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PHILIPP IV. der Schöne (Philippe IV le Bel), König (1285-1314) von Frankreich,
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* 1268 in Fontainebleau, 29. November 1314 ebd.

Er war der Sohn von König Philipp III. dem Kühnen (1270-1285) und dessen Gemahlin Isabella von Aragón.

Durch Heirat mit Johanna konnte er das Königreich Navarra seinem Herrschaftsgebiet zufügen, außerdem erzielte er größere Landgewinne im Osten, in der Gascogne und in den deutschen Grenzgebieten. Im Jahre 1297 eroberte er Flandern, das vergebens auf die Hilfe Englands und des Papstes gewartet hatte. Die durch die zahlreichen Kriege verursachte Geldnot führte unter anderem dazu, daß auch dem Klerus Steuern auferlegt wurden, was zu einem Konflikt mit Papst Bonifatius VIII. führte. Zunächst verbot der Papst in der Bulle »Clericis laicos« von 1296 den Geistlichen, ohne päpstliche Genehmigung Steuern an Laien zu zahlen, er sah sich jedoch noch im selben Jahre im Streit mit Philipp zum Einlenken genötigt; dies geschah durch die Bullen »Ineffabilis« 1296 und »Etsi de statu« 1297 sowie durch die Heiligsprechung König Ludwig IX. 1297. Bald darauf kam es zu einem neuen Konflikt zwischen König und Papst, nachdem der König Bischof Bernard de Saisset im Jahre 1301 hatte verhaften lassen. Mit der Bulle »Ausculta fili« wurden Philipp IV. der Schöne und die französischen Bischöfe zu einer Synode nach Rom geladen, doch Philipp IV. verhinderte ihre Veröffentlichung und ließ statt dessen eine gefälschte Version verbreiten, so daß er auf einer Reichsversammlung 1302 die Stände für sich gewinnen konnte. Mit der Bulle »Unam sanctam« wurde Philpp IV. der Schöne darauf exkommuniziert (der Bann wurde erst durch den Nachfolger des Bonifatius, Papst Benedikt XI. [1303-1304], gelöst); die französische Reaktion gegen diese Maßnahme bestand in der Forderung nach Einberufung eines allgemeinen Konzils. Die treibende Kraft in den Auseinandersetzungen mit dem Papst war Guillaume de Nogaret. Zusammen mit Sciarra Colonna überfiel er den Papst in Anagni, um ihn nach Frankreich zu bringen, vor ein allgemeines Konzil zu stellen und ihn der Häresie anzuklagen. Obgleich das nicht gelang, verfolgte Nogaret seinen Plan, die Kirche vom französischen König noch abhängiger zu machen, auch nach dem Tod Papst Bonifatius VIII. So erpreßte er 1311/1312 von Papst Clemens V., der seit 1309 in Avignon lebte, die Aufhebung des Templerordens. - Historiker urteilen über Philipp IV. den Schönen als den Verursacher des Bürgerkriegs in Permanenz in Deutschland und Italien sowie als jenen, der durch die Unterwerfung Flanderns den hundertjährigen Krieg hervorgerufen hat. Strittig ist, ob die Politik Philipps IV. von ihm selbst oder von seinen Helfern wie Peter Flote, Nogaret, W. de Plaisian u.a. ausging, zumal Philipp IV. der Schöne diesen weitgehend frei Hand gelassen hat.

Literatur:
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R. Scholz, Die Publizistik z Z. Philipps des Schönen und Bonifaz' VIII., Stuttgart 1903; - H. Finke, Papsttum und Untergang des Templerordens, 2 Bde, Münster 1907; - G. Lizerand, Clément V et Philippe le Bel, Paris 1910; - E. Lavisse, Histoire de France, III, Paris 1911; - J. Rivière, Le problème de l'Église et de l'État de Philippe le Bel, Paris 1926; - H. Wieruszowski, Vom Imperium zum nationalen Königtum, München-Berlin 1933; - G. Digard, Philippe le Bel et le Saint-Siège, 2 Bde, Paris 1936; - F. Bock, Kaisertum, Kurie und Nationalstaat, in: RQ 44 (1936), 105-122. 169-220; - ders. Musciatto dei Francesi, in: Deutsches Archiv für Geschichte des Mittelalters 6 (Köln-Graz 1943), 521-544; - ders., Nationalstaatliche Regelungen in Italien, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 33 (Rom 1944), 1-48; - M. Melville, G. de Bogaret et Philippe le Bel, in: Revue d'Histoire de l'Église de France 36 (Paris 1950), 56-66; - G. Mollat, Les Papes d'Avignon, Paris 91950; - W. H. Struck, Eine neue Quelle zur Geschichte Adolfs von Nassau, in: Nassauische Annalen 63 (Wiesbaden 1952), 71-105; - J. Haller, Das Papsttum, V, Stuttgart 1953, 187-274; - A. de Lévis-Mirepoix, Le siècle de Philippe le Bel, Paris 1954; - J. R. Strayer, Philippe the Fair. A »constituional« King, in: The American Historical Review 62 (New York 1956), 18-32; - F. X. Seppelt, Geschichte der Päpste, 2IV (bearb. von G. Schwaiger), München 1959, 35-74; - LThK2 VIII, 448f.; - H. Jedin (Hrsg.), Handbuch der Kirchengeschichte III/2, Sonderausgabe Freiburg-Basel-Wien 1985, 305f. 333. 343. 346ff. 351-354. 361f. 372. 374. 382. 389.

Johannes Madey