erat ... 984" (Seite 161) bleibt unklar. Hirsch und Waitz haben in den Jahrbüchern des deutschen Reiches (1839) III, 1 eine kritische Prüfung des Chron. Corb. vorgelegt, in der sie im ersten Kapitel besonders auf diejenigen Stellen eingingen, die Wedekind von Falke übernommen hatte, der, wie auch Lüden und Leutsch die Corveyer Chronik den Widukindschen Berichten vorziehen zu müssen glaubte, als die vermeintliche ältere Überlieferung. Für den Nachweis des BRUNONEN-Geschlechtes und seinem Zusammenhang mit Ekbert dem Einäugigen brachte Falke folgende, für die spätere Zeit verhängnisvolle Zusammenstellung von "aduocati Corbeienses": "Liudolfus comes anno 980, Hogerun 936, Otto illustris 889 et Liudolfus dux 840. Mortuo Ekberto monocule, qui aduocatur erat, 984 aduocati erant Bruno, comes et Dominus Brunznici, anno 1008, Hiddi 1028, et Bruno 1043 atque 1049. Omneshiseque fuarunt Ecberti unoculi progenitorem et posteri". Dies nachdem er behauptet hatte, daß Ekbert der Einäugige aus einer 2. Ehe Frederunas mit Bruno hervorgegangen sei, wobei sich die verschiedenen Kombinationen geschickt miteinander verbinden ließen.] nachgewiesen. Ob man nun aber von hier aus gleich so wie Böttger folgern darf, daß Ekbert der Einäugige auf keinen Fall der Vater Brunos von Braunschweig gewesen sei, scheint mir hingegen eine etwas gewagte Behauptung zu sein und ebensowenig nachweisbar wie die entgegengesetzte. Die wirklichen Anfänge des BRUNONEN-Geschlechts bleiben für uns nach wie vor unbestimmbar, ebenso wie die wahren Zusammenhänge der Ekbertschen Nachkommenschaft.