Schneidmüller Bernd: Seite 144,145,149
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."
Unter Nutzung seiner Bindungen zum oberitalienischen Adel
wie zur Kurie brachte Welf IV. 1089 eine spektakuläre Ehe seines
ältesten, damalswohl 17-jährigen Sohnes Welf V. mit der
43-jährigen Mathilde von Tuszien zustande. Auch Mathilde
wurde von HEINRICH IV. ihrer Güter
und Ämter verlustig erklärt und rückte damit in den Kreis
der antisalischen Partei ein. Aus dieser
Lage erklärt sich ihre zweite Eheschließung mit dem sehr viel
jüngeren Welf V., die nach dem Bericht Bernolds von St. Blasien
aus politischen Erwägungen, kaum aus der Hoffnung auf welfische
Nachkommenschaft, zustande kam: "In Italien verheiratete sich die sehr
edle Herzogin (nobilissima dux) Mathilde, Tochter des Markgrafen
Bonifaz, Witwe Herzog Gottfrieds, mit Herzog Welf, dem Sohn
Herzog
Welfs. Das geschah weniger aus Unenthaltsamkeit denn aus Gehorsam gegenüber
dem römischen Papst, damit man um so tüchtiger der heiligen römischen
Kirche gegen die Exkommunizierten beistehen könne. Diese wollten sofort
ihren Gemahl angreifen. Weil sie ihm aber nicht widerstehen konnten, erbaten
sie von ihm durch Fürsprache seiner Gattin einen Waffenstillstand
bis Ostern. Der sogenannte König HEINRICH
bekümmerte
sich über diese Ehe sehr. Als er mit seinem Heer wieder nach Sachsen
zog, wurde er zur unehrenhaften Rückkehr gezwungen."
Mangelnde Fleischeslust, päpstliche Planung,
antisalische
Stoßrichtung
- der Ehezweck tritt hier klar zutage. Ob sich die WELFEN
Hoffnungen
auf das riesige mathildische Erbe machten, läßt sich nicht eindeutig
klären. Jedenfalls bildete das ungleiche Paar für einige Jahre
ein kirchentreues Bollwerk in Oberitalien.
Trotz aller kirchenpolitischer Bedeutung zerbrach die
Ehe, als Welf V. seiner Frau in spektakulärer Weise davonlief.
Über die vergeblichen Bemühungen des Vaters um Gesichtswahrung
und Erbansprüche findet Bernold klare Worte: "Welf, der Sohn
Herzog
Welfs von Bayern, zog sich vollständig von der Ehe mit Frau Mathilde
zurück und versicherte, sie sei von ihm gänzlich geblieben. Das
hätte sie gerne dauerhaft verschwiegen, wenn er es nicht zuvor unbedacht
verbreitet hätte. Ungeheuer erzürnt kam darum sein Vater nach
Langobardien und bemühte sich vergeblich lange und oft um eine Aussöhnung.
Selbst jenem HEINRICH zog er gegen
Frau Mathilde zur Hilfe hinzu, auf daß er sie zwinge, ihre Güter
seinem Sohn zu geben, auch wenn sie ihn noch nicht im ehelichen Verkehr
erkannt habe. Darum wurde lange, aber vergeblich gerungen."
E-Mail von Professor Armin Wolf
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Sie schneiden ein interessantes Problem an, aber ich
fürchte, daß ich Ihnen keine hinreichende Antwort geben kann.
Warum Welf V. nicht wieder heiratete, weiß ich nicht. Von
Mathilde
war er auch nicht geschieden, sondern nur getrennt, aber nach ihrem
Tode 1115 hätte er natürlich wieder heiraten können.
Welf
IV. war von Ethelinde von Northeim aber wohl nicht nur getrennt,
sondern auch geschieden. Das war kirchenrechtlich möglich, zum Beispiel
bei naher Verwandtschaft, von der man dann sagen konnte, dass man sie bei
der Eheschließung nicht gekannt habe.
Eine Verwandtschaft zwischen Welf IV. und Ethelinde
im vierten kanonischen Grad dürfte vorgelegen haben, wenn man meiner
Auffassung folgt, daß die NORTHEIMER ein Zweig der LUXEMBURGER
waren (siehe Rheinische Vierteljahrsblätter 65, 2001 S. 400-406);
dann wären beide Ehepartner wegen gemeinsamer Abstammung von Siegfried
I. von Luxemburg und Hedwig 4:4 (oder 4:5, falls Benno I. Ottos von
Northeim Großvater und nicht sein Vater war) verwandt gewesen,
was bei strenger Beurteilung eine Scheidung erlaubt hätte (Welfs
IV. mütterliche Großmutter war Imiza von Luxemburg).
Das Lexikon des Mittelalters schreibt merkwürdigerweise nur, daß
Welf
IV. Ethelinde verstoßen habe, Schwennicke in den Europäischen
Stammtafeln schreibt jedoch, daß sie 1070 geschieden wurden. Da er
wieder heiratete, nehme ich an, daß eine Scheidung vorlag. Wahrscheinlich
weiß man darüber mehr, aber leider ich nicht. Da müßten
Sie in die (z. B. im Lexikon des Mittelalter genannte) Spezialliteratur
hineinschauen.
Thiele Andreas:
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Welf V. war impotent.
Historia Welforum: Seite 48
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Zur Gemahlin nahm er Mathilde, eine Frau von
männlichem Geiste. Später aber verstieß er sie,
ich weiß nicht aus welchem Scheidungsgrund.
Fumagalli Vito: Seite 95-97
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"Mathilde von Canossa."
Die Feststellung, daß Mathildes irdisches
Leben einsam war, bildet keinen Widerspruch zum spirituellen Ehebund, zu
dem sie genötigt war, und zu ihrer freiwillig übernommenen Rolle
als aktiver und verläßlicher "Braut Christi". Bereits wenige
Jahre nach der Hochzeit wandte sich ihr zweiter Ehemann, etwa 1093, von
ihr ab. Die Ehe war gescheitert, wozu Welf von Bayern wohl seinen
Teil beitrug. Als siebzehnjähriger Jüngling hatte er die dreiundvierzig
Jahre alte Mathilde geheiratet. "Der Fruchtbare", wie er
im Alter von 15 Jahren genannt wurde, starb, ohne Nachkommen gezeugt zu
haben, in seiner deutschen Heimat.
Die Ehe war auf Betreiben Urbans II. zustandegekommen,
der eine Verbindung zwischen dem WELFEN-Hause,
seinen Vorkämpfern in S-Deutschland, und seiner treusten Verbündeten
in Italien herstellen und HEINRICH
damit den Weg durch Oberitalien und S-Deutschland erschweren wollte. Der
Papst hat viele Briefe an Herzog Welf III. von Bayern und an
Mathilde richten müssen, um die politische Ehe zwischen den ungleichen
Partnern herzustellen [Richtigstellung: Der Vater des Bräutigams
war Welf IV. oder als Herzog von Bayern Welf I. Welf III.
war bereits 1055 gestorben und der Großonkel des Bräutigams.].
Tatsächlich wurde der junge Welf es bald
müde, an der Seite der mächtigen, sehr viel älteren Frau
nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Er verlangte Verfügungsgewalt
über ihren Besitz. Sie hatte ihm zwar versprochen, ihm einen Teil
ihres Vermögens zu hinterlassen, erneuerte dann aber doch ihr altes
Gelübde, all ihre Güter der Kirche zu überschreiben. Daraufhin
trennte er sich von ihr, kehrte nach Deutschland zurück und löste
damit den Abfall des WELFEN-Hauses
von der päpstlichen Seite aus.
Natürlich handelte es sich um politische Ehen, die
Mathilde eingegangen war, doch waren es auch, und zwar vor allem,.
unerträgliche Verbindungen gewesen: die erste mit einem Buckeligen,
die zweite mit einem heranwachsenden Dickwanst, der wahrscheinlich
unter Impotenz, mit Sicherheit aber an Unfruchtbarkeit litt.
Der berühmte Chronist des europäischen Mittelalters Villani vermerkt
noch im 14. Jahrhundert einen Nachhall der starken Zweifel, die man damals
an der Manneskraft Welfs hegte. Seine Worte sind zwar mit einer
guten Dosis Vulgarität getränkt, aber recht vielsagend und entbehren
sicher nicht eines ursprünglichen Wahrheitskerns. Villani schreibt:
"Welf konnte seiner Gemahlin und auch keines anderen Weibs Geschlecht
erkennen, da es ihm durch angeborene Empfindungslosigkeit oder andere Hindernisse
sein ganzes Leben lang verwehrt war; da er aber seine Schmach vor der Gemahlin
verbergen wollte, sagte er, dies sei ihm durch Zauberei geschehen, weil
man ihn um sein glückliches Geschick beneidete." Villani erzählt
weiter, daß Mathilde sich eines Tages ausgezogen und den Ehemann
auf die Probe gestellt habe, dieser jedoch gescheitert sei. Daraufhin habe
sie ihn fortgejagt.
Golinello, Paolo: Seite 247,249-253
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"Mathilde und der Gang nach Canossa"
Mathilde sah sich hingegen mit einem neuen Italienzug HEINRICHS IV. konfrontiert. Vielleicht auf den Rat Urbans II. hin versuchte sie der drohenden Gefahr durch eine in politischer wie privater Hinsicht äußerst heikle Entscheidung zu begegnen: Sie faßte den Entschluß, eine neue Ehe einzugehen. Jetzt hatte der Papst die enge Verbindung zwischen dem Heiligen Stuhl und den CANOSSA aufgelöst, so dass Mathilde einen neuen Bundesgenossen finden mußte. Ihre Wahl fiel auf ein Mitglied der WELFEN, die zu den größten Gegnern HEINRICHS IV. im Reich zählten. Es läßt sich nicht eindeutig feststellen, von wem die Initiative ausgegangen war, ob vom Vater des Bräutigams oder von Mathilde selbst oder auch von Urban II., wie Bernold von Konstanz in seinem Chronicon schreibt:
"In Italien vermählte sich die edle Herzogin Mathilde, Tochter des Markgrafen Bonifaz und Witwe Herzog Gottfrieds, mit Herzog Welf, dem Sohn Herzog Welfs, und dies geschah nicht aus Zügellosigkeit, sondern aus Gehorsam gegenüber dem römischen Papst, um mit größerer Schlagkraft der heiligen Römischen Kirche gegen die Exkommunizierten zu Hilfe kommen zu können. Diese fielen in der Tat sofort über ihren Gemahl her, konnten ihn aber nicht die Stirn bieten und erwirkten durch die Fürsprache seiner Gemahlin einen Waffenstillstand bis Ostern. HEINRICH, der sich König nennen ließ, war über diesen Ehebund sehr verärgert. Er, der zum Sachsenfeldzug aufgebrochen war, mußte schimpflich den Rückzug antreten. Petrus Igneus, der Bischof von Albano, der zu den eifrigsten Verfechtern der Sache des heiligen Petrus gehört, ist zum Herrn heimgegangen." [3 Bernold, Chronicon, a.a.O., Seite 449.]
Urban II. ist also auszuschließen. Wahrscheinlich
waren aber weder der junge Welf V. noch Mathilde
selbst die Urheber eines so kühnen und ehrgeizigen Projekts.
Diese Idee mußte von Welf IV., dem Vater des Bräutigams
kommen, der beherrschenden Persönlichkeit der WELFEN-Dynastie.
Es war zweifellos eine Ehe, die aus dem Rahmen fiel: 1089 war der junge
Welf erst kürzlich großjährig geworden und sollte nun,
mit vermutlich 16 Jahren, den Ehemann einer reifen Frau von 42 oder 43
Jahren spielen, einer Frau, die für ihre Willensstärke und Entschlossenheit
bekannt war und die bereits ein Leben voller Ereignisse hinter sich hatte.
Was dachten aber die Zeitgenossen über Mathilde?
Gregor VII. oder der Verfasser der Vita des Anselm von Lucca nannten sie
"Tochter des heiligen Petrus" und "Magd des Herrn", ihre Gegner sagten
ihr jedoch moralisch unerlaubte Beziehungen zu Gregor VII. und Anselm nach,
klagten darüber, dass die Kirche von einer Frau regiert werde, und
beschuldigten Mathilde, ihren ersten
Mann auf fürchterliche Weise ermordet zu haben; ja sie gingen sogar
soweit, sie wie Benzo von Alba "Fotzenloch" (os vaginae) zu nennen
[4 Benzo von Alba, Ad Heinricum imperatorem libri VII, I,22,
a.a.O. Seite 608.]. Diese Polemik, die vor nichts zurückscheut, war
im Invetiturstreit unter Gegnern üblich.
Ein unparteiischer Autor, Cosmas von Prag, der Verfasser
des Chronicon Boemorum, schreibt über Mathilde:
Es war Nacht geworden, das frischvermählte Paar zieht sich in das Brautgemach zurück und legt sich auf das Lager: Herzog Welf ohne Venus und die jungfräuliche Mathilde. Als nun geschah, was in solchen Fällen und in solchen Situationen vorkommen kann, sagt Herzog Welf: 'Frau, was wolltest du eigentlich? Warum hast du mich hergeholt? Um dich über mich lustig zu machen und mich der üblen Nachrede der Leute und der Lächerlichkeit preiszugeben? Du bringst eher Schande über dich selbst, wenn du mich beschämen willst. Sicher ist im Bett oder in deinen Kleidern irgendein Zaubermittel versteckt, das du selbst in Auftrag gegeben hast oder das eine deiner Dienerinnen verfertigt hat.' Da der Herzog in der ersten und auch in der zweiten Nacht diese Vorwürfe erhob, führte sie selbst, ohne Begleitung von Dienerinnen, den Herzog in das Brautgemach. Sie stellt zwei Stützen in die Mitte und legt eine Tischplatte darauf. Dann zeigt sie sich ihm nackt, wie sie aus dem Mutterschoß gekommen war, und sagt: 'Sieh her, was sonst verborgen ist, liegt nun alles vor deinen Augen, und es gibt keine Stelle, wo ein Zaubermittel versteckt sein könnte.' Aber er stand da und ließ die Ohren hängen, wie ein störrischer Esel oder ein Metzger, der sich im Schlachthaus mit geschäftem Messer über eine abgehäutete fette Kuh beugt, um sie in zwei Hälften zu zerteilen. Die Frau saß lange auf der Tischplatte und bewegte sich hin und her wie eine Gans, die mit dem Bürzel wackelnd eine Nestkuhle macht. Aber alles war vergeblich. Wütend sprang sie schließlich auf, splitternackt wie sie war, packte mit der Linken den Kopf dieses Versagers, spuckte in die Rechte, versetzte ihm eine schallende Ohrfeige und jagte ihm mit diesen Worten davon:
'Weg mit dir, du Ungeheuer,
beschmutze unser Reich nicht mehr.
Feiger bist du als ein Wurm
scheußlicher als faulinger Tang.
Kommst du morgen noch vor mein Angesicht,
ereilt dich der Tod als Strafgericht.'
Völlig aus der Fassung gebracht, flüchtete Herzog Welf zu seinen Leuten und behielt seine Verwirrung für immer bei. Das soll als kurzer Bericht genügen, und ich wollte, ich hätte es gar nicht erzählt. [5 Cosmas von Prag, Chronicon Boemorum, II, 32, ed. R. Koepke, in M.G.H., Scriptores, IX, Hannoverae 1851, Seite 88-89.]
Der Text des Cosmas von Prag dokumentiert aber, dass man über Mathilde und ihre zweite Ehe auch auf dieser Ebene sprach. Außerdem führt er Motive an, die nicht weit entfernt von der Realität sind, wie den Wunsch Mathildes, das Geschlecht der CANOSSA nicht versiegen zu lassen, und die Impotenz ihres jungen Ehemannes, der in der Tat kinderlos starb, wie die Genealogia Welforum bezeugt: "Welf [IV.] ging mit Erzbischof Tiemon nach Jerusalem und starb auf der Reise. Durch sein Betreiben vermählte Herzog Welf [V.], nachdem er großjährig geworden war, mit Mathilde, Gräfin der Langobardia, und starb kinderlos." Diese Quelle gibt weder einen Hinweis auf die Trennung der beiden noch Gründe dafür an, während Cosmas sich ausführlich und überdies ungenau darüber ausläßt. Es wäre allzu vereinfachend, wollte man die Trennung, die erst 1095, nach einigen Ehejahren, erfolgte, auf sexuelle Probleme oder auf die Kinderlosigkeit zurückführen. Auch die Schilderung der Hochzeit von Mathilde und Welf trägt eindeutig topische Züge. Zwar handelte es sich bei Mathildes zweiter Ehe nicht gerade um eine heimliche Trauung, aber die Zahl der Anwesenden muß sich, in Anbetracht der Umstände und Zeitläufe, doch in Grenzen gehalten haben, und man trieb wohl keinen großen Aufwand. Die Reaktion HEINRICHS IV. ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten.
Cosmas von Prag:
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"Chronicon Boemorum"
Kapitel 32.
Weil ich aber Mahtildens gedacht habe will ich,
nur kurz, um den Leser nicht zu ermüden, eine merkwürdige That
dieser Frau anführen. Dieselbe, siegreich in vielen Schlachten, führte
nach dem Tode ihres Vaters ein eheloses Leben und regierte allein das allzu
umfangreiche Longobardien. Es schien aber den Fürsten und Grafen des
Landes, sowie den Bischöfen zweckmäßig, ihr zu einer Vermählung
zu rathen, damit nicht bei dem Mangel eines Erben die königliche Würde
zugleich mit dem Stamme erlösche. Sie ging auf ihren Rath ein und
schickte dem schwäbischen Herzog Welph folgenden Brief; der
in wenigen Worten Vieles enthielt: "Nicht aus weiblichem Leichtsinn oder
aus Unbesonnenheit, sondern zum Besten meines ganzen Reiches, schicke ich
dir diesen Brief, nach dessen Empfang du mich und das ganze Longobardenreich
hinnehmen mögest. Ich werde dir viele Städte, Burgen und berühmte
Pfalzen geben, dazu eine unermeßliche Menge Gold und Silber; überdies
wirst du einen glänzenden Namen haben, wenn du dich mir beliebt zu
machen verstehst. Beschuldige mich aber nicht der Unverschämtheit,
weil ich zuerst das Wort an dich richte; ist es ja doch, wie dem
männlichen, so auch dem weiblichen Geschlechte
erlaubt, nach einer gesetzmäßigen Ehe zu erlangen, und kömmt
es nicht darauf an, ob der Mann oder das Weib den ersten Schritt in der
Liebe macht, wenn nur ein unlösbares Ehebündnis dadurch erzielt
wird, was nur durch beiderseitige Einwilligung geschehen kann. Lebe wohl."
Wollte aber Jemand wissen, was Herzog Welph hierauf geantwortet,
unter welchen Bedingnissen er eingewilligt, wie viele tausend Bewaffnete
Frau Mahtilde an die Grenze geschickt, um den Herzog einzuholen,
oder wie ehrenvoll sie ihn enpfangen und mit welcher Pracht sie das Hochzeitsmahl
zurüsten ließ, so würde die Sonne untergehen bevor er Alles
gelesen hätte. Es weiche König Assuerus mit all' seiner Herrlichkeit,
der seinen Kriegsleuten ein hundertundzwanzig Tage währendes Gastmahl
gab; nicht mehr bewundere man die Königin von Saba, den Tisch und
die königlichen Speißen Salomons, denn ein Hundertel hier war
mehr als dort das Ganze. Was weiter? Die Nacht war angebrochen, sie betreten
das Schlafgemach und lassen sich neben einander auf dem Lager nieder, Herzog
Welph ohne Begierde mit der Jungfrau Mahtilda. Daselbst spricht
Herzog Welph nach den bei solchem Anlaß gewöhnlichen Vorgängen
unter Anderm: "O Herrin, was wolltest du doch und warum hast du mich kommen
lassen, um mich zu einem Gegenstand des Gelächters zu machen und dem
Hohn und Kopfschütteln des Volkes auszusetzen?
Mehr beschämst du dich selbst, wenn mich zu beschämen du suchest.
Fürwahr, entweder ist auf deinen eigenen Befehl oder
durch deine Mägde irgend ein böser Zauber in deinen Kleidern
oder im Bette versteckt. Glaube mir, wenn ich kalt von Natur wäre,
so wäre ich niemals, wie du gewünscht hast, herbeigekommen.